04.10.2021

„Höhle der Löwen“: Maschmeyer drängt auf rasches Ende nach 16 Mio. Bewertung

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um edle Rasierer, Löwenkinder und um das Ende von analogen Visitenkarten. Zudem wollte ein Startup 1,6 Millionen Euro haben, was so manche Löwen sauer aufstieß.
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Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer - Investor Nico Rosberg testet die 3-Konsole Lymb.iO.
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Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die immer montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – war das Vater-Tochter-Gespann Armin Lutz Seidel und Romy Lindenberg. Beide widmen sich dem Thema nachhaltige Körperpflege. Ihr Schwingkopf-Rasierer Shavent soll Plastikmüll vermeiden und altbekannten Komfort bieten.

500 Millionen Wechselköpfe im Müll

„Übliche Rasierer und ihre Wechselköpfe bestehen aus dem Material-Mix Metall, Plastik und Gummi. So sind sie nicht recyclebar und in keinster Weise nachhaltig. Allein in Deutschland landen im Jahr bis zu 500 Millionen Stück dieser Wechselköpfe im Müll. Das sind 3.000 Tonnen pro Jahr und das entspricht dem Gewicht der Freiheitsstatue in New York mal 13“, erklärten beide Pitcher den Löwen.

Shavent, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Romy Lindenberg und Armin Lutz Seidel präsentierten mit Shavent einen plastikfreien Schwingkopf-Rasierer.

Alternativen wie Rasiermesser oder der Rasierhobel waren für Seidel nicht die perfekte Lösung. Also baute er sich seinen eigenen Rasierapparat. Geeignet für Körper und Gesicht: „Shavent ist komplett aus Metall gefertigt, der geschwungene Griff mit den Rillen lässt den Rasierer gut in der Hand liegen und die drei eng zusammenliegenden Klingen sorgen für eine sichere und sanfte Rasur“, führte der 64-Jährige im Studio aus.

Italien und Deutschland

Ein leichtgängiger Schwingkopf soll sich Gesichts- und Körperkonturen anpassen – Standardklingen sich einfach austauschen lassen. Nachdem die ersten Tests im Familienkreis bestanden wurden, meldeten die Gründer die Idee zum Patent an und brachten Shavent auf den Markt. „Unser Produkt ist ‚designed in Italy‘ und ‚made in Germany‘. Es findet bei unseren Kunden großen Anklang, wir kommen mit unseren Bestellungen kaum hinterher und sogar nach Japan hat es Shavent schon geschafft. Wir könnten dringend Löwen-Unterstützung gebrauchen, um unseren Bestellungen Herr zu werden“, erklärte Lindenberg. Acht Prozent für 220.000 Euro bot das Gründer-Duo den Investoren an.

Rasierte Löwen

Nach einem angenehm harmonischen und klaren Pitch lobten die Löwen das Design und das Gefühl beim Halten von Shavent. Beauty-Queen Judith Williams legte gleich Hand an und rasierte ihren Arm, während LEH-Experte Ralf Dümmel sein linkes Bein enthaarte. Auch Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg erprobte Shavent auf Knöchelhöhe und lobte das Produkt.

Multi-Investor Carsten Maschmeyer erfuhr, dass das Team bisher 215.000 Euro Umsatz gemacht hatte und dabei bereits profitabel war. