28.07.2016

innovate4nature: WWF sucht Businessideen für die Artenvielfalt

Bis 2. Oktober kann man beim WWF Österreich Businessideen einbringen, die dem Biodiversitätsschutz dienen. Gemeinsam mit Experten aus verschiedenen Bereichen wird dann ein Startup auf Schiene gebracht - mit bis zu 15.000 Euro Startkapital.
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(c) fotolia.com - Jenny Sturm: Das Ziesel ist in Österreich auf der roten Liste. Der WWF sucht jetzt Startups, die beim Schutz der Artenvielfalt helfen.

Wenn es um den Schutz der Artenvielfalt geht, kommt man am World Wide Fund For Nature (WWF) weltweit kaum vorbei. Mit Business assoziiert man die gemeinnützige Organisation dagegen eher nicht – zumindest nicht als Unterstützer. Für Patrick Würschl vom WWF besteht zwischen Naturschutz und unternehmerischem Denken jedoch kein Widerspruch. Im Gegenteil: „Die biologische Artenvielfalt ist eine Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand Österreichs“, sagt er. Denn mehrere Wirtschaftssektoren seien auf funktionierende Ökosysteme angewiesen.

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Artenschutz soll von Innovations-„Melting Pot“ profitieren

Mit dieser Prämisse im Hintergrund will der WWF innovativen Menschen etwas ermöglichen, was bislang nicht vielen gelungen ist: Für den Naturschutz erfolgreich gewinnorientiert arbeiten. Als ersten Schritt in diese Richtung startete vor kurzem der Startup-Wettbewerb „innovate4nature“. Für die Einreichung, die noch bis zum 2. Oktober läuft, reicht eine Business-Idee. Wichtig ist dabei, dass das Konzept direkt dem Schutz der Biodiversität dient. „Die Startup-Szene ist ein ‚Melting Pot‘ für Innovationen. Davon kann und soll auch der Artenschutz profitieren“, sagt Würschl dazu.

„Ganz anderer Fokus“ als Greenstart

(c) bright light photography: Patrick Würschl
(c) bright light photography: Patrick Würschl

Welche Ideen eingereicht werden können, wurde in fünf „Challenges“ definiert. Die Themen sind Ernährung, Tourismus, Infrastruktur, Energie und invasive Arten. Würschl sieht sie jedoch nur als Anregungen: „Das sind bei weitem nicht alle Bereiche, in denen etwas für den Artenschutz gemacht werden kann, aber fünf mit denen jeder etwas anfangen kann.“ Durch die Themen unterscheidet sich der Wettbewerb auch von jenem anderen, der einem bei der Thematik sofort in den Sinn kommt: Greenstart. Als Konkurrenz sieht Würschl diesen aber keineswegs: „Wir haben einen regen Austausch mit Greenstart. Und wir ergänzen einander gut, denn sie haben einen stärkeren Fokus auf Klimaschutz und wir auf Biodiversität.“

„Spenden fließen natürlich keine in den Wettbewerb“

15.000 Euro Startkapital für den Sieger

Konkurrenz wäre hier wohl auch wirklich fehl am Platz – schließlich haben innovate4nature und Greenstart mit dem Lebensministerium und dem Impact Hub Vienna zwei Institutionen im Hintergrund gemeinsam. Über das Ministerium kommt übrigens auch das Geld für die Kampagne – Bund und EU teilen sich die Kosten auf. „Spenden fließen natürlich keine in den Wettbewerb“, erklärt Würschl. Geld, das sich die Startups bei dem Wettbewerb teilweise holen können: Für die drei besten Ideen gibt es im Oktober jeweils 5000 Euro Preisgeld und weitere Coachings und Workshops. Drei Monate später erhält der Finalist mit dem besten Fortschritt weitere 10.000 Euro.

Uni-Professor, erfolgreicher Founder und Marketing-Expertin in der Jury

Ausgewählt werden die Finalisten und Sieger von einer fünfköpfigen Jury aus verschiedenen Bereichen: Thomas Wrbka, Professor von der Uni Wien, als wissenschaftlicher Experte, Johannes Höfler, Heliovis-Founder und Gründer der Patent & Founder Factory, Marketing-Expertin Saskia Wallner, Finanz-Expertin Christa Maier und Wolfram Krendlesberger, CFO bei Heliovis. So soll sichergestellt werden, dass die Sieger-Ideen sowohl im Bereich Artenschutz, als auch was Gewinnaussicht und Skalierbarkeit angeht, top sind.

