16.05.2018

RBI-Digitalisierungschef: „Wollen eine Skalierungsplattform für Startups sein“

Interview. Im Gespräch mit dem Brutkasten erklärt Hannes Cizek, Head of Group Digital Banking der Raiffeisen Bank International (RBI), was er im heimischen Fintech-Beirat erreichen will, wie die RBI mit der PSD2-Regulierung umgeht und was er sich vom zweiten Durchgang des Elevator Lab erwartet.
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Hannes Cizek über das Elevator Lab, den Fintech-Beirat und die PSD2-Regulierung
(c) Haris Dervisevic / Der Brutkasten: Hannes Cizek
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Die Raiffeisen Bank International (RBI) setzt in der Digitalisierung auf mehrere Schienen. Zwei Programme stechen dabei heraus: Innovationen von Startups kommen über den Accelerator Elevator Lab, der dieses Jahr in die zweite Runde geht. Im Intrapreneurship-Programm Innovation Garden wird mit den Innovations-Ideen der rund 50.000 Mitarbeiter der RBI-Gruppe gearbeitet. Bei beiden Programmen steht die Einbindung der betroffenen Abteilungen und die Zusammenarbeit zwischen den Netzwerk-Banken im gesamten CEE-Raum im Zentrum. Die Fäden laufen dabei bei Hannes Cizek, Head of Group Digital Banking, zusammen. Im Interview spricht er über seine Tätigkeit im vom Finanzministerium initiierten Fintech-Beirat, über Herausforderungen durch die PSD2-Regulierung und natürlich über Elevator Lab und Innovation Garden.

⇒ The interview in english


Du sitzt als einer der Vertreter im Fintech-Beirat, der vom Finanzministerium initiiert wurde. Da bist du neben verschiedenen Playern aus dem Bereich, auch Startup-Gründern. Was will eine Großbank wie die RBI dort erreichen?

Das Ziel des Fintech-Beirats, ist die Vernetzung zwischen dem Gesetzgeber und den Industrie-Playern. Es geht darum, den Austausch zu verstärken und konkrete Themen anzugehen. Dazu gibt es das Vorbild des deutschen Fintech-Beirats, den es seit zwei Jahren gibt und der sehr gut funktioniert. Ein wichtiger Treiber war dabei sicher die Marktposition der RBI in Österreich und in Zentral- und Osteuropa (CEE), aber vor allem war auch unsere starke Aktivität im Corporate-Startup-Engagement.

Im Beirat sind Vertreter der traditionellen Banken und Versicherungen, es sind Fintech- und Venture Capital-Vertreter dabei und auch Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber – es ist eine sehr bunte Runde. Wir erhoffen uns vom Beirat, dass wir ein Gremium haben, in dem wir Themen, die für uns relevant sind, gut positionieren und diskutieren können und dass die Geschwindigkeit ein bisschen erhöht wird. Wir werden jetzt über Rahmenwerke diskutieren, die für Fintechs und Banken wichtig sind, um neue Dienstleistungen und Produkte für sich oder gemeinsam zu testen. Ziel ist auch, dass man nicht mehr viele bilaterale Termine braucht, sondern ein Gremium hat, in dem man sich die Zeit nimmt und ein Thema auf operativer Ebene ausdiskutieren kann. Umgekehrt kann dann der Gesetzgeber für sich daraus ableiten, was er daraus macht, was für ihn politisch relevant ist und was er priorisieren will.

Du hast jetzt schon die Zusammenarbeit mit Startups angesprochen. Was wären ganz konkrete Vorschläge, die das Leben und die Zusammenarbeit mit Startups, unter anderem im Rahmen des Elevator Labs, für euch erleichtern?

Unabhängig vom Fintech-Beirat, in dem die Prioritäten gemeinsam gesetzt und bearbeitet werden, ist für uns als RBI generell das Thema „Regulatory Sandboxes“ relevant. Das soll ja Banken und Fintechs ermöglichen, Dienstleistungen und Produkte in einem Umfeld, das eine niedrigere Eintrittsbarriere hat, zu testen, ohne gleich die vollumfänglichen rechtlichen und regulatorischen Vorgaben erfüllen zu müssen.

