17.05.2021

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um eine Anti-Migräne-Maske, ein Rad-Cockpit und Naturkosmetik aus Kaffeesatz. Zudem spielte ein österreichisches Startup musikalisch auf, vergoss dann aber Tränen.
/artikel/hoehle-der-loewen-oesterreichische-gruenderin-bricht-in-traenen-aus
Marschpat, Höhle der Löwen
TVNOW / Frank W. Hempel - Markus Wenzl (l.), Patrick Rupprecht und Carina Eigner aus Österreich durften den Löwen ihr digitales Marschkapellenbuch Marschpat vorstellen.
sponsored

Der erste in der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – war Fabian Karau. Er hat mit mysleepmask eine Lösung gegen Migräne entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Schlafmaske, Ohrenstöpsel und Gelpads. Sie ist zu 100 Prozent blickdicht, besteht aus weichem Bio-Jersey. Durch die kopfumfassende Passform soll es kein Verrutschen geben und die Schaumstoffpolster an den Ohren sind dazu gedacht, das Herausfallen der Ohrstöpsel zu verhindern. Die integrierten Taschen im Nacken und der Stirn sind für die Gelpads, die je nach Bedarf kühlen oder wärmen. Mit der Unterstützung der Löwen möchte Fabian vielen Leidensgenossen weltweit einen besseren Schlaf ermöglichen und das Leben erleichtern. Sein Angebot lautete: 100.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Beste Maske?

Nach der Vorstellung des Produkts probierte so mancher Löwe die Maske aus. Medien-Profi Georg Kofler etwa gab zu, dass er regelmäßig Schlafmasken benutzt, weil er oft aufwache, wenn es hell wird. Er bezeichnete die mysleepmask als die beste, die er je gehabt hätte. Er wollte die verschiedenen Versionen zwar nach der Sendung dem Gründer abkaufen, aber zweifelte daran, dass es ein Massengeschäft werden könnte.

Fehlende Studien

Multi-Investor Carsten Maschmeyer arbeitete gemeinsam mit LEH-Experten Ralf Dümmel heraus, dass der Gründer sein Produkt aus medizinischen Gründen nicht als Anti-Migräne-Maske bezeichnen dürfe. Studien würden fehlen. Ersterer stieg aus. Familien-Investorin Dagmar Wöhrl wusste, dass der Bedarf an Schlafmasken ein sehr hoher sei. Sie wollte nicht investieren, aber ebenso wie Kofler Kundin werden. Zwischenzeitlich trafen sich Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg und Dümmel zur Beratung.

Höhle der Löwen, mysleepmask
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Die Investoren Georg Kofler (l.) und Nico Rosberg unterzogen der Schlafmaske für Migränepatienten von mysleepmask direkt einem Praxistest.

Der ehemalige Rennfahrer lobte die Maske, meinte aber, dass die Markenpositionierung noch geschärft werden müsste. Dümmel warf indes ein, dass der Gründer viel „Power“ hinter sich brauche. Er und Rosberg würde ihm in den verschiedensten Bereichen helfen können. Das Angebot: 100.000 Euro für satte 40 Prozent. Der Gründer fragte nach einer Aussicht auf „working capital“, was Dümmel schnell bejahte. Deal für mysleepmask.

Rad-Cockpit in der „Höhle der Löwen“

Die nächsten in der „Höhle der Löwen“ waren die Brüder Khesrau und Sohrab Noorzaie. Sie haben SMINNO gegründet und möchten den Komfort aus dem Auto auf das Zweirad bringen. „Wir haben das erste sprachgesteuerte Cockpit-System und die Freisprechanlage für Zweiräder auf den Markt gebracht. Das Cockpit-System besteht aus einer App und einer patentierten Smartphone-Halterung. Damit haben Fahrer Komfort und vor allem Sicherheit“, erklärten sie den Löwen. Die entwickelte und patentierte Halterung lässt sich am Fahrrad installieren und durch die spezielle Form sowie Materialien sollen Störgeräusche minimiert und die Lautsprecher des Handys verstärkt werden. Die dazugehörige sprachgesteuerte App bündelt Navigation, Musik, Tacho und Tracking auf einem Screen. Um sich am Markt etablieren zu können, benötigten die Brüder 500.000 Euro und boten15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

SMINNO
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Sohrab (l.) und Khesrau Noorzaie aus Kassel haben mit SMINNO ein Cockpitsystem plus App für Zweiräder entwickelt.

