17.04.2018

Katharina Schneider: „Es zählt zu 80 Prozent das Gespür“

Interview. Die Mediashop-Gründerin und 2 Minuten 2 Millionen-Investorin erzählte uns über ihre persönliche Founder-Story, worauf sie bei Startups Wert legt und was sie First Time-Foundern rät.
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Katharina Schneider
(c) Gerry Frank - Katharina Schneider ruft Frauen zu mehr Selbstbewusstsein auf.

Sie war in der aktuellen Staffel der Puls4-Sendung 2 Minuten 2 Millionen das neue Gesicht. Katharina Schneider hat mit Mediashop ein riesiges Unternehmen aufgebaut und zählt damit zu Österreichs erfolgreichsten Gründerinnen. Über europaweit 160 TV-Kanäle strahlt Mediashop täglich rund 320 Stunden Verkaufs-Sendungen aus. Es ist damit der größte Teleshopping-Anbieter im deutschsprachigen Raum und Osteuropa und erreicht fast 150 Millionen potenzielle Kunden. Dementsprechend gestaltet sich Schneiders ihr „Beuteschema“ bei 2 Minuten 2 Millionen.

Im Interview haben wir Katharina Schneider unter anderem gefragt, was ein B2B-Startup bieten muss, damit sie investiert und ob sie an alle Produkte, die sie vertreibt, selber glaubt.

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Sie haben mit Mediashop ein riesiges Unternehmen aufgebaut. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Ich glaube nicht, dass es ein Erfolgsrezept gibt. Es ist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren, die zum richtigen Zeitpunkt passen. Dazu gehört natürlich eine gewaltige Portion an Durchhaltevermögen. Gerade am Anfang eines Unternehmens gibt es Zeiten, die nicht nur finanziell, sondern auch emotional belastend sind. Dazu kommen Eigenschaften wie ein wirtschaftliches Grundverständnis und vernetztes Denken.

Sie haben die Schwierigkeiten am Anfang angesprochen. Was waren für Sie die größten Herausforderungen?

Da gab es sehr viele. Als wir begonnen haben, hat sich die Medienlandschaft in Deutschland gerade stark verändert. Die Sendezeiten, die wir gebucht haben, haben sich damals überhaupt nicht gerechnet und wir haben riesige Verluste gemacht. Wir haben dann das Geschäftsmodell komplett umgestellt und begonnen, vom reinen Teleshopping auf einen Multichannel-Ansatz umzustellen. Man konnte mit dem TV-Geschäft allein einfach kein Geld mehr verdienen. Eine weitere Herausforderung war ein Mitbewerber – unter Anführungszeichen – der unsere Produkte kopiert hat und diese günstig im Handel verkauft hat. Das war zum Teil illegal und wir mussten uns dadurch auch rechtlich damit auseinandersetzen.

„Es gab auch Zeiten, in denen wir kurz vor einer Insolvenz gestanden sind.“

Sie haben von riesigen Verlusten zu Beginn gesprochen. Wie haben Sie das bewältigt?

Einerseits haben wir eben das Geschäftsmodell umgestellt. Andererseits haben wir noch eine Kapitalerhöhung durchgeführt – mit Banken. Wir haben Kredite aufgenommen und sind damit ein großes Risiko eingegangen. Und es gab auch Zeiten, in denen wir kurz vor einer Insolvenz gestanden sind. Letztendlich haben wir es Gott sei Dank komplett drehen können.

Sie waren in dieser Staffel das neue Gesicht bei 2 Minuten 2 Millionen. Was ist der Reiz daran, im TV als Investorin aufzutreten?

Erstens habe ich dadurch Zugang zu vielen tollen neuen Produkte, die für uns als Mediashop interessant sind und die wir international erfolgreich vermarkten können. Zweitens ist es mir ein großes Anliegen, Menschen die tolle Ideen haben und die auch mutig genug sind, ein Unternehmen damit aufzubauen, zu unterstützen, wenn ich daran glaube.

Sie stehen jetzt durch 2 Minuten 2 Millionen stark in der Öffentlichkeit. Hat sich dadurch persönlich etwas für Sie geändert?

Ich werde zwar schon häufig darauf angesprochen, aber viel hat sich nicht geändert, da ich privat sehr zurückgezogen lebe.

Sie investieren klarerweise in Produkte, die Sie über Mediashop vertreiben können. Was müsste ein B2B-Produkt bieten, damit Sie investieren?