Was gäbe es für Beispiele? Was würdet ihr in der „Sandbox“ testen?

Das kann auch etwas ganz Banales sein. Es kann einfach um eine neue Dienstleistung für bestehende Kunden gehen. Ich will diese aber erstmal in einer kleinen Anwendergruppe über einen begrenzten Zeitraum testen, wie es in Technologieunternehmen üblich ist. Dann stellt sich die Frage: Muss ich für diese kleine Anwendergruppe bereits alle Vorgaben erfüllen, oder schafft man so eine regulatorische Sandkiste? In Singapur oder Großbritannien gibt es das Modell schon seit einigen Jahren. Das zweite große Thema, für uns als grenzüberschreitend tätige Bank, ist die technische Standardisierung von Schnittstellen und Datenformaten. Ein wichtiger Punkt ist dabei für uns etwa die PSD2-Regulierung.

Was wird die PSD2-Regulierung für eine Auswirkung für euch haben? Was erwartet ihr im Hinblick auf eure Konkurrenz?

Bis zu einem gewissen Grad ist das noch ein Kaffeesudlesen. Was die tatsächlichen Auswirkungen auf den Markt sein werden, weiß niemand. Die PSD2, die formal Anfang des Jahres in Kraft getreten ist und bis Mitte 2019 im nationalen Recht umgesetzt werden muss, ist am Ende eine Marktliberalisierung und eine stärkere Öffnung des Finanzdienstleistungssektors für Dritte. Das heißt, wir müssen zunächst vor allem Schnittstellen für Zahlungsverkehrsbereich entwickeln und diese für Dritte öffnen. Das eröffnet Potential für beide Seiten, denn  ich kann auch mein Produkt- und Serviceangebot an meine Kunden um das Angebot Dritter erweitern. Stichwort: Open Banking.

Hannes Cizek about the Elevator Lab and PSD2
(c) Haris Dervisevic / Der Brutkasten: Hannes Cizek

„Wir müssen noch stärker an das herankommen, was Kunden aus anderen Branchen gewohnt sind.“

Umgekehrt gibt es die Herausforderung, dass diese Drittanbieter den Anspruch haben, selbst über Open Banking-Plattformen die Schnittstelle zum Kunden hin zu werden, und den Banken damit die Rolle eines Produktdienstleisters zukommen würde. Wir glauben, dass die Banken immer noch eine starke Value Proposition für den Kunden haben, vor allem was Sicherheit und Vertrauen betrifft. Das heißt für uns, dass wir uns vor allem in den Bereichen Design und User Experience weiter verbessern müssen. Wir müssen noch stärker an das herankommen, was Kunden aus anderen Branchen gewohnt sind, damit die Gefahr, die Kundenschnittstelle im digitalen Kanal zu verlieren, nicht besteht.

Kann man also sagen, dass die Herausforderung stark auf der technischen Seite besteht und andererseits auf horizontaler Ebene stärker mit Konkurrenz zu rechnen ist?

Das ist vollkommen richtig. Das Ziel von Plattformen ist ja immer, beide Seiten zu bedienen, und genau in diese Schnittstelle hineinzugehen. Da haben wir in den letzten zehn Jahren ein paar sehr prominente und gut funktionierende Beispiele auch auf globaler Ebene gesehen, bei denen wir vorher nicht unbedingt einen Kundenneed gesehen hätten. Wir sind vorher auch Taxi gefahren, wir haben vorher auch Hotels gebucht und doch hat sich das Bild in relativ kurzer Zeit in vielen Regionen dramatisch verändert. Das muss man einfach ernst nehmen. Das muss man für sich analysieren und sich fragen: „Was kann das für meine Industrie heißen?“.

