24.03.2021

Insolvenz-Statistik: KSV1870 übt erneut scharfe Kritik an Regierung

Die Zahl der Insolvenzen sinkt auch im ersten Quartal 2021 weiter und erreicht den Tiefststand seit 1977. Der KSV1870 sieht darin eine massive Gefahr.
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(c) Adobe Stock - Axel Bueckert

Die Pleitewelle, die in der größten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg zu erwarten wäre, bleibt weiterhin aus. Im Gegenteil: Die Zahl der Insolvenzen in Österreich sank auch im ersten Quartal 2021 laut Hochrechnung des KSV1870 wieder. Mittlerweile ist der Tiefststand seit 1977 erreicht. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Auch Unternehmen, die finanziell schlecht aufgestellt waren, profitieren von den staatlichen Corona-Hilfen und können so die Zahlungsunfähigkeit künstlich abwenden.

„Undifferenzierte Großzügigkeit gehört gestoppt“

An diesem Umstand übt der Gläubigerschutzverband KSV1870 anlässlich der Präsentation der aktuellen Insolvenz-Statistik erneut heftige Kritik. „Wenn diese Entwicklung so weitergeht, wird Österreichs Wirtschaft mittel- und langfristig mit weitaus massiveren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben, als das heute ohnehin schon der Fall ist“, schätzt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. „Diese undifferenzierte Großzügigkeit gehört gestoppt, bevor auch gesunde Unternehmen von finanzschwachen Firmen in den Abwärtsstrudel getrieben werden“.

Man plädiere für ein sofortiges Ende des „praktizierten Gießkannen-Prinzips“. Doch die Maßnahmen wurden zuletzt weiter verlängert. Götze meint daher: „Eine regelrechte Insolvenzwelle ist aus heutiger Sicht am Horizont nicht erkennbar. Wann auch immer die Insolvenzzahlen steigen werden, gehen wir von einer stetigen Steigerung der Firmenpleiten aus. Dieser Anstieg wird bis in die Jahre 2022 und 2023 hineinreichen“.

Insolvenzen Q1 2021: Rückgänge in allen Teilstatistiken, paradoxes Bild bei Branchen

Konkret sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 59 Prozent auf 473. Zudem gab es in den ersten drei Monaten des Jahres mit der AIK Energy Austria GmbH und der „die EIGENTUM“ Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft m.b.H. bislang nur zwei Großinsolvenzen mit Passiva von jeweils mehr als zehn Millionen Euro. Auch deswegen haben sich die geschätzten Verbindlichkeiten insgesamt im Vergleich zum ersten Quartal 2020 zuletzt um 86 Prozent auf 157 Millionen Euro reduziert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum gibt es aktuell mit 1.723 Personen auch um 61 Prozent weniger betroffene Dienstnehmer. Ein ähnliches Szenario gibt es auf Gläubigerseite zu vermelden: 3.594 betroffene Gläubiger bedeuten ein Minus von ebenfalls 61 Prozent.

(c) KSV1870

Besonders paradox ist das Bild im Branchenvergleich, wo gerade Sektoren, die besonders stark von der Krise betroffen sind, einen Starken Insolvenzen-Rückgang vermelden. Während im Jahr 2020 die Bereiche „Unternehmensbezogene Dienstleistungen“ und das Gastgewerbe ganz vorne zu finden waren, ist es jetzt trotz allgemein guter Auftragslage die Bauwirtschaft (28 Prozent aller Insolvenzen), gefolgt von unternehmerischen Dienstleistungen (21 Prozent) und dem Gastgewerbe (10 Prozent). Doch Götze warnt: „Der harte Aufprall wird für viele Gastronomen spätestens dann erfolgen, wenn der künstliche Eingriff durch die Regierung beendet wird“.

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PrixxOne, Klemmbausteine, Lego-Möbel
© PrixxOne

Im Netz kursieren seit langer Zeit witzige Memes und Aussagen solcher Art: „Ja, ein Autounfall tut weh, aber bist du schon Mal auf einen Legostein draufgestiegen?“ Eher das Gegenteil zu Pein, nämlich die Liebe zu den dänischen Bausteinen hat PrixxOne-Gründer Jürgen Sommer schon als kleines Kind entwickelt. Sein He-Man aus der „Masters of the Universe“-Reihe saß damals auf einem Lego-Thron, mit Pölstern aus Watte und Taschentüchern.

PrixxOne: Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken

Diese Leidenschaft lebte er später auch als Vater weiter. Als seine beiden Söhne acht und vier waren, baute das Trio ein riesiges Haus aus Lego mit Möbeln darin. „Ich habe mir damals sogar gewünscht, so groß wie eine Lego-Figur zu sein“, gesteht der Founder.

Doch statt wenige Zentimeter groß zu sein, war Sommer vor seiner Unternehmer-Karriere Lehrling bei der Wiener Städtischen und 18 Jahre lang u.a. als Manager bei Uniqa tätig. Dort und auch bei Raiffeisen gestaltete er Prozesse für interne sowie Außenpartner der Versicherungsbranche und verantwortete den Bereich digitale Signaturen.

„Ich habe immer sehr viel gearbeitet, manchmal 16 Stunden am Tag“, sagt er, „also habe ich eine Auszeit genommen und bin dem Projekt nachgegangen.“

© PrixxOne – Jürgen Sommer.

Das Projekt heißt PrixxOne und entwickelt ein Produkt, bei dem es nicht nur nicht wehtut, draufzusteigen, sondern es ist dafür gemacht, sich draufzusetzen. Sommers Startup bietet ein Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken (oder Klemmbausteinen) im Maßstab 15:1 an. Patentrechtlich ist diese Prinzip frei nutzbar, denn der ursprüngliche Patentschutz für das Klemmsystem lief 1978 aus und der Europäische Gerichtshof hat 2010 die Form des Steins als Marke zu schützen abgelehnt. Wobei sich Lego immer wieder und auch aktuell in Rechtsstreitigkeiten befindet, zum Design oder bestimmten Bausteinen etwa, wie hier im Juni berichtet wurde.

Made in Austria

Unabhängig davon produziert das durch Investments aus dem familiären Bereich gestützte Unternehmen von Sommer diese Klemmbausteine, die nicht nur zum Möbelstück gebaut werden können, sondern auch designgeschützt sind: Jede Seite des PrixxOne-Bausteins verfügt über eine zwei Zentimeter hohe Ausnehmung, sodass man den Stein ohne jegliches Werkzeug auseinandernehmen, aufbauen, umbauen und erweitern kann – vom Hocker zum Sessel, bis hin zur Couch. Laut Gründer trage die Konstruktion das Gewicht von Erwachsenen – das sei intensiv getestet worden.

Die Bausteine werden in Wien designt und bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff. „Wir nehmen Material, das sonst auf Deponien landen würde, und verwandeln es in zirkuläres, langlebiges Design komplett ohne Verschwendung“, sagt Sommer.

So richtig durchstarten möchte er Anfang nächsten Jahres und hat für die Produktion im Sinne von „Made in Austria“ drei potentielle österreichische Partner an der Hand. „Es ist nur noch eine Skalierungsfrage“, sagt Sommer, der mit seiner Idee auch einen Nachhaltigkeitsgedanken verfolgt: „In den vergangenen 25 Jahren habe ich als Operations-Manager und COO große Unternehmensstrukturen optimiert. Mein zentraler Antrieb ist das Lean-Management: Starrheit aufbrechen und Verschwendung radikal eliminieren. Genau dieses Mindset übertrage ich nun von der Unternehmenswelt mit PrixxOne auf die Möbelbranche.“

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