09.01.2018

Interview: „Ich würde der Technologie eher trauen als meinen Eltern“

Interview. Vincent Nys vom belgischen Startup Newfusion erklärt, warum er sich einen Chip implantiert hat und was er von der Zukunft erwartet.
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Vincent Nys von Newfusion
(c) Juliane Fischer: Vincent Nys von Newfusion

Es ist ein unscheinbares Garagentor hinter dem es geschah. Desi Swartilé hält ihre Karte an den Summer. Sie könnte auch mit dem Schlüssel das Tor öffnen. Ihre Kollegen von Newfusion haben noch eine dritte Option. Bei ihnen reicht jetzt ein kurzes Heben der linken Hand. Sie haben sich nämlich neben dem Daumenknochen einen Mikrochip implantieren lassen. CEO Vincent Nys sieht sich als Pionier einer Smarten Welt und meint, Innovation sollte für alle verfügbar sein. Das Gerede von der Digitalisierung hatte er schon so satt. Vor vier Jahren als Startup begonnen, arbeiten heute zwölf Leute bei New Fusion. Nys folgt dem Motto von Linus Torvald „Talk of tech innovation is bullshit, shut up and get the work done“. Juliane Fischer hat im Rahmen der Aktion Eurotours sein Startup zwischen Brüssel und Antwerpen besucht.

+++ Große Tech-Trends für 2018 +++


Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eure Türen und Laptops mit einen Chip unter der Haut zu entsperren?

Es gibt viele Leute, die mit Digitalisierung zu tun haben, aber die wenigsten in der Ausführung. Keiner befasst sich wirklich in der Praxis damit. Während sie noch lernen, was das neue Marketing ist, es beschreiben und erklären, ist es schon wieder vorbei. Wir verwenden diese Technologie ständig, zum Beispiel bei Armbändern auf Festivals. Mit denen hat man Zugang zu den Bühnen, kann sich sein Geld darauf speichern, sein Bier kaufen. Das ist deine Identität auf dem Festival, zum Beispiel beim „Tomorrowland“ in Belgien. Wenn du ein VIP bist, kommst du damit in andere Bereiche.

Wo bekommt man denn so einen Chip her?

Wir haben ihn auf dangerousthings.com gefunden. Dahinter steckt ein Biohacking-Unternehmen, das sich auf die menschliche Augmentation durch implantierbare Geräte spezialisiert hat. Der Geschäftsführer Amal Graafstra nennt sich selbst Biohacker. Zwischen denen und uns gibt es aber einen großen Unterschied. Biohacker sind die Typen, die riesige Piercings haben, ihren Körper optisch verändern – Biomodification-Guys. Es ist verrückt. Die machen Dinge mit ihren Körper, die ich nicht verstehe.

Warum?

Ich glaube, damit sie eine Identität haben. Das passt in die Millennial-Story. Du willst besonders, anders, unique sein.

Indem man sich einen Chip implantiert und sich eine Nummer gibt?

Wir sehen uns bei Newfusion als Tech-Innovators und -Believers und dachten uns, es sei ein guter Schritt, um etwas mit Technologie zu tun. Nach einer Woche wurden die Chips geliefert. Dann war es mehr so: „Oh, Mist, jetzt müssen wir das echt tun!“.

Wie war die Reaktion?

Das Medieninteresse war groß, innerhalb von zwei Stunden. Das haben wir nicht erwartet. Manche wollten es mitfilmen. Wir waren zur Primetime im Belgischen Fernsehen und in internationalen Medien.

Welche Unternehmensidee steckt hinter deinem Startup Newfusion?

Vor etwa neun Jahren ist Facebook richtig erfolgreich geworden. Damals war das Digitale nur an der Oberfläche. Getränkemarken haben weiterhin Kostproben an der U-Bahnstation verteilt. Was dazu kam, war der Hinweis: Like uns auf Facebook! Das hat Null zusätzlichen Nutzen erzeugt. Die Technologie war nicht eingebunden, sondern on top. Newfusion will Technologie mit Marketing fusionieren – daher der Name.

Wie sieht das konkret aus?

Wir machen viel auf Veranstaltungen oder im Brand Management, arbeiten in der Entwicklung, kreieren Dinge. Hauptsächlich Software in Richtung Internet of Things und Augmented Reality.

Ein Beispiel?

