02.06.2021

Das bietet der neue Impact Hub Tirol für Startup-Gründer

Österreich bekommt mit dem Impact Hub Tirol einen zweiten Standort des internationalen Netzwerks für Impact Entrepreneurship. Aktuell ist der Impact Hub Tirol in der Bäckerei-Kulturbackstube in Innsbruck angesiedelt. 2022 soll ein eigener Coworking Space eröffnet werden.
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Das Gründerteam des Impact Hub Tirol | (c) Impact Hub Tirol

Die heimische Gründerszene – genauer gesagt in Westösterreich – darf sich demnächst über einen zweiten Impact Hub Standort freuen. Rund zehn Jahre nach Eröffnung des ersten Standortes in Wien wird am 8. Juni in Innsbruck mit dem Impact Hub Tirol ein zweiter Standort seine Pforten öffnen. Laut den Gründern soll es sich um das erste Zentrum für soziale und ökologische Innovation in Innsbruck handeln, das auch in die Regionen wirken soll.

„In Tirol sind in den letzten Jahren viele Initiativen entstanden, die mit unternehmerischen Ideen, gesellschaftliche Herausforderungen lösen“, so Mitgründerin Jana Ganzmann über die Intention der Gründung. Als erfolgreiche Beispiele aus Innsbruck führt sie Impact-Projekte wie den Zero Waste Shop Greenroot an, der gänzlich ohne Plastikverpackung auskommt, oder das Café Namsa, in dem geflüchteten Menschen der Einstieg ins Arbeitsleben ermöglicht wird. “Zudem erkennen auch immer mehr traditionelle Unternehmen und NGOs die Notwendigkeit, soziale und ökologische Innovation in ihrer Organisation zu fördern”, ergänzt Johannes Völlenklee, ebenfalls Co-Founder des Impact Hub Tirols.

2022 soll ein eigener Coworking Space eröffnet werden

Im Impact Hub Tirol soll künftig Menschen, Organisationen und Unternehmen dabei unterstützt werden, impact-orientierte Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Das Angebot ist laut den Gründern vielfältig und reicht von Inkubations- und Accelerator-Programmen für Impact Startups über Beratung für Unternehmen und NGOs bis hin zu Mitgliedschaften und Events für alle Menschen, die in die Impact-Welt eintauchen möchten.

“Das langfristige Ziel ist es, Tirol als internationalen Hotspot für soziale und ökologische Innovation zu etablieren”, erklärt Geschäftsführer Alexander Auer. “Gemeinsam arbeiten wir daran, innovative Lösungen im regionalen Kontext sowie für globale Herausforderungen voranzutreiben.” Als Teil des globalen Impact Hub-Netzwerks kann dabei auf die Expertise der größten Community für Impact Entrepreneurship zurückgegriffen werden. Weltweit gibt es mehr als 100 Impact Hubs.

(c) Impact Hub Tirol

Impact Hub Tirol: Online Opening Event

Für die offizielle Eröffnung am 8. Juni findet ein eigenes Online Opening Event statt, für das sich Interessierte ab sofort anmelden können. Neben einer Keynote von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck haben unter anderem der Tiroler Impact Investor Charly Kleissner sowie Gäste aus der Tiroler Politik und Wirtschaft ihre Teilnahme zugesagt. Zudem soll es bereits im Juni ein buntes Programm an Workshops, Events und Diskussionsrunden geben.


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Wir sprachen zur Paketabgabe mit (vl.) Johannes Braith, Petra Dobrocka und Georg Weiss | (c) brutkasten / byrd / quivo / Hintergrund / (c) RoseBox via Unsplash
Wir sprachen zur Paketabgabe mit (vl.) Johannes Braith, Petra Dobrocka und Georg Weiss | (c) brutkasten / byrd / quivo / Hintergrund / (c) RoseBox via Unsplash

Bereits seit der Veröffentlichung des Ministerialentwurfs zu einer neuen Paketsteuer im Mai trifft diese in der öffentlichen Diskussion auf Kritik. Vorgesehen ist eine Abgabe von zwei Euro pro zugestelltem Paket, die ab dem 1. Oktober 2026 von großen Online-Handelsplattformen mit einem Jahresumsatz ab 100 Millionen Euro eingehoben werden soll. Nachdem das vorparlamentarische Begutachtungsverfahren zum Gesetzesentwurf am 26. Mai 2026 offiziell geendet hat, geht die Vorlage im nächsten Schritt in die Debatte und finale Abstimmung im Nationalrat.

