10.06.2025
LAUNCH

Instance: Wiener Startup Mimo macht sein eigenes Produkt (nicht ganz) obsolet

Mit seiner Coding-Lern-App erreichte Mimo bislang mehr als 35 Millionen Menschen. Doch nun setzt das Startup vollen Fokus auf die neue Vibe-Coding-Anwendung Instance. Wir sprachen dazu mit Gründer Johannes Berger.
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Das Team hinter Mimo und Instance | (c) Mimo
Das Team hinter Mimo und Instance | (c) Mimo

„Unsere Vision war es immer, Software-Erstellung für alle zugänglich zu machen“, erzählt Johannes Berger im Gespräch mit brutkasten. Mit seinem Startup Mimo verfolgt er dieses Ziel seit der Gründung 2016 durchaus erfolgreich. In den vergangenen Monaten war das Interesse an der Coding-Lern-App besonders groß: Allein von Februar 2024 bis jetzt kamen rund zehn Millionen User:innen hinzu. Im Jänner dieses Jahrs wurde Mimo „App of the Day“ bei Apple, wie brutkasten berichtete. Seit dem Start kommt das Startup auf insgesamt mehr als 35 Millionen Nutzer:innen. Rund eine Millionen Menschen nutzen die App aktuell regelmäßig, sind als „monthly active Users“.

„Mimo schafft sich (gewissermaßen) selbst ab“

„Wir sind cashflow-positiv und wachsen sehr gut“, sagt Berger. Und dennoch verkündet das Startup nun: „Mimo schafft sich (gewissermaßen) selbst ab“. Gewiss, dieser Betreff einer Mail, die brutkasten erreichte, ist überspitzt formuliert. Doch Berger bestätigt: Es gibt ein neues Produkt, auf das man nun vollen Fokus lege: Instance. Und das macht die Coding-App von Mimo gewissermaßen obsolet.

Generative KI lernte, fehlerfrei zu coden

Instance ist nämlich eine Vibe-Coding-Anwendung. Sie richtet sich dezidiert an Menschen, die nicht programmieren können, und ermöglicht diesen, nur mit Prompts Software zu erstellen – ganz im Sinne der eingangs erwähnten Vision. „Früher war die größte Hürde in der Umsetzung unserer Vision, dass man coden lernen musste – deshalb haben wir Mimo gebaut. Doch das hat sich jetzt geändert“, sagt Berger. Generative KI, konkret das Large-Language-Modell Claude von Anthropic, auf das das Team im Hintergrund setzt, sei in den vergangen Monaten so stark verbessert worden, dass sie nun fehlerfreien Code produzieren könne.

Mimo-Co-Founder und -CEO Johannes Berger | (c) Mimo
Mimo-Co-Founder und -CEO Johannes Berger | (c) Mimo

Instance als Fullstack-Angebot

Alleine guten Code ausgespuckt zu bekommen reiche aber nicht, um als Laie Software zu bauen. „Wir haben uns mit allen Hürden, die zwischen dem LLM und der fertigen Software stehen, auseinandergesetzt und mit Instance ein Fullstack-Angebot gebaut“, sagt Berger. „Als User:in interagiert man, wie von ChatGPT und Co gewohnt, mit einem Chatbot. Die KI kümmert sich um alles von der Datenbank-Einbindung über Hosting bis zum Debuggen.“

Iterativ zur Wunsch-Software

Am besten sei es, dabei iterativ vorzugehen, erklärt Berger. „Es ist, wie man es von anderen KI-Anwendungen gewohnt ist. Je ausführlicher und genauer der Prompt ist, desto besser sind im Regelfall die Resultate, die Instance liefert. Das System gibt sofort einen Output aus, den man nutzen kann. Mit weiteren Prompts kann man dann sehr einfach und sehr genau verfeinern, um konkret das zu bekommen, was man will.“

Promotion-Video zu Instance:

„Im selben Zeitraum das Zehn- oder Hundertfache erreichen“

Wie viel man letztlich iteriert, ist auch eine Frage des Geldes. Abgerechnet wird bei Instance nämlich nach Interaktionen. Berger ist jedenfalls überzeugt, dass es davon viele geben wird: „Wir haben mit Mimo 35 Millionen Leute erreicht und können mit Instance vielleicht im selben Zeitraum das Zehn- oder Hundertfache erreichen. Vibe Coding ist keine Modeerscheinung, das wird bleiben.“

Entscheidung für neuen Fokus schon Anfang 2024

Dabei wurde der Pfad zum neuen Fokus des Unternehmens keineswegs erst jetzt beschritten, betont der Gründer. „Wir haben schon Anfang 2024 die bewusste Entscheidung getroffen, auf die Zukunft zu setzen. Wir haben damals bereits daran geglaubt, dass Vibe Coding kommen wird, es war aber noch nicht klar, wie es genau aussehen wird. Im April 2024 haben wir dann begonnen, in die Infrastruktur zu investieren. Es war klar, das wir damit einen Schritt vom Education-Player zum Infrastructure-Player machen“, erzählt Berger.