Das ist der eine Ast. Der andere Ast ist die Umsetzung. Die trägt noch viele Herausforderungen in sich. Viele Details sind da noch nicht klar und da kommen wir wieder zum Fintech-Beirat. Hier wollen wir auch Themen einbringen, die wahrscheinlich niemand sexy findet. Da geht es zum Beispiel darum, wer das operative Risiko trägt, wenn man seine Schnittstelle mit Kundendaten für Dritte öffnet – auch wenn der Kunde zugestimmt hat. Welche Voraussetzungen muss dieser sogenannte Third Party Provider (TTP) erfüllen und wer überwacht deren Einhaltung? Wer erfüllt die vielen anderen bankenregulatorischen Vorgaben zukünftig? Und wie standardisiert können diese technischen Schnittstellen sein?

Im Moment ist es leider so, dass im Rahmen der PSD2 unterschiedliche nationale Standards entstehen. Das ist komplett entgegen des ursprünglichen politischen Ziels, nämlich der Schaffung eines Digital Single Markets für Finanzdienstleistungen in der EU. Die kommenden Monate werden also eine ganz spannende Phase für uns alle.

+++ RBI Elevator Lab: Neue Startup-Suchfelder im zweiten Batch +++

Wie ist das mit den nationalen Standards für euch als multinationale Bank? Versucht ihr zumindest intern ein einheitliches System zu erarbeiten?

Wir bemühen uns einen gruppenweiten API-Standard zu entwickeln, müssen aber natürlich auf die nationalen Gegebenheiten zusätzlich Rücksicht nehmen. Unsere Erwartungshaltung war ursprünglich, dass die PSD2 stärkere Vorgaben liefert. Zumindest, was die technische Umsetzung, die Datenformate, die technische Schnittstelle und die Frage, wie die API gebaut werden muss, anbelangt. Da die PSD2 aber eine Richtlinie ist und keine Verordnung, obliegt die Detailumsetzung der nationalen Gesetzgebung. Bei uns wurde diese heuer im Zahlungsdienstleistergesetz umgesetzt. In Tschechien, in der Slowakei, in Ungarn, in Rumänien und in Bulgarien gibt es entsprechend jeweils eigene Gesetze.

Neben Österreich sind sieben unserer vierzehn CEE-Märkte EU-Mitgliedsländer. Da versuchen wir natürlich schon, in den Gesprächen im Fintech-Beirat, aber auch mit den Stakeholdern in unseren „Host-Countries“, darauf hinzuweisen, dass unterschiedliche nationale Standards für grenzüberschreitend tätige Banken eine zusätzliche Komplexität schaffen würden. Aber die PSD2 betrifft nicht nur Banken, sondern auch Fintechs, die ihr Business skalieren müssen und für die eine technische Vereinheitlichung von Schnittstellen ebenfalls relevant ist. Das Thema ist also weitaus komplexer als etwa die „Passporting-Regel“, die es ermöglicht mit der Banklizenz in einem EU-Mitgliedsstaat auch in einem anderen Mitgliedsland tätig werden zu können.

Bleiben wir beim Stichwort CEE. Die Ausschreibung zum zweiten Durchgang des Elevator Labs hat kürzlich begonnen. Ihr führt in acht Ländern, in denen ihr eine Tochterbank habt, eigene regionale Challenges durch. Was ist euer Anreiz, besonders Fintechs aus dem CEE-Bereich hereinzuholen?

Zunächst einmal sehen wir die CEE-Region, neben Österreich, als unseren Heimatmarkt. Wir sind seit bald dreißig Jahren in der Region und haben dort ein einzigartiges Netzwerk und haben Zugang zu den lokalen Ökosystemen. Die Marke Raiffeisen ist in der gesamten CEE-Region extrem bekannt. Das alles wollen wir nutzen. Zweitens  gibt es in der CEE-Region sehr viele Talente, da hier traditionell ein Ausbildungsschwerpunkt im technologischen, mathematischen und analytischen Bereich gelegt wird. Immer mehr junge Menschen möchten in ihren Heimatländern bleiben und sehen uns hier als attraktiven Arbeitgeber mit enormem Entwicklungspotential.

„Wir haben von Anfang an festgelegt, dass das Elevator Lab für uns kein PR-Gag ist.“

Wie hat die Corporate Startup Collaboration im ersten Durchgang des Elevator Labs funktioniert bzw. wie funktioniert sie im Moment?