Mit den prognostizierten Einnahmen von jährlich rund 280 Millionen Euro will die Bundesregierung die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel teilweise gegenfinanzieren. Zudem wolle man den lokalen stationären Handel gegenüber den internationalen E-Commerce-Riesen stärken, so die Argumentation. Und auch der Umweltschutzaspekt wird seitens der Regierung ins Treffen geführt. Diese Begründung lassen viele Kritiker:innen aber nicht gelten.

Dobrocka: „wird nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben“

Auch unter Gründer:innen heimischer Startups und Scaleups im Logistik-Bereich, die für brutkasten erreichbar waren, herrscht breite Ablehnung gegenüber der Paketabgabe. Dabei ist es nicht die Zielsetzung, die kritisiert wird. „Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert über Maßnahmen zu diskutieren, die den österreichischen Markt vor einer Flut an ausländischen Sendungen schützen und österreichische Unternehmer stärken. Aber diese Maßnahme tut das nicht“, meint etwa Petra Dobrocka, Co-Founderin und CCO des Wiener Logistik-Scaleups byrd. „Selbst wenn ein heimischer Händler die Ware in Österreich verpackt und mit der österreichischen Post an einen österreichischen Kunden schickt: Sobald der Verkauf über einen Marktplatz wie Amazon läuft, greift die Steuer.“ Die Maßnahme werde letztlich „nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben.“

Braith: „Emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen“

Ähnlich argumentiert auch Storebox-Co-Founder und CEO Johannes Braith. Er führt zusätzlich eine ökologische Perspektive ins Treffen. „Wir brauchen aus meiner Sicht weniger Symbolpolitik und mehr intelligente Steuerung. Wenn Politik Lenkungswirkung ernst meint, dann sollte sie emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen und nicht pauschal jede Form des Versandhandels verteuern“, so der Gründer. Das Gesetz unterscheide nämlich zu wenig zwischen emissionsintensiven und emissionsarmen Zustellmodellen. Klassische Haustürzustellung sei ineffizient und verursache Retourenverkehr und Parkdruck, meint Braith und führt Click-&-Collect-Modelle mit gebündelter Anlieferung ins Treffen, wie sie auch sein Unternehmen umsetzt.

Weiß: EU-Regelung statt „Alleingang“

Georg Weiß, Co-Founder und CEO des Wiener Logistik-Scaleups Quivo, würde in dem Zusammenhang lieber eine europäische Lösung sehen. „Auf EU-Ebene gibt es ja auch Vorschläge, etwa Zölle für Kleinpakete unter 150 Euro einzuführen, um den europäischen Markt vor Billigprodukten zu schützen. Das halte ich für die sinnvollere Maßnahme, als aus Österreich heraus einen Alleingang zu machen und eine Zwei-Euro-Paketgebühr einzuführen“, so der Gründer gegenüber brutkasten.

AustrianStartups: Nachteile für Startups und Scaleups befürchtet

Kritik an der Paketsteuer kommt auch von AustrianStartups. „Wer Österreich als Innovationsstandort stärken will, kann nicht gleichzeitig die Vertriebskanäle innovativer Unternehmen im E-Commerce belasten. In der aktuellen Form würde der Entwurf vor allem Startups, Scaleups und KMUs treffen, die über Plattformen verkaufen oder aus Österreich versenden“, meint man dort. Auch befürchtet man potenzielle Probleme für Scaleups in der Branche, weil ein gleitender Übergang bei der Umsatzschwelle fehle: „Für Scaleups, die gerade die 100-Millionen-Euro-Grenze überschreiten, bedeutet das einen abrupten Kostenschock in genau der Phase, in der sie skalieren wollen.“

Kaminski: „Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll“

Zudem hebt AustrianStartups eine besondere Problematik im Secondhand- und Refurbishment-Bereich hervor und zitiert dazu refurbed-Co-Founder Kilian Kaminski: „Bei einem refurbishten iPhone beispielsweise ist der Produktpreis zwar relativ hoch, aber die Marge für Refurbisher ist sehr gering. So eine Abgabe kann nicht einfach weitergegeben werden. Das Resultat: Preise im Reuse-Bereich steigen, neue Billigwaren nicht. Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Falls die Abgabe kommt, braucht es zwingend eine Ausnahmeregelung für Secondhand und Refurbished.“

AustrianStartups forderte daher bereits im Mai „eine Rücknahme des Entwurfs in seiner aktuellen Form“. Sollte dies nicht passieren jedenfalls aber eine „Prüfung eines EU-weiten Rahmens statt eines österreichischen Alleingangs“ und eine Ausnahmeregelung für Secondhand, Refurbished und Reuse.

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