Judith Williams ließe es sich nach der Präsentation nicht nehmen aus dem Studio hinauszugehen und selbst ein paar Runden zu drehen. Sie zeigte sich begeistert, wie hoch die Klangqualität mit SMINNO sei. Dies hatte einen positiven Effekt auf den Rest der Löwen, die dann erfuhren, dass das Gerät der Brüder für knapp 60 Euro verkauft wird, Jahreslizenz für die App inkludiert. Danach koste die Software pro Monat vier Euro oder 24 Euro für jedes weitere Jahr.

Fördert SMINNO die Ablenkung?

Für Kofler war die Erfindung eine, die Radfahrer zu sehr ablenken und zu mehr Telefonieren animieren würde. Er stieg aus. Williams hingegen, die die Gründer großartig fand, bedauerte, dass die Tech-Branche nicht ihr Bereich wäre. Nach dieser Absage störte sich Maschmeyer an der Firmenbewertung aufgrund des geringen Umsatzes von 70.000 Euro im Vorjahr. Ähnlich dachte Glagau und folgte als nächster ohne Angebot. Auch Dümmel sah sich als letzter Löwe nicht im App-Bereich beheimatet. Trotz positiver Grundstimmung kein Deal für SMINNO.

Kosmetik aus Kaffeesatz

Kaffee ist das beliebteste Getränk in Deutschland. Der entstandene Kaffeesatz gehört für viele in den Müll, aber nicht für den dritten in der „Höhle der Löwen“ Julian Köster. Für sein Startup mellow NOIR extrahiert der Chemieingenieur aus dem Kaffeesatz das Kaffeeöl und stellt daraus eine Naturkosmetik-Linie zur Hautpflege her. Sein Produkt versorge die Haut mit wichtigen Fetten und soll die Kollagenproduktion anregen, die Haut bei der schnellen Regeneration unterstützen und oxidativen Stress mildern. Alles ist vegan, tierversuchsfrei, fair produziert und in Glas und Papier verpackt. Darüber hinaus wird pro verkauftem Produkt ein neuer Baum zur Aufforstung zerstörter Wälder gespendet. 100.000 Euro für 20 Prozent lautete sein Angebot an die Löwen.

mellow NOIR, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Julian Köster nutzt für seine Naturkosmetik von mellow NOIR“ Kaffeeöl.

Das Startup vertreibt einen Facial Moisturiser als Tages- und Nachtfluid mit Ectoin, niedermolekularer Hyaluronsäure und Vitamin E, einen Concentrated Booster mit straffendem Hyaluron Serum und Kirschblütenextrakt. Und ein Vitamin C-Serum gegen frühzeitige Hautalterung mit 1.5 Prozent natürlichem Vitamin C aus Acerola und Shea Butter. So soll die Haut 24 Stunden gepflegt werden können, straffer wirken und weniger trocken sein.

Nach dem Pitch hieß es Händeschmieren und Schnuppern für die Löwen, die sich im Laufe des Gesprächs immer interessierter an der Idee des Gründers zeigten und auch angenehm empfanden, wie konservativ Köster seine Umsatzplanung anlege (467.000 Euro im dritten Jahr). Glagau war der erste der ging, es sei nicht sein Bereich. Wöhrl hatte sich danach entschlossen schweren Herzens kein Angebot zu machen, auch sie wäre die falsche Partnerin.

Zwei Angebote und Fingerspitzengefühl

Williams lobte anschließend mellow NOIR als das beste Kosmetikprodukt seit Showbeginn. Auch Kofler fand daran gefallen. Er bot 100.000 Euro für 30 Prozent Anteile. Dümmel fand den Ansatz „Nachhaltigkeit“ toll und meinte, er würde den Gründer in die Kaufhäuser bringen. Er „matchte“ Koflers Angebot.