Foto-Booth ist schon fad. Für ein Spiel der Belgischen Fußball-Nationalmannschaft haben wir eine 360-Grad-Kamera auf der Trainerbank installiert und mit der VR-Brille verbunden. Damit fühlst du dich, wie am Spielrand sitzend. Ein anderes Unternehmen hat am Festivalstand Tattoos verschenkt. Man konnte es mit einer App scannen, dann bewegte sich das Löwentattoo. Einmal haben wir ein Quiz für drei Freunde auf einer kleinen Festivalnebenbühne inszeniert. Bei falschen Antworten taucht der Stuhl den Kandidaten unter Wasser, von oben kommt die Eisdusche, das Gesicht wird bunt angemalt. Alles festgehalten von zwei Slow-Motion-Kameras und in den Social Media dann erhältlich. Das haben wir innerhalb einer Woche konzipiert.

Was kostet der Spaß?

Das Marketingbudget ist mit 200-300.000 Euro meistens recht hoch, aber für die Ausführenden bleibt durch die vielen Zwischenschritte nicht viel. Newfusion macht das effizienter und billiger durch die neuen Technologien.

Habt ihr schon einmal Drohnen eingesetzt?

Ja! Wir hatten zwei Wochen Zeit und wollten über ein Festival fliegen. Das war im Sommer 2016. Drohnen waren the new hot shit. Das Problem: Nach zehn Minuten war die Batterie dieser Modelle schon wieder am Ende. Außerdem erlaubt das belgische Gesetz nicht, dass man über eine Menschenmasse fliegt.

Wie habt ihr das gelöst?

Wir haben selbst eine Art Drohne mit einer 360-Grad-Kamera gebaut und die Fernsteuerung an ein iPad gekoppelt. Die Drohne war acht Stunden lang in der Luft an einem langen Kabel – rechtlich gesehen war es ein langer Selfie-Stick. An einer Kletterausrüstung wurde man einen Meter in die Luft gehoben. Durch die VR-Brille sieht man den Livestream: das Festivalgelände aus der Vogelperspektive und deine Freunde unten winken.

Wie verändert die Digitalisierung?

Es geht um die Feedback-Kultur. Früher war eine Veranstaltung selbst die Attraktion. Heute gibt es schon Aktivitäten, um dich zum Event zu bringen. Du bekommst ein interaktives Email. Auf einer eigenen App siehst du, wer noch dort sein wird. Das verändert das Kundenverhalten. Online-Shopper sind gewohnt, dass das Paket in den kommenden Tagen ankommt. Wir haben ein Bedürfnis, eine Erwartungserhaltung erschaffen. Selbst wenn sie noch ins Fachgeschäft gehen, wissen sie oft schon – vorinformiert im Netz – was sie wollen. Was gute Bewertungen hat, haben sie in Foren gelesen.

+++ Digitalisierung in KMU: “Das Internet ist kein Modegag” +++

Und sie sind beeinflusst von Target Marketing.

Wenn Target Marketing funktionieren würde, würde es mir nichts ausmachen. Aber wenn ich jetzt die Werbung für die Waschmaschine auch noch lange nach meinem Kauf bekomme, nur weil ich einmal danach gesucht habe… Wir wollen keine Daten hergeben, weil sie sinnlos missbraucht werden. I want your cookie, heißt es immer.

Wie funktioniert der Handel mit Daten?

Für einen vollen Kontakt inklusive Name, Adresse, Email bekommst du circa 1, 20 Euro. Unternehmen verwenden diese Daten und verkaufen sie weiter. Große Konzerne können das nicht. Denen schaut jeder auf die Finger. Sie überlegen: Was kostet meine Kampagne? Wie viele Leute muss ich erreichen? Es ist ein Unterschied zwischen Big und Smart Data. Die meisten Unternehmen wissen nicht, was sie mit den Daten tun sollen. Sie sammeln sie einfach.

Was wollen sie wissen?

Alter, Geschlecht, Location, Reaktion. Sie müssen nicht wissen, ob es John oder Mark ist. Sie wolle nur wissen, ob ihr Produkt positiv bei ihrer Zielgruppe ankommt.

Blickst Du eigentlich eher optimistisch oder eher pessimistisch in die Zukunft?

Ich glaube in den kommenden fünf Jahren wird es einen neuen Shift geben. Wir müssen „smart“ neu definieren und wirklich „smart“ sein. Wer nutzt Smart TV? Sobald jemand aufsteht und sich bewegt, wechselt der Sender. Das ist nervig. Andererseits: Filme wie Matrix waren einst reine Science Fiction für uns. Nun ist das alles schon Realität. Wir können zwar keine Pistolenkugel mit unserem Gehirn stoppen, aber Touchsceens, Nanoroboter und selbstfahrende Autos gibt es mittlerweile. Das ist verrückt. Ich war ein Kind, als der Film in die Kinos kam. Die virtuelle Welt mit den Gedanken lenken – das funktioniert sicher auch bald.

