13.11.2014

InStaffs Break Even nach nur 7 Monaten – Das Airbnb der Zeitarbeit

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Instaff Eventpersonal
Screenshot: instaff.jobs

InStaff ist ein Online Marktplatz für Eventpersonal, das für Veranstaltungen oder Messen direkt online gebucht werden kann. Die Datenbank umfasst inzwischen über 3.500 Profile. Je nach Buchungsanfrage wird aus diesem Pool Personal individuell für den Kunden zusammengestellt. Man bucht ein „Rundum Service“, das Personalvermittlung, Arbeitnehmeranstellung und etwa Lohnbuchhaltung miteinschließt. Nach nur sieben Monaten haben die beiden Gründer, Pascal Klein und Maximilian Ferdinand Kunz, den Break Even erreicht. Dem Brutkasten berichtet Pascal Klein wovon der Erfolg eines Startups abhängt und wieso sie auf die Investorensuche verzichten.

 

Ihr beide habt Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe studiert und Euch auf der Uni kennengelernt. Was war zuerst da: Die Idee an sich oder die Lust zu gründen?

Zuerst kam der Wille zu gründen. Die Idee haben wir uns aber nicht ausgedacht, sondern stammte aus einem echten Problem: Bei meinem letzten Startup Honestly habe ich öfter Eventpersonal benötigt und mit der Lösung von Agenturen war ich sehr unzufrieden.

 

Was genau ist euer USP? Oder, anders gefragt: Was ist das Erfolgsrezept von InStaff?

Ähnlich wie Personalagenturen bieten wir unseren Kunden einen Full-Service bei der Personalbuchung an. Wir unterscheiden uns aber durch unterschiedliche Faktoren, wie unser Online Marktplatz Geschäftsmodell. Wir führen keine Preisverhandlungen, sondern jeder Mitarbeiter auf unserer Plattform kann bei einem neuen Job selber entscheiden für welchen Lohn er diesen ausführen würde. Wir schlagen am Ende lediglich 43 % auf den Bruttolohn. Das spart Transaktionskosten für alle Beteiligten. Wir verstehen uns auch nicht als Personalagentur, sondern als Technologie Unternehmen. Beispielsweise haben wir schon eine Partnerschaft mit der größten Online Schichtplanung https://easypep.de/, solche Entwicklungen könnte eine normale Personalagentur ohne IT Kompetenz gar nicht bewerkstelligen. Langfristig werden wir eine Staffing-as-Service Plattform entwickeln, über die man gutes Personal mit einem einfachen API Call buchen kann.

 

Wie lange muss man bei euch im Voraus buchen?

Wir sind jetzt schon in Süddeutschland einer der größten Personalvermittler für Messehostessen & Eventpersonal. Das werden wir weiter ausbauen, so dass wir langfristig für beide Seiten des Marktplatzes (Mitarbeiter & Unternehmen) alleine aufgrund unserer Größe und Reichweite die beste Experience anbieten können. Sie können schon jetzt nachmittags bei uns Personal für Stuttgart anfragen und erhalten am gleichen Tag eine Personalauswahl für den nächsten Tag. Das ist ein unschlagbarer Service.

 

Die meisten anderen Absolventen würden einen klassischen Berufsweg wählen, wieso habt ihr auf Risiko gesetzt?

Ich arbeite lieber 80 Stunden die Woche für kleines Gehalt an meiner eigenen Idee mit dem Potential etwas ganz großes aufzubauen, als 60 Stunden für hohes Gehalt an etwas anderem.

 

Wovon hängt deiner Meinung nach der Erfolg eines Startups gerade in der Anfangsphase ab?

Puh, das sind viele Faktoren. Ich denke, die wichtigsten sind ein kleines aber schlagkräftiges Team, welches bereit ist sehr viel Zeit zu investieren. Ein starker Fokus auf wenige Bereiche, sowohl was Produktentwicklung als auch Marketing betrifft. Bestimmt hilft auch ein Marktumfeld, welches von kleinen, fragmentierten Wettbewerbern geprägt ist. Und dann ein Umfeld, welches einen unterstützt. Das kann ein Gründernetzwerk sein, oder etwa Freunde / Familie…

 

Wieso habt ihr euch entschieden, in Berlin zu gründen?

Wir haben in Karlsruhe gegründet, dort, wo wir zu dem Zeitpunkt gelebt haben. Wir sind nach Berlin gezogen, weil das Axel Springer Plug & Play Programm verlangt nach Berlin zu ziehen.

 

Stimmt. InStaff war eines der ausgewählten Startups des Plug and Play Accelerators. Was waren die Gründe, weshalb ihr euch für ein solches Programm entschieden habt?

Axel Springer Plug & Play hatte einen extrem schnellen Auswahl Prozess. Wir haben nur ca. 2 Manntage investiert, bis wir die Zusage bekommen haben. Ich bin überzeugt, dass man gute Investoren auch an schnellen Entscheidungsprozessen erkennt.

Und dann mit dem Programm waren wir auch sehr zufrieden, Axel Springer ist immerhin das größte Europäische Medienhaus, da bieten sich schon Möglichkeiten.

