31.05.2021

Interspar am Schottentor: spektakulärer Genuss-Hotspot für Startups & Co.

Wo früher Bankgeschäfte abgewickelt wurden, kann man ab sofort Lebensmittel kaufen. Ob Startup oder etablierter Markenhersteller - wer es im neuen Interspar am Schottentor ins Regal schafft, erhält eine besonders schöne Präsentationsplattform für seine Produkte. Plus: Interview mit Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann über die Startup-Initiative Young&Urban.
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Interspar Schottentor
Spar Österreich-Vorstand Mag. Markus Kaser, Bürgermeister Dr. Michael Ludwig und Interspar Österreich-Geschäftsführer Mag. Johannes Holzleitner eröffnen gemeinsam den neuen Interspar am Schottentor. © Interspar/Brunnbauer

Es waren harte Verhandlungen, die dem Einzug von Interspar in die ehemalige Zentrale des Wiener Bankvereins am Schottentor vorausgegangen sind. Denn der Standort war umkämpft – auch der Handelskonzern Rewe Group wollte ursprünglich dort Fuß fassen, wie zahlreiche Medien berichtet haben. Letztendlich hat aber nun Spar den Zuschlag bekommen und sich in den denkmalgeschützten Räumen von Immobilienentwickler Pema eingemietet. Wie lange genau der Mietvertrag läuft und wie hoch die monatlichen Mietkosten sind, wollte Spar-Vorstand Markus Kaser im Rahmen der Eröffnung nicht bekannt geben, nur so viel ließ er sich entlocken: „Die Mietdauer ist lang, sehr lang. Sagen wir es so, ich kann mit Sicherheit mein ganzes Leben lang hier einkaufen.“

Top Einkaufserlebnis in historischem Ambiente

Das Gebäude selbst hat jedenfalls einen ganz besonderen Charme. Bereits bei seiner Eröffnung am 16. August 1912 begeisterte es Bevölkerung und Fachleute gleichermaßen. Ursprünglich von Anselm von Rothschild initiiert, entwickelte es sich zum Musterstück des Historismus, das für viele Bankgebäude in Wien und Europa prägend war. Mit Zusammenschlüssen und Übernahmen zogen zuerst Creditanstalt-Wiener Bankverein und zuletzt die Bank Austria in die repräsentativen Räume ein. 2016 wurde der Bankbetrieb eingestellt und das Gebäude in mühevoller Detailarbeit von Pema aufwändig restauriert. Nach rund dreijähriger Planungs- und Umbauzeit ist die ehemalige zentrale Kassenhalle nun zum Zuhause für einen Lebensmittelmarkt mit Gastronomie (Das Mezzanin ist Interspars erstes à la carte Restaurant; Anm. d. Red.) geworden. Um das Projekt zu realisieren war man stets in engem Austausch mit dem Bundesdenkmalamt. Nachträgliche Einbauten wurden entfernt, Beschädigungen restauriert und der historische Zustand wieder hergestellt. Zudem hat man für die notwendigen Installationen eines Supermarkts Materialien aus der Bauzeit des Gebäudes mit moderner Technik kombiniert.

Strenge Vorgaben des Bundesdenkmalamts

So wurde etwa zum Schutz der Substanz über dem historischen Marmorboden ein optisch identer zweiter Boden eingezogen; in dem so entstandenen Zwischenraum sind nun alle Versorgungsleitungen untergebracht. Weiters wurden die originalen Lampen aus dem Jahr 1912 nachgebaut und mit LED-Technik ausgestattet. Kooperiert hat man dafür mit den Lichttechnik-Spezialisten Bartenbach und Zumtobel. Außerdem gibt es aufgrund der strengen Denkmalschutzbestimmungen keinerlei Verbindung der nachträglichen Einbauten wie Kühlzellen, Regalen oder Theken mit den Mauern des Gebäudes. Eine Situation, die für die Spar aber nicht neu ist, denn man hat bereits Erfahrungen mit historischen Gemäuern und kennt die Tücken und Vorzüge derartiger Adaptierungen. Beispiele sind etwa Standorte in der Nussdorfer Markthalle, in Mozarts Geburtshaus in Salzburg, im Teatro Italia (Venedig) oder im Foro Boaria am Prato della Valle (Padua). In Summe hat Interspar für den Standort am Schottentor über 10 Millionen Euro in den Innenausbau investiert. Ein Betrag, der sich erst etwas später als üblich amortisieren wird, was Vorstand Kaser sowie Interspar-Geschäftsführer Johannes Holzleitner sowie seine Stellvertreterin Michaela Kaspar gerne in Kauf nehmen.

