24.06.2025
CONFIDENCE GAP

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

In Österreichs Startup-Szene wächst die Zahl der Gründerinnen. Doch während ihre Unternehmen skalieren, bleibt ihr Selbstvertrauen oft zurück. Gründerinnen wie Anna Greil und Kosima Kovar zeigen, wie tief Unsicherheit bei Frauen verankert ist – und welche Wege sie finden, um als Unternehmerinnen selbstbewusster aufzutreten.
/artikel/ich-habe-mir-angewoehnt-zu-allen-sachen-die-ich-mir-nicht-zutraue-immer-ja-zu-sagen
v.l.n.r.: Kosima Kovar, Natascha Fürst, Sonja Sperber, Anna Greil | © Collage brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Juni 2025 “Neue Welten” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Warum bist du erfolgreich geworden? „Weil ich hart dafür gearbeitet habe.“ Wer so antwortet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Mann. Frauen hingegen sehen den Grund für ihren beruflichen Erfolg eher als Zufall oder Glück. Eine Studie der Harvard Business School aus dem Jahr 2019 zeigt: Frauen schätzen ihre Fähigkeiten oft schlechter ein, als sie tatsächlich sind.

Und genau das macht einen Unterschied – nicht in der Qualifikation, aber im Karriereverlauf. Denn wer gründet, muss nicht nur kompetent sein, sondern sich selbstbewusst präsentieren, überzeugen, Risiken eingehen. Diese Form von Unsicherheit – auch bekannt als Imposter-Syndrom – begleitet Frauen häufiger als Männer. Es wirkt sich nicht nur auf ihre Außendarstellung aus, sondern beeinflusst auch den Zugang zu Kapital und Netzwerken. In einer Szene, die stark auf Risiko und Selbstinszenierung setzt, wird das schnell zur unsichtbaren Barriere.

Eine, die das gut kennt, ist Anna Greil, Founderin von uptraded und Late-Co-Founderin von Minimist. „Ich wollte nie Unternehmerin werden“, sagt sie rückblickend. „Ich hatte schon immer ganz, ganz wenig Selbstvertrauen. Während der Uni habe ich mir gedacht, ich arbeite irgendwann vielleicht als Buchhalterin für irgendeine Tiroler Firma.“ Doch dann kam alles anders: Auf einmal ist die damals 20-Jährige Startup-Gründerin. „Ich bin dann irgendwie so in das ganze Ding reingerutscht, ohne dass es eine bewusste Entscheidung war. Mit uptraded hatte ich extrem viel Glück. Das fühlt sich jetzt nicht so an, als hätte ich das irgendwie erarbeitet. Ich war zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Mittlerweile, fünf Jahre später, ist Greil als Late-Co-Founderin beim Startup Minimist eingestiegen. Trotz zahlreicher Startup-Preise und erfolgreicher Finanzierungsrunden bleibt die leise Stimme im Hinterkopf, die manchmal sagt: „Bin ich wirklich die Person, die das zum erfolgreichen Unternehmen machen wird?“

Anna Greil ist Founderin und CEO von uptraded. Seit April 2025 ist sie außerdem auch Late-Co-Founderin und COO von Minimist. | © uptraded

Der innere Konflikt

Diese unsichtbare Barriere begegnet vielen Frauen auf ihrem Weg zur Gründung – und das oft schon ganz am Anfang. „Frühere Studien zeigten, dass sich die Haltung vor und während der Gründungsphase, so auch das Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten, deutlich zwischen Frauen und Männern unterscheidet“, sagt Sonja Sperber, Wissenschaftlerin an der Wirtschaftsuniversität Wien am Institut für Strategie, Technologie und Organisation. Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung mit Geschlechterfaktoren im Unternehmertum. „Menschen mit einem geringen Selbstvertrauen sind tendenziell weniger bereit, Risiken ein- zugehen. Da Unternehmensgründungen jedoch per se mit Risiken einhergehen, wird angenommen, dass Frauen weniger häufig danach streben, unternehmerische Chancen wahrzunehmen und Ideen umzusetzen“, erklärt sie weiter.

