30.04.2025
INKLUSION

Hope Tech: Wiener Startup hilft blinden Menschen mit Wearable zu mehr Unabhängigkeit

Das Startup Hope Tech mit Sitz in Wien entwickelte ein Wearable für sehbehinderte Menschen. Im Interview mit brutkasten sprechen CEO und Gründer Brian Mwenda und CRO Laura Wissiak über ihre Vision einer inklusiveren Gesellschaft und ihr Engagement für mehr Barrierefreiheit.
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Brian Mwenda und Laura Wissiak mit ihrem neuen Produkt "The Sixth Sense" | © Derick Odhiambo

„Eine Welt, in der Sehbehinderungen nicht darüber entscheiden, wohin man gehen kann“ – dafür engagiert sich das Startup Hope Tech mit Standorten in Wien und London. Blinde Menschen stoßen im Alltag häufig auf Herausforderungen. Nicht wegen ihrer Sehbehinderung, sondern weil die Infrastruktur vieler Städte unnötige Hürden aufbaut. Barrierefreiheit ist in zahlreichen Lebensbereichen leider noch immer keine Selbstverständlichkeit.

„Das Problem, das blinde Menschen haben, ist, dass sie mehr Informationen darüber benötigen, was vor ihnen passiert. Wenn sich ein Objekt dort befindet, müssen sie sich dieses Objekts bewusst sein, damit sie sich sicher fortbewegen können“, erklärt Founder und CEO Brian Mwenda. Um dieses Problem zu lösen, entwickelte das Startup eine vielversprechende Technologie: The Sixth Sense.

Wearable mit Vibrationssensoren

The Sixth Sense ist ein tragbares Gerät, das „haptisches Feedback und freihändige Navigation“ bietet und blinden oder sehbehinderten Menschen dabei hilft, sich sicherer im Alltag zu bewegen. Das Wearable wird um den Hals getragen und verfügt über Vibrationssensoren an der linken, rechten und hinteren Seite. Diese Sensoren scannen die Umgebung der Person beim Gehen. Nähert sich ein Objekt, vibriert das Gerät auf der entsprechenden Seite – je näher das Hindernis, desto intensiver die Vibration. So erhalten sehbehinderte Personen ein besseres Gespür für ihre Umgebung und können Hindernisse leichter umgehen. Das erleichtert nicht nur den Alltag, sondern erhöht auch die Unabhängigkeit erheblich, erklärt der Gründer im Gespräch mit brutkasten.

Derzeit befindet sich The Sixth Sense noch in der Testphase. In über 100 Teststunden wurde das Gerät bereits umfassend erprobt und basierend auf dem Feedback kontinuierlich verbessert. Noch in diesem Sommer soll die Markteinführung in Österreich und Großbritannien erfolgen.

Mobile App als Alternative zu Google Maps

Neben der Erkennung von Objekten in der Umgebung löst das Gerät noch ein weiteres zentrales Problem: „Wie kommen sie von einem Punkt zum anderen? Wenn sie Google Maps verwenden, ist es für sie sehr schwierig, sich mit Google Maps zu orientieren“, erklärt Mwenda. Hier setzt eine speziell entwickelte mobile App an, die Navigationsanweisungen auf barrierefreie Weise an die Nutzer:innen weitergibt.

Die Herausforderung bei Diensten wie Google Maps bestehe nicht nur darin, dass viele blinde Menschen beide Hände für die Navigation benötigen, sondern auch darin, dass Smartphones nicht eindeutig vermitteln können, wo vorne und hinten ist. „Mit dem Gerät haben wir einen Kompass. Wir wissen immer, in welche Richtung der Benutzer schaut. So können wir ihnen wirklich helfen, sich leicht zu orientieren. Es ist also eine Kombination aus der App und dem physischen Gerät, die bei der Navigation hilft“, so Mwenda.