„Es wird sich zeigen, wer sich durchsetzt“

Ob sich der Strategiewechsel auszahlen wird? „Der Vibe-Coding-Markt steht noch ganz am Anfang. Es wird sich in den kommenden Monaten sehr viel tun und es wird sich zeigen, wer sich durchsetzt“, sagt Berger. Tatsächlich stünden aber nicht alle Anbieter zueinander wirklich in Konkurrenz. „Wir haben mit Nicht-Codern eine klare Target-Audience und andere haben andere Zielgruppen. Im Mobile Space sind wir einer der ersten Player.“

Dank Mimo „komfortable Position“ für Wachstumspläne mit Instance

Und außerdem gibt es da auch noch Mimo. „Wir verdienen gutes Geld damit und die User lieben das Produkt. Es gibt also keinen Grund, es abzudrehen“, sagt der Gründer. Im Gegenteil: Dank der App sei man in der „komfortablen Position“, sich trotz ambitionierter Wachstumspläne mit Instance, aktuell keine Gedanken über externe Finanzierung zu machen.

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Einen Vorgeschmack auf den nun veröffentlichten Jahresabschluss 2025 gab Bitpanda gleichsam vorauseilend bereits im März dieses Jahres – brutkasten berichtete. In den damals präsentierten Zahlen war nicht nur von einer Umsatzsteigerung die Rede, sondern auch von einem Sinken des „bereinigten EBITDA“ um 75 Prozent. Dieses sei von 52 Millionen Euro auf 13 Millionen Euro gefallen, hieß es vom Wiener Unicorn. Begründet wurde das mit „gezielten Investitionen“. Das Ergebnis unterm Strich ließ man im März aber aus.

Der nun vorliegende Jahresabschluss – wohlgemerkt jener der operativen Bitpanda GmbH mit Sitz in Wien und nicht der übergeordneten AG mit Sitz in der Schweiz – bringt nun Licht ins Dunkel. Und die damit veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung zeichnet ein noch deutlich drastischeres Bild als die im März kommunizierten „bereinigten“ Zahlen. Nach fast 62 Millionen Euro Nettogewinn im Jahr 2024 standen demnach vergangenes Jahr rund 14 Millionen Euro Verlust zu Buche.

„Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert“

Auf brutkasten-Anfrage kommentiert Bitpanda kurz und knapp mit der aus dem Frühjahr bekannten Argumentation:

Das Jahr 2025 war für die Bitpanda GmbH ein Jahr strategischer Wachstumsinvestitionen. Gleichzeitig hat sich unser Kerngeschäft stark entwickelt, was sich in einer deutlichen Steigerung unserer Umsatzerlöse zeigt.

Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert. Diese Investitionen waren Teil unserer langfristigen Wachstumsstrategie und spiegeln sich erwartungsgemäß im Jahresergebnis wider.

Die Aussagen zum Umsatz lassen sich dabei so auch im nun vorgelegten Bericht ablesen: Tatsächlich stieg der ausgewiesene Umsatz von 2024 auf 2025 von 7,19 Milliarden Euro auf 7,72 Milliarden Euro. Der Anstieg fällt bereinigt sogar noch größer aus: 2024 waren noch rund 613 Millionen Euro aus Krypto-Verkäufen auf externen Börsen in den Umsatzerlösen enthalten, die seit 2025 saldiert im Materialaufwand ausgewiesen werden. Bei diesen Umsatzzahlen handelt es sich wohlgemerkt um den gesamten Verkaufserlös über die Plattform. Bitpanda gab bereits im März den auf Basis der Margen berechneten, deutlich kleineren „bereinigten Umsatz“ aus: Dieser stieg von 321 auf 371 Millionen Euro. Mit Abstand größter Umsatztreiber war laut Jahresabschluss das Kerngeschäft als Broker.

Deutlich höhere Marketingausgaben, Personalkosten sinken trotz Aufstockung

Auch die Aussage, die sich auf den Nettoverlust von immerhin rund 14 Millionen Euro bezieht, deckt sich prinzipiell mit den Zahlen im Jahresabschluss. Tatsächlich stieg der Marketingaufwand um rund 56 Prozent auf fast 107 Millionen Euro. Auch die Beratungskosten legten von knapp 14 Millionen auf rund 22 Millionen Euro zu. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl (FTE) wuchs zwar von 486 auf 555. Jedoch interessant dabei: Der Personalaufwand ging trotz der Aufstockung leicht zurück, von 78,6 auf 75,1 Millionen Euro. Gestiegen ist hingegen der Aufwand für Mitarbeiterüberlassung, von 5,4 auf 8,1 Millionen Euro.

Dass man (wohl dennoch nicht ganz beabsichtigt) recht deutlich in die roten Zahlen rutschte, hängt aber auch mit Faktoren zusammen, die im offiziellen Bitpanda-Statement unerwähnt bleiben. Operativ blieb Bitpanda 2025 noch knapp im Plus: Der Betriebserfolg lag bei 4,1 Millionen Euro, nach 80 Millionen Euro im Vorjahr. Ins Minus drehte das Ergebnis erst durch das Finanzergebnis von minus 18,3 Millionen Euro. Dahinter stehen Abschreibungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen in Höhe von 14,4 Millionen Euro sowie ein Zinsaufwand von 4,9 Millionen Euro, nach nur 0,2 Millionen Euro im Jahr 2024. Zu Buche stehen außerdem teilweise gestiegene Handelsverluste und ein deutlich höheres Minus in der Intercompany-Verrechnung, das von 13 auf knapp 36 Millionen Euro anwuchs.

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