Für mich war der erste Durchgang des Elevator Labs ein unfassbarer Erfolg. Wir haben es geschafft, fünf Pilotprojekte gleichzeitig in vier Monaten ins Ziel zu bekommen. Das zeigt, dass wir eine gute Auswahl getroffen haben. Auf der anderen Seite zeigt das, dass die Kooperationspartner und die Organisation dazu in der Lage waren. Das war für mich das Wichtigste. Wir haben von Anfang an festgelegt, dass das Elevator Lab für uns kein PR-Gag ist, nur um sagen zu können: “Auch die RBI kooperiert mit Startups”.

Wir wollen für beide Seiten daraus einen Mehrwert generieren, unser Produkt- und Serviceangebot verbessern und gleichzeitig eine Skalierungsplattform sein. Das bedeutet natürlich eine ungeheure Anstrengung. Für ein Startup ist das ein normaler Zyklus, sich in vier Monaten in dem Maße weiterzuentwickeln. Für einen internationalen Konzern sind vier Monate eine Dimension, in der man sich vielleicht nicht so viel vornimmt. So gesehen war die erste Runde des Elevator Lab ein riesiger Erfolg  für uns.

Wie breit wart ihr für diese Kooperation innerhalb der Organisation aufgestellt? Wie habt ihr euch darauf vorbereitet?

Wir haben ein Kernteam, rund um Max Schausberger, welches das Elevator Lab operativ begleitet und umsetzt. Es war uns wichtig, diesen Teil nicht auszulagern, denn wenn du maximalen Impact auf die Organisation haben willst, musst du so ein Team im Haus haben. Es ist wichtig, im Haus und innerhalb der Gruppe die richtigen Leute, Fach- und Geschäftsbereiche zu kennen und auch zu verstehen, wie die Organisation tickt.

Wir hatten für die erste Phase zusätzlich etwa 50 interne aber auch ausgewählte externe Mentoren. Die internen Mentoren sind Mitarbeiter, die nicht aus dem Kernteam selbst kommen, sondern aus den verschiedenen Fachbereichen, die aber mit den Startups an den Projekten gearbeitet haben. Immer gab es einen sogenannten Lead Mentor, der fachlich der „Single Point of Contact“ für das Startup war. Dieser hat natürlich die Hauptlast der operativen Arbeit getragen. Es war ziemlich cool, zu sehen wie wir hier Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen für das Thema gewinnen und letztlich auch begeistern konnten. Die Kolleginnen und Kollegen haben für Elevator Lab gebrannt und zusätzlich zu ihrem normalen Job daran gearbeitet. Manche wurden auch bis zu einem gewissen Grad freigestellt, das war auch wichtig, um hier die Prototypen wirklich voranzubringen.

Video-Interview mit Elevator Lab-Program Lead Max Schausberger:

Es wurde also auch innerhalb der Abteilungen als Projekt angenommen?

Eindeutig. Das hat niemand so nebenbei als Hobby betrieben. Wir haben schon in der Auswahl der Startups die Geschäftsbereiche ganz stark eingebunden. Wir wussten daher bei unseren fünf teilnehmenden Startups, dass hier ein ganz klarer Business oder Customer Need da ist, den wir bedienen wollen. Dementsprechend stark war das Commitment der Fachbereiche. Elevator Lab wurde ihnen nicht aufoktroyiert, sondern sie haben genau in diesen Bereichen Lösung gesucht. Ich glaube, das war und ist für das gesamte Projekt kriegsentscheidend.

Ihr habt auch ein zweites Programm, den „Innovation Garden“. Das ist ein Intrapreneurship-Programm, in dem ihr Ideen, Vorschläge und Konzepte von innerhalb der Organisation holt. Kannst du darüber etwas erzählen?

