20.05.2021

Lisa Friedrich von TikTok: „TikTok ist auf KMUs zugeschnitten“

Die Amerikanerin Lisa Friedrich ist Head of SMB für TikTok in Europa. Im Interview mit dem brutkasten kündigt sie einen eigenen Hub für KMUs in Österreich sowie eine TikTok-Shopify-Integration an und macht deutlich, warum kein Unternehmen auf TikTok for Business verzichten sollte.
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Lisa Friedrich TikTok
Lisa Friedrich, Head of SMB für TikTok in Europa © TikTok

TikTok startet nun auch in Österreich einen eigenen Hub für KMUs und stellt Werbetreibenden zudem die vollumfängliche Nutzung des globalen Angebots TikTok für Business zur Verfügung. Außerdem geht die führende Plattform für mobile Kurzvideos eine Partnerschaft mit der E-Commerce Plattform für Multichannel-Vertrieb, Shopify, ein, um einen Teil zum Wachstum österreichischer Unternehmen beizutragen. Vorangetrieben wird diese Initiative von Lisa Friedrich, die sich als Head of SMB für Europa mit ihrem Team vom Standort in Dublin (Irland) aus dem Erfolg von kleinen und mittelständischen Werbetreibenden auf TikTok in allen europäischen Ländern verschrieben hat. Vor ihrem Wechsel zu TikTok war Lisa Chief Marketing Officer bei Evident, einem Cybersecurity-Startup, sowie Gründerin von JCG Digital, einer Boutique-Vertriebs- und Marketingberatung, die sich auf kleine und mittelgroße Tech-Unternehmen fokussiert hat. Im Laufe ihrer Karriere hat Lisa sowohl bei Start-ups als auch bei Fortune-100-Unternehmen, darunter Facebook und der Bank of America, Führungsaufgaben wahrgenommen. Lisa bringt fast 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Management mit. Sie hat einen Undergraduate-Abschluss von der University of Georgia und einen MBA von der Georgia State University. Sie wohnt derzeit in Dublin, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Lisa, TikTok startet nach Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland nun auch in Österreich einen Hub für kleine und mittelständische Unternehmen. Was genau hat es damit auf sich?

Wir bei TikTok glauben, dass der Aufbau von authentischen und positiven Communities eine entscheidende Rolle für kleine und mittlere Unternehmen spielt. Sie müssen von potenziellen Kund*innen gehört und gesehen werden. Im Gegensatz zu den Möglichkeiten und Budgets der Werbeabteilungen größerer Unternehmen zählt für KMUs jeder Euro und jeder Cent, der ausgegeben wird. Deshalb freue ich mich, dass unser neuer TikTok-Hub ab heute kleine und mittlere Unternehmen in Österreich dabei unterstützen kann, von neuen Zielgruppen entdeckt zu werden. Konkret bedeutet das, dass wir KMUs Informationen, Tipps und Hilfestellungen geben, wie sie TikTok als Plattform und unsere Community für ihre Marketingziele nutzen können, neue Kund*innen gewinnen und bestehende binden – quasi ein One-Stop-Shop für Werbeanleitungen, kreative Inspirationen und Ressourcen. Wir haben außerdem einen Guide veröffentlicht, der jetzt auf dem SMB-Hub verfügbar ist.

Warum sollten KMUs keinesfalls auf TikTok als Werbe-und Marketinginstrument verzichten?

TikTok ist mit den Formaten auf KMU-Kund*innen zugeschnitten: Mit Produkten wie den kürzlich eingeführten sogenannten „Leadgenerierungs-Anzeigen“ können Unternehmen beispielsweise über ein von potenziellen Kund*innen ausfüllbares Formular auf einfache Weise Konversionen vorantreiben. Marken können Hashtags wie #kleinunternehmer (> 724K Aufrufe), #Geschäftsidee (> 6 Mio. Aufrufe), #entrepreneur (> 11 Mrd. Aufrufe), #smallbusinesscheck (> 9 Mrd. Aufrufe), supportsmallbusiness (> 2 Milliarden Aufrufe) oder #smallbusiness (> 26 Mrd. Aufrufe) nutzen, um ihre einzigartige Unternehmensgeschichte und -reise mit anderen zu teilen und eine Fangemeinde aufzubauen. TikTok ist außerdem der ideale Ort für KMU, um eine große Community von engagierten und gleichgesinnten Unternehmen zu erschließen. Wir ermutigen Unternehmen dazu, gerade jetzt unkonventionelle Wege zu gehen, aber wir bieten auch Ratschläge, wie eine
erfolgreiche Zusammenarbeit auf TikTok aussehen könnte.

