28.09.2017

Interview mit Social-Impact-Investor Charly Kleissner: „Jeder kann etwas bewirken“

Der Social-Impact-Investor Charly Kleissner blickt auf ein bewegtes Leben: Von Tirol zog es ihn nach Hawaii und in die USA, wo er zusammen mit Steve Jobs arbeitete.
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Ein Tiroler, der die Finanzwelt zum Positiven verändern will – so könnte vielleicht die Kurzbeschreibung von Charly Kleissner lauten. Aufgewachsen im Westen Österreichs, zog es ihn nach dem Gymnasium in Innsbruck und dem Informatikstudium an der Technischen Universität in Wien nach Hawaii, wo er auch seine Frau Lisa kennenlernte. Im Jahr 1986 wanderten beide in die USA aus.

Genau zehn Jahre davor gründete Steve Jobs zusammen mit Steve Wozniak und Ron Wayne die „Garagen-Firma“ Apple und arbeitete als einer der ersten an der Herstellung von Personal Computern. Eine Geschichte, über die viel geschrieben wurde.

Wenige wissen allerdings, dass Jobs Apple aufgrund von internen Auseinandersetzungen wieder verlassen musste und 1985 das Unternehmen NeXT gründete. 1993 kam Kleissner als Entwicklungsleiter dazu und arbeitete mit einem mehrere hundert Köpfe großen Team an der Betriebssoftware OS X; jenem System also, mit dem auch heute noch Apple-Geräte
operieren. Kleissner arbeitete eng mit Steve Jobs zusammen (siehe Interview). Dieser fand später auch wieder den Weg zu Apple zurück: Das Computerunternehmen kaufte Next auf und holte damit auch Jobs zurück.

Ein Aussteiger

Kleissner begann kurz darauf als CTO bei Ariba, einem Unternehmen, das damals einen Börsenwert von rund drei Milliarden Dollar hatte. Kurz nach dessen Börsengang verkaufte er seine Firmenanteile und stieg aus.

Für viele mag ein plötzliches Vermögen das Ticket in den verfrühten Ruhestand sein. Doch das interessierte Kleissner weniger. Er entschloss sich, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das Stichwort lautet Social-Impact-Investment und ist eine Geldanlage, bei der Investoren Startups und Projekte unterstützen, die nachweisbare soziale oder ökologische Ziele verfolgen, also nicht nur auf finanzielle Rendite aus sind. Man investiert in Projekte, die Gutes bewirken.

Dem Planeten und der Gesellschaft helfen

Zusammen mit seiner Frau wird Kleissner zum Social-Impact-Investor und auch zum unermüdlichen Fürsprecher dieser etwas anderen Geldanlage: Es soll sie geben, die Projekte, die finanziellen Gewinn bringen und gleichzeitig dem Planeten und der Gesellschaft helfen.

Auch so viele Jahre später ist Charly Kleissner mit seiner Frau Lisa immer noch glücklich, sie haben inzwischen zwei Kinder großgezogen. Auch im Business halten sie zusammen: Die KL Felicitas Foundation gründen sie gemeinsam im Jahr 2000. Mit der Stiftung beweisen sie, dass Social-Impact-Investments funktionieren. Obwohl Charly Kleissner ein bewegtes Leben hinter sich hat, treffen wir beim Interview auf einen Mann, der am Boden geblieben ist. Vielleicht sind es die Tiroler Wurzeln, oder aber das tägliche Meditieren, das er jedem empfiehlt. Jeden Morgen visualisiert er seinen Tag und reflektiert diesen am Abend.

Dem „Brutkasten“ erzählt er, welche Frage jeder Bankberater beantworten können sollte und wieso es ihn eigentlich in die USA gezogen hat.

In Österreich ist man erst jemand, wenn man etwas erreicht hat. Bis dahin ist der Weg oft doppelt steinig und viele gehen daher ins Ausland. War dies der Grund, wieso Sie weggezogen sind?

Da steckt sicher ein Funken Wahrheit dahinter und ich frage mich, wie man das ändern könnte. Darum spreche ich auch gerne in Schulen, denn bei Kindern muss man ansetzen und von Unternehmern erzählen, die erfolgreich sind, die Vorbilder sein können. Der Hauptgrund, wieso meine Frau und ich 1986 ins Ausland gezogen sind, war, dass meine Frau, die Architektin und Unternehmerin ist, als Ausländerin hier nicht Fuß fassen konnte – keine gute Vorbildwirkung für die jüngere Generation an Frauen. Diese Attitüde muss von innen heraus geändert werden.

Wie war die Zeit danach in den USA? Sie haben bei Apple mit Steve Jobs zusammengearbeitet und dabei geholfen, das Betriebssystem OS X zu entwickeln.

Steve war kein Ingenieur, hat nicht gewusst, wie er seine Ideen verwirklichen soll. Die Beziehung zwischen ihm und den Entwicklern war daher sehr symbiotisch. Wir haben die Vision von Steve sehr respektiert, Ingenieure sind meist nicht so visionär. Die Kombination hat daher super gepasst.

Viele wünschen sich ein „Silicon Valley“ in Europa – ist das in Ihren Augen erstrebenswert?

