20.03.2026
CYBERCRIME

Iknaio: Wiener Spin-off lieferte Software für gigantischen Schlag gegen Darknet

Der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) im Bayerischen Landeskriminalamt gelang es mit internationaler Kooperation, 373.000 Darknet-Seiten offline zu nehmen. Eine zentrale Rolle spielte dabei auch das Wiener Complexity-Science-Hub Spin-off Iknaio.
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DeFi-Forscher Bernhard Haslhofer
Bernhard Haslhofer | Foto: Anja Böck/Complexity Science Hub

Der Fall ist durchaus verstörend: Über ein Netzwerk aus 373.000 anonymen .onion-Domains im Darknet betrog ein einzelner Täter von China aus im Laufe mehrerer Jahre rund 10.000 Nutzer:innen und holte sich damit etwa 400.000 US-Dollar und 18 Bitcoin (aktuell rund eine Million Euro). Doch viele der Betrogenen sind keineswegs unschuldige Opfer. Auf 32 Plattformen, die über rund 90.000 der genannten Domains abrufbar waren, wurde gewalttätiges kinderpornografisches Material angeboten (das nach Zahlung aber nicht geliefert wurde). Zudem gab es mehrere, ebenfalls betrügerische, „Cybercrime-as-a-Service“-Angebote, etwa Kreditkartendaten und Zugänge in fremde Systeme, die ebenso nicht geliefert wurden.

373.000 Seiten offline genommen, weltweit 440 Tatverdächtige ausfindig gemacht

Nach jahrelangen Ermittlungen unter dem Namen „Operation Alice“ (in Anlehnung an den Namen einer der Kinderporno-Seiten) gelang nun der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) im Bayerischen Landeskriminalamt ein massiver Schlag. Dabei wurden nicht nur die genannten 373.000 Domains abgeschaltet. In internationaler Kooperation wurden Ermittlungen gegen ca. 600 Nutzer der kinderpornographischen Plattformen, die im Zeitraum von Februar 2020 bis Juli 2025 Zahlungen veranlasst hatten, aufgenommen. Weltweit wurden bislang rund 440 Tatverdächtige ausfindig gemacht, wie die bayrische Polizei ausführt.

Das sei trotz versuchter Verschleierung der Identitäten gelungen. „Die akribische Auswertung der Kryptowährungsströme führte zu einem legalen Zahlungsdienstleister. Mithilfe der dort gespeicherten Daten ist es gelungen, die durch die Beschuldigten durchgeführten Zugriffe auf die jeweiligen Plattformen zu belegen und die jeweils zum Kauf beabsichtigten Datenpakete zuzuordnen“, heißt es von der bayrischen Polizei.

„Wir hätten ohne Iknaio dieses Ermittlungsverfahren niemals führen können“

Hierbei spielte das Wiener Unternehmen Iknaio (brutkasten berichtete bereits mehrmals) eine zentrale Rolle. Dabei handelt es sich um ein Spin-off des Wiener Complexity Science Hub (CSH). Co-Founder Bernhard Haslhofer leitet dort die Forschungsgruppe Digital Currency Ecosystems. Mit seinem Team entwickelte er die Krypto-Forensik-Plattform GraphSense, die wiederum mit der Ausgründung Iknaio kommerziell genutzt wird.

Die Software verfolgt den Zahlungsverkehr einzelner Kryptowährungsadressen nach und macht zusammenhängende Netzwerkverbindungen sichtbar, wobei große Mengen an Daten automatisiert ausgewertet werden. „Wir hätten ohne Iknaio dieses Ermittlungsverfahren niemals führen können“, wird der zuständige bayrische Oberstaatsanwalt Stephan Schäl von ORF zitiert.

Iknaio-Gründer Haslhofer wiederum gibt gegenüber ORF einen Einblick in die Arbeit am Fall. Schon früh sei demnach aufgefallen, dass mehrere Plattformen dieselbe Kryptowährungsadresse nutzen. So habe man ein „Universum an illegalen Darknet-Plattformen, die über gemeinsam verwendete Kryptowährungsadressen zusammenhängen“, identifiziert. Entlarvt wurde der Täter – ein mittlerweile namentlich bekannter 35-jähriger chinesischer Staatsbürger in China – schließlich beim Tausch von Krypto- in Fiat-Geld. „An dieser Schnittstelle haben dann die Strafverfolgungsbehörden den Hebel, die Täter auszuforschen“, so Haslhofer gegenüber ORF.

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Foto: epilogy.photography

Während der ViennaUP wurde Wien einmal mehr zur internationalen Drehscheibe der Startup-Welt. Inmitten dieser Woche voller Begegnungen, Ideen und Innovationen setzte ein Event einen ganz besonderen Akzent: Im Wien Museum, mit weitem Blick über den Karlsplatz, kamen zahlreiche Founder, Investor:innen, Corporate-Partner und Wegbegleiter:innen zusammen, um ein Jubiläum zu feiern, das sinnbildlich für den internationalen Fokus des österreichischen Innovationsstandorts steht: 10 Jahre Global Incubator Network Austria (GIN).

Schon beim Eintreten wurde spürbar, was GIN über das vergangene Jahrzehnt ausgemacht hat – das Zusammenspiel aus österreichischen Wurzeln und globaler Reichweite. Gründer:innen aus Wien trafen auf asiatische Startups, die diese Woche in der Stadt zu Gast waren, um in Europa Fuß zu fassen.