Ergänzung zum Blindenstock

Das Ziel von The Sixth Sense ist nicht, den klassischen Blindenstock zu ersetzen. „Wir wollen blinde Menschen nicht von etwas wegbringen, das sie ihr ganzes Leben lang benutzt haben“, stellt Mwenda klar. „Es ist eine Ergänzung zu den Informationen, die der Blindenstock nicht erfasst.“

„Wir glauben, dass eine gesunde Gesellschaft eine Gesellschaft ist, an der alle teilhaben. Deshalb haben wir The Sixth Sense entwickelt, um blinden und sehbehinderten Menschen zu helfen, selbstständig unterwegs zu sein“, beschreibt das Startup seine Vision.

Das Wearable soll den Blindenstock nicht ersetzen, sondern ergänzen. | © Derick Odhiambo

Die Rolle von Wissiak

Die Reise von Hope Tech fing weder in Großbritannien, noch in Österreich, sondern in Kenia an. Damals studierte Mwenda Elektrotechnik an der Universität Nairobi. Der Kontakt zu sehbehinderten Freund:innen und seine Begeisterung für technische Innovationen motivierten ihn, eine Lösung zu entwickeln, die deren Alltag erleichtert.

Ein Ingenieur-Stipendium führte ihn später in das Vereinigte Königreich. Und ein Zufall brachte ihn schließlich nach Wien: Bei der Aufnahme eines Podcasts mit einer blinden Person entstand der erste Bezug zu Österreich. Im Jahr 2023 lernte Mwenda die Steirerin Laura Wissiak kennen, die maßgeblich dazu beitrug, Hope Tech in Österreich zu etablieren. „Ich mache hauptsächlich Nutzerforschung. So hat es zumindest angefangen. Und von da an, wie es bei Startups so üblich ist, hat sich meine Rolle ein bisschen in Marktforschung, ein bisschen in alles und auch in den Aufbau in Österreich erweitert“, sagt Wissiak. „Von da an haben wir in Österreich versucht, mehr Arbeit im Bereich Barrierefreiheit zu leisten.“

Forbes „30 under 30“

Dass Hope Tech in Österreich eine zweite Heimat fand, war zwar zunächst dem Zufall geschuldet, entpuppte sich aber als strategisch sinnvoller Schritt. Die Infrastruktur für sehbehinderte Menschen sei vor allem in Wien im Vergleich zu anderen Metropolen gut ausgebaut, erklärt Wissiak. „Das macht es perfekt, ein Mobilitätstool in einer Art Sandbox-Umgebung zu testen.“ In Österreich sei es möglich, das Produkt unter realen Bedingungen zu erproben und gleichzeitig „dieses Sicherheitsnetz um uns herum haben, weil sich die Menschen in Wien relativ leicht fortbewegen können, ohne direkt in den Verkehr zu geraten“, erklärt die Steirerin.

Neben ihrer Tätigkeit bei Hope Tech engagiert sich Wissiak intensiv für Aufklärung und Bewusstseinsbildung im Bereich Barrierefreiheit – insbesondere im digitalen Raum. Bei Hope Tech trägt sie den Titel Chief Research Officer (CRO). 

Mwenda und Wissiak wurden 2025 mit Hope Tech in die „30 under 30“-Liste von Forbes Europe in der Kategorie Social Impact aufgenommen. Bereits im Vorjahr war Wissiak auf der Forbes Austria-Liste vertreten.

Inklusion als übergeordnetes Ziel

Bei der Gründung und Produktentwicklung erhielt das Startup Unterstützung von verschiedenen Organisationen, darunter Innovate Now, Zero Project, die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, der Global Disability Innovation Hub sowie die Wirtschaftsagentur Wien.

Aktuell konzentriert sich Hope Tech darauf, das neue Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen und in weitere deutschsprachige Länder zu expandieren. Langfristig steht jedoch ein übergeordnetes Ziel im Mittelpunkt: das gesellschaftliche Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu stärken. „Unsere Mission ist, wie wir immer sagen, die Teilhabe blinder Menschen an der Gesellschaft zu erhöhen. Wir müssen den Menschen die Herausforderungen aufzeigen, mit denen blinde Menschen konfrontiert sind, und was wir dagegen tun“, sagt Wissiak.