Nachdem wir uns letztes Jahr sehr stark darauf konzentriert haben, die Themen Elevator Lab und Startup Engagement zu starten, wollten wir nun auch das Innovationspotential unserer mehr als 50.000 Mitarbeiter heben. Wir glauben, dass man das am besten tun kann, indem man Arbeitsmethoden, Projekte und die Art und Weise zu arbeiten, wie wir es im Elevator Lab und in der Startup-Kooperation kennengelernt haben, auf die interne Organisation überträgt.  Im Rahmen unseres Intrapreneurship Programms Innovation Garden gibt es auch eine Plattform, auf der Ideen eingereicht und dann nach ähnlichen Kriterien wie im Elevator Lab bewertet werden. Auch hier lauten die Kernfragen: Gibt es einen klaren Customer und Business Need und können die Ideen diese Herausforderungen lösen?

Es werden auch grenzüberschreitende und cross-funktionale Teams sehr hoch bewertet. Wir wollen skalierbare Lösungen für die Gruppe bauen und nicht für einen einzelnen Markt. Dann werden in kurzen Phasen von zwölf Wochen Prototypen auf den Boden gebracht. Bis Jahresende sind zwei Durchläufe mit insgesamt acht Prototypen geplant. Wir haben das Format im Vorjahr mit drei Piloten getestet und waren von der internen Innovationskraft unserer Teams begeistert. Ein cooles Programm also, von dem ich mir heuer extrem viel erwarte.

Der erste Durchgang läuft gerade. Wie viele Bewerber gibt es bereits?

Aktuell sind knapp 300 Ideen eingereicht worden und es haben sich etwa 2.100 Kolleginnen und Kollegen auf der Plattform angemeldet. Das Team rund um Silvia Handler hat sehr viel interne Kommunikation betrieben, um das zu bewerben und hinauszutragen. Ich glaube, dass da extrem viel drin ist. Wir haben so viele gute Leute in der Organisation. Die brauchen einfach die Chance, dass sie in einem begrenzten Setup mit methodischer Unterstützung und ausreichend Ressourcen und Budget an so einem Projekt konzentriert arbeiten können. Dafür haben wir natürlich gesorgt. Es ist die gleiche Logik wie im Elevator Lab: Wir machen zuerst die Validierung der Idee und nutzen dazu eine extrem schnelle und frühe Endkundeneinbindung, bevor überhaupt ein Prototyp gebaut wird. Minimum Viable Products (MVP) gibt es nur für jene Ideen, die es nach den drei Monaten Prototyp-Phase in die letzte Auswahl schaffen.

Du hast vorhin von gruppenweiten Lösungen gesprochen. Wenn aus einer bestimmten Tochterbank ein einzelner Painpoint kommt, der dort als groß wahrgenommen wird, aber woanders nicht, ist das dann trotzdem relevant?

Wenn das ein Painpoint ist, der nur in dieser einzelnen Organisation besteht und in allen anderen nicht, dann würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass in anderen Töchtern bereits eine Lösung da ist, die funktioniert. Auch das ist ein kleines Nebenziel von Innovation Garden, dass wir hier für ein wenig mehr Transparenz, Know-How-Transfer und Austausch innerhalb der Gruppe sorgen.

(c) Haris Dervisevic / Der Brutkasten

„Ihr werdet in den vier Monaten eine Riesenkurve mit uns machen.“

Zuletzt zurück zum Elevator Lab. Hast du einen persönlichen Aufruf an die potentiellen Bewerber?

Die RBI ist in der CEE-Region ein ehrlicher und offener Partner, der auf der Geschäftsseite nach Kooperationen sucht. Ihr seht auf elevator-lab.com welche Startups im Vorjahr teilgenommen haben. Schreibt sie an und fragt bei ihnen nach. Ich glaube, dass sie das gleiche Feedback geben werden. Wir haben das beim ersten Durchgang wirklich gelebt. Es ist keine “schiefe Beziehung”, sondern eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Und auch aus methodischer Sicht und von dem Input, den wir liefern können, ist Elevator Lab – so glaube ich – ein richtig spannendes Accelerator Programm. Was ich also potentiellen Bewerbern mitgeben will: Das Programm ist gut strukturiert, es wird euch vom Zeitbudget her nicht überfordern, aber es wird sehr viel Input für eure Geschäftsidee liefern und ihr werdet in den vier Monaten eine Riesenkurve mit uns machen.

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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