Danach widersprach Williams Dümmel. Kosmetik sei ein Fingerspitzengefühl-Geschäft. Sie empfände es gefährlich flächendeckend mit dem Produkt hinauszugehen. Man müsse an der Brand und Glaubwürdigkeit arbeiten. Es gehe um Storytelling. Sie bot 100.000 Euro für 35 Prozent. Köster nahm die Dame der Runde mit ins Boot. Deal für mellow NOIR.

Ein Sauerstoffverdränger in der „Höhle der Löwen“

Weinhändler und Erfinder Hubert Koch war der nächste in der „Höhle der Löwen“. Er hat jahrelang nach einer Lösung gesucht und nun ein Produkt entwickelt, mit dem man den Sauerstoff aus der Weinflasche verdrängt und dadurch der Wein länger haltbar bleiben soll. Die Winemaster Bottle besteht im Wesentlichen aus diesen Komponenten: Einer Glasflasche, einem verschiebbaren Flaschenboden und einem Ventilverschluss. Der angebrochene Wein wird einfach in den Winemaster umgefüllt und der Flaschenboden nach oben gedrückt, sodass der Sauerstoff durch den Ventilverschluss entweichen kann. So soll man den Wein deutlich länger genießen können. Um mit seiner Idee Erfolg zu haben und im Handel gelistet zu werden, benötigte Hubert Koch 100.000 Euro und wollte dafür 30 Prozent seiner Firmenanteile abgeben.

Winemaster
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Hubert Koch will mit seiner Winemaster Bottle Weine länger frisch halten.

Durch einen verschiebbaren Flaschenboden und ein Ventil im Verschluss kann der Sauerstoff aus der Flasche herausgedrückt und vom Wein separiert werden. Dafür muss lediglich das Ventil herunter- und der Flaschenboden nach oben gedrückt werden. So nimmt der Wein und nicht Luft den Großteil des Flascheninneren ein, der Rebensaft kommt weniger in Berührung mit Sauerstoff und oxidiert weniger stark. Damit soll der Trunk nicht mehr nur kurz, sondern gegenüber vielen anderen Systemen deutlich länger haltbar gemacht werden können.

Ein Angebotsregen in der „Höhle der Löwen“

Der Gründer hat eine „erste Initialmenge“ von 200.000 Stück des Winemaster bestellt und bezeichnete sich beim Vertrieb als „völlig talentfrei“. Williams verabschiedete sich als erste, sie wolle sich nicht mit Weinen beschäftigen. Glagau und Wöhrl, die sich besprochen hatten, boten 100.000 Euro für 30 Prozent. Auch Dümmel hatte angebissen, nannte das Produkt zwar erklärungsbedürftig, wollte aber ebenfalls mit 100.000 Euro für 30 Prozent Beteiligung einsteigen. Kofler, der zugab, anfangs skeptisch gewesen zu sein, reihte sich ein und machte das gleiche Angebot. Koch entschied sich für Ralf Dümmel. Deal für Winemaster.

Startup aus Österreich

Die letzten Gäste in der „Höhle der Löwen“ kamen aus Österreich und sorgten für eine Premiere: Eine echte Marschkapelle spielte auf. Die Gründer Patrick Rupprecht, Carina Eigner und Markus Wenzl von Marschpat aus Niederösterreich präsentierten den Investoren ihr digitales Notenbuch. „Wir digitalisieren und revolutionieren die Blasmusik und holen diese endlich ins 21. Jahrhundert“, erklärte Eigner, während Rupprecht, Initiator von Marschpat, ergänzte: „Das digitale Notenbuch kann noch viel, viel mehr. Mit dazugehöriger Vereins- und Notenverwaltung erleichtern wir das Musizieren, Marschieren und Organisieren erheblich.“

Marschpat digitalisiert Noten

Schwere Notenbücher, für jedes Instrument einzeln kopierte oder im Internet mühsam zusammengesuchte Notenblätter sollen nun der Vergangenheit angehören. Marschpat bietet Blasmusikern die Möglichkeit Noten von bekannten Verlegern und Komponisten digital anzuzeigen und zu managen. Kapellen und Blasmusikvereine können darüber hinaus ihre Mitglieder, Auftritte und Proben mit Marschpat organisieren. Mit einem Investment von 300.000 Euro wollte das Trio die Entwicklung von neuen Features beschleunigen und die Vertriebsmaßnahmen intensivieren. Im Gegenzug boten sie 20 Prozent ihrer Firmenanteile an.

