19.07.2024
INSOLVENZ

HROS (ehem. Speedinvest Heroes) meldet Konkurs an

Anfang 2023 wurde Speedinvest Heroes zu HROS und verkündete den Teil-Pivot zum Tech-Startup. Nun musste Konkurs angemeldet werden.
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Speedinvest Heroes - Maria Baumgartner und Lukas Rippitsch, die beiden CEOs von HROS | (c) HROS.io
Maria Baumgartner und Lukas Rippitsch, die beiden CEOs von HROS | (c) HROS.io

Schon bei der Gründung 2016 war das Ziel von Speedinvest Heroes (später HROS) klar definiert: Startups und Scaleups Fachkräfte verschaffen. Dazu baute das Unternehmen rund um Gründerin und Geschäftsführerin Maria Baumgartner (später gemeinsam mit Lukas Rippitsch) ein Agentur-Business auf.

Start als Speedinvest-Joint Venture mit u.a. Hansmann an Bord

Im Joint Venture vom VC Speedinvest und dem HR-Spezialisten Qualitas Management Consulting sollten erstere das (Kunden-)Netzwerk und zweitere die HR-Expertise liefern. Mit Hansi Hansmann, den Runtastic-Gründern mit ihrer Beteiligungsgesellschaft 8eyes, Business Angel Markus Ertler und Busuu-Gründer Bernhard Niesner war zudem gleich zum Start von Speedinvest Heroes einiges an Investoren-Prominenz an Bord, die das Netzwerk weiter vergrößerte.

Schrittweise Entwicklung zum Tech-Unternehmen bis zum Rebranding auf HROS

Qualitas stieg bereits 2018 wieder aus. 2021 holte sich Speedinvest Heroes ein Millioneninvestment und kündigte an, vermehrt auf digitale Produkte setzen zu wollen – eine Entwicklung, die sich fortführen sollte. Denn diese führte Anfang 2023 schließlich in ein Rebranding und eine strategische Neuausrichtung. Unter dem Namen HROS wollte man den Fokus auf einen KI-gestützten Online-„Talente-Marktplatz“ legen. Das Ziel war groß: der führende Jobvermittlungs-Marketplace für die europäische Startup-Branche werden. Das Agenturgeschäft blieb allerdings nebenbei bestehen.

Speedinvest bis zuletzt größter Anteilseigner

Auch nach der Neuausrichtung blieb Speedinvest, wie Daten von wirtschaft.at zu entnehmen ist, mit 23,24 Prozent größter Anteilseigner bei HROS, knapp vor Gründerin Maria Baumgartner mit 22,63 Prozent. Auch die oben genannten prominenten Investoren blieben – neben anderen – weiterhin an Bord des Unternehmens, das formell nach wie vor unter dem Namen Speedinvest Heroes Consulting GmbH firmiert.

Insolvenz: HROS brachte Konkursantrag ein

Doch die großen Pläne gingen nicht auf. Wie die Kreditschutzverbände KSV1870 und AKV berichten, brachte HROS nun einen Konkursantrag ein. Die GmbH soll also nicht fortgeführt werden. Dem Unternehmen war es nicht gelungen, eine angepeilte Investmentrunde aufzustellen. Über die Höhe der Passiva und die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter:innen und Gläubiger:innen liegen in den Meldungen der Kreditschutzverbände aktuell keine Informationen vor.

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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