Scheint, als wäre in Science Fiction mehr als nur ein Körnchen Wahrheit enthalten.

Entweder haben sie 1999 die Zukunft vorausgesagt, oder es ist so passiert, weil sie uns die Vision vorgegeben haben. Wahrscheinlich eine Kombination, im Sinne einer self-fulfilling prophecy. Das war auch unsere Idee bei Newfusion. Wenn du keine Angst hast, probierst du Dinge aus!

Apropos Angst: Keine Angst, gehackt zu werden?

Es ist eine einzigartige Nummer, die kann nicht gehackt werden. Aber seien wir uns ehrlich: Wir sind sowieso schon längst alle Nummern. Durch unsere Handys kann viel mehr nachverfolgt werden. Der Chip hat keine Batterie in sich. Es funktioniert auch nur bei Nahkontakt von weniger als zehn Zentimeter. In Amerika gibt es eine neue Hacking-Technik. Die können im Vorbeigehen den Inhalt deiner Kreditkarte auslesen und kopieren.

Werden sich Chipimplantate durchsetzen?

Vielleicht eher wearable Chips, die dann erkennen, wenn sich die Körpertemperatur nur geringfügig ändert. Dann weiß die dazugehörige App früher, wenn du krank wirst. Versicherungen könnten es auch verwenden.

Zu viel Wissen über die gesundheitliche Zukunft hat nicht nur Vorteile.

23 and me (Anmerkung: u.a. von Google finanziertes Unternehmen, das DNA-Tests für Zuhause verkauft) kann dich clonen mit den Daten. Was, wenn da rauskommt, dass dein Vater nicht dein Vater ist? Das Einzige, was sicher ist, ist dass deine Mutter deine Mutter ist. Der Vater könnte lügen.

Wen würdest du eher trauen: Deinen Eltern oder Google?

Der Technologie. Menschen lügen, um sich besser darzustellen. Schau dir die Darstellung auf Facebook an! Das ist nicht, wie wir sind. Wir verändern uns um besser zu erscheinen. In machen Dingen verliere ich das Vertrauen in die Menschen.

Wie wir auch unseren Ur-Instikt und Orientierungssinn etc. verlieren.

Gleichzeitig lernen Maschinen selbst zu lernen, damit nicht alles programmiert sein muss. Ein Chatbot lernt 100 Mal schneller als der Mensch. Wir sollten etwas finden, wo wir immer besser als die Maschinen sind. Aber das ist schwierig, wenn wir sie selbst denken lassen. Reynold Cruswell, ein verrückter Futurist und Ex-Google-Typ, schreibt in seinem Buch aus 1990 „Age of Intelligent Machines“ über die Zukunft im Maschinenzeitalter. Von den 120 Vorhersagen sind schon 108 eingetreten.

Wie soll das Zusammenleben mit Robotern aussehen?

Roboter werden entweder neben uns leben als „intellectual beings“, die wie wir aussehen. Vielleicht werden sie aber auch klüger als wir werden und uns ausrotten und die dritte Variante: Wir vermischen uns mit ihnen. Das halte ich für am Wahrscheinlichsten. Es wird auch gar nicht aufzuhalten sein. An einem gewissen Punkt werden wir Liebe und Freundschaft neu definieren. In Japan verlieben sich manche Männer in Anime-Figuren. In Amerika kannst du auch Objekte heiraten. Ich bin überzeugt, es wird Leute geben, die eine Beziehung zu virtuellen Figuren haben. Warum soll das böse sein, wenn deine Freundin smarter ist und dir besser helfen kann als jedes menschliche Wesen?

Findest Du persönlich das seltsam?

Ja, schon. Wir müssen versuchen, den menschlichen Touch zu bewahren. Bei unseren Marketingaktivitäten versuchen wir es immer möglichst lebendig, physisch zu halten. Wir sind im Alltag ohnehin schon so viel virtuell, am Bildschirm klebend. Ich kaufe meine Lebensmittel online, aber Obst kaufe ich frisch. Das hat mit dem Geruch und der physischen Wahrnehmung von frisch zu tun, glaube ich. Wir verlernen ja auch, einzukaufen, zu wissen, was frisch ist, gerade saisonal, wie etwas riecht und sich anfühlt. Das könnte vielleicht Technologie ausgleichen.