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Markus Wenzl (l.), Patrick Rupprecht und Carina Eigner aus Österreich stellten ihr Marschkapellenbuch „Marschpat“ vor.

Die Noten der jeweiligen Lieder lassen sich über das Marschpat für das passende Instrument auswählen. Auch Events können erstellt werden, bei dem nicht nur die einzelnen Notenstücke sichtbar sind, sondern auch die Namen der Musiker und Musikerinnen angezeigt werden. Nach dem Pitch wollte Williams wissen, warum der Marschpat besser als der Kindle oder das iPad sei, bei dieser Konkurrenz bräuchte man es doch nicht. Die Gründer argumentierten, mit der Anti-Spiegelfunktion und damit, dass ihr Gerät wasserfest, stoßfester und leichter als das Apple-Produkt sei.

Saas-Modell

Den Marschpat gibt es in verschiedenen Größen und Versionen für daheim und fürs Orchester. Das Kernprodukt ist die Software, das Startup arbeitet aber mit einem SaaS-Modell, das 17,90 Euro pro Monat kostet. Beim Abo werden die Noten zur Verfügung gestellt und die Software laufend aktualisiert. Für Vereine gibt es die extra die Möglichkeit auf ein günstigeres Vereins-Abo-Modell zurückzugreifen.

Als die Gründer ein Beispiel brachten, indem ein Blasmusikverein in diesem Modell 23 Euro im Monat für alle Musiker zahlen müsste, die Privatperson aber 17.90 Euro, sorgte das für leichte Verwirrung unter den Löwen. Glagau merkte an, dass es dann von Kundenseite schlauer wäre, sich zusammenzutun und einen Verein zu gründen. Aufgeklärt wurde das Ganze dann von Eigner, die erzählte, dass man einmalig 100 Euro Anschaffungskosten fürs Gerät zahlen würde, exklusive des Abo-Preises für die Software.

Verhandlungen mit Verlegern am Laufen

Glagau verstand dennoch das Geschäftsmodell nicht und stieg aus. Das bisher umsatzlose Startup wies sich dann als „early stage“ aus, da man noch (zum Zeitpunkt der Aufzeichnung) mit Verlegern über Musik-Lizenzen verhandele. Williams kannte die Szene aus ihrem Musikstudium etwas, nannte die Verleger mühsam und stieg aus. Danach ergriff Eigner emotionalisiert das Wort und erzählte von ihrem bisherigen Weg. Sie kämpfte mit feuchten Augen, was von den Investoren honoriert wurde, aber nicht verhinderte, dass Dümmel als nächster ging.

Harte Kritik von Kofler

Danach griff Maschmeyer den hohen Unternehmenswert auf. Die Gründer erklärten, dass die Web-App und Software fertig seien und viel Arbeit drin stecke. Zudem beinhalte der Business-Plan einen zukünftigen Umsatz von zwei Millionen Euro. Maschmeyer zweifelte daran und meinte, die Firma sei noch keine 1,5 Millionen Euro wert. Auch er ging ohne Angebot. Kofler meinte abschließend, dass die unternehmerische Gesamtkompetenz des Teams ihn nicht gänzlich überzeugte. Nicht Eigner, aber beide Herren müssten da etwas nachlegen, vor allem was die Beantwortung der Fragen beträfe. Der Südtiroler hätte sich gewünscht, dass die geforderte Summe nicht bei 300.000 Euro, sondern bei 50.000 Euro gelegen hätte, weil sie so früh dran wären. Dann hätte er Lust gehabt einzusteigen. Maschmeyer und Williams erwiesen sich nachher bei traurigen Gründern und einer tränenerfüllten Gründerin als tröstende Löwen und wünschten den Niederösterreichern viel Erfolg. Dennoch, kein Deal für Marschpat.

