26.04.2021

„Höhle der Löwen“: Schaumdrucke, Schokocreme und Stabilität der Fotomacher

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um einsetzbare Pflanzentöpfe, palmölfreie Nusscreme und Kindergesundheit. Zudem zeigte ein Startup, wie man Motive auf Schäume druckt, während ein anderes die Stabilität von von Fotografen im Sinn hatte.
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Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Frank W. Hempel - Antonia und Alexander Cox (Foto) zeigten Inevstor Carsten Maschmeyer ihren Pottburri.
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Die ersten die sich in die Höhle der Löwen wagten – die es online auf TVNOW und immer Montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – waren die Geschwister Antonia und Alexander Cox. Beide sind mit einem grünen Daumen auf die Welt gekommen. Seit über sechzig Jahren führt ihre Familie eine Gärtnerei und auch sie haben eine große Leidenschaft für Blumen. Genervt hat die beiden aber immer wieder der Abfall, der durch Einweg-Plastikblumentöpfe entstanden ist. Deshalb haben sie Pottburri entwickelt: einen biologisch abbaubaren Blumentopf, der mit eingepflanzt werden kann. Er besteht zu großen Teilen aus Sonnenblumenschalen, die ein Abfallprodukt der Lebensmittelproduktion sind. Mirko-Organismen zersetzen den Topf unter den natürlich gegebenen Bedingungen in der Erde zu Biomasse. Am Ende soll er vollständig biologisch abgebaut sein und keinerlei Schadstoffe oder Mikroplastik in der Erde hinterlassen. Die Forderung: 150.000 Euro für 12,5 Prozent Beteiligung.

Geringe Marge

Den Pitch führte der männliche Part des Gründerpaars in einem Sonnenblumenkostüm, was gleich zu Beginn zu einer guten Stimmung unter den Investoren sorgte. Diese hielt als Alexander Cox vorführte, wie einfach die Einpflanzung mit einem Pottburri sei. Medieninvestor Georg Kofler meinte danach, wüsste man es nicht, man würde den Topf des Startups für einen aus Plastik halten. Multi-Investor Carsten Maschmeyer strich nach Nachfrage heraus, dass der Topf in den b2b-Bereich gehöre. Dies bestätigten die Gründer und erklärten, dass sie ihr Produkt für 28 Cent das Stück an den Profigartenbau – allerdings bei rund 21 Cent Produktionskosten – verkaufen würden. Dies traf die Löwen – allerdings bloß kurz.

Potburri, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Frank W. Hempel – Antonia und Alexander Cox aus Straelen präsentierten mit „Pottburri“ einen Pflanzentopf aus Sonnenblumenschalen zum Eingraben.

Die Investoren erfuhren von bisher eine Million verkauften Stück, was einen Umsatz von 280.000 Euro ergab. Man rechne mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro in drei Jahren. Diese Behauptung unterlegte Alexander Cox mit Zahlen: Er plane in den nächsten drei Jahren 2,7 bis drei Prozent des gesamten Marktes abzugreifen. Und das mithilfe eines Löwen, der sie in den Handel bringen solle, um den Endkunden zu erreichen. Danach stieg Kofler als selbsternannter Pflanzen-Amateur, aber mit Lob, aus.

Die Power der Löwen

Klug war, dass die Gründer herausstrichen, dass es „etwas anderes wäre, wenn ein Löwe in Verhandlungen mit dabei säße“, als wenn nur seine Schwester und er es täten. Man bräuchte starke Überzeugungs-Power. Nach dieser Aussage stand Maschmeyer auf und gesellte sich zu Konzernchef Nils Glagau. Währenddessen stieg Beauty-Queen Judith Williams aus – oder besser gesprochen, war kurz davor zu gehen, als sie der Gründer unterbrach. Und euphorisch meinte, mit ihr und ihrem Gesicht könnte man Frische in einen veralteten Markt bringen. Die Investorin blieb aber dabei, und verabschiedete sich, da sie kein Netzwerk in dem Gartenbereich habe.

Abhängigkeiten

Ein kleiner Dorn im Argumentationsfleisch der Gründer wurde die Erkenntnis, dass sich Potburri in einer Abhängigkeit von einem Entwicklungspartner befand, der ein weltweites Patent auf die Töpfe habe. Spannend wurde es, als Alexander Cox erklärte, dass sie sich (zum Zeitpunkt der Aufzeichnung) in Verhandlungen um eine Verlängerung der Exklusivitätsrechte mit ihrem Partner befänden.