Kosima Kovar, Co-Founderin von Viora, findet: „Ich glaube, das Starten, überhaupt von der Idee ins Tun zu kommen, ist immer eine Herausforderung; auch bei Frauen. Gerade in Österreich haben wir einfach ein anderes Mindset zu Failure.“ Mit ihrem Wiener Startup unterstützt Kovar Unternehmen dabei, durch eine Learning-App den Gender-Confidence-Gap zwischen weiblichen und männlichen Mitarbeiter:innen zu schließen.

Das ständige Infragestellen der eigenen Kompetenz geht nicht spurlos an Gründerinnen vorbei. Diesen inneren Konflikt kennt auch Kovar: „Ich habe mir immer wieder diese Frage gestellt: Kann ich das, kann ich das nicht? Das ist etwas, das ich lange gespürt habe.“ Vieles davon sei geschlechtsabhängig, bestätigt Sperber: „Während Frauen tendenziell eher zu Bescheidenheit und zur Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten bei der Gründung und Führung von Unternehmen tendieren, zeigen Männer oft die entgegengesetzte Tendenz der Überschätzung eigener Fähigkeiten. Hierdurch erscheinen männliche Gründer für die Außenwelt als überzeugender und kompetenter, oft sogar als erfolgreicher, aufgrund ihres selbstsicheren Auftretens.“

Die Wurzeln des Gender-Confidence-Gaps liegen tief in der frühen Sozialisation von Frauen. Für Kovar ebenso wie für Greil war es als junges Mädchen kaum vorstellbar, später einmal Unternehmerin zu werden. Warum? „Jungen Frauen wird die Möglichkeit, Unternehmerin zu werden, oft gar nicht aufgezeigt“, sagt Kovar. Noch in den frühen 2000er-­Jahren wuchsen Kinder mit klassischen Rollenbildern auf: Männer in hohen, erfolgreichen Positionen und Frauen als Assistentinnen. „Gesellschaftliche Normen werden dabei durch etablierte Rollenbilder noch bestärkt, die in sehr vielen Branchen männlich geprägt sind“, so Sperber. „Auch wenn die eigentlichen Barrieren heutzutage in vielen Bereichen verringert oder sogar abgeschafft sind, prägt diese Erwartungshaltung das Selbstvertrauen der Frauen bis heute negativ.“

Sonja Sperber ist Wissenschaftlerin an der Wirtschaftsuniversität Wien am Institut für Strategie, Technologie und Organisation. | © privat

Wie sehr sich das auf den Alltag auswirkt, merkt man laut Kovar an den kleinen Dingen: „Wir versuchen immer, sehr wenig Platz einzunehmen. Uns wurde schon früh beigebracht, klein und unsichtbar zu bleiben.“ Ein geringeres Selbstvertrauen sei jedoch keine persönliche Schwäche, denn „alle Geschlechter kommen mit demselben Confidence-Level auf die Welt. Im Alter von acht Jahren sinkt es drastisch ab. Das macht die Gesellschaft mit uns“, sagt Kovar.

Rollenbilder, Erziehung und Erwartungen an Weiblichkeit machen es Gründerinnen oftmals schwer, sich in der Startup-Welt zu behaupten. „Gründerinnen werden oft in ihren Ideen, ihrer Kompetenz und ihrem unternehmerischen Mut infrage gestellt“, sagt Natascha Fürst, Gründerin von G51 und CEO von Female Founders. Sie gilt als Expertin für Gleichberechtigung und setzt sich aktiv für Frauenrechte und Solidarität unter Gründerinnen ein.

Wo der Confidence-Gap bremst

Ganz allein auf die Sozialisation lässt sich das Problem allerdings nicht zurückführen. Auch die Strukturen und Dynamiken der Startup-Welt tragen dazu bei, dass Frauen Karrieremöglichkeiten verpassen und dadurch weniger Chancen haben, erfolgreich zu werden. Der sogenannte Confidence-Gap ist somit ein Symptom für ein größeres Problem: „Das Vertrauen in die Fähigkeiten und das Potenzial von Frauen ist durch ein gesellschaftliches und wirtschaftliches System verzerrt, das Frauen nicht die gleiche Anerkennung und Förderung zukommen lässt wie Männern“, sagt Fürst.