Oder wir verlernen es einfach nicht. Was wäre deine Grenze?

Da halte ich es mir Asimov und seinem Buch „Laws of Robotics“ (1942). Er hat damals schon überlegt, wie sie nicht zur Bedrohung werden. Die Story, dass die Roboter unsere Jobs wegnehmen – da gibt es eine lustige Simpson-Folge. Wir müssen mit den Maschinen Schritt halten, schon allein wegen unserer Jobs. So Dinge wie Fremdsprachen können wir uns unterstützend ja zum Beispiel auf einen Chip speichern.

Also das Gehirn hacken, um mit dem Zeitgeist mithalten zu können, den wir uns jetzt selbst bescheren?

Die AI, die gerade gebaut wird, kann schon fast alles wie wir, aber wir können noch besser werden. Vielleicht kann uns Technologie helfen, alles in unserem Gehirn zu nutzen, um besser zu sein.

Was ist „wir“ dann, wenn wir schon teilweise aus Technik bestehen? Dann kommen wir zurück zur Roboter-Definition…

Es geht nicht nur um meinen Chip. Man kann jetzt auch schon eine 3-D-Prothese haben. Der Chip im Gehirn verbindet sich mit deinen Nerven. Wir haben noch nicht unser ganzes Potenzial entschlüsselt. Das Nächste wird Sprachen lernen sein, das können Roboter schon viel schneller wie wir.

Siehst Du dich als Transhumanist?

In dem Sinn, dass ich glaube, dass Menschen durch Technologien noch optimierbar und transformierbar sind: Ja.

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Cécile Deterre (Co-Founderin von Blue Planet Ecosystems) und Renaud Viot (CEO und Co-Founder des Startups Lynxia) führen La French Tech Vienna als Co-Präsident:innen | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Im Foyer der französischen Botschaft in Wien läuft an diesem Abend ein Gast auf vier Beinen über den Marmorboden. Auf seinem Rücken sitzt ein Kamerakopf, daneben ragt eine Funkantenne hervor. Im Hintergrund stehen drei Flaggen: die französische, die europäische und die österreichische.

Der Hausherr hält es an diesem Abend betont analog. „Ich muss sagen, meine Rede wurde nicht von ChatGPT geschrieben, sondern von Menschen“, sagt Botschafter Matthieu Peyraud zur Begrüßung. Dann wird er grundsätzlich: Technologische Souveränität lasse sich nur auf europäischer Ebene erreichen, kein Mitgliedstaat schaffe das allein.

Der Anlass für Roboter und Rede am 8. Oktober: der offizielle Start von La French Tech Vienna, laut Peyraud der ersten French-Tech-Community in Österreich. Sie ist Teil von La French Tech, einem Netzwerk mit nach eigenen Angaben mehr als 100 Communities in Frankreich und weltweit, das großteils von Freiwilligen getragen wird.

Zwei Jahre Pilotphase

Neu ist die Initiative nicht. Sie lief zuvor unter dem Namen French Startups Vienna. Peyraud bezeichnet diese Phase in seiner Rede als „eine Art Pilotprojekt“. Seit rund zwei Jahren bringt sie französische und österreichische Gründer:innen, Forschende und Investor:innen zusammen.

Der französische Botschafter Matthieu Peyraud eröffnete am 8. Oktober den offiziellen Start von La French Tech Vienna in der Botschaft in Wien. Seine Botschaft: Technologische Souveränität gelingt nur auf europäischer Ebene. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

„Wir haben sehr klein angefangen, nur mit französischsprachigen Leuten, die mehr über Tech sehen und hören wollten“, sagt Renaud Viot im Gespräch mit brutkasten. Er ist Co-Präsident von La French Tech Vienna und CEO des Startups Lynxia. Er versteht die Initiative als Community: Die Mitgliedschaft ist kostenlos und steht österreichischen wie französischen Startups offen. „Wir verlangen nur, dass die Leute entweder neugierig auf Tech sind oder bereit, ihr Wissen über Tech zu teilen“, sagt er. Das Kernformat sind regelmäßige Events.

Souveränität als Leitthema

Inhaltlich steht der Abend im Zeichen technologischer Souveränität. Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Cybersicherheit, Halbleiter und Dateninfrastrukturen seien zu strategischen Gütern geworden, sagt Peyraud. Frankreich und Österreich hätten starke Forschungseinrichtungen wie das französische CNRS und das AIT Austrian Institute of Technology. Die gemeinsame Herausforderung sei, wissenschaftliche Exzellenz in globale Technologieführerschaft zu übersetzen. Zu oft gelinge es europäischen Innovationen nicht, im Tempo und in der Größe der internationalen Konkurrenz zu skalieren.

