08.01.2026
LEIBNIZ MECHANICS

Hofrat: KI hilft bei Behördenwegen – ohne „Data Drift“ nach Deutschland

Hofrat ist das eher beiläufig entstandene erste Produkt des Wiener Startups Leibniz Mechanics. Mittel- und langfristig hat Gründer Matthias Willau noch viel mehr vor, wie er brutkasten erzählt.
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Matthias Willau, Gründer von Leibniz Mechanics mit Hofrat | (c) Leibniz Mechanics
Matthias Willau, Gründer von Leibniz Mechanics | (c) Leibniz Mechanics

Er arbeitete bei der Erste Group, bei der Finanzmarktaufsicht (FMA), bei der Nationalbank (OeNB) und zuletzt beim Beratungsriesen KPMG. Das große Thema, mit dem sich Matthias Willau dabei beschäftigte, war immer das Gleiche, wie er erzählt: Regulatorik. Seit Herbst ist er als Gründer des Startups Leibniz Mechanics selbstständig, das sich eben diesem Thema widmen will.

Erstes Produkt Hofrat fällt aus der Zielsetzung

„Wir bauen Tools für verschiedene Stakeholder – sowohl Regulatoren als auch etwa Banken und Versicherungen“, erklärt Willau. Das erste Tool, mit dem das Startup nun in der Beta-Version online ging, richtet sich aber an keine dieser Gruppen, sondern an Endkund:innen. Hofrat ist ein KI-Assistent, der Nutzer:innen zu Behördengängen berät. Der Clou: Im Gegensatz zu allgemeinen Chatbots gibt es bei diesem keinen „Data Drift“. „Fragt man nach Behördenwegen, antworten die Modelle oft auf Basis deutscher Behördenwege. Hofrat nutzt unter anderem RAG-Technologie, um diesen Bias zu korrigieren und im österreichischen Kontext zu bleiben“, erläutert Willau.

Doch warum passt das erste Produkt nicht so recht in die Zielsetzung des Gründers? „Ursprünglich habe ich Hofrat als technischen Prototypen bzw. Proof-of-Concept gebaut, um zu testen, ob mein Ansatz für kommende, wesentlich größere bzw. komplexere Produkte in verschiedenen Bereichen funktioniert. Hofrat hat sich beim Testen jedoch als so nützlich erwiesen – er hat mir bei meiner Unternehmensgründung in einzelnen Schritten geholfen -, dass ich mich entschieden habe, ihn als erstes Produkt anzubieten“, so der Gründer.

Und Willau ist so überzeugt, dass er auch Ausbaupläne für das Tool formuliert: „Es gibt durchaus eine Roadmap. Wir wollen etwa lokale Informationen integrieren. Es kann aber in unterschiedliche Richtungen weitergehen, davon abhängig, was die User:innen wollen“, sagt der Gründer. Bei den angekündigten Tools im Bereich Regulatorik hält sich Willau indessen noch recht bedeckt. In den kommenden Monaten sollen die ersten davon auf den Markt kommen.

„René“ soll beim Bootstrapping helfen

Bis dahin vertreibt Leibniz Mechanics sein erstes Produkt Hofrat in drei Varianten: der Gratis-Version „Hofnarr“, der Bezahlversion „Bürgerin“ für 99 Cent pro Monat und der VIP-Version „René“ für 99 Euro pro Monat. Das soll auch für die nötige Finanzierung sorgen. „Der aktuelle Plan ist Bootstrapping. Wenn ich damit an die Grenzen stoße und mit den eigenen Ressourcen nicht mehr weiterkomme, wende ich mich an Investor:innen“, so Willau.

Benannt ist das Startup übrigens nach dem Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibniz, der unter anderem das binäre Zahlensystem definierte – „die Grundlage aller Computer“, wie Willau betont. „Er war lustigerweise selbst Hofrat, was ich allerdings erst nach der Gründung herausgefunden habe“, erzählt der Gründer. Den Markennamen habe er übrigens als Software-Produkt markenrechtlich geschützt.

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Martin Huber und Hans Schlick
Die Amrax-Gründer Martin Huber und Hans Schlick | (c) Metaroom by Amrax

Amrax, bekannt für seine Plattform Metaroom, verkündete heute eine Finanzierungsrunde im mittleren siebenstelligen Bereich. Leadinvestoren sind der aws Gründungsfonds und SymbiaVC, unter Beteiligung des Bestandsinvestors ArborEleven Ventures sowie mehrerer Business Angels. SymbiaVC mit Sitz in Tirol bringe neben Kapital vor allem industrielle Expertise und ein starkes Industrienetzwerk ein. Amrax operiert im Bereich der Spatial Intelligence, also der 3D-Erfassung von Räumen.

„Wir freuen uns sehr, mit dem aws Gründungsfonds und SymbiaVC zwei so starke und regionale Partner an Bord zu haben. Beide teilen unseren Anspruch, konsequent und nachhaltig Wert aufzubauen – als eines der innovativsten KI-Unternehmen für Spatial Intelligence weltweit“, sagt Martin Huber, CEO und Co-Founder von Amrax.

Mit dem Kapital möchte Amrax sein Wachstum beschleunigen und die Produktentwicklung ausbauen. So sollen etwa der Vertrieb und Partnerschaften in der DACH-Region und international verstärkt werden.

Das Flaggschiff: Metaroom

Im Fokus des Investments steht aber auch die Weiterentwicklung der Digitalisierungsplattform Metaroom. Die KI-getriebene Plattform kann physische Räume erfassen, verstehen und in planungsreife Daten übersetzen (brutkasten berichtete). Innerhalb weniger Minuten wird so ein Raum mit dem Smartphone erfasst und als 3D-Modell samt 2D-Grundriss abgebildet. Diese KI-Modelle entwickelt und trainiert Amrax auf Basis eines Datensatzes realer Räume und Gebäude. Die 3D-Daten lassen sich in mehr als 40 Formaten exportieren und direkt in gängigen Planungswerkzeugen, wie etwa Bluebeam, Graphisoft oder DDScad, weiterverwenden.

„Amrax hat gezeigt, dass sich hochpräzise 3D-Gebäudedaten mit dem Smartphone erfassen lassen – und dass daraus ein skalierbares Software- und OEM-Geschäft entsteht. Überzeugt haben uns die technologische Tiefe, die internationale Traktion und vor allem das Gründerteam“, sagt Markus Jandrinitsch, Geschäftsführer des aws Gründungsfonds.

Senior Investment Manager von SymbiaVC, Alex Burger, ergänzt: „Spatial Intelligence wird zu einem Schlüssel für die Digitalisierung von Bau, Handwerk und Industrie. Amrax verbindet exzellente Technologie mit einem klaren Geschäftsmodell und starken Industriepartnern.“

Genutzt in über 175 Ländern

Die Einsatzgebiete von Metaroom sind etwa Architektur, Bauwesen, Facility Management und Energieberatung. Gelauncht wurde die Plattform 2020, mittlerweile ist man in mehr als 175 Ländern tätig. Zuletzt hat Amrax in Süddeutschland ein 60.000 Quadratmeter großes Krankenhaus mit Smartphones digitalisiert – und zwar bei laufendem Betrieb.

Neben der eigenen Plattform entwickle Amrax auf Basis seiner Technologie OEM-Anwendungen für Industrieunternehmen. Die Partner integrieren dabei die Raumerfassung von Amrax direkt in ihre eigenen Planungs- und Verkaufsprozesse. Auch diese OEM-Lösungen sollen durch das frische Kapital ausgebaut werden.

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