Smarte und kreative Menschen gibt es überall. Das Silicon Valley ist quasi eine Bubble in der Bubble, weil sich dort zur richtigen Zeit Universitäten und Venture-Capital-Geld angesammelt hat. Die Startup-Szene ist eine einzigartige Kombination davon, die man nicht einfach kopieren kann. Das hängt nicht mit den Menschen zusammen. Kreative haben wir auch, aber nicht dasselbe Umfeld. Die Amerikaner haben auch eine ganz andere Einstellung zum Unternehmertum.

Ich glaube nicht, dass man versuchen sollte, das Silicon Valley in Europa zu kopieren. Aber man kann sehr viel aus der Kreativität und Intelligenz der Menschen machen – egal, wo man ist.

Muss man als Internet-Unternehmer immer noch auswandern?

Eigentlich nicht. Die neuen Technologien und Plattformen ermöglichen es, fast überall tätig zu sein. Das ist vor allem auch spannend im Health-Care- und Education-Bereich: Mit dem Telefon kann man heutzutage auch in Afrika oder Indien beinahe jeden erreichen. Das war vor fünf Jahren noch nicht der Fall. In Indien, wo wir sehr aktiv sind, hat jedes Dorf zumindest ein internetfähiges Handy. Das ist billiger als ein Fernseher. Damit kann man die Ärmsten der Armen erreichen, das gab es bis jetzt so nicht.

Es fehlt in den Gebieten aber immer noch am Internetzugang, oder?

Nein, gar nicht mehr viel. Es ist erstaunlich, wie viel sich getan hat. „Connectivity“ ist ein Grundbedürfnis für die Menschen. Ob Arme oder Reiche – alle Menschen wollen kommunizieren und tun dies, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Dann sehen sie allerdings auch, wie wir leben, und die Ungleichheit kommt zum Vorschein. Der Neid wächst.

 

Redaktionstipps

 

Gibt es dafür eine Lösung?

Mit dieser Frage setzen sich Impact-Investoren natürlich auseinander. In Afrika soll etwa nicht investiert werden, um den ganzen Profit dann zurück an die Investoren gehen zu lassen. Soziale Gerechtigkeit ist wichtig, der finanzielle Erfolg muss geteilt werden. Die Menschen, die mit einem dort arbeiten, sollen auch etwas davon haben.

Ab welchem Betrag kann man ein Impact- Investment machen? Helfen schon kleine Beträge?

Es helfen schon kleine Beträge, um etwas zu bewirken, aber es ist dann natürlich schwieriger. Nicht mehr unmöglich, aber schwieriger. Die neuen Banken, die entstehen, gehen meist sehr transparent vor. Ich würde jedem empfehlen, den Bankberater zu fragen, was mit dem Geld passiert, das auf der Bank liegt, wo es eingesetzt wird. Die meisten werden es nicht wissen – keine akzeptable Antwort für Impact-Investoren. Immerhin kann es gut sein, dass damit Kriege oder Kohlekraftwerke finanziert werden, anstatt einen positiven Beitrag zur Umwelt oder dem Unternehmertum zu leisten. Noch wehren sich die meisten Banken gegen die Transparenz. Aber sie werden langfristig Kunden verlieren. Ein großes Thema in der Zukunft, weil gerade Banken vor großen Veränderungen stehen.

Das klingt fast so, als könnte man mit Geld die Welt retten …

Nein. Geld ist nur Mittel zum Zweck. Ich glaube aber, dass jede Person, wenn sie sich ihres Werts bewusst ist, die Welt retten kann. Die einzige Methode, die wirklich funktioniert, wenn man etwas bewirken möchte, ist sich selbst zu ändern. Viele Wege sind möglich: Yoga, Zeit in der Natur, Wandern oder Meditation. Es ist wichtig, über das Leben nachzudenken, dass jeder für sich selbst einen Weg findet, „impact“ zu leisten. Wir können mit unserem Leben etwas Positives in der Welt bewirken. Das funktioniert natürlich nicht, wenn man sein Ego voranstellt. Wen will man denn zu seinen Freunden zählen? Die, die immer „Ich, ich, ich!“ sagen, oder die, die etwas mit Freude beitragen wollen?

Wann haben Sie erkannt, dass Sie Ihren Anteil zu einer besseren Welt beitragen wollen?

Das war eine längere Reise für mich. Ich habe einiges ausprobiert. Inzwischen habe ich die Meditation und Yoga für mich entdeckt. Ich stelle mir auch jeden Tag in der Früh vor und reflektiere
ihn dann am Abend.

Sie haben zu Beginn unseres Gesprächs erwähnt, dass ,sich Ihre Frau damals mit Problemen konfrontiert sah, als sie in Österreich unternehmerisch tätig werden wollte. Ist das in Ihren Augen immer noch so?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich war erstaunt, als in Frankreich alle Taxifahrer wegen Uber gestreikt haben. Die Systeme in Europa sind sehr verkrustet, es ist daher oft schwierig, neue, innovative Projekte umzusetzen – vor allem, wenn diese Projekte aus dem Silicon Valley kommen.