Besonders deutlich sieht man das beim Fundraising: „Investor:innen berücksichtigen und finanzieren überdurchschnittlich oft Gründer, die selbstsicher und überzeugend auftreten. Auch hier kann fehlendes Selbstvertrauen in die Idee und die eigenen Umsetzungsfähigkeiten nachteilig sein“, erklärt Sonja Sperber. Eine Studie von Boston Consulting Group und MassChallenge (2019) zeigt, dass Frauen signifikant seltener Investments holen und dementsprechend oft auf Bootstrapping setzen. Männer dagegen holen sich deutlich häufiger Investor:innen an Bord. „Frauen wissen, dass nur zwei bis drei Prozent der VC-Investments an Frauen gehen. Wieso nach Geld fragen, wenn die Chance so gering ist?“, sagt Kovar. „Meine erste Firma habe ich auch gebootstrappt, meine zweite anfangs auch – dann sind Investor:innen auf mich zugekommen.“ Beim Fundraising, sagt sie, herrsche ein „Riesen-Bias“, weil die Menschen, die am Ende entscheiden, wer Geld bekommt und wer nicht, oft einer „sehr homogenen Gruppe“ angehörten.

Auch Greil weiß von sich selbst: „Mehr Selbstvertrauen würde mir extrem helfen im Fundraising und gerade in Verhandlungen. Meine männlichen Co-Founder haben so eine ‚Who cares?‘-Einstellung: Sie quatschen irgendwen an, es ist ihnen egal, ob sie davor irgendwas über die Person wissen oder nicht. Ich habe immer so das Gefühl, ich muss top vorbereitet sein, ich muss gute und schlaue Fragen stellen und kann nicht einfach so fragen, was die Person letztes Wochenende gemacht hat.“

Wie unterschiedlich außerdem die Ausgangsbedingungen beim Fundraising sein können, zeigt ein Erlebnis von Kovar: „Ich habe gemerkt, dass das Fundraising mit meinem männlichen Co-Founder immer erfolgreicher war als alleine.“ Einmal bot ihr derselbe VC sogar weniger Kapital an als ihrem Mitgründer – obwohl sie Geschäftsführerin ist. Dabei zählt ihr Startup Viora heute bekannte Namen wie Hansi Hansmann, Fund F und Calm/Storm zu seinen Investor:innen. Und doch wird sie immer wieder unterschätzt: „Ich hatte schon Situationen, wo mir männliche Kollegen in der Branche erklärt haben, wie man ‚richtig‘ fundraist, und dann bin ich draufgekommen, dass sie ein Fünftel von mir geraist haben“, erzählt Kovar.

Kosima Kovar ist Co-Founderin und CEO von Viora, einem Startup, das sich für Gleichberechtigung in Unternehmen einsetzt. | © Philipp Lipiarski

Auch abseits des Fundraisings erleben Gründerinnen ungleiche Voraussetzungen – etwa dort, wo sich die Innovationsszene vernetzt: bei Events. Für Gründer:innen sind diese Treffen entscheidend, um Kontakte zu knüpfen, sichtbar zu werden und sich in der Branche zu positionieren. Dass viele dieser Veranstaltungen nach wie vor männlich geprägt sind, ist kein Geheimnis. „Ich war oftmals die einzige Frau auf den Events“, bestätigt Kovar. Auch Greil berichtet, dass sie gerade als junge Frau auffällt – und das nicht immer positiv. „Da waren ab und zu auch unangenehme Sachen dabei. Teilweise erhalte ich auf diesen Events mehr Kommentare zu meinem Outfit als interessierte Fragen zu meinem Business.“ Solche Erlebnisse passieren heute aber seltener als vor einigen Jahren, betonen beide. Die Szene habe schon viele Schritte in die richtige Richtung gemacht.

