26.01.2015

Interview mit CrossCloud: Die Grazer machen Dropbox Konkurrenz

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(c) CrossCloud: Christoph Hechenblaikner, Jakob Auer, Georg Krispel und Johannes Innerbichler: die Österreicher arbeiten an CrossCloud.

Wie fühlt man sich einen Tag vorm Launch? Der Brutkasten trifft die Gründer von CrossCloud wenige Stunden vorm Start der Beta-Phase. Ein bisschen kribbelig sind die drei schon. Sie hätten nicht allzu viel geschlafen, meinen sie. Aber befreit fühlen sie sich nun, da das Ziel greifbar ist. Ansehen tut man ihnen den Schlafmangel sowieso nicht. Wenn sie von ihrem Startup erzählen, kommt Farbe ins Gesicht. Man merkt, dass sie innerlich brennen und die Flammen höher schlagen, wenn sie über ihr Startup reden.

Die Idee: CrossCloud verbindet verschiedene Storage-Dienste, um sie gemeinsam nutzen zu können.

Nebst ihrer Affinität zur Technik, haben sie noch etwas gemeinsam: Sie alle kommen aus Österreich und haben zusammen studiert. Telematik. Eigentlich besteht ihr Team aus vier Entwicklern, einer ist aber in der Heimat geblieben. Kennengelernt haben sich die vier vor fünf Jahren auf der Technikuniversität in Graz. Nun leben sie in Berlin und sind Teil des Axel Springer Plug and Play Accelerator Programms.

Der Brutkasten spricht mit Christoph Hechenblaikner darüber, wie sie gemeinsames Arbeiten erleichtern möchten und dabei in Konkurrenz zu Dropbox treten. Und ob sie für einen Investor der Heimat Österreich den Rücken kehren würden.

 

Christoph, CrossCloud in einem Satz gepitcht?

CrossCloud ist ein Tool, welches seinen Usern ermöglicht, ihr Google Drive oder Dropbox Konto gemeinsam in einer Applikation zu nutzen und datenübergreifend mit verschidenen Leuten zu teilen.

Woher stammt die Idee?

CrossCloud hat seinen Ursprung in einem Uniprojekt. Johannes Innerbichler und ich haben die erste Machtbarkeitsstudie im Zuge eines Kurses auf der TU durchgeführt. Nachdem wir gesehen haben, dass es möglich ist, unsere Idee umzusetzen, haben wir recht schnell gestartet.

(Anm. der Redaktion: Die anderen zwei Gründer sind ebenfalls beim Interview mit dabei:Georg Krispel und Johannes Innerbichler. Der vierte im Bunde, Jakob Auer, arbeitet von Österreich aus. Alle vier sind Informatiker.)

Kanntet ihr das Problem selbst, das ihr lösen möchtet?

Ja. Auf alle Fälle! Wir hatten selbst extreme Probleme damit, verschiedene Cloud Speicher beziehungsweise Storageanbieter, gemeinsam zu nützen. Wenn man mit unterschiedlichen Leuten in Dropbox oder Google Drive kommunizieren möchte, steckt man bald fest. Außerdem ist die Datensicherheit ein Problem: Wir sind dank unserer Ausbildung sehr Security-affin und wollten daher unsere Daten in der Cloud geschützt wissen.

Es gibt ja doch schon Konkurrenz auf diesem Gebiet…

Nun ja, wir haben 27 Competitors von uns ausprobiert und keiner hat so funktioniert wie wir glauben, dass das Problem gelöst werden müsste, daher haben wir uns auch entschlossen, es selbst zu tun. Zunächste haben wir unsere Idee in einem Uni-Projekt auszuprobiert. Das war dann der Start…

Wie funktioniert CrossCloud im Detail… Ein Beispiel: Wir wollen gemeinsam am Produkt “BrutIdee” arbeiten. Ich bin in Wien und ihr eben in Berlin…

Nun ja, stell dir vor, wir könnten ganz einfach remote arbeiten. Wir könnten unsere Slides und Präsentationen verschlüsseln und schnell, ohne große Umstände, zwischen uns teilen, um gemeinsam daran zu arbeiten. Das geht zwar auch über Dropbox oder Google Drive, aber da gibt es ein grundlegendes Problem: wir müssten beide den gleichen Anbieter nützen. Ab jetzt wird es aufwendig: Man beginnt nach Dateien zu suchen, verliert den Überblick.

CrossCloud denkt einen Schritt weiter: Wir bieten allen, die Daten untereinander teilen müssen, eine bessere Alternative, indem man von Anbieter unabhängig auf seine geteilten Daten zugreifen kann.

Du kannst dir Crosscloud wie den Dropbox Ordner vorstellen, nur dass wir im Hintergrund alle Anbieter verbinden. Deine Daten werden intelligent auf die verschiedenen Storage Provider verteilt. Und bei Bedarf auch verschlüsselt. Keine Datei verlässt unverschlüsselt deinen PC.

CrossCloud denkt einen Schritt weiter: Wir bieten allen, die Daten untereinander teilen müssen, eine bessere Alternative, indem man von Anbieter unabhängig auf seine geteilten Daten zugreifen kann.