Für Unternehmen welcher Branchen ist euer Angebot besonders interessant und warum?

Wir freuen uns über jedes neue Unternehmen, das TikTok bereichert. KMUs aus verschiedensten Branchen haben die Möglichkeit, den TikTok Ads Manager, unserer Self-Service-Werbeplattform, auf der Unternehmen jeder Größe In-Feed-Anzeigen auf TikTok schalten können, zu nutzen, um sich Tausenden von kleinen Unternehmen in Europa anzuschließen, die auf TikTok viral gehen, engagierte Zielgruppen erreichen und ihren Umsatz steigern.
Der TikTok Ads Manager wurde entwickelt, um Unternehmen jeder Größe den Einstieg in die Plattform zu erleichtern. Die TikTok-Community kann ihre Lieblings-Kleinunternehmen unter #SupportSmallBusiness entdecken und sie so unterstützen. Thematisch ist wirklich für jedes Unternehmen und alle potenziellen Kund*innen etwas dabei: Von Kleidung, Accessoires, Schmuck, über Kosmetik, Süßigkeiten und viele weitere Themen, es gibt auf TikTok für jede Produkt die passende, begeisterte Zielgruppe.

Um diese Zielgruppen bestmöglich zu erreichen, öffnet ihr euer globales Service „TikTok for Business“ nun auch hierzulande. Wie profitieren Unternehmen konkret davon?

TikTok for Business ist unser Angebot für Werbetreibende – wir wollen ihnen die Tools geben, kreative Geschichten zu erzählen und eine nachhaltige Beziehung mit der TikTok-Community einzugehen. Marken jeder Größe haben Möglichkeit, durch Kurzvideos entdeckt zu werden und mit ihren Zielgruppen in Kontakt zu treten.
Nutzer*innen können mit ihren Lieblingsmarken interagieren und so Teil der Marken werden. Unsere TikTok-Werbeformate decken verschiedene Stationen der Customer-Journey und der Marketing-Touchpoints ab, an denen sich das Bild einer Marke bei potenziellen Kund*innen verdichtet. Unabhängig von der Branche arbeiten wir mit den Marken individuell zusammen, um eine Kampagne zu entwickeln, die zum Unternehmen, aber auch zu TikTok passt, denn durch den einzigartigen Charakter von TikTok sollte jede Werbung auf unsere Plattform zugeschnitten sein. Um einige Highlights zu nennen: Neben Formaten wie In-Feed Videos, die im Für-dich Feed der Nutzer*innen nativ eingebunden werden und unserem „TopView“-Format, das direkt beim Öffnen der App erscheint, sind Hashtag-Challenges und Branded Effects beliebte Lösungen, weil sie auf kreative und bunte Art und Weise die Community zur Interaktion aufrufen. Wichtig ist für Werbetreibende natürlich auch, dass Kampagnen ausgewertet werden können. Mit unserem „Tiktok Creator Marketplace“ können Werbetreibende Creator*innen suchen, die zu ihrer Kampagne passen.

Mit welchen Kosten müssen Unternehmen hier rechnen?