Mehr Gründerinnen in Österreich

Trotz aller Fortschritte der letzten Jahre: Der Gender-Confidence-Gap in Führungspositionen bleibe ein Thema, das dringend weiterhin Aufmerksamkeit braucht, sagt Kovar. Ihre Überzeugung: Mehr Frauen in Schlüsselrollen bedeuten mehr Innovation und bessere wirtschaftliche Ergebnisse. „Wir wollen bei Frauen den Confidence-Level auf den Competence-Level heben“, so Kovar. Auch Fürst sieht in Gleichberechtigung weit mehr als ein soziales Anliegen, sondern betrachtet sie als Grundlage eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems. „Weibliche Perspektiven machen nicht nur die Startup-Welt, sondern unsere gesamte Ökonomie resilienter, gerechter und zukunftsfähiger. Wir brauchen ein Wirtschaftsmodell, das Care, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit nicht als ‚Nice-to-have‘, sondern als Fundament versteht.“

Trotz der noch bestehenden Herausforderungen zeigt der Anteil an Gründerinnen – laut dem aktuellen Austrian Startup Monitor 2024 – eine klare Tendenz: Der Frauenanteil unter Österreichs Gründer:innen steigt jedes Jahr weiter an.

Selbst ist die Frau?

Um den Gender-Confidence-Gap langfristig zu überwinden, braucht es Veränderungen auf mehreren Ebenen. Sperber plädiert dafür, bereits früh bei der Sozialisation von Mädchen anzusetzen, um ein stabiles Fundament für unternehmerisches Selbstvertrauen zu schaffen. Kindern – unabhängig vom Geschlecht – sollte Unternehmertum als Karriereweg ganz selbstverständlich nahegebracht werden. „Der Zugang zu unternehmerischem Denken und Handeln sollte nicht nur denjenigen ermöglicht werden, die zufällig in einem Umfeld aufwachsen, in dem Entrepreneurship präsent ist“, sagt Fürst. „Vielmehr muss ein ganzheitliches Bildungssystem geschaffen werden, das Entrepreneurship als gesellschaftliche Notwendigkeit und als Karriereoption für alle jungen Menschen verankert.“

Natascha Fürst ist Gründerin von G51 und CEO von Female Founders. Sie setzt sich aktiv für Frauenrechte und Solidarität unter Gründerinnen ein. | © Martina Trepczyk

Gleichzeitig betont sie, dass es „weniger Appelle an Frauen und mehr Verantwortung beim System braucht. In vielen Bereichen sind es nicht die Frauen, die den Systemwechsel vorantreiben müssen, sondern der Staat und die Wirtschaft, die Verantwortung übernehmen und nachhaltige Anreizsysteme schaffen müssen.“ Solche Anreize könnten finanzielle Vergünstigungen, Steuererleichterungen oder gezielte Subventionen für Unternehmen sein, die sich aktiv für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen.

Bis dahin nehmen Gründerinnen wie Kovar und Greil das Thema Selbstvertrauen selbst in die Hand. „Im Endeffekt kannst du dann sagen: ‚Okay, ich warte jetzt, bis das irgendwer für mich löst.‘ Aber ich bin ja jetzt gerade in der Situation, deswegen will ich es jetzt lösen“, sagt Kovar. Beide setzen auf Coaching und Mentoring, um ihre persönliche Entwicklung voranzutreiben. „Ein Startup aufzubauen ist hardcore. Man könnte echt viele andere Dinge machen, die teilweise mehr Spaß machen. Man kommt jeden Tag in die Situation, richtig aus sich rausgehen zu müssen. Ich glaube, Coaching, Mentoring oder jemanden zu haben, der einen dabei unterstützt, sich selbst weiterzuentwickeln, ist enorm wichtig“, so Greil. Sie arbeitet aktiv an ihrem Selbstbewusstsein – mit kleinen Challenges im Alltag, Schritt für Schritt.

Auch Kovar investiert gezielt in sich selbst. „Ich habe eine Coachin und einen Mentor, eine Stimmtrainerin und eine Präsentationstrainerin. Ich habe also einfach extrem viele Personen, die mich da professionell unterstützen.“ Als sie letztes Jahr für einen TEDx-Talk angefragt wurde, kamen sofort wieder Zweifel auf: „Kann ich das oder kann ich das nicht?“ Sie entschied sich trotzdem dafür – aus Prinzip. „Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen.“ Denn genau diese Situationen seien es, an denen man wachse. Ihr Ziel ist klar: „Ich will, dass wir so voller Selbstbewusstsein sind, dass wir uns einfach nehmen, was uns zusteht, und das ist überall die Hälfte.“

Fake it till you make it?