Erstens einen extrem hohen Innovationsgrad – etwas derartiges darf es noch nicht am Markt geben. Und zweitens ein Geschäftsmodell, an dessen Erfolg ich stark glaube.

Natürlich investiere ich aber auch in förderungswürdige soziale Projekte, die ich ja auch nicht über Mediashop vertreibe.

Worauf achten Sie besonders bei einem Startup-Pitch?

Natürlich steht die Idee beziehungsweise das Produkt im Vordergrund. Daran muss ich glauben, sonst würde ich nicht investieren. Gleichzeitig ist es natürlich auch wichtig, an die Menschen hinter den Startups zu glauben. Ich muss überzeugt sein, dass die Gründerinnen und Gründer ein Unternehmen führen können. Denn wir können bei unseren Beteiligungen natürlich unterstützen, aber letztenendes liegt die Führung bei den Unternehmern.

„Es bei mir sicher zu 80 Prozent das Gespür beziehungsweise das Gefühl, das entscheidet.“

Ist das auch eine Gespür-Sache?

Ja, auf jeden Fall. Bei all diesen Dingen ist es bei mir sicher zu 80 Prozent das Gespür beziehungsweise das Gefühl, das entscheidet. Die Zahlen sind natürlich immer wichtig. Man muss Eckpunkte haben, ob es realistisch ist, das Produkt vermarkten zu können. Aber alles andere ist eine Paarung aus Erfahrung und Gespür.

Wie verkaufen sich die Produkte aus 2 Minuten 2 Millionen bislang? Gab es große „Renner“ oder auch Enttäuschungen?

Es ist alles dabei. Es gibt sehr erfolgreiche, mittel erfolgreiche und wenig erfolgreiche Produkte darunter. Zwei, drei Produkte aus der Show werden auch weltweit ausgerollt. Da versprechen wir uns große Erfolge. Einige weitere Produkte laufen gut. Und dann gibt es welche, die wir auf der Website angetestet haben, wo wir noch keine Beteiligung haben, die aus verschiedenen anderen Gründen scheitern. Eine hundertprozentige Erfolgsquote ist unrealistisch. Aus meiner Sicht ist die Quote, die wir erreicht haben, aber sehr, sehr gut. Und das zumal wir davon ausgehen, dass wir bei jenen Produkten, die wir international ausrollen, hunderttausende bis Millionen Stück verkaufen werden.

Und welche Produkte aus der Show werden das sein? Können Sie uns da schon etwas verraten?

Bei der Duschbombe (Anm.: Waltz 7) haben wir bereits internationale Kunden. Da sind wir schon im Rollout. Die Duschbombe ist in Österreich und Deutschland extrem erfolgreich. Da gibt es auch Gespräche mit weiteren Drogerie-Märkten, die sie ins Sortiment aufnehmen wollen. Auch die Gründer sind sehr tolle, liebe Menschen, die wir bereits stark in unser Team integriert haben. Da haben letztendlich übrigens nur Hans Peter Haselsteiner und wir investiert – in der Sendung waren es noch mehr (Anm. Heinrich Prokop und Leo Hillinger ⇒ Zum Artikel).

Auch beim BMB Schimmelentferner stehen wir vor dem internationalen Markteintritt. Da produzieren wir gerade einen Werbefilm. Das war ein Produkt, das nach wenigen Tagen im Handel komplett ausverkauft war. Da arbeiten mit Herrn Brandner (Anm. Gerhard, Co-Founder) zusammen, der uns bereits neue Innovationen vorgestellt hat. Auch Carbon Shield wird ein erfolgreiches Produkt, wo wir ebenfalls gerade einen Werbefilm dazu drehen. Das ist ein Auszug der Highlights. Dazu kommen, wie gesagt, mehrere weitere sehr gut laufende Produkte.

„Michael Altrichter hat dann auch gesagt, dass er in der Sendung ein bisschen zu emotional war.“

Stichwort: Carbon Shield. Das hat Michael Altrichter in der Sendung als „Humbug“ bezeichnet. Es sei eine reine Glaubenssache. Wie ist das bei Ihnen? Müssen nur die Kunden daran glauben, oder auch Sie selber?