Darauf schüttelte Maschmeyer wieder im Stuhl sitzend in Richtung Glagau den Kopf. Und ein sicher geglaubtes Angebot drohte zu platzen. In der Zwischenzeit hatte Handelsexperte Ralf Dümmel das Gespräch übernommen und gab einen Ratschlag, dass man nicht ständig verhandeln dürfe, sondern den Topf-Entwickler „committen“ sollte, indem man Umsatzziele vertraglich regele – und sich bei Erreichen jener die exklusiven Nutzungsrechte automatisch verlängern.

„Ein Hammer“, aber…

Mit dem Wort „sensationell“ schaltete sich Maschmeyer wieder ein. Die Nachhaltigkeit wäre gut, jedoch die Abhängigkeit weniger. Er stieg daher aus. Glagau sah es nicht ganz so streng, fand den Topf „Hammer“, ging aber dennoch ohne Angebot. Er sei in dieser Welt nicht beheimatet.

Die guten schlechten Nachrichten aus der „Höhle der Löwen“

Dümmel hingegen meinte, er habe schlechte Nachrichten für das Gründer-Duo. Es würde ganz viel Arbeit auf sie warten, wenn sie nur wollen würden. Er bot 150.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung. Nach einer kurzen Beratungsrunde und eigentlich ohne Zweifel sagten die Beiden zu. Deal für Potburri.

Fünf Jahre Bewerbung zahlt sich aus

Die zweite in der Höhle der Löwen war Ebru Erkunt, die es seit fünf Jahren Bewerbung dieses Mal in die Show geschafft hatte. Die Zeit vor der Einladung in die Löwenhöhle hat die Gründerin genutzt, um an ihrem Produkt zu arbeiten. Sie präsentierte ihre HaselHerz-Welt: eine Nuss-Nougat-Creme in Bio-Qualität ohne Palmöl und Industriezucker. Ihre Aufstriche gibt es in drei Sorten und auch zwei verschiedene Schokoriegel sind in ihrem Sortiment. Sie forderte 80.000 Euro für 20 Prozent Anteile.

Höhle der Löwen, haselherz, haselHerz
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Ebru Erkunt hat mit Haselherz Aufstriche für Nussliebhaber entwickelt, die auf Palmöl verzichten wollen.

Die äußerst gerührte Gründerin zeigte offen ihre Freude und weckte besonders jene von Williams, als sie all ihre süßen Produkte vorstellte. Und umgarnte die restlichen Investoren mit ihrem Charme. Dann kam die Kostprobe. Maschmeyer und Kofler meinten, im Vergleich zum Marktführer, würde HaselHerz etwas herber schmecken. Der Multi-Investor sagte aber zugleich, dass es ja mehrere Geschmäcker gebe, während sein Südtiroler Sitznachbar glaubte, die Produkte seien etwas pointierter und in Konkurrenz zum üblichen Verdächtigen der Branche weniger massentauglich.

Umsatz gesunken

Erkunt konterte mit der neuen, bewussten Zielgruppe, die auf Dinge wie weniger Zucker und dergleichen achten würden. Allerdings erklärte die Gründerin danach, dass sie aktuell bei 43.000 Euro Umsatz liegen würde, das Jahr davor aber bereits 83.000 Euro erreicht hatte.

Erste Absagen

Erkunt erklärte, dass sie Probleme mit einem Produzenten gehabt habe, der ihre bestellten Waren nicht geliefert hatte. Danach nannte Williams die Pitcherin resilient. Maschmeyer hingegen stieg aus. Glagau sah beim Preis (über fünf Euro für ein Gläschen) ein Problem. Und ging auch ohne Angebot.

Die Gründerin gab nicht auf, hielt einen kleinen Monolog über ihre Widerstandsfähigkeit und ihr, bis zum Einbruch, organisches Wachstum. Dies lockte Kofler lobende Worte hervor. Er habe jedoch zu großen Respekt vor der Schokoladen-Branche. Ein Löwe weniger.