Spezialitäten heimischer Manufakturen

Man freue sich viel mehr über die Erschaffung eines innerhalb der gesamten Spar-Gruppe, die neben Österreich auch in Italien, Slowenien, Ungarn und Kroatien tätig ist, einzigartigen Leading-Stores, in dem 50 Jahre Interspar-Geschichte stecken. Auf 1.770 Quadratmeter Verkaufsfläche – der bisher kleinste Standort unter der Vertriebslinie Interspar (reguläre Märkte sind zwischen 2.500 und 4.000 Quadratmetern groß, Anm. d. Red.) – findet sich alles, was das Herz von Genießern begehrt. Wichtig zu betonen ist Kaser, Holzleitner und Kaspar, dass am neuen Standort am Schottentor alle Wienerinnen und Wiener und natürlich auch Touristen willkommen sind. „Wir möchten alle Menschen in der direkten Umgebung ansprechen. Das zeigt sich auch im Sortiment. Wir führen Produkte von S-Budget im Preiseinstieg ebenso wie exklusive Champagner“, sagt Geschäftsführer Johannes Holzleitner. Im Fokus stand die Kombination aus den besten Lebensmitteln des Interspar-Sortiments mit jenen von Spar Gourmet. Außerdem gibt es 450 Spezialitäten von rund 90 kleinen, familiär geführten Manufakturen und landwirtschaftlichen Betrieben aus ganz Österreich, die unter der Lokalitätsinitiative „Von dahoam das Beste“ gebündelt sind. Beispiele sind das original steierische Kürbiskernöl von der Ölmühle Hamlitsch, Tiroler Edle Schokolade, Produkte von Erich Stekovics oder Honig aus der Honigmanufaktur Biezen von Marian Aschenbrenner aus Wien. Weitere Sortimentsschmankerl sind der WienGin der Kesselbrüder, die Essigspezialitäten von Gegenbauer oder die Weinbergschnecken aus dem Hause Gugumuck. Zudem im Angebot: bis zu 50 Sorten fangfrischer Fisch aus regionalen Fischzuchten, 200 auf Wunsch bestellbare Fische und Meeresfrüchte, Pastavariationen der Pasta-Manufaktur „La Pasteria“ aus dem Servitenviertel, bis zu 450 Käsespezialitäten sowie eine Weinabteilung mit rund 850 Sorten Wien und Schaumwein und 470 Spirituosen. Ergänzend sorgt Interspar mit der bisher größten Market Kitchen für schnellen Genuss für unterwegs und widmet rund ein Drittel seiner Verkaufsfläche warmen und kalten Speisen zum Mitnehmen. Studierende sowie Mitarbeitende der umliegenden Büros stehen von Suppen über Bowl bis hin zu eigens von Neni kreierten Gerichten eine große Auswahl zur Verfügung. Ebenso wie Urban Drinks, unter anderem von Honest, Fritz-Kola und Lemonaid.

Facts Interspar am Schottentor
– Bauzeit: von 2019 bis 2021
– Investitionskosten: über 10 Mio. Euro
– Geschäftsleiter: Andreas Bocek
– Verkaufsfläche: 1.770 m2
– Anzahl Mitarbeiter: rd. 160, davon 2 Lehrlinge
– Öffnungszeiten: Mo bis Fr von 7:30 bis 20:00 Uhr, Sa von 8:30 bis 18:00 Uhr
– Parken: 2 Stunden gratis in den Parkgaragen Votivpark & Freyung (ab 20 Euro Einkaufswert)

Innovationen von Startups willkommen

Im Interspar am Schottentor hat man sich vorgenommen, ein besonders vielfältiges Sortiment mit einem Fokus auf Frische & Convenience zu präsentieren. Stets hoch bleibt dabei der Innovationsanspruch des Lebensmittelhändlers, den auch Startups immer wieder begeistern. Zu diesem Zweck hat Spar im April 2018 die Initiative „Young & Urban“ ins Leben gerufen. Unter diesem Dach werden in bis zu 1.580 Filialen von Spar, Eurospar und Interspar sowie im Onlineshop aktuell rund 300 Artikel von über 40 Jungunternehmern aus dem Food- und Non Food-Bereich angeboten. Der brutkasten hat bei Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann nachgefragt, was es braucht, um bei Spar gelistet zu werden.