Ich will meine Fotos von Dropbox auf Google Drive legen? Mit einem Mausklick ist dies erledigt.

Thema Daten. Datensicherheit ist momentan in aller Munde. Wie garantiert ihr mir Sicherheit?

Indem wir keine Passwörter von dir erhalten. Es gibt die Möglichkeit sich auf der Dropbox Seite direkt anzumelden und dort zu bestätigen, dass CrossCould rein auf die Daten zugreifen darf. Wir brauchen keine Passwörter.

(Johannes Innerbichler: Und es gibt Schlüssel, die uns den Zugriff auf die Dateien erlauben, aber nie das Gerät verlassen. Lokal gespeichert. Nicht auf irgendeinem Server.)

Mit welchen Geräten kann man CrossCloud nutzen?

In der Endversion gibt es drei Komponente: Die Desktop Variante, ähnlich wie bei Dropbox, dann die mobile Applikation und zuletzt die Web Applikation – dann bekommt man alle Daten auch von unterwegs aus angezeigt.

Momentan fokussieren wir uns aber auf die Desktop Variante. Da wir im Gespräch mit vielen Kunden herausgefunden haben, dass der Desktop die Schnittstelle ist, wo die meisten mit ihren Daten interagieren. Wir starten morgen die private Beta.

 

Georg Krispel, Johannes Innerbichler und Christoph Hechenblaikner: die Österreicher arbeiten an CrossCloud.

Wie lange arbeitet ihr nun schon an CrossCloud?

Seit ungefähr 2 Jahren, aber nicht immer Vollzeit. Wir wollten unser Beta-Produkt eigentlich schon viel früher launchen.

Wieso habt ihr dann nicht früher gelauncht?

(lacht) Wir sind drauf gekommen, dass die Daten-Synchoronisation und die Software an sich doch ein sehr komplexes Problem darstellt.

Man kann sich das so vorstellen: Wir brauen den Dropbox Client zu viert nach. Ein Service, an dem eigentlich hundert Entwickler arbeiten. Wir wissen, dass das ein sehr kühnes Vorhaben an sich ist. Wir haben es uns einfacher vorgestellt.

Aber das positive daran: Wir haben erkannt, dass wir das nicht nebenher betreiben sollten, sondern eine Zeit lang  wirklich intensiv, damit wir die Beta-Phase endlich starten können.

Dann hat sich auch das Accelerator Programm genau zum richtigen Zeitpunkt ergeben: Hier bekommen wir wichtigen Input, ein bestehendes netwerk und vor allem auch Zeit- Durch das Anfangsinvestment können wir uns voll reinhängen.

Wir brauen den Dropbox Client zu viert nach. Ein Service, an dem eigentlich hundert Entwickler arbeiten. Wir wissen, dass das ein sehr kühnes Vorhaben an sich ist.

Welche Netzwerke sind euch denn vorwiegend wichtig?

Wir wollten vor allem Feedback haben und Kontakte zu Investoren. Wir haben vom Programm schon sehr profitiert: Wir hatten zum Beispiel die Möglichkeit, mit großen Unternehmen zu reden, um herauszufinden, ob CrossCloud deren Storage Probleme lösen könnte. Unsere Vision ist ein b2b Produkt. Darum war es uns wichtig, in Interviews mit der Manager Riege, deren Probleme zu lernen und andererseits unsere Lösungen noch mehr anzupassen.

Habt ihr dann gleich CrossCloud gepitcht?

Nein, wir wollten da nicht in den Pitching-Modus verfallen. Aber am Ende haben wir uns natürlich schon vorgestellt und unsere Kontaktdaten dort gelassen (lacht). Mit zwei Firmen stehen wir auch in intensiven Kontakt, vielleicht ergibt sich da was…

CrossCloud: ein Tool, welches seinen Usern ermöglicht, ihr Google Drive oder Dropbox Konto gemeinsam in einer Applikation zu nutzen und datenübergreifend mit verschidenen Leuten zu teilen.

Wollt ihr in Berlin bleiben?

Wie es läuft, so läuft’s. Es kommt ganz darauf an. Wir sind flexibel. Aber unsere Förderungsanträge haben wir in erster Linie in Österreich gestellt. Dort, wo wir auch gegründet haben. Das war ein ziemlicher Verwaltungsaufwand, um dann bei Plug and Play teilnehmen zu können.

Ist Berlin besser als Wien?

Als Unternehmer oder Startup muss man dorthin gehen, wo das Netzwerk am besten ist für das, was man macht. Die zentrale Frage ist, wo man am Besten unterstützt wird.

Das ist in unserem Fall momentan Berlin, kann aber in Zukunft auch eine andere Stadt sein. Wenn es Sinn macht auch Wien, London oder San Francisco. In der Heimat haben wir momentan Kooperationsgespräche am Laufen. Wenn das klappt, sehen wir Wien schon als attraktiven Standort.

Alles Gute.


Als Unternehmer oder Startup muss man dorthin gehen, wo das Netzwerk am besten ist für das, was man macht. Die zentrale Frage ist, wo man am Besten unterstützt wird.