Natürlich muss ich selber daran glauben. Ich würde niemals ein Produkt verkaufen, an das ich nicht selber glaube. Und um auf dieses konkrete Beispiel einzugehen: Es gibt Studien dazu, das ist wissenschaftlich belegt. Der liebe Michael Altrichter hat mich auch im Nachhinein kontaktiert. Ich habe ihn dann über die Situation aufgeklärt. Er hat dann auch gesagt, dass er in der Sendung ein bisschen zu emotional war. Das hat ihm ein wenig leid getan. Aber sei’s wie’s sei. Es ist gut, wenn jeder seine Meinung kundtut und auch für die Zuschauer ist es spannend, wenn nicht alle einer Meinung sind.

Fakt ist: Das Teil funktioniert. Dennoch möchte ich natürlich klarstellen: Wir haben Rückgaberechte und wenn jemand trotz allem nicht mit einem Produkt zufrieden ist, kann er es zurückschicken und bekommt das Geld zurück. Also man geht auch kein Risiko ein. Aber ich habe Carbon Shield selber zuhause und verwende es. Ich habe es meiner besten Freundin geschenkt. Die hat bei ihrem Mann einen „Blind-Test“ gemacht – der schläft seitdem gut. Und wir haben noch sehr viele positive Rückmeldungen. Daher bin ich froh, in dieses Produkt investiert zu haben und es anbieten zu können. Aber es ist bei jedem Produkt – egal bei welchem – so, dass es Menschen gibt, die nicht zufrieden sind. Das ist auch gut so, weil wir Menschen nicht alle gleich sind und jeder von uns doch unterschiedliche Bedürfnisse hat.

Sie werden auch beim 4GAMECHANGERS Festival sein. Was werden Sie dort tun?

Ich bin in der Jury beim Startup-Pitch-Contest. Aber ich muss zugeben: Ich war in den vergangenen Jahren noch nicht beim 4GAMECHANGERS Festival. Ich weiß nicht genau, was auf mich zukommt und lasse mich überraschen. Es gibt sehr viele spannende Themen dort und ich werde mir einiges ansehen. Ich habe mir auch schon viele Termine dort ausgemacht. Aber ich bin halt ein sehr spontaner Mensch und werde vieles vor Ort entscheiden.

„Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass man einige Jahre seines Lebens für eine Unternehmensgründung aufopfern muss.“

Zum Abschluss: Was ist ihr persönlicher Tipp an Gründerinnen und Gründer, die ganz am Anfang stehen?

Erstens müssen sie von ihrem Produkt oder ihrer Dienstleitung zu 100 Prozent überzeugt sein. Zweitens müssen sie neutrale Meinungen von Dritten einholen. Wenn man anderen Leuten von seinem Produkt erzählt, müssen die begeistert sein und es unbedingt haben wollen. Wenn jemand sagt: „Es ist eh ok“, weil er einen nicht beleidigen will, sollte man sich nochmal darüber Gedanken machen. Drittens müssen sie sich darauf einstellen, dass sie nicht einfach sofort erfolgreich sein und das große Geld machen werden. Es gibt sehr harte Zeiten und ich gehe sogar soweit zu sagen, dass man einige Jahre seines Lebens für eine Unternehmensgründung aufopfern muss. Dann kann Erfolg kommen.

Denn wir sprechen immer von den erfolgreichen Beispielen, aber von der vielen Misserfolgen hört man wenig. Das heißt, das allerwichtigste ist aus meiner Sicht, großes Durchhaltevermögen zu haben. Man darf nicht bei ersten Gegenwind aufgeben. Dazu gehören finanzielle und emotionale Einbußen.

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V.l.n.r.: Damian Izdebski, techbold Gründer und Hauptaktionär; Matthias Stieber und Gerald Reitmayr, Vorstände der techbold technology group AG © techbold

Eine Geschichte, die das Leben schreibt: „Zwölf Jahre lang war ich ‚der mit der Pleite‘. Ab heute bin ich ‚der mit dem Comeback'“, sagt Damian Izdebski Freitagmorgen gegenüber brutkasten. Sein 2015 gegründetes Unternehmen techbold technology group AG wird von der deutschen accompio Gruppe übernommen – zu einer Bewertung von knapp 40 Millionen Euro, wie brutkasten in Erfahrung brachte. 2014 hatte Izdebski mit seinem damaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden müssen, was damals landesweit für Schlagzeilen sorgte.