Deine ungelesenen Artikel:
27.05.2026

Vertrauen ist die neue Währung – Warum Gründer:innen heute selbst zur Marke werden müssen und wie das gelingt

Im brutkasten-Interview erklärt Branding-Expertin Lirone Glikman, warum unsichtbare Gründer:innen Deals verlieren und wie „Founder-Led Branding“ im KI-Zeitalter zur wichtigsten Währung für Vertrauen und Erfolg wird.
/artikel/vertrauen-ist-die-neue-waehrung
27.05.2026

Vertrauen ist die neue Währung – Warum Gründer:innen heute selbst zur Marke werden müssen und wie das gelingt

Im brutkasten-Interview erklärt Branding-Expertin Lirone Glikman, warum unsichtbare Gründer:innen Deals verlieren und wie „Founder-Led Branding“ im KI-Zeitalter zur wichtigsten Währung für Vertrauen und Erfolg wird.
/artikel/vertrauen-ist-die-neue-waehrung
Lirone Glikman, Branding-Expertin und Gründerin der Agentur The Human Factor, spezialisiert auf Founder-Led Branding

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einer Welt, in der KI Inhalte massenhaft produziert und Unternehmen täglich neu entstehen, verschiebt sich der entscheidende Wettbewerbsfaktor: weg vom reinen Produkt, hin zum Vertrauen. „Founder Led Branding“ heißt das Konzept, das Gründer:innen dazu bringt, sich selbst als sichtbare Persönlichkeiten ihrer Unternehmen zu positionieren – authentisch, strategisch und mit klarer Botschaft. Anders als beim klassischen Personal Branding geht es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern um die enge Verzahnung von Founder-Identität und Unternehmensmission. Studien und Beobachtungen auf LinkedIn zeigen: Beiträge von Personen erzielen deutlich höhere Reichweiten als jene von Unternehmensseiten. Investoren prüfen Profile, bevor sie ein Meeting zusagen. Kunden googeln Gründer, bevor sie kaufen. Wer als Founder unsichtbar bleibt, verliert Deals – noch bevor sie überhaupt verhandelt werden.

Eine, die dieses Thema international bearbeitet, ist Lirone Glikman. Die israelisch-französische Branding-Expertin begann bereits mit 16 Jahren ihre Karriere, indem sie beim CEO eines israelischen Radiosenders an die Tür klopfte und kurz darauf jüngste Radiomoderatorin des Landes wurde. Heute leitet sie ihre Agentur The Human Factor, die sich auf Founder-Led Branding spezialisiert hat, unterrichtet seit über zwölf Jahren in 28 Ländern und ist Autorin des Buchs „The Super Connector’s Playbook“. Zudem ist sie Executive Director des NGO Committee on Sustainable Development – NY, das mit der UNO affiliiert ist. Im Interview spricht sie über die Trust Economy, häufige Fehler von Gründern und darüber, warum es heute nicht mehr genügt, einfach nur ein gutes Produkt zu haben.

brutkasten: Frau Glikman, beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Glikman: Ich pendle zwischen Berlin und Tel Aviv. Meine Klienten sind Startups in frühen oder späteren Phasen, die Sichtbarkeit brauchen; meist dann, wenn sie Kapital aufnehmen, Kunden gewinnen oder in einen neuen Markt eintreten wollen. Dazu kommen Innovationsmanager in Konzernen.

Ein Beispiel ist Celleste Bio, ein israelisches Startup, das als erstes Unternehmen der Welt Milchschokolade mit echter Kakaobutter aus Zellsuspensionskultur-Technologie vorgestellt hat; ein Meilenstein für eine skalierbare, kommerziell tragfähige Kakao-Lieferkette. Jüngst wurde gemeinsam mit Mondelez die erste Tafel produziert, deren Kakaobutter zu 100 Prozent bio-identisch im Labor erzeugt wurde.

Wie nähern Sie sich einem Founder, der mehr Sichtbarkeit braucht?

Zuerst geht es um die Bereitschaft. Viele Gründer wissen, dass sie sichtbar sein müssen – bevor sie einen Raum betreten, ist die Entscheidung beim Investor oft schon teilweise gefallen. Er googelt, schaut auf LinkedIn, gleicht ab, ob das Gesagte zum Gesendeten passt. Unsere Marke arbeitet für uns, bevor wir den Raum betreten – aber zwischen dem Wissen und dem Tun klafft eine Lücke. Viele sind kamerascheu oder arbeiten lieber am Produkt.

