16.09.2025
RECOVERIS

Interpol als Partner: Blockchain-Startup mit Linzer Co-Founder holt Millionen-Investment

Das Schweizer Startup Recoveris kann den US-Geheimdienst Secret Service, Interpol und Regierungen aus Afrika als Nutzer vorweisen. Es enttarnt russische Wallets, die der Rekrutierung von jungen Spionen dienen und hilft der Nachrichtenagentur Reuters bei investigativem Journalismus. Mittendrin ein Linzer Founder.
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Recovery
© Recovery - (v.l.) Roman Bieda, Marcin Zarakowski und Patrick Prinz.

Wenn Strafverfolgung an ihre digitale Grenze stößt und bei Asset-Verlust, etwa bei Krypto-Betrugsfällen oder Hacks, jegliche Hoffnung schwindet, tritt das Schweizer Startup aus Zug auf den Plan. Und hat damit bereits den US-Geheimdienst Secret Service, Interpol und ostafrikanische Regierungen als Kunden an Land gezogen.

Recoveris-Founder unterstützen OSZE

Der Linzer Co-Founder Patrick Prinz startete seine berufliche Laufbahn mit einem Stellenangebot im Corporate and Investment-Banking der US-amerikanischen Bank Citi. Danach folgten weitere Stationen in der Strategieberatung bei PwC Strategy&, bei der Hedgefonds-Gruppe Monterosa und im Venture-Capital-Bereich.

Gemeinsam mit Marcin Zarakowski (CEO), ein Jurist mit Blockchain-Expertise und Roman Bieda (Head of Product), einem global führenden Blockchain-Ermittler und Digital-Asset-Experten gründete er das auf Blockchain-Intelligenz und digitale Vermögensrückgewinnung spezialisierte Unternehmen.

Seine beiden Co-Founder unterstützen die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und weitere internationale Strafverfolgungsbehörden – sie sind dort insbesondere für Schulungen und Beratungen verantwortlich. „Aus unserer gemeinsamen Zeit im Web3-Sektor in der Schweiz kennen Marcin und ich uns gut. Unter anderem haben wir in Brüssel gemeinsam eine Brücke zwischen politischen Entscheidungsträgern und der Web3-Industrie gebaut“, erklärt Prinz.

In den letzten Jahren haben Bieda und Zarakowski zudem zahlreiche Individuen (Opfer von Krypto-Betrugsfällen), DeFi-Protokolle (nach Hacks) sowie Kanzleien in komplexen Fällen beraten. „Die Nachfrage hat sich enorm gesteigert und die Bandbreite der Kundenanfragen erweitert, darunter von Versicherungen, Kryptobörsen, Banken und Finanzdienstleistern. Parallel dazu war im Venture-Capital-Sektor zu beobachten, dass professionelle Blockchain-Teams zunehmend gefragt waren“, so Prinz weiter. „Die politische Landschaft, besonders mit der Trump-Regierung und dem Genius Act, hat alles verändert. Projekte für Stablecoins schossen wie Pilze aus dem Boden und tokenisierte Finanzinstrumente etablierten sich als Standard. Dies machte klar: Jetzt war der richtige Zeitpunkt. In den nächsten Jahren steht die komplette Finanzindustrie vor einem Umbruch.“

Russische Wallets im Visier

Wie das Schweizer Medium finews berichtete, umreißen die Fälle von Recoveris nicht bloß Krypto-Betrug, sondern auch versteckte Vermögenswerte bei Scheidungen, Überweisungen an falsche Wallets oder wenn Bürger:innen Geld vor der Regierung auf der Blockchain verstecken. Auch wurden Wallets enttarnt, die vom russischen Geheimdienst verwendet werden, um junge Spione über soziale Medien zu rekrutieren.

Konkret gab es im Juni 2025 einen Fall, in dem Recoveris die Forensik für das „Reuters-Investigativ-Journalismus-Team“ übernommen hatte. Dabei wurden weltweit Wallets identifiziert, die der FSB (Inlandsgeheimdienst und Geheimpolizei der Russischen Föderation) für die Rekrutierung von jugendlichen Agenten über Social Media nutzt.

Kooperation mit Interpol

Zudem ist das Startup „Investigation- und Recovery-Partner“ der öffentlich-privaten Partnerschaft Operation Crypto Shield, initiiert von der Regierung in Abu Dhabi und angeführt von Interpol und Mastercard. Darin geht es nicht nur um die Verhinderung von Delikten, sondern insbesondere auch um die Rückgewinnung von Vermögenswerten. Durch den Austausch von Echtzeit-Informationen und die enge Kooperation über Ländergrenzen hinweg können so kriminelle Gelder schneller identifiziert, eingefroren und an die rechtmäßigen Besitzer zurückgeführt werden.

„Aufgrund unseres fundierten Know-hows, unserer Erfahrung und der täglichen Arbeit an zahlreichen Fällen sind wir perfekt darauf vorbereitet, zu wissen, welche Teile der Arbeit eines Blockchain-Ermittlers automatisiert werden können. Parallel dazu trainieren wir unsere KI kontinuierlich auf Basis unseres Datenflusses“, präzisiert Prinz den USP des Startups.