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ISS, SAP
Philipp Herzig, CTO SAP I © SAP

SAP hat auf seiner jährlichen Entwicklerkonferenz „SAP TechEd“ Ende Oktober eine Reihe von KI-Innovationen bekannt gegeben, die das SAP-Portfolio für Entwickler erweitern. Erweiterungen der Joule-Lösungen und der SAP Business AI Platform – einschließlich des neuesten Foundation Models von SAP für tabellarische Daten – sollen neue Tools zur Entwicklung und Erweiterung von KI-Agenten bereitstellen. Zugleich sollen sie den Agenten Daten- und Geschäftskontext für logisches Denken sowie zusätzliche Governance-Kontrollen bieten. Um sie unternehmensweit verantwortungsvoll einsetzen zu können, so der Plan.

SAP Business AI Plattform als Basis

„Auf der SAP TechEd präsentieren Entwickler seit jeher die neuesten Innovationen“ sagt Philipp Herzig, CTO von SAP. „In diesem Jahr zeigen wir, wie KI nicht einfach nur lernt, Unternehmen zu verstehen, sondern auch Geschäftsprozesse abzuwickeln. In ‚Joule Work‘ machen Nutzer ihre Eingaben und erledigen Aufgaben in einer durchgängigen Anwendungsumgebung, in der gesamten SAP-Landschaft und darüber hinaus. Das ist die Neuerung, die wir in großem Maßstab bereitstellen.“

Die Basis von allem bildet die SAP Business AI Plattform. Sie sorge für eine schnellere Wertschöpfung, da Geschäftsprozesse von Anfang an verstanden würden, und biete eine höhere Genauigkeit. „Außerdem erfüllt sie die Anforderungen von Unternehmen, gewährleistet ab der ersten Implementierung einen sicheren, kontrollierten und konformen Betrieb und bietet eine einzigartige Kontextebene, die auf dem Prozess- und Branchenwissen aus über 50 Jahren aufbaut, das in jeder Agenten-Aktion verankert ist“, so Herzig weiter.

Code und No-Code

Gebaut werden KI-Agenten im „Joule Studio“. Das ist sowohl ohne Programmierkenntnisse per Klick-Baukasten (No-Code) möglich, als auch mit eigenem Code (Pro-Code). Dafür stehen über 70 verschiedene KI-Modelle zur Auswahl.

Durch neue Funktionen für „Joule Work“ sollen KI-Agenten noch wirkungsvoller komplexe Geschäftsprozesse über offene Protokolle (A2A und MCP) handhaben können. Diese Innovationen machen „Joule Work“ leistungsfähiger, um den Kontext besser zu verstehen, Entscheidungen zu treffen und mehrstufige Workflows über Unternehmenssysteme und Geschäftsbereiche hinweg auszuführen, so der Claim.

SAP erweitert seine KI-Plattform damit eigenen Angaben zufolge um eine neue Orchestrierungsschicht, damit Assistenten und Agenten komplexe, mehrstufige Abläufe über verschiedene SAP-Systeme hinweg zuverlässiger erledigen können. Der SAP Knowledge Graph soll künftig auch Daten aus kundeneigenen SAP- und Drittquellen einbinden, sodass Nutzer ihre Informationen in natürlicher Sprache durchsuchen und exakte, auf den eigenen Daten basierende Antworten erhalten.

Auch andere Anbieter-Einbindung möglich

Agenten anderer Anbieter sollen außerdem über ein kontrolliertes Agenten-Gateway sicher auf „Joule Agents“ zugreifen und mit ihnen zusammenarbeiten können, ohne dass „Kontrolle und Governance verloren gehen“. Das neue „SAP Enterprise AI Gateway“ bündelt zudem Authentifizierung, Richtlinien, Routing, Überwachung, Nutzungsverfolgung und Auditing des gesamten KI-Datenverkehrs im Unternehmen. Ergänzend sollen ein neuer „Joule Assistent“, der „SAP AI Agent Hub“ und ein „AI Governance Assistant“ Kunden dabei helfen, die EU-KI-Verordnung einzuhalten.

Beim „Tabular Foundation Model“ kündigt SAP das Modell „SAP-RPT-2.0“ an, das künftig auch Anomalien und Ausreißer in Tabellendaten erkennen soll. „SAP-RPT-TS“ hingegen soll Geschäftskennzahlen prognostizieren können.