Für Greil ist klar: Bei allem unternehmerischen Ehrgeiz möchte sie sich selbst immer noch treu bleiben. Sie habe keine Lust, sich einem „klassischen Leadership-Style“ anzupassen. Ob ihre Erfahrungen im Startup-Alltag ausschließlich auf ihre Rolle als weibliche Gründerin zurückzuführen sind, kann sie nicht mit Sicherheit sagen: „Als introvertierte Person fällt mir gerade das Netzwerken oft schwer – vielleicht liegt es auch daran.“ Die heute 25-Jährige beschreibt sich nämlich selbst als eher ruhig und introvertiert – Eigenschaften, die im traditionellen Verständnis oft nicht mit einer Führungskraft in Verbindung gebracht werden.

Natascha Fürst sieht darin jedoch keinen Widerspruch: Erfolg müsse nicht zwangsläufig dem gängigen, männlich geprägten Führungsbild entsprechen. „In dieser Realität ist das eigentliche Hindernis nicht das mangelnde Selbstvertrauen von Gründerinnen, sondern die Art und Weise, wie ihre Kompetenzen und ihr Potenzial vom System beurteilt und bewertet werden“, sagt Fürst. „Um das zu verändern, braucht es eine grundlegende Systemwende – weg von einer Gesellschaft, die Frauen in ihrem unternehmerischen Handeln kleinredet, hin zu einer, die echte Gleichwertigkeit anerkennt und fördert.“

Trotzdem findet Kovar, dass man sich ruhig auch etwas von seinen männlichen Kollegen abschauen kann: nämlich die „Fuck-it-Mentality“. „Man muss sich dieses Worst-Case-Szenario durchdenken, um dann draufzukommen, dass alles nicht so schlimm ist“, sagt sie. Frauen sollten sich laut Kovar auch ein Stück weit das „Fake it till you make it“-Mindset aneignen. „Denn im Endeffekt ist alles nur Marketing.“ Alle drei Gründerinnen sind sich dennoch einig: Selbstvertrauen entsteht nicht durch Anpassung, sondern durch Zugehörigkeit, Solidarität und Erfahrung.„Gründerinnen brauchen keine weiteren Tipps zur Selbstoptimierung; sie brauchen Räume, in denen sie sich mit ihren Werten, Ideen und ihrer Führungskraft entfalten können“, betont Fürst.

Deine ungelesenen Artikel:
10.08.2026

Startup-Hub Wien: Dominant mit Luft nach oben

„Weltberühmt in Österreich“ – das geflügelte Wort für all jenes, das hierzulande, aber eben nur hier, große Bedeutung genießt, trifft bis zu einem gewissen Grad auch auf das Wiener Startup-Ökosystem zu. Innerhalb Österreichs führt kein Weg an der Hauptstadt vorbei, die Zahlen sprechen für sich; im europäischen Vergleich schlägt sich die Donaumetropole aber bestenfalls mittelmäßig. Dabei gibt es einige technologische Stärkefelder, bedeutende Player, spannende Initiativen und ambitionierte Vorhaben. Ein Überblick
/artikel/startup-hub-wien-dominant-mit-luft-nach-oben
10.08.2026

Startup-Hub Wien: Dominant mit Luft nach oben

„Weltberühmt in Österreich“ – das geflügelte Wort für all jenes, das hierzulande, aber eben nur hier, große Bedeutung genießt, trifft bis zu einem gewissen Grad auch auf das Wiener Startup-Ökosystem zu. Innerhalb Österreichs führt kein Weg an der Hauptstadt vorbei, die Zahlen sprechen für sich; im europäischen Vergleich schlägt sich die Donaumetropole aber bestenfalls mittelmäßig. Dabei gibt es einige technologische Stärkefelder, bedeutende Player, spannende Initiativen und ambitionierte Vorhaben. Ein Überblick
/artikel/startup-hub-wien-dominant-mit-luft-nach-oben

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Der große kleine Startup-Standort

Wiens Strahlkraft zeigt sich auch bei den Unternehmensbewertungen: 82 Prozent der Wiener Startups knacken die 2,5-Millionen-Euro-Schwelle – gegenüber 70 Prozent im übrigen Land.