Die Budgets sind je nach Kampagne unterschiedlich, genau wie die Vorstellungen, mit denen unsere Kunden zu uns kommen. Für viele Unternehmen ist die wichtigste Zielgröße, Awareness zu schaffen und ihre Produkte durch Engagement und Interaktion bekannter zu machen. Viele Marken nutzen TikTok, um sich in einer neuen, authentischen, bunten Umgebung zu präsentieren und mit einem breiteren Publikum zu interagieren, das man kaum auf anderen Plattformen findet. Aber auch zum Abverkauf bietet sich TikTok an, hier haben wir viele beeindruckende Beispiele zur Kaufkraft unserer Community. Erst kürzlich war der „Bio Tee Hibiskus“ von Volvic in vielen Geschäften ausverkauft, mit einem Umsatzplus von teilweise 150 Prozent, weil in der Community unter dem Hashtag PinkDrink ein Rezept für einen Sommer-Drink viral gegangen ist, der das Produkt beinhaltet.

Inwiefern unterscheidet sich TikTok als Werbe- und Marketinginstrument von Plattformen wie Facebook oder Instagram?

TikTok ist eine einzigartige Plattform, die ein bildschirmfüllendes Erlebnis mit Ton bietet, mit einem Publikum, das Werbetreibende nirgendwo anders finden. Wir sehen uns als „Unterhaltungs-Plattform“, nicht primär als „Social Media Plattform“. Das bedeutet, dass bei uns Inhalte im Zentrum stehen. Auch ohne eine große
Follower*innenzahl können sich neue Inhalte schnell verbreiten und finden ihr Publikum, wenn sie die richtige Sprache unserer Community sprechen. Mit der kürzlich überschrittenen Reichweite von 100 Millionen monatlichen aktiven Nutzer*innen in Europa entwickelt sich TikTok schnell zu einer der kulturell und kommerziell einflussreichsten Plattformen der Welt. Unsere Mission lautet: Menschen zu inspirieren und zu bereichern, indem wir ein Zuhause für kreativen Ausdruck und positive, inspirierende Erlebnisse bieten. Damit ist TikTok eine generationsübergreifende Plattform, die Zielgruppen auf der ganzen Welt anspricht. Durch einen Algorithmus, der auf das Entdecken von neuen Inhalten ausgelegt ist, ist die interaktive Umgebung von TikTok für Marken der perfekte Ort zur Ansprache ihrer Zielgruppe.

Welche Zielgruppe erreichen KMU, wenn sie auf TikTok werben?

KMU erreichen bei uns Zielgruppen, die sie auf anderen Plattformen nicht erreichen. Unsere Zielgruppe sind die Gen Z und Millenials, aber wir werden auch immer „erwachsener“. Laut einer Kantar Studie sind mittlerweile 67 Prozent der TikTok Nutzer*innen weltweit älter als 25. 83 Prozent der Nutzer*innen geben an, dass sie durch Inhalte auf TikTok zu einem Kauf inspiriert wurden. Laut Kantar’s Kampagneneffektivitäts-Tracking ist die Kaufabsicht von Verbraucher*innen nachdem sie eine Werbung auf TikTok gesehen haben im Vergleich zu Branchenstandards 2,6 mal höher. Wir sind in mehr als 150 Märkten und 75 Sprachen verfügbar. Die Inhalte und auch die Interessen unserer Community sind sehr divers: Die Community in Österreich interessiert sich für vielfältige Themen von lehrreichen Videos, Sport und Gaming bis hin zu Comedy und Lifehacks. Österreichischen Nutzer*innen liegt außerdem das Thema Diversität am Herzen – beispielsweise unter dem Hashtag #lgbtq. Pro Minute werden weltweit mehr als 100 Millionen TikToks erstellt und generieren täglich Milliarden von Ansichten.

Ein neues Feature für österreichische Unternehmen ist eine Integration in den Onlineshopping-System-Anbieter Shopify. Wie funktioniert das genau und welche Vorteile ergeben sich für Nutzer dieses Services?