Doch noch ein Angebot für HaselHerz

Dümmel und Williams zogen sich anschließend zur stillen Besprechung zurück. Williams zeigte nach dem Treff großen Respekt vor der Gründerin, meinte aber, sie wäre die Falsche für HaselHerz. Dümmel ging als Letzter in den Bewunderungs-Modus über, meinte, dass man an einigen Dingen schrauben müsse und bot 80.000 Euro für 25 Prozent. Deal für HaselHerz.

Startup-Gründung als Lichtblick einer schweren Zeit

Die nächsten in der Höhle der Löwen waren Angelo und Sandro Torcia. Die beiden Brüder sind die Gründer von Coffee Colorato. 2017 hatte Angelo die Idee Getränke als Marketing-Tool zu nutzen. Doch dann verstarb die Mutter der beiden mit 49 Jahren an Krebs. Der Schicksalsschlag hat die Brüder zusammengeschweißt. Der Lichtblick in dieser Zeit war die Gründung ihres Startups, wie sie sagten.

Bilder auf Kaffeeschaum drucken

Nach über vier Jahren Entwicklungsarbeit später präsentierten sie den Löwen ihren speziellen Kaffeedrucker für personalisierte Getränke. Die Technologie ermöglicht es jedes Motiv – ob Logo, Foto oder Schriftzug auf den vorgefertigten Kaffee zu drucken. Die Patronen sind gefüllt mit geschmacksneutraler Lebensmittelfarbe, womit jede schaumige Oberfläche individuell gestaltet werden kann. In ihrem Portfolio gibt es einen stationären Drucker namens „Coloranino“ sowie mit dem „Cignature“ eine mobile Variante, an die man per App Bilder senden kann. Zu ihrer Zielgruppe gehören Gastronomiebetriebe, Cateringfirmen, Hotels oder sogar Autohäuser. Für neue Produktentwicklungen sowie Marketing- und Vertriebsaktivitäten benötigten die Gründer-Brüder 175.000 Euro und boten 15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Höhle der Löwen Coffee Colorato
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Angelo und Sandro Torcia stellten mit Coffee Colorato einen Getränkedrucker vor, mit dem man Kaffee- oder Bierschaum mit gewünschten Motiven bedrucken kann.

Bei der Vorführung im Studio beeindruckte das Founder-Duo mit einem live-gedruckten Kaffee, der den Schrifzug „Deal?“ auf der schaumigen Oberfläche trug. In einer anderen Tasse sah man das Gesicht von Familien-Investorin Dagmar Wöhrl.

Hoher Umsatz überzeugt „Höhle der Löwen“-Juroren

Kofler wollte für den Kaffeeverkäufer den Mehrwert wissen und erhielt als Antwort, dass Kunden heutzutage alles über Social Media teilen und somit Gratis-Werbung machen würden. Den Preis für die mobile Variante von 999 Euro und für die große Version 1.999 Euro empfanden die Löwen zuerst als zu hoch, hörten dann aber von einem Umsatz von 510.000 Euro in knapp 18 Monaten am Markt, bloß mit dem „Coloranino“.

„Marry me“ überzeugt

Kofler stieg dennoch als erster aus, er respektierte die Zahlen, glaubte aber, dass es schwer wäre zu wachsen. Die Gründer erzählten danach von einem Tiramisu und einem Wackel-Pudding, die sie beide bedruckt hatten. Und so Heiratenden auch als mögliche Zielgruppen innehätten. Darauf ging auch Glagau, als sich Wöhrl und Maschmeyer zur Beratung zurückzogen. Dümmel war bereits davor ohne Angebot gegangen. Maschmeyer ließ sich noch einmal bedienen und wollte von den Gründern einen weiteren Druck gezeigt bekommen. Nachdem er und die Löwin Wöhrl im Studio „marry me“ im Kaffee lasen, boten beide insgesamt 175.000 Euro für 25 Prozent Anteile. Deal für Coffee Colorato.

Der älteste Gründer der „Höhle der Löwen“

Der vorletzte in der „Höhle der Löwen“ war der 83-jährige Fotograf Gert Wagner. Der Filmemacher hat im Auftrag internationaler Marken und Magazine die ganze Welt bereist. „Eine Grundvoraussetzung für ein gelungenes Foto ist, dass es scharf ist“, erklärte der Erfinder des flexiblen Autofokus. Diese Technik findet sich heute in allen Kameras und Smartphones wieder. Doch das ist nicht die einzige Erfindung des 83-Jährigen. Gemeinsam mit seinem Sohn Tobias gründete er 2016 die Firma Swift Design, und sie entwickelten verschiedene Gadgets für Filmemacher und Fotografen.