Wenn sie zu mir kommen, beginnen wir mit der Strategie. Founder-Persönlichkeit und Unternehmenswerte liegen am Anfang oft sehr nah beieinander. Wir bauen eine Markenidentität auf – authentisch, nicht aufgesetzt. Welche Botschaften, welche Werte, welche Stärken? Ist die Person warm, eher kühl, fürsorglich? Wir nehmen, wer sie sind, und betonen die relevanten Aspekte online.

Was unterscheidet Founder-Led Branding vom klassischen Personal Branding?

Personal Branding ist ein abgenutzter Begriff – wir alle haben eine Marke, ob wir wollen oder nicht. Founder-Led Branding bedeutet, dass man als Gründer bewusst Botschaften platziert, die einem selbst und dem Unternehmen dienen. Heute vertrauen wir Institutionen, großen Namen und Regierungen weniger – wir vertrauen einander.

Wenn Vertrauen zur Währung wird – gerade in einer Welt, in der KI Posts schreibt und Unternehmen über Nacht entstehen lässt – bleibt das Menschliche. Wenn Sie mir vertrauen, vertrauen Sie vielleicht auch meinem Unternehmen.

Auf LinkedIn performt Founder-Content stärker als Unternehmenscontent. Warum?

Der Algorithmus will, dass Sie sich mit einer Person verbinden. Unternehmensbeiträge werden weniger ausgespielt. Es geht um die Verbindung von Mensch zu Mensch.

Was sind die größten Fehler, die Gründer machen?

Erstens: Viele halten Sichtbarkeit für ein „Nice to have“. Damit fehlt die Konsistenz.

Zweitens: Es gibt keinen roten Faden. Wenn man sich Posts der letzten Monate ansieht, sollte ein Muster erkennbar sein. An einem Tag der Urlaub, am nächsten das Unternehmen, dann etwas anderes – das funktioniert nicht. Es braucht Markensäulen.

Drittens: Viele teilen nur Beiträge ihrer Firmenseite oder von Kollegen. LinkedIn mag das nicht. Die Plattform will wissen, was Sie zu sagen haben, was Ihre Kämpfe und Erkenntnisse sind.

Und viertens: Manche gehen zu Medien, die nicht zu ihrer Phase passen. Wenn das Produkt noch nicht reif ist, sollte man etwa in einem Podcast über das Feld sprechen, nicht über die Lösung. Sonst verspricht man zu viel und liefert zu wenig.

Wie viele Posts pro Woche sind realistisch sinnvoll?

Optimal wären zwei pro Woche. Realistisch reicht ein guter, tiefgehender Post pro Woche, der eine eigene Perspektive zeigt. LinkedIn liebt sogenannte „Scar Stories“ – Geschichten von Verletzungen, aus denen man gelernt hat.

Über Fehler zu sprechen ist guter Content?

Ja, weil es verbindet. Es muss nicht der größte Fehler sein. Sie können sagen: Wir haben anfangs in diese Richtung investiert, dann hat sich der Markt verändert, also haben wir gepivotet. Das ist „Building in Public“ – Sie nehmen Ihre Follower mit auf die Reise. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre eigene Show!

Im DACH-Raum spricht kaum jemand über Misserfolge. Wie ist das in anderen Kulturen?

Es geht nicht darum, sich in schlechtem Licht zu zeigen, sondern Lernerfahrungen zu teilen. Die israelische Kultur ist sehr expressiv und leidenschaftlich. Wir haben Gründer, die ihre tiefen Kämpfe und Frustrationen während des Aufbaus ihres Unternehmens radikal offen teilen. Das gibt anderen Gründern die Erlaubnis, es ihnen gleichzutun – was am Ende sowohl persönlich als auch für das Unternehmen hilfreich ist.

In asiatischen Kulturen, im Baltikum, im DACH-Raum oder in Skandinavien sind Menschen reservierter und risikoaverser. Das ist nicht schlecht – Israelis springen auf jede Idee; manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Die Frage ist: Wie viel kann ich teilen, das mir dient, anderen Wert gibt, mir aber nicht schadet?