Wir haben mit Shopify seit vergangenen Oktober eine globale Partnerschaft, die wir heute auch in Österreich starten. Ziel ist es, Geschäftsinhaber*innen und Gründer*innen zu inspirieren und ihnen dabei zu helfen, die Kreativität der TikTok-Community für sich zu nutzen, entdeckt zu werden und ihre Marketingkampagnen zu optimieren. Über die neue TikTok-Integration können Shopify-Händler auf Kernfunktionen des TikTok Ads Managers zugreifen, ohne das Shopify-Dashboard zu verlassen. Shopify-Händler können ihren TikTok Pixel mit einem Klick installieren oder mit dem Account verbinden, um so das Tracken von Conversions zu vereinfachen und zu beschleunigen. Händler können Kampagnen erstellen, Zielgruppen ansprechen und die Ergebnisse an einem Ort mitverfolgen. Die TikTok-Integration ermöglicht es Shopify-Händlern, eigene native, teilbare Anzeigen zu erstellen. Die intuitiven Kreativ-Tools von TikTok helfen Händlern dabei, Produktfotos und -videos in wenigen Minuten in hochwertige TikToks zu verwandeln. Und die Erweiterung des TikTok Pixels ermöglicht es Shopify-Händlern, Zielgruppen effektiver anzusprechen, um TikTok-Anzeigen besser mit Website-Konversionen abzugleichen und Zielgruppen für Retargeting weiter auszubauen.

Du hast gesagt, dass die Shopify-Integration eine globale Partnerschaft ist. In welchen Ländern bietet ihr diese bereits an und wie fällt deine Bilanz hierzu aus?

In Europa bieten wir bieten die Shopify-Integration derzeit in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und seit heute auch in Schweden, Irland und Österreich an und sind stolz auf die spannenden und vielfältigen Unternehmen mit einer großen Bandbreite an Produkten und Geschäftsmodellen, die wir auf unserer Plattform mit ihren Communities verbinden konnten.

Kannst du exemplarisch drei besonders erfolgreiche Kooperationen in diesem Bereich nennen?

Wir haben viele inspirierende Beispiele, unter anderem das Tiroler Startup NatureCraft, das die Shopify-Integration in der Beta-Phase getestet hat. Das Unternehmen stellt handgefertigte Schmuck-Unikate aus Holz, Naturelementen, Metall und Baumwolle her. Mit In-Feed Anzeigen bringt NatureCraft seine kreativen und bunten Schmuckkreationen zur Geltung und spricht eine neue Zielgruppe an. Seine inspirierenden und kreativen Produkte passen außerdem gut zur kreativen und positiven Community auf TikTok. Ein weiteres Beispiel, diesmal aus Deutschland, ist das Startup Oatsome, das seine bisherige Marketingstrategie ergänzen und die Reichweite erheblich steigern konnte. Seine Smoothie Bowls und Bliss Balls waren im Januar beinahe ausverkauft. 93 Prozent der Kund*innen, die über TikTok zu ihnen kamen, waren Neukund*innen, was die Relevanz des Kanals für sie bestätigt hat. Ein weiteres Beispiel aus Schweden, die übrigens auch heute mit ihrer Shopify-Partnerschaft starten, ist Ninepine, ein Label mit Sitz in Stockholm, das Activewear herstellt. Durch TikTok und Shopify konnten sie über Schweden hinaus in andere europäische Märkte wachsen. Sie haben den Wert von TikTok für ihren Marketing-Mix erkannt und arbeiten zukünftig mit einem Content-Creator zusammen, der ihnen dabei helfen wird, Inhalte für die Plattform zu produzieren.

Abschließende Frage: Wie zufrieden bist du mit der Geschäftsentwicklung von TikTok aktuell?

