19.06.2019

i5invest: Neuer Berlin-Standort mit NOAH Conference-Chef an der Spitze

Der Wiener Tech-M&A-Spezialist i5invest eröffnet einen Standort in Berlin. Als Deutschland-Chef wird Justus Lumpe fungieren, der bislang noch Managing Director der Berliner NOAH Conference war und einen fliegenden Wechsel vollzieht.
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i5invest: CEO Herwig Springer und der neue Deutschland-Chef Justis Lumpe
(c) i5invest: CEO Herwig Springer und der neue Deutschland-Chef Justis Lumpe

Anders als der Name nahelegt hat sich der Fokus der Wiener i5invest mit Hauptsitz im weXelerate längst von Investment-Tätigkeit auf ein anderes Geschäftsfeld verlegt. Zwar investiert man auch ab und an – vorwiegend begleitet i5invest jedoch Unternehmen bei großen Kapital-Runden, Fusionen, Exits und anderen nicht alltäglichen Prozessen. Der Track Record ist dabei beachtlich: Kunden waren etwa die Wiener StreamUnlimited, deren Mehrheit Google übernahm, oder die Grazer iTranslate, die den Exit an die Tinder-Mutter IAC-Gruppe vollzog.

+++ FINDOLOGIC: Matthias Heimbeck und Herwig Springer im Interview +++

Berlin als sechster Standort

Bei vielen Deals bleibt das Wiener Unternehmen, das insbesondere über ein gutes Netzwerk im Silicon Valley verfügt, im Hintergrund. Nach Standorten in Palo Alto, Amsterdam, Zürich und Sofia, eröffnet i5invest nun auch ein Büro in Berlin. Schon bisher habe man in Deutschland „unter dem Radar millionenschwere Deals mit Playern wie Springer, DvH Medien & Ventures, Holtzbrinck, Haufe, Heise oder Bonnier ins Trockene“ gebracht, heißt es in einer Aussendung. Nun wolle man einen Gang zulegen. Das Ziel: Die Marktführerschaft bei M&A in etlichen vertikalen Tech-Branchen von Automotive, IoT, Cyber-Security und Energie bis Industry 4.0.

Justus Lumpe: Von der NOAH Conference zu i5invest

Als Chef des neuen Deutschland-Standorts konnte man einen gerade in Berlin bekannten Manager gewinnen. Justus Lumpe war bislang noch Managing Director der NOAH Conference und hat kurzfristig eine Doppelrolle ausgeführt. „Ich lebe bereits in Berlin und arbeite hier schon für i5invest. Gleichzeitig galt mein Fokus aber in dieser raschen Übergangsphase noch der NOAH Berlin Mitte Juni, wo wir einmal mehr eine wirklich tolle Performance abliefern wollten. Mit dieser Woche kann ich mich voll und nur mehr auf i5invest und meine neuen spannenden Aufgaben konzentrieren“, kommentiert er. Davor war er unter anderem für Lehman Brothers/Nomura in London und für die Royal Bank of Canada tätig gewesen.

Video-Talk mit Justus Lumpe und Herwig Springer:

Live Talk with Herwig Springer and Justus Lumpe from i5invest

Live Talk with Herwig Springer, CEO of i5invest, and Justus Lumpe, Head of Germany at i5invest, about their plans for Berlin and the German and European growth strategy.

Gepostet von DerBrutkasten am Mittwoch, 19. Juni 2019

„US-Markt wird von vielen deutschen Tech-Unternehmen vernachlässigt“

Für seinen neuen Karriereschritt sieht Lumpe „unheimlich viele“ Gründe: „Zu allererst ist Berlin zum absoluten ‘place to be‘ in der europäischen Tech-Banche aufgestiegen. Dann ist aus meiner Sicht das M&A-Potential für DeepTech made in Germany extrem groß. Dazu kommt, dass der US-Markt aus meiner Sicht von vielen deutschen Tech-Unternehmen aktuell sehr vernachlässigt wird. Genau in diesen beiden Bereichen ist i5invest europaweit führend engagiert und verfügt über ein starkes Netzwerk“. Vergleichbares gebe es am deutschen Markt kaum.

Draht ins Silicon Valley

Großes Potenzial in Deutschland sieht natürlich auch i5invest-Gründer Markus Wagner: „Es ist der richtige Zeitpunkt jetzt in Berlin vor Ort präsent zu sein. Kein europäischer Player ob Tech-Startup, Investor oder Venture-Fonds kommt daran vorbei. Wir intensivieren aber Deutschland vor allem, weil immer mehr vielversprechende Tech-Unternehmen aus Deutschland in den USA aktiv werden wollen und oft das Rüstzeug dafür fehlt. Wir verkaufen also reiferen Tech-Firmen den Draht in die USA und ins Silicon Valley. Wir verhelfen ihnen zu Geschäftsbeziehungen und sind auch der Ansprechpartner, wenn es darum geht, mit den Großen im Business, den ‘500 Pound Gorillas‘ ins Gespräch zu kommen“.

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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane

Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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