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Wer nur „den Panda will“, wird an der Hand genommen

Doch besteht bei so einem Wettbewerb nicht die Gefahr, dass jemand mit dem WWF als Unterstützer „Greenwashing“ betreiben will, also das bekannte Label nur zu seinen eigenen Zwecken missbrauchen will? Würschl hat darauf eine pragmatische Antwort: „Wenn wirklich jemand kommt, der nur unseren Panda auf seinem Produkt haben will, sehen wir uns die Idee trotzdem an. Wenn sie der Biodiversität nützt, können wir den Bewerber in den Workshops noch immer an der Hand nehmen und zu einem konkreten Engagement für mehr Natur- und Klimaschutz ermutigen.“

⇒ Hier geht’s zur offiziellen Website von innovate4nature

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Das Flatwise-Gründertrio (v.l.) Marc Lindorfer, Edwin Schneider und Johannes Reichl © Flatwise

Wenn es nach Johannes Reichl, Edwin Schneider und Marc Lindorfer geht, ist Immobilienverwaltung bis heute vor allem eines: kleinteilig, zeitintensiv und von manuellen Abläufen geprägt. Genau hier wollen die drei Linzer mit ihrem Startup Flatwise ansetzen. Das Gründerteam entwickelt eine Software, die zentrale Aufgaben von Vermieter:innen, von Mietanpassungen über Betriebskostenabrechnungen bis zur Vorbereitung von Steuerunterlagen, mithilfe von KI-Agenten automatisieren soll. Bereits vor dem offiziellen Marktstart setzen laut Angaben des Startups Vermieter:innen mit insgesamt mehr als 3.000 Wohnungen auf die Plattform.

Von der Pilot- zur Marktphase

Das Team, das erst im August 2026 eine GmbH gegründet hat, hat sein Produkt in den vergangenen Monaten eng mit den ersten 100 Pilotnutzer:innen weiterentwickelt, mit Feedback, Interviews und echten Kund:innendaten, wie Mitgründer Johannes Reichl im Interview erklärt. Der Ansatz unterscheide sich damit von klassischen Proptech-Lösungen, die bestehende Prozesse lediglich digitalisieren: „Wir wollen Immobilienverwaltung nicht nur digitalisieren, sondern grundlegend neu denken. Immobilien sollen sich künftig weitgehend von selbst verwalten können. Vermieter:innen können durch die Software von Flatwise professionell vermieten, ohne dabei selbst Fachexpert:innen sein zu müssen“, so Reichl.

KI-Agenten im Einsatz

Konkret möchte Flatwise KI dort einsetzen, wo Verwaltungsprozesse sinnvoll automatisiert oder unterstützt werden können. Dazu zählen für das Team unter anderem die Vorbereitung und Berechnung von Mietanpassungen, die Unterstützung bei Betriebskostenabrechnungen sowie die strukturierte Aufbereitung von Finanz- und Steuerinformationen. Der KI-Agent verbindet dabei unterschiedliche Daten und Prozessschritte innerhalb der Software, bereitet relevante Informationen auf und unterstützt Vermieter:innen bei der weiteren Bearbeitung.

Der Weg zum Ökosystem

Im Schnitt verwaltet ein:e Flatwise-Nutzer:in laut Unternehmen aktuell rund zehn Wohnungen. Für Reichl zeigt sich dabei ein klares Bild der Branche: „Der Markt ist extrem fragmentiert, es gibt viele Anbieter, die eigentlich zusammenhängen müssten, aber kaum vernetzt sind.“

Dieses Nebeneinander will Flatwise auflösen und sich schrittweise zu einem Ökosystem entwickeln, das Vermieter:innen, Mieter:innen und Dienstleister:innen auf einer Plattform zusammenbringt. „Wir glauben daran, dass gute Vermieter:innen das Wohnen für alle besser machen. Flatwise soll es einfacher machen, gut zu vermieten“, heißt es dazu vom Gründungsteam.

Enterprise-Lösung in Arbeit

Flatwise richtet sich an Vermieter:innen mit Beständen zwischen einer und hundert Immobilien. Mittlerweile hätten sich aber auch Hausverwaltungen und Bestandshalter:innen mit deutlich größeren Portfolios gemeldet. Deshalb entwickelt Flatwise momentan ein Enterprise-Modell, das künftig gezielt auf die Anforderungen größerer Bestandshalter:innen und Hausverwaltungen eingehen soll, wie der Mitgründer im Interview erklärt.

Wachstum vorerst ohne Angels oder VCs

Trotz bestehender Investmentangebote will das Team bei der Finanzierung vorerst auf Förderungen und den eigenen Cashflow setzen. Rund 20 Angebote von Angels und Venture-Capital-Geber:innen sind laut Reichl bereits eingegangen. Aufgegriffen werden sollen sie frühestens, wenn erste Umsätze stehen. Für eine geplante Wachstumsphase ist jedoch in der ersten Jahreshälfte 2027 eine Finanzierungsrunde angedacht. Unterstützung erhält das Gründerteam zudem im Inkubatorprogramm von tech2b durch ein Advisory Board aus Immobilienexpert:innen und erfahrenen Unternehmer:innen.

Wissen als Türöffner

Um neue Kund:innen zu erreichen, setzt Flatwise zusätzlich auf einen eigenen Immobilienratgeber mit aktuell rund 160 Artikeln, der komplexe Themen rund um Immobilien und Wohnen laienverständlich aufbereitet. Bereits mehrere tausend Personen sollen die Inhalte monatlich lesen. Für Reichl ist das ein wichtiger Kanal, um Vertrauen aufzubauen und so langfristig neue Nutzer:innen für die Plattform zu gewinnen.

Im kommenden Jahr will Flatwise nach eigenen Angaben marktführend in Österreich werden. Mittelfristig ist auch eine internationale Expansion, etwa nach Deutschland, angedacht. Ein konkreter Zeitpunkt steht laut Reichl aber noch nicht fest.

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