Zudem seien führende Datenanalyse-Anbieter (z. B. Chainalysis, Elliptic, Merkle) an ihre eigenen Datenbanken und Tools gebunden, die jedoch in Qualität variieren und unterschiedlichen Logiken folgen: „Deshalb geht der Branchentrend dahin, mehrere Anbieter parallel zu nutzen. Unsere Plattform funktioniert ähnlich wie ein Flugvergleichsportal: Anstatt bei einer einzigen Airline zu buchen, vergleichen wir Daten aus verschiedenen Quellen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“

Der Gründer betont zudem, dass die beste Blockchain-Intelligenz wenig nütze, wenn man nicht weiß, wie man sie effektiv einsetzen soll. Die direkte Anbindung an die relevanten „Virtual Asset Service Provider“ (VASPs) und Strafverfolgungsbehörden sei daher unerlässlich. Hier spiele der Lead-Investor des jüngsten Investments, VerifyVASP, ein in Singapur ansässiges Unternehmen, das gemeinsam mit Angel-Investoren über eine Million Euro in das Startup steckte, eine entscheidende Rolle. Und verschaffe Recoveris einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

„Blockchain Investigation Management System“

„Von Anfang an war es unsere Ambition, die besten Blockchain-Ermittler zusammenzubringen und sie mit den besten Tools auszustatten. Auf Grundlage dieses Know-hows entwickeln wir nun unsere eigene Software, ein ‚Blockchain Investigation Management System‘. Obwohl unser Lead-Investor ursprünglich plante, ein solches System selbst aufzubauen, entschied sich das Unternehmen stattdessen, in uns zu investieren. Ausschlaggebend war dabei unsere Erfahrung in diesem jungen, aber stark wachsenden Segment der Blockchain-Industrie“, so Prinz.

Die aufgenommenen Mittel aus dem Investment sind exklusiv für die Entwicklung des oben erwähnten „Blockchain Investigation Management Systems“ bestimmt. „Wir generieren bereits Einnahmen und sind im operativen Geschäft selbsttragend. Angesichts der überaus positiven Marktlage möchten wir die Entwicklung nun beschleunigen, um unser Wachstum zu forcieren.“

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RobCos Industrieroboter "Alfie" © RobCo

Sechs Jahre nach der Gründung in München hat RobCo den Unicorn-Status erreicht. Das teilte das Unternehmen heute per Presseaussendung mit. Innerhalb von nur neun Monaten konnte das Startup seine Unternehmensbewertung auf über eine Milliarde US-Dollar verdoppeln.

Dieser Sprung erfolgte im Rahmen einer aktuellen Finanzierungsrunde, die neue Investments mit einem Secondary Share Sale kombiniert. Dadurch erhalten langjährige Mitarbeitende die Möglichkeit, eigene Unternehmensanteile zu veräußern.

Cherry Ventures & European Tech Collective steigen ein

An der Transaktion beteiligen sich bestehende Kapitalgeber wie Sequoia, Lightspeed, Greenfield und Promus Ventures. Neu auf dem Cap Table sind unter anderem Cherry Ventures sowie das European Tech Collective, ein Netzwerk erfolgreicher europäischer Gründer:innen.

Roman Hölzl, Co-Founder und CEO von RobCo, ordnet die Finanzierung wie folgt ein: „Es gab eine starke Nachfrage, in RobCo zu investieren, und wir haben diesen Moment genutzt, um das Unternehmen zu stärken.“ Die Milliardenbewertung sei zwar ein Meilenstein, der Fokus liege nun aber auf der Auslieferung der neuen Roboter-Generation.

In seinem heutigen LinkedIn-Post weist er zudem nochmals auf die ambitionierte Mission des Unternehmens hin: „RobCo in jeder Fabrik“.

Industrieroboter „Alfie“ startet im März 2027

Hinter der Bewertung von RobCo steht ein Geschäftsmodell, das auf Hard- und Softwarelösungen für die Fertigungsindustrie basiert. Das Unternehmen entwickelt Robotik-Systeme, die dem Fachkräftemangel und Kostendruck in der Produktion entgegenwirken sollen. Im Zentrum der aktuellen Produktstrategie steht der Industrieroboter „Alfie“, dessen offizieller Marktstart für März 2027 geplant ist.

Das System ist darauf ausgelegt, durch KI-Integration unstrukturierte und sicherheitskritische Fabrikaufgaben selbstständig zu übernehmen. Luciana Lixandru, Partnerin bei Sequoia, kommentiert den technologischen Ansatz: „RobCo baut für eine Zukunft, in der KI nicht nur denkt und generiert, sondern auch in der physischen Welt agiert.“

US-Expansion im Gange

Für die künftige Skalierung baut das Startup seine Präsenz in den USA aus, die bereits jetzt als der am schnellsten wachsende Markt des Unternehmens gelten. Neben dem Sitz in München betreibt RobCo mittlerweile Fertigungsanlagen in Austin (Texas) sowie ein Entwicklungslabor in San Francisco. Um das US-Geschäft und die dortige Expansion direkt operativ zu steuern, verlegt CEO Hölzl seinen Standort in die Vereinigten Staaten.

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