Als Beleg dafür, dass es anders geht, nennt der Botschafter Mistral AI. Die Übernahme des Linzer Startups Emmi AI durch Mistral AI zeige, wie Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern ihre Expertise bündeln. Sie unterstreiche zudem die technologische Stärke Österreichs.

„Noch nicht so sehr am Radar“

Wo es konkret hakt, schildert Arnaud Béasse. Der Managing Director von 1764 Advisory kümmert sich in der Community um die Investorenbeziehungen. „An erster Stelle möchte ich Investoren mit Startups verbinden“, sagt er im Gespräch mit brutkasten. Das gelte in beide Richtungen. Österreicher:innen nach Frankreich zu bringen, habe bisher sehr gut funktioniert. Die größere Aufgabe sei nun der umgekehrte Weg: französische Investor:innen auf das aufmerksam zu machen, was in Österreich entsteht. Das sei bei ihnen „noch nicht so sehr am Radar“.

Das österreichische Deep-Tech-Startup iono Robotics aus Linz hat mit dem WORKMATE den ersten humanoiden Arbeitsroboter „Made in Austria“ entwickelt. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Béasse nennt dafür mehrere Gründe. Größere Fonds würden oft mit Teams aus Deutschland auf Österreich schauen. „Das genügt nicht“, sagt er. Dazu komme bei manchen Venture-Capital-Fonds die Angst vor der Sprachbarriere. Bei Business Angels sei diese Hürde noch höher.

Seine Rolle sieht Béasse deshalb nicht nur im Vermitteln von Kontakten. Es gehe darum, Investor:innen auch beim Ökosystem und bei der Kultur zu begleiten. Aus französischer Sicht sehe man in Europa zuerst Spanien, Italien, Deutschland und die Benelux-Länder. Österreich müsse man erst aus dem Schatten von Deutschland und der Schweiz holen.

Acht Startups aus Frankreich und Österreich pitchten vor dem Publikum in der französischen Botschaft, abgestimmt wurde per Smartphone. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Chancen sieht er bei Corporate Venture Capital. Französische Konzerne seien in Österreich vertreten. Hier gebe es derzeit viele Innovationen in den Bereichen Defense und Dual Use, die für solche Gruppen interessant seien.

ABA will Brücke zwischen den Ökosystemen schlagen

Auf österreichischer Seite ist die Austrian Business Agency (ABA) eingebunden. Verena Gruber, Director Western Europe, ist außerordentliches Mitglied im Board der Community. Als Standortagentur der Republik sei die ABA dafür da, französische Startups dabei zu unterstützen, die Chancen in Österreich zu entdecken, sagt sie im Gespräch mit brutkasten. Mit La French Tech Vienna habe man nun „ein tolles Tool“, um Verbindungen herzustellen, bei Investments ebenso wie bei Kooperationen mit Corporates. Am Tag nach dem Launch standen laut Programm Besuche bei der ABA, der Wirtschaftsagentur Wien und ecoplus sowie eine Führung durch die AI Factory Austria (AI:AT) auf dem Plan.

Die Initiative ist noch sehr jung. Als Beispiel dafür, was möglich ist, nennt auch Gruber den Emmi-AI-Deal. Er zeige die Kompetenz Österreichs bei Industrial AI. „Das ist eine Nische, worauf wir uns auch sehr stark konzentrieren können“, sagt Gruber. Damit könne Österreich auch einen Beitrag zur europäischen Souveränität bei Technologie leisten.

Acht Startups auf der Bühne

Nach den Reden pitchen acht Startups, das Publikum stimmt per Smartphone ab. Aus Frankreich kommen Proxima, VirtualBrowser, PleIAs und Manabou, aus Österreich Cyberaci, Eustella, Prop Corn und Ablatic. Sechs der acht ordnet die Event-Website dem Thema Souveränität zu, von europäischen Sprachmodellen bis Cybersecurity.

Manche der französischen Startups sehen laut Renaud Viot einen Market Fit mit Österreich, andere suchen einen Partner vor Ort, wieder andere haben hier bereits Kund:innen. Die beiden Ökosysteme seien einander ähnlich, beide seien stark bei Spinoffs und in der Forschung. Gemeinsam könne man einander „zu Partnern statt zu Konkurrenten“ machen, sagt Viot.

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