Steadify
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Gert (l.) und Tobias Wagner haben mit Steadify_einen Kamerastabilisator für Film und Fotografie entwickelt.

Jetzt präsentieren der älteste Gründer in der Geschichte von „Die Höhle der Löwen“ und sein Spross ihren Kamerastabilisator Steadify. Ein übliches Stativ ist schwer und umständlich in der Handhabung. „Ehe man es aufgebaut hat, ist manch goldener Moment schon vorbei und dann funktioniert es auch nur auf festem Untergrund. Von all diesen Nachteilen wollten wir uns nicht mehr plagen lassen und haben eine Lösung entwickelt“, führte Tobias Wagner aus. Steadify – ein Stabilisator im Taschenformat – ist mit dem Gurt an der Hüfte anzulegen. Damit soll die Kamera stabil bleiben und scharfe Fotos und weiche Videoschwenks bei voller Beweglichkeit und viel Raum ermöglichen. Um ihr Produkt auf dem Markt zu etablieren, benötigten Vater und Sohn ein Investment von 350.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Kein Geld mehr…

Nach dem Pitch testete Hobby-Fotografin Wöhrl Steadify und zeige sich zufrieden mit der Handhabung. Bisher wurden innerhalb von eineinhalb Jahren am Markt rund 6.000 Stück verkauft. Nach einer Kickstarter-Kampagne wurde allerdings bei 200.000 US-Dollar an Einnahmen kaum etwas an den Kunden gebracht. Ein Werbepartner hatte einige Vorleistungen erbracht und ihnen eine „dicke Rechnung“ präsentiert. Zudem hatten sie bei ihrem chinesischen Produktionspartner bei 1.500 verkauften Stativen insgesamt 5.000 Stück bestellt. Das Problem sei jetzt der große Warenbestand bei sehr wenig Geld fürs Marketing.

Keine Zahlen, kein Investor

Da die Gründer keine genauen Umsatzzahlen nennen konnten, stieg Maschmeyer aus. Jene erklärten danach ihre Pläne für eine riesige Marketing-Kampagne. Was aber wenig half. Nico Rosberg meinte, er habe kein komplettes Vertrauen im betriebswirtschaftlichen Bereich der beiden Gründer. Dümmel hob das Produkt als sinnvoll und neuartig hervor, die Zielgruppe des Startups wäre jedenfalls nicht die seine. Auch er war weg.

Wöhrl sagte, dass es noch zu viele offenen Fragen gebe. Sie würde Kundin werden, aber wollte nicht investieren. Auch Williams strich die Wichtigkeit von Zahlen hervor, möchte man Investoren begeistern und blieb auch ohne Angebot. Kein Deal für Steadify.

Meditations-App für Kinder in der „Höhle der Löwen“

Die letzten auf der „Höhle der Löwen“-Bühne waren Jean Ochel, Ideengeber von Aumio, und seine Freunde Simon Senkl, Felix Noller und Tilman Wiewinner (30). Laut aktueller Studien zeigen rund ein Viertel aller Kinder psychische Auffälligkeiten. Das sind etwa sechs Kinder pro Schulklasse und in der Corona-Krise ist diese Zahl noch mal gestiegen. Leider bekommen aber nur die wenigsten Unterstützung, um mit Stress, Ängsten und Schlafproblemen umzugehen, wissen die Gründer. Daher haben sie eine App zur Entspannung und Meditation für Kinder entwickelt.

Spielerisch lernen

„Mit Aumio lernen Kinder in spielerischen Geschichten, Übungen und Meditationen, wie sie mit mentalen Herausforderungen umgehen können“, erklärte Jean Ochel. Es gibt verschiedene Kurse und Hörspiele, die speziell zur Linderung von Symptomen von ADHS, Einschlafproblemen oder Angstzuständen entwickelt wurden. Alle Kurse und Übungen basieren auf wissenschaftlich fundierten Methoden, die so auch in der Psychotherapie verwendet werden. Damit in Zukunft Kinderärzte und -therapeuten die App auf Rezept verschreiben können, soll die App auch als Medizinprodukt zertifiziert werden. Aumio ist eine Weltraumfigur, die erscheint, sobald die App gestartet wird. Ein Kurs besteht aus einer Reihe an Übungen, die zwischen fünf und sieben Minuten lang ist. Das Angebot: 150.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

Aumio, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – V.l.: Felix Noller, Jean Ochel, Tilman Wiewinner und Simon Senkl sind die Entwickelr von Aumio, einem digitalen Coach für Kinder mit psychischen Problemen.

