06.08.2020

igevia: Linzer HealthTech holt deutsche Laborgruppe als strategischen Investor an Bord

Das in Linz ansässige Startup igevia hat sich auf Bluttests spezialisiert, die Kunden von zu Hause aus durchführen können und anschließend zur Analyse ins Labor schicken. Für die Weiterentwicklung des Produktes und das weitere Wachstum holte sich igevia nun mit der deutschen Laborgruppe amedes einen strategischen Investor an Bord.
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igevia
Gerhard Feilmayr (links), Dominik Flener (rechts) | (c) igevia

Das Linzer Startup igevia wurde 2018 von Gerhard Feilmayr und Dominik Flener gegründet und bietet seinen Kunden die Möglichkeit, Allergietests von zu Hause durchführen zulassen. Der Kunde erhält dabei ein Paket mit der Post zugesandt, mittels einer Stechhilfe sammelt der er anschließend Bluttropfen aus der Fingerkuppe in einer Phiole. Jene wird dann in ein Transportröhrchen gepackt, das in ein vorfrankiertes Kuvert gesteckt und rückversandt wird. Danach wird das Blut im Partner-Labor getestet. Feilmayr und Flener pitchten ihre Geschäftsidee unter anderem bei „2 Minuten 2 Millionen“ – der burtkasten berichtete.

Strategischer Investor an Bord

Wie das Startup nun bekannt gab, werden die beiden Gründer Feilmayr und Flener gemeinsam mit der deutschen Laborgruppe amedes einen „hohen sechsstelligen Betrag“ in das Unternehmen investieren. Die amedes Gruppe, die über 70 Standorte und mehr als 400 Ärzten sowie wissenschaftliche Mitarbeiter, verfügt, soll dabei als „strategischer und wissenschaftlicher Partner“ für das weitere Wachstum des Unternehmens fungieren. Die Planung für die Zusammenarbeit wurde laut igevia während des Corona-Lockdowns intensiv diskutiert und schlussendlich Ende Juni abgeschlossen.

igevia Geschäftsführer Flener über die neue Partnerschaft: „Wir arbeiten seit jeher eng mit Medizinern und Laborexperten zusammen, um unser Angebot fundiert weiterzuentwickeln. Die Partnerschaft mit amedes eröffnet uns weitere Möglichkeiten und stärkt unseren wissenschaftlichen Fokus.“

igevia entwickelt neue Produkte

Das frische Kapital soll in erster Linie in die Entwicklung von neuen Produkten, Softwaretechnologien und das Qualitätsmanagement fließen, so Feilmayr, der die Produktentwicklung und das Qualitätsmanagement bei igevia verantwortet.

Ab Ende September möchte igevia zusätzlich zu den Allergietests auch Stoffwechseltests anbieten, die ebenfalls von zuhause durchgeführt werden können. 

Das erweiterte Angebot soll dann in Österreich und Deutschland sowohl privaten Endkunden als auch Ärzten, Apotheken und Unternehmen für das betriebliche Gesundheitsmanagement zugänglich sein.

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Die Aitiologic-Gründer (vlnr.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic
Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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