17.09.2020

Die Hälfte der Menschheit ist noch immer offline

3,8 Milliarden Menschen sind noch immer nicht mit dem Internet verbunden. Das hat viele Gründe, und das dahinter schlummernde wirtschaftliche Potenzial ist gewaltig.
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In Entwicklungsländern sind rund 65 Prozent der Bevölkerung offline.
In Entwicklungsländern sind rund 65 Prozent der Bevölkerung offline. (c) Adobe Stock / soniadhankhar

Der Digital Readiness Index von Cisco erhebt, wie die Digitalisierung in den einzelnen Ländern voranschreitet und wo etwa im internationalen Vergleich Nachholbedarf besteht – inklusive Zahlen zu Österreich, wo man diese Tage das 30jährige Bestehen des Austro-Internets feiert. Doch wie sieht es eigentlich mit jenen Menschen aus, die keinen Zugang zum World Wide Web haben? Und was würde passieren, wenn all diese Offline-Erdenbürger ebenfalls online gehen könnten? Dies wiederum hat Cisco mit einer Inclusive Future Studie erforscht.

Die Hälfte aller Menschen ist offline

Was wir aus unserer Bubble aus First-World-Problems in diesem Kontext wissen sollten: Weltweit sind 3,8 Milliarden Menschen noch nicht mit dem Internet verbunden. Angesichts einer Weltbevölkerung von knapp 7,6 Milliarden (Stand: 2018) sind dies also etwa die Hälfte aller Erdenbürger. Hinzu kommt, dass einige weitere Milliarden keinen konsistenten Zugang zum Internet haben. Etwa 35 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern haben Internetzugang, in fortgeschrittenen Volkswirtschaften sind es etwa 80 Prozent.

Die Gründe für den Offline-Status

Ein Grund dafür ist, dass eine Internetverbindung für 100 Prozent der Bevölkerung nur in 29 Ländern erschwinglich leistbar ist. Ein weiteres Thema ist die interkulturelle Verfügbarkeit von Inhalten: 87,5 Prozent allen Online-Contents ist in nur einer von zehn Sprachen verfügbar. Ungefähr 23 Prozent der Erwachsenen weltweit verfügen außerdem nicht über ausreichende digitale Kenntnisse – was bedeutet, dass selbst wenn Internet erschwinglich und vorhanden ist, viele nicht davon profitieren können. Und: Auch hier gibt es einen Gender Gap, denn Frauen sind bis zu 50 Prozent seltener mit dem Internet verbunden als Männer.

Entwicklungsländer: 80 Prozent ohne soziale Dienste

Das fehlende Web in der Welt hat starke Auswirkungen auf gesellschaftliche Strukturen, wie unter anderem auch in der Studie „The Changing Nature of Work“ der Weltbank aus dem Jahr 2019 angeführt wird: In Entwicklungsländern haben vier von fünf Menschen noch nie bedeutende soziale Dienste in Anspruch genommen. Sie kennen keine stabilen Löhne, soziale Betreuung oder umfassende Bildung. Die daraus resultierenden Herausforderungen werden nur zunehmen, wenn die Welt stärker auf eine wissensbasierte Wirtschaft und Dienstleistungen setzt, heißt es dazu unmissverständlich.

Mehr Internet = mehr Wirtschaft

Zugleich ist es nämlich eine Kernaussage der Cisco-Studie, dass eine erhöhte Konnektivität auch mit dem jeweiligen Wirtschaftswachstum korreliert. Oder, anders ausgedrückt: In Ländern mit mehr Konnektivität ist die Wirtschaft tendenziell stärker. Hätten jene Menschen, die derzeit offline sind, Internetzugang, würde dies die Weltwirtschaft um 6,7 Billionen US-Dollar erhöhen und weitere 500 Millionen Menschen aus der Armut befreien, wie es auch in der Studie „Connecting the world: Zehn Mechanismen für globale Inklusion“ von Strategy & aus dem Jahr 2016 heißt.

„Das Gespräch über wirtschaftliche Inklusivität muss künftig auch um politische und soziale Inklusion erweitert werden“, heißt es dazu seitens Cisco: „Während die wissensbasierte Wirtschaft wächst, spielen Regierungen eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von Bildung zur Förderung der digitalen Kompetenz. Damit werden letztendlich neue Arbeitsplätze, verbesserte Arbeitsbedingungen und kontinuierliche Innovation geschaffen.“

Ähnlich sieht man dies bei der Weltbank: Wenn keine Investitionen in die Unterstützung der Menschen getätigt werden, führt dies auch zu erheblichen Produktivitätsverlusten für die nächste Generation von Arbeitnehmern, heißt es in der Studie von 2019: Volkswirtschaften, die heute am wenigsten in Gesundheit und qualitativ hochwertige Bildung investieren, werden künftig eine arbeitende Bevölkerung haben, die nur zu 33 bis 50 Prozent produktiv ist.

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David R. Prasser, Gründer von StartUs Insights, verkauft die Technologie seines Unternehmens an Sprouts.ai | (c) StartUs Insights

Das US-amerikanische KI-Unternehmen Sprouts.ai hat im August die Such- und Datentechnologie sowie das AI-IP des Wiener Unternehmens StartUs Insights übernommen. Das teilt StartUs Insights in einer Aussendung mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Auch Teile des Teams wechseln zu Sprouts.ai. Was mit der Gesellschaft selbst und den bestehenden Kunden der Plattform geschieht, geht aus der Aussendung nicht hervor.