 

Würdest du anderen ebenfalls raten, durch ein Accelerator Programm zu gehen, oder kann man es ohne genau so gut schaffen?

Man kann definitiv alles ohne Accelerator oder sonstige Investoren schaffen. Wenn ein Gründer ein Startup mit Medien Bezug gründet, würde ich aber auf jeden Fall raten sich bei Axel Springer Plug & Play zu bewerben. Bei einem Online Geschäftsmodell im Bereich SaaS oder Online Marketplace (so wie wir) sollte man es sich zumindest überlegen. Wir konnten das Geld gut gebrauchen und haben einen Fit gesehen, aber das muss natürlich jeder Gründer selber entscheiden.

 

Mit Startup verbinden viele auch „Hunger“ – Hunger nach dem Erfolg und auch (anfänglich zumindest) am Hungertuch zu nagen. Habt ihr selbst in eure Idee investiert, außer Zeit?

Wir haben selber ca. 30.000 € in Cash investiert, uns 4 Monate gar kein Gehalt investiert und weitere 6 Monate nur sehr wenig Gehalt.

 

Gab es einen Moment, an dem du dachtest, dass es nicht mehr weiter geht? Wo ihr hinschmeißen wolltet?

Nein, bisher nicht. Es lief wirklich von Anfang gut.

 

Könnt ihr inzwischen von eurer Idee leben und wie groß ist die Angst vorm „Scheitern“?

Mittlerweile können wir davon leben und die Wahrscheinlichkeit, dass wir scheitern ist extrem gering geworden. Aber auch zu Beginn hatten wir keine große Angst davor, da man ja im schlimmsten Fall immer noch wo anders einsteigen kann. Aber meine Eltern hatten sich beispielsweise am Anfang große Sorgen gemacht „was denn aus mir werden würde“.

 

Thema Investorensuche. Wie schwer gestaltet sich diese, seid ihr noch auf der Suche?

Wir haben sehr früh gemerkt, dass viele potentielle Investoren sehr zeitintensiv sind und haben uns entschlossen die Zeit lieber in unser Unternehmen zu investieren.

 

Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Wollt ihr das Airbnb für den Hostessen-Markt werden?

Wie wollen das AirBnB für die Zeitarbeit werden. Hostessen ist dabei nur eine kleine Nische, die wir als Goto Market verwenden. So ähnlich wie Amazon am Anfang nur Bücher verkauft hat und ebay Briefmarken, so haben wir Messehostessen & Eventpersonal als interessante Nische zum Markteinstieg entdeckt.

 

Und, direkt plump gefragt, ist der „Exit“ ein Ziel auf das ihr hin arbeitet?

Nein! Wir wollen langfristig ein Unternehmen aufbauen, mit einer tollen Unternehmenskultur und der Gewissheit, dass wir die Welt etwas besser machen.

Mit InStaff senken wir die Transaktionskosten bei der kurzfristigen Personalbeschaffung, das schafft direkt Arbeit. Wenn man dann noch ein tolles Team hat, ist das Anreiz genug.

Langfristig würden wir uns wünschen einen erfolgreichen Börsengang zu machen, dies wäre dann aber Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck. Denn je größer wir sind, desto mehr können wir die Welt verändern.

 

Thema Marketing. War es wichtig, früh zu starten? Oder gibt es auch ein „zu früh“?

Wir haben praktisch am ersten Tag mit Marketing begonnen. Aber es gibt bestimmt Themen, wo sich potentielle Kunden das Produkt nur schwer vorstellen können und man deswegen zu Beginn keine Zeit in Marketing verschwenden sollte.

Insgesamt verschwimmen aber bei Startups die Grenzen zwischen Customer Development & Marketing. Wenn man ein paar hundert Euro in eine Adwords Kampagne investiert, um einen Marketingkanal zu testen ist das Marketing oder Customer Development? Oder wenn man mit 20 potentiellen Kunden über die notwendigen Anforderungen des Produktes redet, ist das Customer Development oder frühes Marketing?

Mit potentiellen Kunden reden sollte man auf jeden Fall schon am ersten Tag. Ob man diese dann aber schon Beginn durch „Marketing“ in zahlende Kunden konvertieren sollte, hängt dann vom Geschäftsmodell ab.

 

Welche Marketingstrategie habt ihr verfolgt und war am erfolgreichsten?

Wir haben uns zu Beginn sehr stark auf einen Nischenmarkt fokussiert (Messehostessen) und langsam ausgeweitet (Eventpersonal, Servicepersonal, etc.). Außerdem haben wir nur SEO, Content Marketing & Google Adwords verwendet und keine Ressourcen in Kaltakquise, PR oder Partnerschaften gesteckt. Wir erhalten immer noch die meisten Anfragen über SEO.

 

Gibt es einen Ratschlag, den du anderen Gründern mit auf den Weg geben würdest?

  • Fokus, Fokus, Fokus
  • Keine Zeit in Strategiemeetings verschwenden, sondern lieber in Execution investieren

 

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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