16.10.2017

Hörgeräte Börse: „Es ist eine sehr konservative Branche“

Startup-Steckbrief. Das niederösterreichische Startup Hörgeräte Börse vermittelt, wie der Name schon nahelegt, gebrauchte Hörgeräte.
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(c) fotolia.com - Alexander Raths

Neue Hörgeräte kosten üblicherweise mehrere tausend Euro – für viele Menschen eine fast unleistbare Ausgabe. Es gibt zwar eine große Zahl an funktionierenden, hochwertigen gebrauchten Hörgeräten, etwa aus Nachlässen. Fachgeschäfte dürfen diese aber nicht verkaufen. Das Startup Hörgeräte Börse aus dem niederösterreichischen Agsbach/Klausenleopoldsdorf nutzt diesen Umstand für sein Geschäftsmodell.

+++ Der Brutkasten Startup-Steckbrief +++


Euer Elevator Pitch: Was macht ihr und welches Problem löst ihr damit?

Wir untersuchen, reparieren und vermitteln gebrauchte Hörgeräte. In unserer Datenbank landen nur von uns im Labor überprüfte Hörgeräte, die sich technisch für die Weitergabe eignen und hygienische Mindeststandards erfüllen. Derzeit landen gebrauchte Hörgeräte meist im Elektromüll, da durch gesetzliche Bestimmungen eine Weiterverwendung und ein Weiterverkauf durch Fachgeschäfte untersagt ist. Wir von der Hörgeräte Börse sind einerseits ein Marktplatz für die Vermittlung von Hörgeräten zwischen Privatpersonen, andererseits verfügen wir durch die obligatorische Untersuchung aller gelisteten Hörgeräte über sämtliche technische und wirtschaftliche Daten, um Fachgeschäfte und deren KundInnen bei der Recherche in unserer Datenbank unterstützen zu können.

Wie verdient ihr Geld?

Wir erhalten einen Anteil am Verkaufspreis bei einer erfolgreichen Vermittlung. Weiters verfügen wir über ein Netz an Partnerbetrieben, an welche unsere KundInnen beim Kauf für die jedenfalls notwendigen Anpassungen an den Hörgeräten weitervermittelt werden.

Wer hatte die Idee und wieso?

Es werden teilweise sehr hochwertige und kaum gebrauchte Hörgeräte in den Fachgeschäften einfach so abgegeben, da der Eigentümer keine Verwendung mehr dafür hat. Andererseits gibt es sehr viele Fälle, in denen jemand aus medizinischer Sicht ein hochwertiges Gerät benötigen würde, dies jedoch an fehlenden finanziellen Mitteln scheitert. Da ist es naheliegend, dieses brachliegende Potential zu nutzen.

„Es ist eine sehr konservative Branche“

Wo lagen eure größten Hürden?

Es handelt sich um eine sehr konservative Branche. Die ersten Partnergeschäfte dazu zu bringen, Dienstleistungen für gebrauchte Hörgeräte anzubieten, war ein hartes Stück Arbeit. Viele verstehen nicht, dass das Medizinproduktegesetz nur für den gewerblichen Handel greift, nicht aber bei nicht-gewerblichen Geschäften zwischen Privatpersonen.

Wie kam es zum Gründer-Team?

Die Gründer sind seit 2006 verheiratet 🙂

Eure Marketingstrategie?

Derzeit machen wir herkömmliche Suchmaschinenwerbung. Viel effizienter wird aber die Word-of-Mouth-Werbung durch unsere Partnerbetriebe werden: deren KundInnen werden gezielt auf die Möglichkeit hingewiesen, ihre gebrauchten Hörgeräte weiterzugeben, oder hochwertige gebrauchte Hörgeräte in Erwägung zu ziehen.

Die Vision: Was sind eure nächsten Ziele? Kurzfristig, aber auch langfristig?

Kurzfristig wollen wir ein Netz an Partnerbetrieben in ganz Österreich aufbauen (derzeit nur in Wien). Langfristig wollen wir natürlich über die Grenze gehen und die gleiche Dienstleistung auch in Deutschland anbieten.

Habt ihr bereits Finanzierung oder bis jetzt “ge-bootstrapped”?

Sämtliche bisherige Schritte wurden aus Eigenmitteln finanziert.

Eure bisherigen Learnings?

Den Branchen-Insidern gut zuhören, aber sich auch die Freiheit nehmen, alles aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und zu hinterfragen.

Österreich als Gründerland – die richtige Entscheidung?