Solide klingt das aber nur an österreichischen Maßstäben gemessen; im Vergleich zum europäischen Kapitalmarkt bleibt viel Luft nach oben. Vom europaweiten VC-Boom (62 Mrd. Euro) blieb Wien 2025 weitgehend abgeschnitten. Das Paradoxon: Während die Stadt mit 86 Deals noch Platz 15 bei der Anzahl der Runden hält, offenbart das Volumen die reale Skalierungslücke – mit nur 179 Millionen Euro sammelten Wiener Startups weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts (378 Mio. Euro) ein.

Der direkte Vergleich: München und Stockholm

Der Kontrast zu Städten, die oft als direkte Wettbewerber oder Vorbilder genannt werden, ist drastisch. München verzeichnete 2025 bei 124 Deals ein Investitionsvolumen von 2,45 Milliarden Euro – fast das Vierzehn-fache der Wiener Summe. Und das, obwohl die bayerische Hauptstadt deutlich weniger Neugründungen als Wien ausweist: 192 im Jahr 2023, immerhin 290 im Jahr 2025.

Auch der Blick nach Norden unterstreicht die Diskrepanz: Stockholm, oft als Paradebeispiel für ein international ausgerichtetes Ökosystem genannt, zog im selben Zeitraum 1,42 Milliarden Euro an Risikokapital an, verteilt auf 137 Finanzierungsrunden.

Während Stockholm und München ihre Position als Milliarden-Hubs festigen, droht Wien bei der Wachstumsfinanzierung den Anschluss zu verlieren.

Städtische Unterstützung

Um das Ökosystem zu stärken, engagiert sich auch die Stadt Wien selbst auf mehreren Schienen. Treibende Kraft ist die Wirtschaftsagentur Wien: Sie förderte allein im vergangenen Jahr 1.177 Projekte mit insgesamt rund 48 Millionen Euro – 30 Prozent der Einreichungen stammten dabei laut Agentur von Gründer:innen und Startups. Die Wirtschaftsagentur ist es auch, die als Organisatorin hinter dem dezentralen Startup-Festival ViennaUP steht – von 18. bis 22. Mai finden im Rahmen des Festivals heuer rund 40 Startup-relevante Einzelevents zahlreicher Veranstalter statt, dazu kommen mehrere Side-Events anderer Player außerhalb des offiziellen Programms.

Konkretes Engagement zeigt die Stadt auch beim Schaffen von Infrastruktur: Neben den im Aufbau befindlichen Technologiezentren Life Science Center Vienna und AI Factory Austria ist aktuell ein Quantum Technology Center Vienna in Planung.

Risikokapital-Hauptstadt

Was für den gesamten österreichischen Startup-Sektor gilt, trifft auf den Bereich Risikokapital im Besonderen zu: Er ist auf Wien konzentriert. Die Hauptstadt beheimatet mehrere VC-Fonds von internationaler Bedeutung (allen voran Platzhirsch Speedinvest), aber auch mehrere Corporate-VCs und eine active Business-Angel-Szene. Das Kapital fließt aber keineswegs nur in heimische Startups und Scaleups – ein Überblick.

Wie viel Risikokapital von Wien aus verwaltet wird, lässt sich auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen nicht exakt beziffern. Fest steht: Die Hauptstadt ist auch unbestrittene Risikokapital-Hauptstadt. Mit Speedinvest, 3VC und Apex Ventures haben die drei größten privaten VC-Fonds des Landes ihren Sitz in Wien, dazu kommen mehrere kleinere Fonds wie calm/storm und Fund F. Auch die größten Corporate-VCs, konkret Verbund X Ventures und Elevator Ventures (Raiffeisen Bank International) arbeiten von Wien aus. Die mittlerweile inaktive Uniqa Ventures hatte ihren Sitz ebenfalls hier. Mit dem aws Gründungsfonds hat zudem der größte öffentliche VC seinen Sitz in der Donaumetropole. Komplettiert wird das Risikokapital-Angebot durch die aktive Business-Angel-Szene mit Aushängeschild Hansi Hansmann.