Vom Startup-Netzwerk zur Datenplattform

StartUs Insights wurde 2016 von David R. Prasser in Wien gegründet. Prasser hatte zuvor mit StartUs ein Online-Netzwerk für Startups aufgebaut, das brutkasten bereits in den Anfangsjahren porträtiert hat. Aus dem Startup für die Vernetzung und Entdeckung junger Unternehmen entwickelte sich über die Jahre eine internationale Business- und Innovation-Intelligence-Plattform.

Im Zentrum stand zunehmend die eigene Technologie: Systeme, die große Mengen unstrukturierter Unternehmens- und Technologiedaten erfassen, strukturieren und durchsuchbar machen, darunter KI-basierte Informationsextraktion und Natural-Language-Search. Nach eigenen Angaben handelt es sich um das weltweit umfangreichste Tool zur Suche und Identifikation von Firmen, Technologien und Markttrends. Vor allem in den vergangenen Jahren setzte das Unternehmen Large Language Models und KI-basierte Datenverarbeitung ein, um Informationen aus unstrukturierten Quellen für Recherche und Innovation Intelligence nutzbar zu machen.

Unter Prassers Führung wuchs StartUs Insights auf über 50 Mitarbeiter:innen, 20 davon arbeiteten zuletzt im Technologie- und Datenbereich. Das Unternehmen betreute mehr als 1.500 internationale Kunden mit seiner Discovery-Plattform (SaaS) und unterstützte rund 2.000 Innovations-, Scouting- und Research-Projekte. Zu den Unternehmen, mit denen StartUs Insights zusammenarbeitete, zählen unter anderem Roche, Siemens, Samsung, Shell und Mitsubishi. Ein Großteil der Erkenntnisse zu Startups, neuen Technologien und Branchentrends wurde wöchentlich auf dem eigenen Unternehmensblog veröffentlicht, der zuletzt über 200.000 Leser:innen pro Monat erreichte.

Was Sprouts.ai mit der Technologie vorhat

Sprouts.ai entwickelt eine KI-basierte Go-to-Market-Plattform für Enterprise-Kunden. Im Zentrum stehen Datenintelligenz und autonome Agents entlang des Sales-Funnels. Die Lösung lässt sich unter anderem in Salesforce und Microsoft Dynamics integrieren und arbeitet auch mit KI-Umgebungen wie Copilot und Claude. Das 2023 von Karan Chaudhry, Kapil Chaudhry und Avinash Nagla gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Palo Alto.

Mit der übernommenen Technologie und den Daten will Sprouts.ai seine AI-ready Datensätze und seine semantische Suche erweitern. „Die Technologie, die Daten und das Team von StartUs Insights passen sehr gut zu unserer Mission, AI-ready Datensätze und die weltweit führende semantische Suchmaschine für Enterprise-GTM zu entwickeln“, sagt Karan Chaudhry, Co-Founder und CEO von Sprouts.ai.

Prasser gründet Tilly & Elliot

„Dass die von uns aufgebaute Technologie jetzt bei einem AI-Unternehmen weiterentwickelt wird, ist für mich ein sehr guter Abschluss dieses Kapitels“, sagt Prasser. „Gleichzeitig interessieren mich heute mehr denn je die Fragen: was passiert, wenn immer leistungsfähigere AI-Systeme auf Unternehmen, Geschäftsmodelle und ganze Branchen treffen und wie man diese Entwicklung strategisch nutzt, statt ihr nur hinterherzulaufen.“

Der Gründer bleibt den Themen Künstliche Intelligenz, neue Technologien und Innovation treu. Aktuell unterstützt er Unternehmen und Startups bei der AI-Produktentwicklung sowie bei Fragestellungen rund um Daten, Technologie und datengetriebene Geschäftsmodelle. Seine Investment- und Advisory-Aktivitäten bündelt er in der neu gegründeten Tilly & Elliot GmbH. „Neben tatkräftiger Unterstützung für Startups und Scaleups rund um AI, Physical AI und datengetriebene Geschäftsmodelle wird Tilly & Elliot ausgewählte Startups in der Frühphase auch mit Kapital unterstützen“, heißt es in der Aussendung.

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AI Summaries

Die Hälfte der Menschheit ist noch immer offline

  • 3,8 Milliarden Menschen sind immer noch nicht mit dem Internet verbunden.
  • Hinzu kommt, dass einige weitere Milliarden keinen konsistenten Zugang zum Internet haben.
  • Etwa 35 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern haben Internetzugang, in fortgeschrittenen Volkswirtschaften sind es etwa 80 Prozent.
  • Ein weiteres Thema ist die interkulturelle Verfügbarkeit von Inhalten: 87,5 Prozent allen Online-Contents ist in nur einer von zehn Sprachen verfügbar.
  • Ungefähr 23 Prozent der Erwachsenen weltweit verfügen außerdem nicht über ausreichende digitale Kenntnisse – was bedeutet, dass selbst wenn Internet erschwinglich und vorhanden ist, viele nicht davon profitieren können.
  • Hätten jene Menschen, die derzeit offline sind, Internetzugang, würde dies die Weltwirtschaft um 6,7 Billionen US-Dollar erhöhen und weitere 500 Millionen Menschen aus der Armut befreien, wie es auch in der Studie „Connecting the world: Zehn Mechanismen für globale Inklusion“ von Strategy & aus dem Jahr 2016 heißt.

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