Für uns alternativlos, da wir hier beheimatet sind (konkret: in Niederösterreich), und unser Geschäftsmodell ohnehin unabhängig vom Ort funktioniert.

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Reploid, Biogena, Herosan
© Reploid - Philip Pauer, CEO und Gründer von Reploid.

Mit dem Einstieg beim steirischen Petfood-Unternehmen Herosan Healthcare setzte das Welser Scaleup Reploid bereits im Oktober 2025 einen Schritt im Bereich Heimtierfutter (wie brutkasten berichtete). Nun, konkret mit Ende Juni 2026, hat das Unternehmen die Beteiligung an dem steirischen Tiergesundheits- und Haustiernahrungs-Unternehmen von 34 % auf über 50 % aufgestockt.

Reploid treibt vertikale Integration voran

„Wir treiben die vertikale Integration konsequent voran und steigern damit die Effizienz der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig können wir den Konsumenten mehr und mehr innovative Produkte anbieten – vom Hundefutter über Dünger bis hin zu Bio-Edelpilzen aus Österreich“, sagt Philip Pauer, CEO und Gründer von Reploid.

Seit dem Einstieg von Reploid im Herbst 2025 und der anschließenden Vertiefung der Zusammenarbeit hat sich Herosan in der Geschäftsentwicklung gesteigert, wie es heißt. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp zwei Drittel auf 2,3 Mio. Euro. Mit Unterstützung der Reploid-Strukturen baute Herosan zudem die Vertriebsaktivitäten in der Schweiz und in Italien aus.

Der Zugang zu Insektenlarven von Reploid sowie zu Pilzmyzel der Reploid-Tochter Vitus GmbH, einem österreichischen Produzenten von Bio-Edelpilzen, habe die Lieferkette erweitert und stabilisiert. Mit dem Ausscheiden eines Altgesellschafters und der mehrheitlichen Übernahme durch Reploid verfüge Herosan nun über die Voraussetzungen für die weitere Geschäftsentwicklung, liest man in der Aussendung.

Auch Biogena steigt ein

Nach der Anteilsaufstockung von Reploid steigt auch die Biogena Management Holding GmbH mit 13,7 % bei Herosan ein. Die Gruppe ist unter der Marke Biogena Pets bereits im Bereich Tiergesundheit tätig, konkret mit Premium-Nahrungsergänzungsmitteln für Hunde. Die restlichen 33,0 % der Gesellschaftsanteile an Herosan hält die PT26 Holding GmbH der beiden Gründer und Geschäftsführer Cornelia Pint und Daniel Taurer.

„Die ganzheitliche Betrachtung der Gesundheit war für mich einer der zentralen Beweggründe, Biogena und in weiterer Folge Biogena Pets zu gründen. Da auch Herosan diesen Ansatz verfolgt, freue ich mich über den gelungenen Einstieg bei diesem innovativen Unternehmen aus der Steiermark“, sagt Albert Schmidbauer, Founder und CEO der Biogena Group.

Daniel Taurer, Geschäftsführer und Mitbegründer von Herosan, ergänzt: „Bei Herosan haben wir in den letzten Jahren ein hochwertiges Produktsortiment rund um das Tierwohl entwickelt – nun gehen wir den nächsten Schritt. Mit Reploid und Biogena stehen starke Partner an unserer Seite, die unseren Wachstumskurs nicht nur unterstützen, sondern aktiv beschleunigen.“

Auf Basis von Reploid-Rohstoffen

Zudem wurde Alimentastic von Biogena-Gründer Albert Schmidbauer als Vertriebsplattform für Food- und Konsumgüter aufgebaut und soll als Schnittstelle zwischen Herstellern und Lebensmittel-, Fach- und Großhandel fungieren. Im Juli 2026 übernahm Reploid von der Schmidbauer zuzurechnenden Akira Management Holding 25,1 % an Alimentastic und erhielt eine Option, die Beteiligung innerhalb von drei Jahren auf über 51 % zu erhöhen.

Zusätzlich hält bereits die Addendum Holding von Reploid-Gründer Philip Pauer 25,5 %, womit sich laut Firmenbuch 51 % der Anteile in dessen Einflusssphäre befinden. Alimentastic übernimmt unter anderem Produktentwicklung, Distribution und Vertrieb und soll künftig mehrere neue Produktlinien auf Basis von Reploid-Rohstoffen in Deutschland und Österreich in den Handel bringen; erste Listungen bei großen Supermarktketten sind bereits vereinbart.

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