Aktive VCs und CVCs mit Sitz in Wien (Auswahl)

VC / CVCAuM (Schätzung)Volumen aktueller HauptfondsDetails
Speedinvest~ 1,2 Mrd. EUR350 Mio. EUR (Speedinvest 4)Europas größter Seed-Fonds. Breiter Branchenfokus, paneuropäisches Mandat.
3VC~ 200 Mio. EUR150 Mio. EUR (Fonds II)Größter Later-Stage-Fonds Österreichs. Investiert ab Series A in B2B-/B2C-Software (DACH und CEE).
APEX Ventures~ 150 Mio. EUR80 Mio. EUR (Zielvolumen Amadeus APEX Tech)Fokus auf Deeptech, AI, Quantum und Spacetech. Aktueller Hauptfonds gemeinsam mit der britischen Amadeus Capital aufgelegt.
aws Gründungsfonds~ 140 Mio. EUR72 Mio. EUR (Gründungsfonds II)Staatlich initiierter Co-Investor. AuM aus Alt-Fonds und aktuellem Fonds II in der Investmentphase. Nahezu 100 % Österreich-Fokus.
Elevator Ventures> 100 Mio. EUR70 Mio. EUR (EV II)Corporate VC der Raiffeisen Bank International. Aktiver Lead-Investor in Fintech und Cybersecurity in DACH und CEE.
calm / storm ventures~ 50 Mio. EUR27 Mio. EUR (Fund II)Kürzlich zweiten Fonds geschlossen. Sehr aktiver Early-Stage-Player in Healthtech und Femtech; Europa-Fokus.
Fund F~ 28 Mio. EUR28 Mio. EUR (Fund I)Pre-Seed- und Seed-Fonds der Female-Founders-Gründerinnen. Investiert in Startups mit mindestens einer Gründerin im Team.
Verbund X Ventureskein fixes Volumen (Evergreen)kein fixes Volumen (Evergreen)Keine klassische VC-Fondsstruktur. Investiert aus dem Budget des Energieversorgers in ganz Europa.

Internationale Ausrichtung

Die Bündelung des verwalteten VC-Kapitals in Wien bedeutet keineswegs, dass dieses Kapital auch zur Gänze heimischen Startups zur Verfügung steht: Mit Ausnahme des aws Gründungsfonds, der laut Mandat nahezu ausschließlich in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich investiert, sind die genannten Fonds international ausgerichtet. Bei den meisten privaten VCs liegt der Anteil österreichischer Startups im Portfolio bei oder unter zehn Prozent, bei den Corporate-VCs knapp darüber. Genaue Zahlen liefert Speedinvest: Das Gesamtportfolio umfasst laut eigenen Angaben zuletzt 298 aktive Investments in 40 Ländern mit klarem Schwerpunkt in Europa. Genau 30 Portfolio-Unternehmen – also rund zehn Prozent – haben ihren Sitz in Österreich.

Spinoff-Boom in Progress

Neun öffentliche Universitäten und fünf Fachhochschulen sind nur der Kern: Mit rund 200.000 Studierenden ist Wien der größte Hochschulstandort im deutschsprachigen Raum. In der Forschung gehören die Wiener Unis in mehreren Fachbereichen zur Weltspitze – bei der Überführung von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft gibt es allerdings noch viel Potenzial. Dabei betreiben mehrere Universitäten seit Jahren Programme zur Förderung von Spinoffs, etwa die TU Wien mit i²c, die WU Wien mit dem Gründungszentrum, die Uni Wien mit u:seed oder die Universität für Bodenkultur mit „[sic!]“.

Zuletzt wurden die Strategien an mehreren Häusern noch deutlich ausgebaut. Die TU etwa definierte Spin-offs als zentralen Baustein der Strategie, etablierte eine Spinoff Factory und initiierte gemeinsam mit Speedinvest den Fonds Noctua Science Ventures. Das erklärte Ziel von Rektor Jens Schneider: 30 bis 50 Spinoffs pro Jahr. Die WU wiederum wurde mit Ignite Ventures selbst zum Frühphasen-Investor und vergibt kleine Tickets an Ausgründungen des Hauses.

