30.01.2026
SMARTES PAPIER

Interactive Paper: neue Premium-Variante

Das Wiener Startup Interactive Paper erweitert sein Angebot im Bereich interaktiver Printlösungen. Mit einer neuen Premium-Variante seiner NFC-basierten Produkte möchte das Unternehmen erstmals gezielt den hochveredelten Printbereich ansprechen.
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Raphaël Besnier und Tobias Macke | (c)Interactive Paper

Das Wiener Unternehmen Interactive Paper verbindet seit mehreren Jahren klassische Druckprodukte mit digitalen Inhalten – brutkasten berichtete zuletzt vergangenes Jahr über eine neuerliche Finanzierungsrunde. Über integrierte NFC-Technologie lassen sich Karten, Mailings oder andere Printformate per Smartphone-Tap mit Videos, Augmented-Reality-Anwendungen oder Landing Pages verknüpfen. Nach Angaben des Unternehmens setzen mittlerweile mehr als 900 Unternehmen weltweit auf diese Form der interaktiven Markenkommunikation.

Hochwertige Veredelung bisher kaum kombinierbar

Während interaktive Printprodukte zuletzt an Relevanz gewonnen haben, blieb der Einsatz im Premiumsegment lange eingeschränkt. Grund dafür waren technische Anforderungen in der Produktion: Hochwertige Veredelungen wie Prägungen, Folierungen oder Farbkerne ließen sich nur schwer mit der zuverlässigen Integration von NFC-Technologie verbinden, heißt es vom Startup.

Auch Interactive Paper war bislang auf bestimmte Materialkombinationen beschränkt, um die technische Stabilität der Produkte sicherzustellen. Klassische Luxusveredelungen galten als kaum skalierbar.

Produktionsprozess neu aufgesetzt

Mit der neuen Premium-Variante will das Unternehmen diesen Zielkonflikt gelöst haben. Laut Mitgründer und Co-CEO Raphaël Besnier lagen die Grenzen gedruckter Elektronik bisher genau dort, „wo Premium beginnt: bei kompromissloser Materialität und Veredelung“.

Besnier verweist dabei auf die Komplexität der Produktionsprozesse: „In der Praxis scheitert das oft an Toleranzen, Hitze- und Druckbelastung in den Veredelungsprozessen sowie an Qualitäts- und Skalierungsfragen. Entweder funktioniert die Elektronik zuverlässig oder das Finish entspricht dem Premium-Anspruch.“

Mit Tap Premium habe man nun einen skalierbaren Prozess entwickelt, der beide Anforderungen zusammenführt: „Wir haben einen skalierbaren Produktionsprozess entwickelt, der beides in Serie zusammenbringt: echte Luxus-Haptik und eine robuste, nahtlose Tap-Interaktion.“

Interaktiv, editierbar und messbar

In der Anwendung soll das Prinzip unverändert bleiben: Ein kurzer Kontakt des Smartphones mit dem Printprodukt öffnet digitale Inhalte. Die dahinterliegenden Kampagnen werden über ein zentrales Dashboard gesteuert, das Interaktionen in Echtzeit auswertet. Inhalte lassen sich laut Unternehmen laufend anpassen, ohne das physische Produkt austauschen zu müssen.

Die Plattform ist DSGVO-konform und in der EU gehostet. Ziel sei es, Printprodukte nicht nur aufmerksamkeitsstark, sondern auch messbar zu machen.

Print als bewusst eingesetztes Medium

Die Einführung von Tap Premium soll Interactive Paper in einen breiteren Wandel der Markenkommunikation einordnen, denn digitale Aufmerksamkeit werde zunehmend teurer und flüchtiger, während gedruckte Produkte an Bedeutung gewinnen, gerade weil sie seltener geworden seien.

„Gedruckte Produkte sind heute Luxus und unser Markt verlangt genau danach: nach Kommunikation, die man nicht wegwischt, sondern spürt“, erklären die beiden Co-Founder Raphaël Besnier und Tobias Macke.

Das Produkt ist deutlich dicker als herkömmliche Druckformate und setzt gezielt auf Haptik und Materialität. „Als Adressat soll man die Wertigkeit und das Gewicht des Inhalts spüren, noch bevor man das Kuvert öffnet“, so das Unternehmen.