Nicole Berkmann Spar
Nicole Berkmann, Unternehmenssprecherin und Leiterin Konzern PR und Information bei Spar © Spar

Welche Bedingungen muss ein Startup erfüllen, um in den Vertriebsschienen eures Unternehmens gelistet zu werden?

Nicole Berkmann: Das Produkt darf keine Kopie eines bestehenden Produktes sein. Es muss einzigartig, unique, sein und ein echtes Kundenbedürfnis befriedigen bzw. eine Problemlösung bieten. Dann wird es interessant.
Um es im Lebensmittelhandel zu verkaufen, muss es auch massentauglich sein, das heißt viele Personen ansprechen. Natürlich muss es auch allen gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechen. Wichtig zu bedenken ist auch, dass die Jungunternehmer selbst die Werbetrommel für ihr Produkt rühren müssen. Denn es muss sichtbar sein und das ist in der Fülle der Produkte gar nicht so einfach. Daher müssen die Unternehmen gut mithelfen, um das Produkt bekannt zu machen. Wir stehen aber auch hier natürlich gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Wann bzw. in welcher Phase ist ein Produkt eines Startups überhaupt für euch interessant?

Das kann man nicht generalisieren. Es kann auch in der Anfangsphase sein. Wir helfen gerne mit Knowhow weiter, wie man eine Idee tatsächlich umsetzen kann oder wir bieten auch einen Realitätscheck an, ob sich das Produkt unserer Meinung nach verkaufen lässt.

Wie wichtig sind euch Exklusivkooperationen?

Da wir in den allermeisten Fällen mit viel Knowhow aushelfen, erwarten wir im Gegenzug eine – aber zeitlich begrenzte – Exklusivität.

Wie viel Zeit erhalten die Produkte von Startups bei Spar, um sich am POS zu etablieren?

Das ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Oft kann man auch mit entsprechenden Kommunikationsmaßnahmen nachhelfen. Das besprechen wir mit den Jungunternehmern von Fall zu Fall.

Wie nehmt ihr den Startups die Sorge, dass deren Konzepte von euch kopiert und als Eigenmarke präsentiert werden könnten?

Die Produkte sind deshalb interessant, weil sie eben von Jungunternehmern kommen. Die Zielgruppe oder die Community wünscht sich genau das. Also warum sollten wir eine Eigenmarke draus machen? Aber es kann auch ganz etwas tolles im Zusammenhang mit Eigenmarken entstehen. Ich gebe dir ein Beispiel. Die beiden Gründerinnen von Sweetomio haben mit ihren eigenen Keksen bei uns angefangen. Sie haben sich aber derart engagiert gezeigt, liefern eine so gute Qualität und sind so beliebt, dass sie mittlerweile unter der Marke Spar Premium Desserts erzeugen. Zusätzlich zu ihren eigenen Produkten.

Kannst du zum Schluss noch drei Kooperationen mit Startups nennen, die besonders erfolgreich waren?

Als besonders erfolgreich haben sich bis dato die Kooperationen mit Food-Startups wie Neoh, Nussyy und Neni erwiesen. Wir freuen uns immer über neue spannende Ideen innovativer Startups, die sich bei uns unkompliziert unter www.spar.at/youngurban bewerben können.

Vielen Dank für das Gespräch.

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(v.l.) Peter Hajek, Monika Köppl-Turyna, Lisa-Marie Fassl und Markus Raunig © Tobias Gärtner

Wie steht es um das Interesse an der Selbstständigkeit in Österreich? Eine Online-Befragung von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag der Stiftung Unternehmerische Zukunft liefert dazu aktuelle Daten. Im Befragungszeitraum vom 22. Mai bis 8. Juni 2026 wurden insgesamt rund 1.500 Personen der österreichischen Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 16 und 69 Jahren befragt. Die Zahlen zeigen, wie stark das direkte Umfeld die Neigung zum Unternehmertum in Österreich prägt.

Der „Eltern-Effekt“ als zentraler Einflussfaktor

Der zentralste Befund der Untersuchung liegt in der familiären Prägung: Der Wunsch und die konkrete Absicht zu gründen gehen laut den Studiendaten maßgeblich mit der unternehmerischen Tätigkeit der eigenen Eltern einher. Insgesamt geben 20 Prozent der Befragten an, mindestens einen selbstständigen oder unternehmerischen Elternteil zu haben. Laut Umfrage verändert diese Erfahrung die Haltung grundlegend: Während sich ohne unternehmerischen Hintergrund lediglich 27 Prozent der Befragten eine Gründung grundsätzlich vorstellen können, steigt dieser Wert bei Personen mit unternehmerischem Elternhaus auf 47 Prozent.