Die Löwen machten mit den Gründern nach dem Pitch eine kurze Achtsamkeitsübung, die ein wenig an eine Fantasiereise aus Schulzeiten erinnerte. Glagau komplimentierte anschließend das Founder-Team und die sanfte Alternative im Vergleich zu Medikamenten für Kinder, wie früher Ritalin. Bei Aumio handelt es sich um ein Freemium-Modell, mit möglichem Monats-Abo um zehn bis 15 Euro pro Monat.

Als Medizinprodukt zertifizieren

Die Gründer betonten nochmal, dass sie kurz davor wären, ihre Medizinzertifizierung abzuschließen. In Deutschland gebe es eine gesetzliche Änderung, die den Namen „digitales Versorgungsgesetz“ trägt. Das erlaube Medizinern „Apps“ zu verschreiben. Nach dieser Info gesellte sich Glagau zu Maschmeyer, wurde aber auch von Wöhrl interessiert angesprochen.

Ein, zwei oder drei…?

Kofler lobte die Idee, meinte aber das Thema wäre außerhalb seines Investment-Horizonts. Er ging ohne Angebot. Dümmel zeigte sich vom Thema berührt und hielt einen Monolog darüber, wie sehr er seine vorab gegen Apps kritische Gefühlslage im Lauf des Pitches geändert habe. Währenddessen lief Wöhrl zwischen den Löwen herum und wollte ein Investoren-Triumvirat schaffen. Während Maschmeyer Interesse signalisierte, meinte Glagau, drei Löwen wären im zu viel. Er würde es auch alleine machen.

Ein Doppel-Angebot

Nachdem Dümmel weg war, eröffnete Glagau das Finale. Der Löwe pitchte und stellte seine Fähigkeiten als Investor vor. Er betonte, er würde es alleine machen, würde aber auch mit Maschmeyer kooperieren, der ihnen die Brücke in die USA schlagen würde. Jener meinte, drei Leute wären tatsächlich zu viel und schlug mit Glagau folgenden Deal vor: 150.000 Euro für 20 Prozent. Wöhrl ließ es dann bleiben.

Das Gegenangebot

Nach der Beratung kamen die Gründer mit einem Gegenangebot zurück. Sie würden für die genannte Summe zwölf Prozent Anteile abgeben. Glagau, der sich kompromisslos gezeigt hatte, würde bei diesem Vorschlag nicht mitmachen. Maschmeyer bediente sich diverser Metaphern, was das Wachsen des Startups betraf und bat die Gründer sich nochmal zu beraten.

Löwen bessern nach

Jene kehrten erneut zurück und lehnten wieder ab. Daraufhin gab es doch Bewegung aufseiten der Investoren. Sie erhöhten für 20 Prozent Beteiligung auf 200.000 Euro. Während der dritten Beratung schaltete sich Wöhrl wieder ein und schlug Maschmeyer vor, dass sie fünf Prozent Anteile kaufen würde, während der Multi-Investor seine zehn haben könnte. Vorausgesetzt die Gründer würden sich in dieser Hinsicht gesprächsbereit zeigen. Die Gründer lehnten Glagau und Maschmeyer ab. Daraufhin fragte die Familien-Investorin nach, ob ihre Idee von 15 Prozent möglich wäre. Auch das wurde abgelehnt, was Maschmeyer aussteigen ließ. Kein Deal für Aumio.

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Macht es richtig oder macht es gar nicht“ – Mit diesen Worten brachte EU-Inc.-Mitinitiator Andreas Klinger im Vorjahr die Frustration des Startup-Ökosystems auf den Punkt. Begonnen hatte alles im Oktober 2024 mit einer Koalition europäischer Gründer:innen und Investor:innen, deren Petition zehntausende Unterschriften sammelte. Dann kam der Auftritt von Ursula von der Leyen in Davos, im März schließlich der Vorschlag der Kommission – der schon vor seiner Präsentation geleakt wurde und die Szene enttäuschte. In einem offenen Brief warnten EU-INC, Allied for Startups und das European Startup Network vor „27 verschiedenen Geschmacksrichtungen“ der neuen Rechtsform.