Foto: epilogy.photography

Eine von ihnen war Nga Chi Lydia Yip, Co-Founderin und CSO von Elleon Biotech aus Hongkong. Ihr Startup hat ein Reagenz entwickelt, mit dem sich markierte Zellen – etwa Krebs- oder virusinfizierte Zellen – mit bloßem Auge oder per Smartphone sichtbar machen lassen, ganz ohne teure Mikroskope oder geschultes Personal. „Ich habe in den letzten Tagen mehr wertvolle Leads getroffen als in zwei Jahren in Hongkong“, erzählte sie. Über das GIN-Programm war sie auf der Suche nach einem strategischen Partner für die Antikörper-Produktion – und wurde bei einem der Networking-Momente tatsächlich fündig. „Ich liebe den Vibe hier. Die Leute sind wirklich da, um einander zu helfen.“

Genau diese Atmosphäre baut GIN seit 2016 systematisch auf: Verbindungen, die weit über ein einzelnes Programm oder eine Delegationsreise hinausreichen.

Ein Jahrzehnt Brückenbauen zwischen Österreich und Asien

Seit seiner Gründung 2016 verfolgt GIN ein klares Ziel: innovative Startups beim internationalen Wachstum zu unterstützen und gleichzeitig Österreich als zentralen Innovationsstandort zu stärken. Unter dem Leitgedanken „Connecting the Circles of Growth“ hat sich daraus ein Netzwerk entwickelt, das weit über klassische Förderprogramme hinausgeht.

Die Bilanz nach zehn Jahren spricht für sich: 756 unterstützte Startups, 71 internationale Programm-Batches, 7 zentrale Partnerregionen und über 30 internationale Innovationspartner. Im Zentrum stehen die beiden Programme GO ASIA und GO AUSTRIA, die den Austausch in beide Richtungen ermöglichen – ein zweiseitiger Ansatz, der GIN zu einer einzigartigen Brückenbauerin macht. Geschichten wie jene von Elleon Biotech zeigen, was das konkret bedeutet.

Foto: epilogy.photography

Zur Beginn reflektierten Henrietta Egerth (Geschäftsführerin FFG) und Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws) über die Vision hinter GIN, die gemeinsame Steuerung der beiden Programme und den Blick nach vorne. „Zehn Jahre Global Incubator Network Austria bedeuten zehn Jahre messbaren Impact für das österreichische Startup-Ökosystem und weit darüber hinaus“, betont Henrietta Egerth. „Allein am aktuellen GIN-Programm nehmen 56 Startups aus sieben asiatischen Zielregionen teil – mehr als jemals zuvor.“

Panel: Local Roots, Global Reach

Unter dem Titel „Local Roots, Global Reach: The New Rules of Internationalization“ diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel die veränderten Spielregeln internationaler Expansion. Marcus Berger (CEO, Aviloo), Ayashi Das Majumder (Co-Founderin & COO, Sensegrass), Markus Lang (General Partner, Speedinvest) und Andreas Mühlberger (Infineon Technologies Austria) brachten vier sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die zentrale Botschaft: Für einen kleinen Exportmarkt wie Österreich ist Internationalisierung essenziell – gleichzeitig aber komplexer geworden, und sie gelingt nur durch starke Partnerschaften und langfristige Begleitung.

Foto: epilogy.photography

Workshop: Impulse für die nächsten zehn Jahre

Im interaktiven Workshop-Teil, moderiert von Viktoria Ilger (Venture Clienting Austria), wurden die Gäste selbst zu Mitgestaltenden. An mehreren Tischen diskutierten sie in kleinen Runden über die zentralen Fragen rund um Internationalisierung. Begleitet wurde der Nachmittag von einem Live-Graphic-Recording-Team, das die wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse in Echtzeit visuell festhielt – ein wachsendes Bild, das ebenso entstand wie die Insights selbst und am Ende eindrucksvoll präsentiert wurde.

Foto: epilogy.photography

Blick nach vorne: Indien als nächster Meilenstein

Mit der geplanten Erweiterung von GIN GO ASIA nach Indien ab 2027 wurde ein klares Signal für die nächste Phase gesetzt. Bereits heute holt das aktuelle GO AUSTRIA Programm sieben indische Deep-Tech-Startups nach Österreich. Indien zählt mittlerweile über 130 Startup-Unicorns und entwickelt sich mit enormer Dynamik zu einem der wichtigsten Technologie- und Wachstumsmärkte der Welt. Mit der India-Austria Startup Bridge wurde bereits vor zwei Jahren ein erstes Instrument geschaffen, um indische Startups nach Österreich zu holen – ab 2027 öffnen sich die Türen gezielt auch für österreichische Startups in diesen Zukunftsmarkt. So festigt GIN Österreichs Rolle als europäisches Gateway für Innovation, Technologie und internationale Zusammenarbeit.

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Eine Community feiert

Zum Abschluss wurde sichtbar, was GIN über die Zahlen hinaus ausmacht: eine globale Community aus Foundern, Partner:innen, Mentor:innen und Freund:innen. In einem Happy-Birthday-Video schickten Wegbegleiter*innen aus aller Welt ihre Glückwünsche. Das GIN-Team kam auf die Bühne, die Gläser wurden erhoben – und der Nachmittag mündete in eine Feier, die anschließend bei GIN & Friends am Karlsplatz ihre Fortsetzung fand. Für Lydia Yip stand da nur noch ein letztes Meeting an, bevor auch sie dazustieß: „Ich hätte nie erwartet, dass eine Geschäftsreise so viel Freude macht.“


Das Global Incubator Network Austria (GIN) ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung und wird von der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umgesetzt. Ziel ist es, Start-ups, Investor:innen und Innovationspartner:innen international zu vernetzen und den Innovationsstandort Österreich nachhaltig zu stärken. Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt.

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