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Celum
© Christian Huber Fotografie - (l.) Michael Kräftner, Celum-Gründer, Chairman und Chief Vision Officer, Mark Kaslatter ist neuer Chief Executive Officer bei Celum.

Im Februar des Vorjahres übernahm Christian Jüngling die Position des Chief Financial Officer (CFO) bei Celum, um neue Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens zu setzen – brutkasten berichtete. Zudem bestellte das Management mit Bojan Bozic die neu geschaffene Position des Chief Services Officer (CSO). Nun gibt es auf höchster Ebene eine weitere Änderung.

Celum: Fokus auf Stärkung des Vertriebs

Mark Kaslatter übernimmt die Position des CEO und damit die Führung des Unternehmens. Sein Fokus soll auf der Stärkung des Vertriebs, des Partnerchannels und der weiteren nationalen und internationalen Expansion liegen. Celum-Gründer Michael J. Kräftner bleibt dem Unternehmen als „Chief Vision Officer“ erhalten und konzentriert sich künftig verstärkt auf die langfristige strategische Produktentwicklung.

Der gebürtige Tiroler Kaslatter verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Führungskraft in der Technologiebranche. 2004 gründete er etwa das auf CRM-Lösungen spezialisierte Unternehmen k.section, baute es ohne externe Investoren auf und verkaufte es später an die an der Euronext notierten Emakina Group.

Von 2019 bis 2022 war Kaslatter Managing Director von Emakina Central & Eastern Europe und wechselte danach ins Advisory Board der Belgier. Anschließend war er gemeinsam mit Benjamin Ruschin Mitgründer und Managing Partner von Big Cheese Ventures, einem Beratungs- und M&A-Unternehmen für Tech-Startups. Er studierte Software-Engineering am Campus Hagenberg der Fachhochschule Oberösterreich und absolvierte einen MBA in General Management an der Universität für Weiterbildung Krems.

„Celum verfügt über eine starke technologische Basis, langjährige Kundenbeziehungen und großes Potenzial im internationalen Markt. Jetzt geht es darum, diese Stärken noch konsequenter in nachhaltiges und skalierbares Wachstum zu übersetzen“, sagt Kaslatter. „Der Wechsel zu Celum ist für mich mehr als eine neue Aufgabe – er ist zugleich die Rückkehr ans Steuer eines Softwareunternehmens. Die Beratung von Startups war eine spannende und bereichernde Zeit. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr mir das unmittelbare Gestalten, das operative Doing und die umfassende unternehmerische Verantwortung gefehlt haben.“

Und weiter: „Besonders vermisst habe ich das hohe Innovationstempo und den intensiven Austausch mit Entwickler:innen. Sie schaffen mit ihren Ideen nicht nur neue Produkte, Unternehmen und Geschäftsmodelle, sondern gestalten zunehmend auch unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Genau dieses Umfeld, diese Denkweise und die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen, begeistern mich an meiner neuen Aufgabe bei Celum.“

„Everybody is in Sales“

Kaslatters Leitgedanke lautet: „Everybody is in Sales.“ Damit sei jedoch nicht gemeint, dass jede und jeder im klassischen Sinne im Vertrieb tätig sein muss. Vielmehr trage jede Funktion im Unternehmen dazu bei, Mehrwert für die Kundinnen und Kunden zu schaffen. Diese gemeinsame Verantwortung für den Kundenerfolg und eine konsequente Marktorientierung möchte er bei Celum weiter stärken. Deshalb sollen die Bereiche Vertrieb, Marketing, Customer Success, Produktentwicklung und Organisation künftig noch enger auf die gemeinsamen Wachstumsziele ausgerichtet werden.

„Mark Kaslatter verbindet tiefes Technologieverständnis mit ausgeprägter Vertriebskompetenz und echter unternehmerischer Erfahrung“, kommentiert Michael J. Kräftner, Gründer von Celum, die neue Personalie. „Mit Mark gewinnt Celum einen CEO, der die Verantwortung mit einem klaren Fokus auf Kunden und Markt übernimmt. Die neue Rollenverteilung ermöglicht es mir gleichzeitig, noch stärker in den Bereichen Produktstrategie und technologische Innovation aktiv zu werden. Es war für mich immer klar, dass Celum ab einer bestimmten Größe jemanden als CEO haben wird, der viel mehr auf Wachstum und Organisation wirken kann als ich. So holen wir also zusätzliche unternehmerische und vertriebliche Expertise in die Führung und verbinden Kontinuität mit frischem unternehmerischem Drive.“

Knapp 20 Mio.-Euro Umsatz

Als Chief Vision Officer soll Kräftner die langfristige Produktvision weiter vorantreiben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Weiterentwicklung des Produktportfolios vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen durch Künstliche Intelligenz, neue Formen der Content-Nutzung und zunehmend automatisierte Content-Prozesse.

Das seit seiner Gründung eigenfinanzierte und unabhängige Softwareunternehmen steigerte seinen Umsatz von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 19,8 Millionen Euro im Jahr 2025. Heute beschäftigt Celum rund 130 Mitarbeitende aus 23 Nationen an den Standorten Linz, Wien und München.

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