11.06.2018

I2C Challenge 2018: OMV, Vöslauer und Co. suchen nach Startups

Das Programm Innovation to Company der Wiener Wirtschaftskammer geht in die vierte Runde. Bei der I2C Challenge 2018 gibt es wieder fünf neue "Buddy-Unternehmen" die nach Startups für etwaige Kooperationen suchen.
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Bei der Abschlussveranstaltung der I2C Season 3 - I2C Challenge 2018
Bei der Abschlussveranstaltung der I2C Season 3

Das Prinzip hat sich für die einen mehr, die anderen weniger bewährt. Bereits zum vierten Mal suchen dieses Jahr etablierte Unternehmen mit Hilfe der Wiener Wirtschaftskammer mit konkreten „Challenges“ nach Startups. In Aussicht gestellt werden neben Geldpreisen längerfristige Kooperationen. Einige geglückte Beispiele kann man aus den vergangenen Jahren bereits vorweisen. Für die I2C Challenge 2018 wurde wieder ein komplett neues Set an teilnehmenden Corporates, sogenannten „Buddy-Unternehmen“, gewonnen. Dieses Jahr suchen OMV, Vöslauer, die Immobilienverwaltung Rosenberger und die Beratungsunternehmen Mercer, bekannt für die internationale Studie zur Lebensqualität, und Eblinger & Partner nach Startups.

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Heuer suchen auch KMUs

Mit Rosenberger und Eblinger sind damit erstmals auch weniger bekannte Namen in der Liste der Buddy-Unternehmen vertreten. „Unsere Rolle ist die des Enablers und der aktiven Plattform, immer mit dem Fokus auf Stärkung des Standorts Wien. Daher wurde die Initiative heuer auch auf KMUs erweitert“, erklärt dazu Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, in einer Aussendung. Die Öffnung des Formats für KMUs sei „der logische, nächste Schritt, um den Spirit und die Innovation von Startups möglichst vielen Wiener Unternehmen zugänglich zu machen“. Auffällig ist dennoch, dass die Zahl an etablierten Unternehmen im Programm – trotz Öffnung für KMUs – im Season-Vergleich rückläufig ist. Vor zwei Jahren waren es noch sieben teilnehmende Corporates gewesen, vergangenes Jahr sechs.

Die diesjährigen Challenges:

OMV: Gesucht werden Cyber Security-Lösungen auf AI-Basis. Die Startups müssen bereits gegründet sein. Das Produkt muss „zumindest in einem PoC-fähigen Stadium“ sein.

Vöslauer: Der Mineralwasser-Hersteller sucht Lösungen im Bereich „Digital Customer Experience“. Es soll ein „emotionales Produkterlebnis“ geschaffen werden. Das Startup sollte „idealerweise“ schon gegründet sein, bestenfalls bereits erfolgreich am Markt sein. Zumindest ein MVP bzw. Prototyp sollte vorliegen.

Mercer: Gesucht werden Konzepte aus dem Bereich „Employee Experience“, etwa „Financial well-beeing Modelling“, „Behavioral Prediction“ und „Future Skill Detection“. Explizit nicht sucht man nach Recruitment-Lösungen. Es muss zumindest ein MVP bzw. Prototyp vorliegen.

Rosenberger Immobilienverwaltung: Gesucht werden Konzepte im Bereich Facility Management. Das Startup sollte bereits gegründet sein. Ein MVP bzw. Prototyp sollte „idealerweise“ vorliegen.

Eblinger & Partner: Gesucht sind HR-Startups, mit Konzepten in den Bereichen (Self)Assessment (inkl. „Future Fit“), multimediale KandidatInnen-Interaktion, Audio- und Videoanalyse oder BewerberInnen-Unternehmen-Matching. Das Startup muss bereits gegründet sein. Zumindest ein MVP bzw. Prototyp sollte vorliegen, bestenfalls ein Proof of Market.

Bewerbung für die I2C Challenge 2018

Die Bewerbungsphase für die I2C Challenge 2018 läuft bis zum 27. Juli. Danach nahmen Analysten, die Bewerber für die Corporates unter die Lupe. Anschließend werden im September je Unternehmen drei bis fünf Finalisten aus den Startup-Bewerbern ermittelt, die die Chance haben, bei einem Pitch-Day im Oktober als Sieger zu überzeugen. „Dazwischen gibt es eine intensive Betreuungs- und Kennenlernphase, damit der ideale Fit zwischen den Unternehmen und den Startups gefunden wird“, heißt es von der Wiener Wirtschaftskammer. Für die geografische Herkunft der Startups gibt es keinerlei Einschränkung – wichtig ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit aus Wien heraus.

⇒ Zur offiziellen Page mit Detailinfos und Bewerbung

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Michael Dobersberger ist der "Startup-Wingman" im Silicon Valley. | © brutkasten

Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.

Michael Dobersberger im Gespräch mit brutkasten-Redakteurin Ann-Kathrin Salmen vor der Bay Bridge in San Francisco. © brutkasten

Ein Ökosystem für den Aufstieg

Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“

Die Teilnehmer:innen des GOUSA Kickoffs im Silicon Valley. © Michael Dobersberger

Das Mindset: Ja, wenn … statt Nein, weil …

Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.

Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.

Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler

Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.

Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“

Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.

Ein Großteil von Dobersbergers Arbeit besteht darin, Menschen miteinander zu vernetzen. © brutkasten

Die Matrjoschka-Logik beim Pitchen

Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.

„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.

Menschen investieren in Menschen

Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.

Dobersberger mit seinem ehemaligen indonesischen Diplomaten-Kennzeichen. Vor seiner Zeit in Amerika war er in Indonesien, Serbien und England tätig. © brutkasten
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