In den kommenden Tagen legt das Parlament seinen Bericht vor. Clark Parsons, CEO des European Startup Network, ist seit Beginn Teil dieses Prozesses. Im Interview spricht der ehemalige Gründer und heutige Investor über die 28. Rechtsform, den Widerstand von Gewerkschaften und Notaren – und über eine Chance, die Österreich gerade verschläft.


brutkasten: Warum ist eine EU Inc. so wichtig? Warum konzentriert ihr euch nicht eher auf den Kapitalmarkt oder andere Aspekte?

Der Kapitalmarkt ist die andere Hälfte des Themas, keine Frage. Aber EU Inc. ist aus ein paar Realitäten entstanden. Wir haben in Europa keinen Binnenmarkt für Startups und keinen für Kapital. Wenn Sie ein Tech-Unternehmen gründen, haben Sie 27 Mitgliedstaaten und rund 60 verschiedene Rechtsformen. In Wien mag es genügend Investoren im Ökosystem geben. Aber sind Sie in Bukarest oder Athen, gibt es sehr wenig Kapital. Viele europäische Gründerinnen und Gründer gründen deshalb nie in ihrem Heimatland – manchmal in Estland, manchmal in London, meistens in Delaware. Und die Ironie ist: Selbst Gründer aus Frankreich oder Deutschland gehen nach Delaware.

Warum ausgerechnet Delaware?

Weil es zum De-facto-Standard geworden ist. Jeder kennt es, jeder versteht es, es gibt einen langen Bestand an Rechtsprechung. Wachstumskapital ist in Europa schwer zu bekommen, also gehen Sie früher oder später in die USA – und dort sagen alle Investoren: „Es wäre viel einfacher, wenn du eine Delaware Inc. hättest, in die ich investieren kann, statt deine verrückte GmbH-Struktur verstehen zu müssen.“ Manche amerikanische Investoren kommen nie nach Deutschland, weil sie sich sonst zwei Tage lang beim Notar den Vertrag vorlesen lassen müssten – ein Kabuki-Theater, das außerhalb des deutschsprachigen Raums als verrückt gilt. Also haben Leute wie Andreas Klinger gefragt: Warum schaffen wir nicht etwas, das mit Delaware konkurriert?

Das ist die Idee des 28. Regimes.

Genau. Die Draghi- und die Letta-Berichte haben beide festgestellt: Wir sind nicht wettbewerbsfähig genug, und einer der Hauptgründe ist, dass wir keinen echten Binnenmarkt haben. Wir sind zu fragmentiert, und das schadet uns massiv. Beide griffen eine Idee auf, die Brüssel seit dreißig Jahren das 28. Regime nennt: ein Rechtsrahmen, der europaweit gilt. Sie registrieren einmal, es gibt ein Vehikel, das jeder kennt. Wir haben Roaming fürs Handy, unsere Bürger und Arbeitnehmer überqueren Grenzen problemlos – aber unsere Startups können das nicht. Das ist doch Wahnsinn.

Kritiker sagen, das sei ein Nischenthema. Nur für ein paar reiche Investoren.

Tech ist in Europa in einem Jahrzehnt von vier auf fünfzehn Prozent des BIP gewachsen. Das ist die nächste Ökonomie für Europa. Wenn Sie glauben, wir fallen hinter die USA und China zurück; wenn Sie wollen, dass alte Industrie überlebt, muss sie mit Robotik und KI modernisiert werden. Selbst wenn Ihr Hauptthema der Klimawandel ist: All das lösen Startups und Scaleups. Regierungen lösen das nicht, Gründerinnen und Gründer tun es. Sie schaffen Werte und Arbeitsplätze. Wenn Sie also nicht dafür arbeiten, dass man in Europa gründen und wachsen kann, dann beschweren Sie sich später nicht, dass Ihre Kinder keine Jobs haben. Das ist kein Nischenthema – es ist die Quelle, aus der alles fließt.

Und woran würde man messen, ob EU Inc. funktioniert?