 

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Lovable-CEO Anton Osika (r.) im Gespräch mit Times Senior Editorin Ayesha Javed. © brutkasten

Kaum ein Tool steht so sehr für den KI-Bauboom wie Lovable. Erst im August 2026 hat das schwedische Startup, wie brutkasten berichtete, eine Series-C-Runde über 400 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Menlo Ventures und mit dem EQT-gemanagten Scaleup Europe Fund als Co-Lead, bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden US-Dollar.

Für Gründer und CEO Anton Osika ist das mehr als eine Finanzierungsrunde: Es sei ein Indikator dafür, dass KI-gestützte No-Code- und Low-Code-Plattformen die Nische verlassen hätten und im Mainstream angekommen seien.

Weg vom Entwickler-Monopol

Auf der Dreamforce in San Francisco erläutert Osika die zentrale These hinter Lovable: „Menschen mit Fachwissen über das jeweilige Problem sollten diejenigen sein, die Software bauen“, so Osika. Wer ein Problem am besten kenne, solle auch die Lösung bauen, egal ob in Marketing, HR, Finance oder Operations. Nicht die formale Qualifikation zähle, sondern die Nähe zum Problem.

Dass Lovable längst kein reines Anfänger-Werkzeug sei, belegt Osika mit einer internen Zahl: 55 Prozent der Lovable-Nutzer:innen brächten mehr als elf Jahre Berufserfahrung in ihrem Fachgebiet mit. Entscheidend sei laut dem Co-Founder nicht das klassische Programmieren, sondern die Fähigkeit, komplexe, unstrukturierte Probleme systematisch in funktionierende Systeme zu zerlegen.

Vom Nebenprojekt zur Unternehmenslösung

Besonders aufschlussreich sind die Praxisbeispiele, die Osika im Gespräch anführt. Bei einer Healthcare-Staffing-Firma habe ein Fachbereichsleiter eine komplette neue Produktlinie für die Zertifizierung von Pflegekräften aufgebaut, samt Verwaltung und Terminplanung, und anschließend mehr als zehn weitere interne Anwendungen vernetzt. In den nordischen McDonald’s-Filialen laufe mittlerweile ein auf Lovable gebautes Interface, über das rund 300 Standorte operative Anfragen abwickeln würden.

Solche Geschichten seien laut Osika keine Ausnahme: Bei knapp zwei Dritteln der Fortune-500-Unternehmen, darunter Adidas und Nvidia, würden Mitarbeitende die Plattform nutzen. Häufig beginne es als kleines Team-Projekt und wachse zur unternehmensweiten Lösung heran.

Entwicklung unter Aufsicht

Damit das nicht in unkontrollierter Schatten-IT ende, setzt Lovable laut Unternehmensangaben auf Admin- und Audit-Funktionen, mit denen IT-Verantwortliche nachvollziehen können sollen, welche Anwendungen entstehen, wo sensible Daten verarbeitet werden und wo Sicherheitslücken drohen. Genau das mache aus der anfänglichen Skepsis von IT-Abteilungen häufig Zustimmung, so Osika: „Es wird vom letzten Nein zu dem, was man ausrollen wollte, zum ersten Ja. So verhindern wir Schatten-IT und die Zersplitterung in unzählige Tools, die niemand mehr überblickt“, erklärt Osika.

Überflüssig würden Engineers durch die Lovable-Nutzung anderer trotzdem nicht, meint Osika: Ihre Rolle verschiebe sich von Routineaufgaben hin zu Architektur, Systemanbindung und der Betreuung unternehmenskritischen Codes.

Warum heißt Lovable eigentlich Lovable?

Zum Schluss des Gesprächs räumt Osika mit einem gängigen Klischee über den europäischen Tech-Standort auf: „Viele halten Europa für langsam, aber wenn man in die Tech-Hubs Europas geht, brodelt es dort wie nie zuvor“, sagt Osika. Dass der Produktfokus so stark auf dem Nutzererlebnis liege, führt Osika auch auf den Standort Stockholm zurück, wo der Großteil des Engineering-Teams sitzt. Man habe in den nordischen Ländern genaue Vorstellungen davon, wie ein Produkt funktionieren solle – oder eben nicht. Diese „I-Tüpfelchen-Reiterei“ mache Lovable erst zu dem was es heute ist.

Warum das Unternehmen ausgerechnet „Lovable“ heißt, erklärt er mit einer letzten Zeile, die zugleich als Leitmotiv des Gesprächs steht: „Software sollte nicht einfach nur funktionieren. Sie soll die Emotionen der Menschen wecken“, so Osika.

Vom Vibe zum Volumengeschäft

Was also vor nicht allzu langer Zeit noch als spielerisches „Vibe-Coding“ belächelt wurde, ist laut Osika längst zu einer Infrastruktur geworden, auf der Enterprisekund:innen die nächsten Prozesssysteme entwickeln. Der Markt für KI-gestütztes Bauen sei, so der Lovable-Gründer, endgültig über das reine Ausprobieren hinausgewachsen – und weit über das Vibecoding hinaus.

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