28 Millionen Euro Umsatz im Mittelstand

Techbold ist auf IT-Outsourcing, Cloud-Lösungen sowie Cybersecurity für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert. Über das letzte Jahrzehnt akquirierte das IT-Unternehmen ganze 18 Unternehmen, um seine Expansion voranzutreiben wie brutkasten engmaschig verfolgte. Nun wird techbold selbst zum Gekauften. Die entsprechenden Verträge wurden bereits unterzeichnet, der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständige Wettbewerbsbehörde, wie das Unternehmen heute morgen per Aussendung mitteilte.

Techbold beschäftigt mittlerweile mehr als 170 IT-Spezialist:innen an Standorten in Wien, Oberösterreich und dem Burgenland und betreut rund 1.400 Kund:innen. Zuletzt erwirtschaftete die IT-Firma einen Jahresumsatz von rund 28 Millionen Euro. Für Kund:innen sowie laufende Verträge des Wiener Unternehmens soll sich im Tagesgeschäft laut Unternehmensangaben nichts ändern.

Spektakuläres Comeback

Gründer Damian Izdebski, der 2025 die CEO Rolle zurücklegte und danach im Aufsichtsrat tätig war, meint gegenüber brutkasten: „Zum ersten Mal seit 25 Jahren weiß ich nicht, was als Nächstes kommt. Alle, die mich kennen, wissen: Das dauert nicht lange.“

Dem heutigen Erfolg geht eine weniger erfreuliche Geschichte voran. 2014 musste Izdebski mit seinem ehemaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden. Ein Schritt mit dem der Gründer sehr offen umgeht: „Beide Schlagzeilen habe ich mir selbst geschrieben – an der zweiten habe ich nur deutlich länger gearbeitet.“ Er fügt hinzu: „In Amerika ist eine Pleite ein Kapitel im Lebenslauf. In Österreich ein Urteil fürs Leben. Ich habe beschlossen, das Urteil nicht anzunehmen.“

Auch Investor und Aufsichtsratmitglied Hermann Futter freut sich vor allem für Izdebski: „Ich habe immer an Damian geglaubt und bin seit fast 20 Jahren mit ihm befreundet. Er hat allen bewiesen, dass man auch in Österreich scheitern und wieder aufstehen kann! Chapeau.“ Und auch für ihn als Investor habe sich der Exit ausgezahlt, so Futter gegenüber brutkasten.

Reaktionen aus dem Umfeld

An techbold beteiligt waren neben Hermann Futter unter anderem auch Niki Futter, Stefan Kalteis und Hansi Hansmann. Letzterer meint zur Übernahme: „Es war ein sehr erfolgreicher Exit, der sich für mich wirklich ausgezahlt hat. Techbold ist ein wachstumstarkes Unternehmen in einem großen Markt, welches auch ordentlich profitabel ist. Das macht die Firma natürlich zu einem attraktiven Übernahmeziel“

Auch Aufsichtsratmitglied Niki Futter, der die Position von 2017 bis 2025 besetzte, meldete sich auf Anfrage zurück: „Das ist ein ganz tolles Ergebnis und ich gratuliere dem Team rund um Damian ganz herzlich und wünsche alles Beste für die weitere Zukunft. Ich freu mich, dass ich dieses Unternehmen über acht Jahre im Aufsichtsrat begleiten durfte.“

Für die Verhandlungen holte sich Izdebski Unterstützung von Thomas Hillebrand und Nico Zaiser vom Wiener M&A-Spezialisten i5invest. „Ich würde mit Thomas und Nico von „i5invest“ jederzeit wieder ein Unternehmen verkaufen. Die Jungs sind so professionell und erfahren – ich durfte in den letzten Wochen so viel von ihnen lernen. Danke dafür!“, sagt er.

Buy-and-Build-Strategie der Käufer

Auf Käuferseite fügt sich die Übernahme in die Expansionsstrategie ein. Accompio agiert als Managed Security Service Provider und beschäftigt an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien insgesamt rund 900 IT-Expert:innen. Von der Head of M&A bei accompio Katrin Wollinger-Zepf heißt es gegenüber brutkasten „Es war ein sehr effizienter und konstruktiver Prozess auf absoluter Augenhöhe.“

„Die Übernahme von techbold ist ein weiterer konsequenter Schritt in unserer Buy-and-Build-Strategie: Wir bauen systematisch die führende IT-Services-Plattform im DACH-Raum auf“, führt Georg Willig, CFO der accompio Gruppe, aus. Man suche für den Ausbau gezielt nach unternehmergeführten IT-Dienstleistern mit starker Marktposition und durch den Zukauf aus Wien baut die Gruppe ihre Präsenz in Österreich nun weiter aus.

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