Noch drastischer unterscheidet sich die konkrete Planung: Bei Befragten ohne unternehmerische Eltern geben derzeit nur 7 Prozent an, innerhalb der nächsten zwölf Monate konkret eine Gründung zu planen. Hat mindestens ein Elternteil ein Unternehmen geführt oder gegründet, springt diese Gründungsabsicht auf 18 Prozent, also mehr als das Doppelte. Das Elternhaus senkt somit laut Studie die subjektiven Hürden von der bloßen Vorstellung hin zur konkreten Absicht.

Eklatanter Mangel an sichtbaren Vorbildern im Alltag

Dass die familiäre Herkunft in den Daten eine so dominante Rolle spielt, deckt sich mit einem deutlichen Mangel an sichtbaren Alternativen im öffentlichen Raum. Laut Umfrage fällt fast der Hälfte der Gesamtbevölkerung (49 Prozent) spontan kein einziger Name einer Unternehmerin oder eines Unternehmers ein.

Unter den Befragten zwischen 16 und 29 Jahren geben sogar 60 Prozent an, niemanden nennen zu können. Werden überhaupt Namen genannt, handelt es sich meist um prominente Großunternehmer wie Mateschitz (13 Prozent), Haselsteiner (5 Prozent), Benko (3 Prozent), Swarovski (3 Prozent) oder Elon Musk (2 Prozent). Greifbare Vorbilder aus dem alltäglichen Leben fehlen in der Wahrnehmung vieler Befragter.

Gleichzeitig zeigt die Erhebung: Wer im unternehmerischen Umfeld aufwächst oder entsprechende Kontakte hat, würde im Falle eines Gründungsvorhabens eine nahestehende Person laut Eigenangabe mit 37 Prozent mehr als doppelt so oft aktiv bestärken wie Personen ohne dieses Umfeld (17 Prozent).

Breiter Ruf nach Wirtschaftsbildung an Schulen

Unterstützung aus dem Elternhaus ist ein wichtiger Faktor, doch soll er laut den Befragten nicht der einzige sein, der über die berufliche Zukunft entscheidet, wie sich aus weiteren Ergebnissen ablesen lässt. 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Jugendliche bereits in der Schule stärker lernen sollten, wie man Unternehmen gründet oder führt. Zudem hätten sich 75 Prozent selbst mehr praktische Wirtschaftsbildung gewünscht.

Für Markus Raunig, Vorstand der Stiftung Unternehmerische Zukunft, liefern die Befragungsergebnisse deshalb einen klaren Auftrag an die Bildungspolitik. Seine zentrale These formuliert Raunig bei der heutigen Pressekonferenz als Kernversprechen der Stiftungsarbeit: „Unsere Überzeugung als Stiftung lautet: Es darf nicht davon abhängen, was für Eltern oder welches Umfeld man hat, ob man unternehmerisch tätig wird oder nicht.“

Durch praxisnahe Schulprogramme, den Aufbau eigener Medienkanäle zur Veranschaulichung des unternehmerischen Alltags und die gezielte Sichtbarmachung nahbarer Vorbilder soll dieses Herkunfts-Delta geschlossen werden.

Wachstumsorientierte Startups als echter Jobmotor

Aus volkswirtschaftlicher Sicht kommt es jedoch nicht bloß auf die reine Anzahl an Gründungen an, sondern auf deren Qualität, das betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria. Die auch als Vorstandsmitglied der Stiftung agierende Wirtschaftsforscherin hebt hervor, dass vor allem junge, wachstumsstarke Unternehmen als entscheidender Motor für Beschäftigung und Innovation wirken und überproportional viele neue Arbeitsplätze schaffen.

Auf der Pressekonferenz spitzte Investorin und Stiftungs-Vorstandsmitglied Lisa-Marie Fassl die Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen Haltungswende zu: „Das einzige, was uns hilft wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben als Standort, ist Innovation. […] Es muss gesamtgesellschaftlich gesehen einfach wieder sexy sein, einen Beitrag zu leisten. Wir leben in einem Land mit einer massiven Vollkaskomentalität, wo man darauf wartet, dass irgendwer etwas für einen richtet.“

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