Seit wir in Europa aktiv sind verfolgen wir einen lokalen Ansatz und wollen ein Teil der Gesellschaft sein. Das spiegelt sich in den reichhaltigen lokalen Inhalten und Trends wider. Es ist unglaublich zu sehen, wie TikTok in dieser Zeit und in den vergangenen Jahren in Europa angenommen wurde. Wir sind ja schließlich im August letzten Jahres erst zwei Jahre alt geworden. Heute nutzen in Europa mehr als 100 Millionen Menschen jeden Monat TikTok. TikTok hat derzeit rund 200 Mitarbeiter*innen für den DACH-Raum und wir bauen aktuell diverse Teams weiter aus. In den letzten Monaten fand und findet das Leben vieler Menschen verstärkt online statt – viele suchten verstärkt nach Möglichkeiten, um auf unserer Plattform mit anderen in Kontakt zu treten. Das konnten auch Marken für sich nutzen. Die Diversität unserer Plattform und der Inhalte zeigt sich auch darin, dass Familien generationenübergreifend die App nutzen und miteinander Zeit verbringen, um gemeinsam kreative Ideen umzusetzen.

Vielen Dank für das Interview.

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Salesforce-CEO Marc Benioff bei der Dreamforce-2026-Eröffnungs-Keynote. © brutkasten

Rund 45.000 Besucher:innen versammeln sich beim jährlichen Flaggschiff-Event des CRM-Riesen Salesforce rund um das Moscone Center in San Francisco. Höhepunkt ist die Eröffnungskeynote von CEO Marc Benioff: Wer einen Platz im größten Saal des Dreamforce-Areals ergattern will, muss bereits Stunden zuvor vor Ort sein.

Hawaiianische Rituale und ein Kurzauftritt von Grammy-Preisträgerin Gwen Stefani überbrücken die Wartezeit, ehe der Salesforce-Mitgründer eindrucksvoll inszeniert die Bühne betritt, um sich dem Leitthema der diesjährigen Konferenz zu widmen: der Transformation von Unternehmen durch autonome KI-Agenten.

Der Dreamforce-Haupteingang in San Francisco.

Anthropic- und Nvidia-CEO mit auf der Bühne

Den Auftakt zum dreitägigen Programm bestreitet Benioff nicht allein. An seiner Seite: Dario Amodei, Co-Founder und CEO von Anthropic, Jensen Huang, CEO von Nvidia, Siemens-CEO Roland Busch sowie mehrere Vertreter:innen aus dem eigenen Haus.

Die Auswahl ist alles andere als Zufall. Mit Claudeforce holt Salesforce seine Applikationen direkt in die Anthropic-Umgebung. Parallel dazu entsteht mit Nvidia das hauseigene Modell „Koa“, das auf Nvidias Nemotron-Architektur aufbaut und mit synthetischen Daten, die auf 27 Jahren Salesforce-CRM-Wissen basieren, trainiert wurde.

„Ich habe kein einziges autonomes Fahrzeug in Europa gesehen“

Geografisch spielt sich Dreamforce zwar in den Vereinigten Staaten ab, dennoch nimmt Europas Position im globalen KI-Wettlauf breiten Raum in Benioffs Eröffnungskeynote ein. Das Bild, das der Salesforce-Mitgründer zeichnet, fällt ernüchternd aus: „Ich war einige Monate in Europa und habe kein einziges autonomes Fahrzeug gesehen“, berichtet der CEO, als Sinnbild für die ungleiche globale Verteilung und die zögerliche Nutzung von KI-Technologien.

„Die Tür ist offen, aber noch nicht jeder ist hindurchgegangen“, führt Benioff aus. Kund:innen, so seine Einschätzung, seien teilweise noch in einer alten Welt verhaftet und hätten die unternehmerische Transformation durch KI noch nicht vollzogen. Genau hier will Salesforce ansetzen, um die Adoption zu beschleunigen.

AIforce vorgestellt

AIforce soll die Arbeitsweise von Unternehmen transformieren.

Konkret wird dieser Anspruch bei der zentralen Produktankündigung, die Benioff im Rahmen seiner Keynote als „die aufregendste in der Geschichte von Salesforce“ bezeichnet: Mit AIforce möchte das Unternehmen Daten, Workflows, Geschäftslogik und Governance direkt in Arbeitsumgebungen wie Slack, Claude oder Salesforce Lightning bringen, ohne dass Nutzer:innen Salesforce selbst öffnen müssen. „KI führt zu einer Revolution der Benutzeroberflächen“, so Benioff laut offizieller Ankündigung. Dabei betont Salesforce von Beginn an, dass das System auf Zero Data Retention setzt. „Deine Daten sind deine Daten“, versichert der CEO mehrfach.