Wie misst man eigentlich, ob Sichtbarkeit auch Umsatz bringt?

Anders als im Vertrieb, wo Sie 50 Leute ansprechen und zwei Deals abschließen, geht es hier um Signale. Verbinden sich qualitativ relevante Menschen aus Ihrer Zielgruppe mit Ihnen? Merken Sie, dass Investoren Sie schon kennen, bevor Sie den Raum betreten? Sprechen Menschen über Sie? Das nennt man „Dark Social“ – wenn das passiert, funktioniert Ihre Marke.

Ein konkreter Tipp zur Monetarisierung: Vor jedem Meeting werden Sie beobachtet. Posten Sie zwei oder drei Tage vorher etwas, das Fragen oder Einwände beantwortet, die im Gespräch kommen werden. Wenn Investoren an der Skalierbarkeit zweifeln könnten, schreiben Sie über die Skalierbarkeit Ihrer Branche.

Das ist strategische Kommunikation pur…

Genau. Wenn Sie sich auf ein Meeting vorbereiten, gehört ein LinkedIn-Post auf die To-do-Liste. Sichtbarkeit ist kein Privileg, sondern ein Business-Tool, eine Infrastruktur.

Wie viel Zeit sollte ein Gründer investieren?

Mit KI ist das heute leichter. Erstellen Sie ein Projekt in ChatGPT oder Claude, füttern Sie es mit Ihrer Marke, Werten, Botschaften, kopieren Sie E-Mails oder Texte hinein. Dann sagen Sie: Ich möchte über die Skalierbarkeit unseres Geschäfts schreiben, hier sind drei Punkte. So entstehen Posts in Ihrer Stimme. Minimum: ein Post pro Woche. Sie können sich 30 Minuten wöchentlich Zeit nehmen oder einmal im Monat ein, zwei Stunden für alle Posts.

LinkedIn ist mit KI-Content geflutet. Sehen wir eine Gegenbewegung hin zu mehr Authentizität?

Es heißt, etwa 80 Prozent der Posts seien KI-generiert – ich denke, es sind mehr. Was Sie vermeiden sollten: den langen Gedankenstrich, den alle KI-Tools lieben; und typische Strukturen wie „Don’t do X, do Y“ oder kurze Sätze mit Punkt am Ende. Ich habe gestern in einem Post einen Tippfehler gefunden und ihn drin gelassen – weil er menschlicher ist. Verwenden Sie keine Wörter, die Sie sonst nie benutzen. KI können Sie trainieren, aber vertrauen Sie ihr nicht zu 100 Prozent.

Welche Trends sehen Sie auf LinkedIn?

Authentizität mit eigenem Stil und visuellen Wiedererkennungsmerkmalen. Und Spezifität: LinkedIn will Sie mit relevanten Menschen vernetzen – fokussieren Sie sich also auf Ihr Fachgebiet.

In Österreich gibt es Gründer, die sehr laut auftreten. Birgt das Risiken?

Kulturell, ja. Wenn Sie Wertvolles teilen, das anderen hilft, ist Lautstärke okay. Aber im DACH-Raum kann das Türen schließen. In Israel sind die Menschen wie gesagt von Natur aus lauter und leidenschaftlicher. Heute sehen wir auch einen Shift zu Solopreneuren oder Drei-Personen-Unicorns. Als Solopreneur müssen Sie Ihre Marke draußen haben – das Ziel sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Gibt es internationale Vorbilder?

Jensen Huang von Nvidia versteht, dass er das Gesicht des Unternehmens ist. Auf seinem LinkedIn-Profil steht Nvidia und davor ein Job als Tellerwäscher in einem Burgerladen.

Oder Sam Altman: Vor drei Jahren, als die Menschen Angst vor OpenAI hatten, machte er mit seinem Mitgründer eine Welttournee, traf Menschen auf Events. Sie nutzten ihre Founder-Marke, um Botschaften zu transportieren und Vertrauen aufzubauen.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: Österreichische Gründerin bricht in Tränen aus