Einsatz im Premiumsegment

Während klassische Flyer oft rasch aussortiert werden, sei Tap Premium auf Behalten und Erinnern ausgelegt. Einsatzbereiche sieht Interactive Paper unter anderem bei Produkteinführungen, VIP-Einladungen, hochwertiger Direktwerbung, Vertriebsunterstützung und Executive-Outreach-Formaten.

„Premium-Haptik ist kein Bonus. Sie steigert die Performance“, sagen Macke und Besnier. Hochwertigkeit sei dabei nicht nur emotional, sondern funktional. Über 900 Unternehmen sollen bereits auf die Technologie von Interactive Paper vertrauen, darunter auch internationale Marken wie BMW, Johnson & Johnson, Samsung oder 3M.

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Die drei Partner von RM Equity Partners (v.l.) Nicola Szekely, Eugen Benedikt Russ und Chris Wittlinger | (c) RM Equity Partners

Rund 50 Digital-Unternehmen mit etwa 600 Mitarbeiter:innen und mehr als 400 Millionen weltweiten Nutzer:innen – das ist das Portfolio der Liechtensteiner Private-Equity-Gesellschaft RM Equity Partners. Insgesamt hält diese eine halbe Milliarde Euro Assets under Management (AuM). Bekannte Portfolio-Unternehmen sind etwa die Outdoor-Plattform Bergfex aus Graz oder die deutsche Motorrad-Tour-App Calimoto.

Neue Bedeutung für zwei Buchstaben

Bis vor kurzem war die Gesellschaft Teil der Vorarlberger Russmedia-Gruppe, wie auch die zwei Buchstaben im Namen verraten. Nun befindet sich das PE-Unternehmen komplett im Besitz der drei Partner Eugen Benedikt Russ, Chris Wittlinger und Nicola Szekely. Somit bleibt es freilich zu einem Teil in der Vorarlberger Unternehmerfamilie Russ, die hinter Russmedia steht. Das RM bleibt als etablierter Name erhalten. Mit dem Slogan „Results matter“ bekommt es eine neue Bedeutung.

„Was das Team im vergangenen Jahrzehnt aufgebaut hat, macht uns stolz – und das ist erst das Fundament. Als völlig unabhängiges Unternehmen liegt unser Fokus nun ganz auf der Zukunft: der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Unternehmern und dem Aufbau beständiger, digitaler Unternehmen“, kommentiert Russ in einer Aussendung.

Bis zu 250 Millionen Euro pro Beteiligung

Die drei Partner investieren über die Gesellschaft ausschließlich eigenes Kapital und fokussieren klar auf Mehrheitsübernahmen und langfristige Beteiligungen. Bei einem Einzeldeal können nach Unternehmensangaben bis zu 150 Millionen Euro fließen, für eine Beteiligung insgesamt bis zu 250 Millionen. Dabei definiert RM Equity Partners klare Anforderungen, die auch auf der Website abzulesen sind: Das übernommene Unternehmen muss Marktführer oder starker Zweiter in seinem Segment sein und ein EBITDA über fünf Millionen Euro bzw. einen Nettoumsatz über 20 Millionen Euro vorweisen.

Gleichzeitig geben die Partner ihrerseits drei Versprechen: Kommt ein Unternehmen für einen Deal in Frage, bekomme es einen ersten Call innerhalb von 48 Stunden, eine konkrete Antwort innerhalb von sieben Tagen und, wenn ein Deal zustande kommt, dessen Abschluss innerhalb von acht Wochen. „Wenn es uns gefällt, sagen wir ja. Wenn nicht, sagen wir schnell nein. Hinter uns steht kein Investmentkomitee, und zwischen uns stehen keine Berater“, so die Partner auf der Homepage.

Zuletzt Verkauf von Alpy.com

Nach der Übernahme restrukturiere man dann nicht, aber unterstütze in jenen Bereichen, in denen man Expertise habe. Wiewohl RM Equity Partners als PE-Gesellschaft im Gegensatz zu einer VC-Gesellschaft nicht Exit-getrieben ist, sind auch Verkäufe übrigens keineswegs ausgeschlossen. Brutkasten berichtete erst im August vom Verkauf der Beteiligung Alpy.com. Es war der zweite Exit für die Gesellschaft in diesem Jahr.

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