Technisch stützt sich AIforce auf drei bestehende Bausteine: Data 360 liefert den einheitlichen Datenkontext, Customer 360 die Anwendungs- und semantische Intelligenz, Agentforce die digitale Belegschaft aus KI-Agenten. Zum Start zählen dazu Claudeforce, Slackforce und Agentforce Coworker.

Amodei plädiert für Industriestandards

Die Partnerschaftsmarke Claudeforce ist seit August 2026 bekannt; Amodeis Anwesenheit unterstreicht dennoch das Gewicht der Partnerschaft. Auf Benioffs Frage, was ihn zuletzt am meisten überrascht habe, antwortet Amodei: „Das Tempo, nicht nur auf technologischer, sondern auch auf wirtschaftlicher Seite. Ich war schlicht überrascht, dass eine solche Geschwindigkeit in der Geschäftswelt überhaupt möglich ist.“

Auf Benioffs Frage, wie er die „Pacing“-Debatte und den aktuellen Stand der Sicherheit einschätze, antwortet Amodei mit einem Drei-Stufen-Plan, den er wenige Tage zuvor in seinem Essay „We Must Pace the Frontier“ veröffentlicht hatte: zunächst die eigenen Praktiken prüfen und in Transparenz investieren, dann gemeinsame Industriestandards erarbeiten, schließlich eine internationale Abstimmung anstoßen. Umgesetzt sei bislang erst der erste Schritt. Begleitet von drei Sicherheitskräften verlässt Amodei den Saal umgehend nach seinem kurzen Auftritt.

Huang sieht Verantwortung bei den Entwickler:innen

Salesforce-CEO Marc Benioff und Nvidia-CEO Jensen Huang bei der Eröffnungs-Keynote.

Während Amodei bei Sicherheitsfragen einen bedachten, koordinierten Kurs einfordert, vertritt Nvidia-CEO Jensen Huang eine andere Linie: „Sicherheit hat oberste Priorität, in vielerlei Hinsicht ist sie die wichtigste Aufgabe. Allerdings ist Sicherheit zugleich ein Ingenieursproblem“, ein komplexes Rechensystem wie jedes andere, das sich technisch beherrschen lasse. Sein Rezept: zunächst sichere Testumgebungen schaffen, in denen sich Systeme prüfen lassen, und Produkte erst freigeben, wenn man von deren Sicherheit überzeugt ist. Regulatorische Eingriffe des Staates lehnt er ab.

Die Devise laute stattdessen, Innovationen so rasch wie möglich voranzutreiben, ohne Sicherheit zu opfern: „Laufen Sie so schnell Sie können, doch sobald Sie das Gefühl haben, […] das Produkt werde nicht sicher sein, legen Sie eine Pause ein“, so der Nvidia-Chef. Tempo und Sicherheit seien für ihn kein Widerspruch, sondern gleichzeitig erreichbar. Ob sich Unternehmen im permanenten Wettlauf um Marktanteile tatsächlich so diszipliniert selbst bremsen, wie Huang es beschreibt, bleibt allerdings offen.

Das Mantra: „Software ist nicht tot“

Wie ein roter Faden zog sich zudem das Gegennarrativ zur „SaaSpocalypse“ durch den Vormittag. Huang bezeichnete die These vom Ende der Software als „kompletten Unsinn“, Benioff präzisierte: „Software ist nicht tot. Es ist das Ende jener Software, die Menschen die ganze Arbeit machen lässt.“ Ob sich diese Neuerfindung tatsächlich so reibungslos vollzieht, wie auf der Bühne suggeriert, wird sich außerhalb des Moscone Centers erst noch zeigen müssen.


Transparenzhinweis: Die Reise- und Aufenthaltskosten zur Dreamforce wurden von Salesforce übernommen. Auswahl und Bewertung der Themen erfolgten unabhängig davon.

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