Internationale Krypto-Anziehungskraft

Dass die Hauptstadt ein gutes Pflaster für den KryptoBereich ist, hat Österreichs am höchsten bewertetes Scaleup ein drücklich bewiesen: Als Kryptobroker gestartet bietet Bitpanda mittlerweile ein deutlich breiteres Portfolio – der Handel mit Bitcoin und Co samt B2BAngeboten für internationale Banken und Fintechs bleibt aber das Kern geschäft. Den formellen Hauptsitz hat das Wiener Unicorn zwar vor einigen Internationale Krypto-Anziehungskraft Jahren in die Schweiz verlegt, operatives Zentrum bleibt aber die Zentrale im zweiten Wiener Bezirk.

Bitpanda ist längst nicht mehr allein: Mehrere große internationale Kryptoanbieter haben in den vergangenen Jahren ihre EU-Headquarters in Wien eröffnet – konkret die in Asien gegründeten Plattformen KuCoin, Bybit und Bitget, die alle drei zu den größten der Welt zählen. Sie profitieren am Standort von zwei Faktoren: erstens vom attraktiven Angebot an qualifiziertem Personal, zweitens von guten regulatorischen Voraussetzungen. Um in der EU aktiv sein zu dürfen, brauchen die Plattformen seit Ende 2024 eine Lizenz gemäß der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR). Die in Österreich zuständige Finanzmarktaufsicht (FMA) gilt dabei als streng und EU-weit angesehen, gleichzeitig aber auch als kooperativ bei der Erarbeitung der für die Lizenz notwendigen Voraussetzungen.

Stärkefeld Life Sciences

Wien beherbergt laut der Clusterplattform LISA-vienna 754 Life-Sciences-Organisationen, darunter 646 Unternehmen sowie 19 renommierte Forschungs- und Bildungseinrichtungen mit insgesamt über 49.000 Beschäftigten. Obwohl die Stadt nur rund 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung ausmacht, vereint sie mehr als die Hälfte des heimischen Life-Sciences-Sektors. Die jährlichen Umsätze lagen 2023 laut Vienna Life Science Report 2024/25 bei rund 22,7 Milliarden Euro, der Großteil davon in Biotech und Pharma.

Wiens Innovationskraft basiert maßgeblich auf der starken akademischen Landschaft: 2023 veröffentlichten die Forschungs- und Bildungseinrichtungen der Stadt rund 8.800 wissenschaftliche Arbeiten, über 34.000 Studierende waren in Life-Sciences-Studiengängen eingeschrieben. Gleichzeitig treibt eine aktive Startup- und Scaleup-Szene Innovationen voran – von der Wirkstoffentwicklung bis zu KI-basierten digitalen Lösungen im Gesundheitswesen. Investitionen, Finanzierungsrunden und Deals wie Lizenzvereinbarungen oder Übernahmen erreichen jährlich regelmäßig ein Volumen im dreistelligen Millionenbereich.

Zentraler Hub für die Branche ist das von der Stadt initiierte Life Science Center mit Schwerpunkt auf der Verbindung von Life Sciences und KI, für das auch ein Komplex im dritten Bezirk errichtet wird. Dort ist auch AITHYRA angesiedelt, ein Institut für biomedizinische künstliche Intelligenz in Kooperation mit der Boehringer-Ingelheim-Stiftung.

KI-Hub ohne große Namen

Die Bundeshauptstadt hat schon im vorigen Jahrzehnt einige KI-Pioniere hervorgebracht. Die Ironie der Geschichte: Viele davon haben das Aufkommen der Large Language Models nicht überlebt, weil ihre über Jahre entwickelten Technologien davon überholt wurden. Gleichzeitig hat die KI-Revolution der vergangenen Jahre eine Reihe neuer, teils schnell wachsender Unternehmen hervorgebracht. Player von internationalem Rang oder gar Herausforderer der US-Riesen sucht man in Wien aber nach wie vor vergeblich.

Dabei ist die Stadt durchaus um die Förderung des KI-Sektors bemüht. Geschaffen wurde etwa die AI Factory Austria, die mit dem AI:AT Coworking Hub auch als zentrale Anlaufstelle für die heimische KI-Szene fungieren soll. Startups bekommen dort unter anderem Zugang zu Supercomputern und Unterstützung bei der internationalen Vernetzung.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Ich habe mir angewöhnt, zu allen Sachen, die ich mir nicht zutraue, immer Ja zu sagen“