An ziemlich einfachen KPIs. Wie viele EU Incs werden gegründet? Setzen unsere Gründer künftig eine EU Inc. auf statt einer deutschen GmbH oder einer englischen Limited? Aktuell überschreiten nur rund 18 Prozent unseres Investmentkapitals Grenzen. Und einen KPI, an den niemand denkt: Wie viele EU Incs werden von Menschen gegründet, die gar nicht in Europa sitzen? Amerikaner, Inder, Chinesen gründen in Delaware. Warum sollten sie nicht eine EU Inc. gründen – und damit sofort Zugang zu einem Markt von 450 Millionen Menschen haben? Für Beitrittskandidaten wie die Ukraine oder Montenegro, aber auch für die Schweiz, Norwegen oder das Vereinigte Königreich könnte das die Speerspitze wirtschaftlicher Integration sein.

Welche Rolle könnte Österreich dabei spielen?

Österreich hat sich lange als Westeuropas Tor nach Osteuropa verstanden. Das muss nicht verschwinden – im Gegenteil, es lässt sich mit einer EU Inc. stärken. Bislang war es vielleicht einfacher, in Wien Anwälte und Notare zu haben, die wissen, wie man am Balkan operiert. Wenn eine EU Inc. automatischen Zugang zu diesen Gründern gibt, könnt ihr euch als Tor nach Osteuropa neu erfinden. Wenn ein Wiener VC plötzlich leicht in ein Bukarester Team investieren kann, ohne einen Anwalt für 50.000 Euro zu bezahlen, der das rumänische System erklärt, dann nehmen wir enorm viel Reibung heraus. In Wien gibt es mehr Kapital als in vielen dieser Städte, direkte Flüge, juristische Kompetenz. Das ist eine echte Chance – und keine, über die man ein Märchen erzählen müsste.

Die Gewerkschaften fürchten, EU Inc. höhle Arbeitsrechte aus.

Das hat mit der Realität wenig zu tun. Es ist eine optionale Rechtsform – keine bestehende Form verschwindet. Und das Arbeitsrecht ist hier gar nicht drin: Stelle ich einen Deutschen an, gilt deutsches Arbeitsrecht, mit Kündigungsschutz und ab einer bestimmten Zahl mit Betriebsrat – immer dort, wo der Beschäftigte sitzt und arbeitet. Niemand wird betrogen. Man hatte Angst, ein Wirt in Tirol zahle dem Koch dann kein Gehalt, sondern nur Anteile. Ich dachte, es gibt einen Mindestlohn. Wenn Sie wollen, schreiben wir hinein, dass Mindestlohngesetze weiter gelten – kein Problem. Was mich wirklich verblüfft, ist der Kampf gegen Mitarbeiterbeteiligung. Karl Marx wollte, dass die Arbeiter die Produktionsmittel besitzen – und wir müssen hart darum kämpfen, die Beschäftigten zu bereichern.

Und die Notare, die auf Rechtssicherheit pochen?

Viele Mitgliedstaaten kommen ohne Notare im Prozess bestens zurecht. Niemand behauptet, estnischen Startups fehle Rechtssicherheit, obwohl man dort in zehn Minuten online gründet. Wir schaffen ja Kontrollen nicht ab – Artikel 14 erlaubt die Prüfung durch ein Gericht, eine zuständige Behörde oder einen Notar. Wir streichen nur den verpflichtenden Kanal, nicht die Kontrolle. Dass rigorose KYC- und Geldwäscheprüfungen online funktionieren, hat Wien mit Bitpanda längst gezeigt.

Gibt es einen Anreiz, die Notare an Bord zu holen?

Absolut. Staaten können Prüffunktionen delegieren – für den TÜV gehe ich zur DEKRA, nicht zur Stadt. Wenn österreichische oder deutsche Notare zu ihren Regierungen gingen und sagten: „Macht uns zum Teil dieser Zertifizierung innerhalb von zwei Werktagen“ – man würde sie mit offenen Armen empfangen. Sie könnten eine großartige Cottage-Industrie aufbauen, die Brücke zum Bankkonto oder zur Steuernummer sein. Ein österreichischer Notar könnte nach Dubai fliegen und sagen: „Gründet eine EU Inc., kommt nach Österreich, wir machen den One-Stop-Shop.“ Sonst übernehmen Stripe Atlas, Qonto und die Neobanks das Geschäft. Ich habe bloß noch keine einzige Idee der Notare gesehen, wie sie Teil der Lösung sein wollen. Sie sollten, ich wage es zu sagen, ein bisschen wie Startups denken.

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