Einsatz auf der ISS

„Es gibt große Weiterentwicklungen bei unseren Tabular Foundation Models“, ergänzt Herzig. „Daraus ist inzwischen eine ganze Modellfamilie geworden. Ein etwas ausgefallener technischer Ausblick ist, dass wir diese Modelle gemeinsam mit Hewlett Packard Enterprise auch auf der Internationalen Raumstation (ISS) einsetzen – für die vorausschauende Wartung im Weltraum.“ Das Modell soll zudem Ausfälle vorhersagen können, ohne dass die dafür benötigten Daten zur Erde übertragen werden müssen.

„SAP-RPT wurde generisch trainiert und kann– ähnlich wie große Sprachmodelle im Bereich Sprache – auf eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsgebiete übertragen werden“, so Herzig weiter. „Creditplus verwendet solche Modelle beispielsweise für die Risikobewertung. Hitachi setzt sie für die vorausschauende Wartung seiner Maschinen ein. ‚Oxford Cancer‚ nutzt sie, um anhand von Proteinmarkern Krebserkrankungen bei Patienten besser vorherzusagen als mit bisherigen Modellen“, sagt er.

Wenn man sich die Internationale Raumstation ansehe, genauer gesagt das Columbus-Modul, in dem SAP das Modell einsetzt, gebe es dort enorme Datenmengen.

„Nicht einfach zur Erde herunterladen“

„Die Maschinen auf der ISS erzeugen Telemetriedaten, die sehr nützlich sind. Allerdings handelt es sich um rund zehn Gigabyte an Daten. Diese kann man nicht einfach zur Erde herunterladen – das würde viel zu lange dauern, wenn man schnell reagieren möchte, etwa um bestimmte Muster oder Auffälligkeiten in Zeitreihen zu erkennen“, erklärt Herzig. „Die Modelle lassen sich direkt vor Ort einsetzen, weil sie im Vergleich zu großen Sprachmodellen relativ klein sind. Sie können also unmittelbar auf der Raumstation betrieben werden. Und es ist kein Training erforderlich. Man speist die aktuellen Daten direkt als Live-Datenstrom ein und erhält sofort Vorhersagen.“

Der CTO sieht den Anwendungsfall auf der Raumstation nicht bloß als eine Marketingaktion, sondern als Zeugnis dafür, wie weit man gehen könne. Er sagt: „Wie nützlich ist die Technologie unter solch extremen Bedingungen? Auf der Erde ist heute vieles einfach. Wir haben schnelle Internetverbindungen und leistungsfähige GPUs. Bei solchen Anwendungsfällen spielt die Latenz kaum eine Rolle. Aber können wir auch in einer Umgebung echten Mehrwert schaffen, die nur eingeschränkt angebunden ist – oder zumindest sehr weit entfernt? Genau das wollten wir zeigen: Mit einer lokalen Verarbeitungsumgebung lassen sich Probleme lösen, deren Lösung sonst schwierig wäre, weil man zunächst sämtliche Daten zur Erde übertragen müsste. Anschließend müsste man sie dort auswerten und die Ergebnisse zurückübermitteln. Dann könnte es aber bereits zu spät sein.“

SAP löst „Data Drift“-Problem

Ein zentrales Problem bei klassischen KI-Modellen ist der sogenannte Data Drift: Data Scientists trainieren ihre Modelle auf historischen Daten, doch schon beim Abschluss des Trainings können sich die eintreffenden Daten statistisch verändert haben. Die neuen Modelle von SAP wollen genau hier ansetzen.

Man könne jederzeit aktuelle Daten ins Kontextfenster geben und erhalte darauf basierend präzise Vorhersagen, ohne neu trainieren zu müssen. „Veränderungen in Struktur oder Eigenschaften der Daten erkennt das Modell unmittelbar“, betont Herzig. „Das wollten wir demonstrieren: Müsste man bei veränderten Bedingungen erst alle Informationen zur Erde übertragen und das gesamte Modell neu trainieren, wäre es dafür viel zu spät. Dann würde man auf der ISS sagen: ‚Schön, dass ihr uns das jetzt mitteilt – aber das hättet ihr uns schon vor einem oder zwei Monaten sagen müssen‘.“

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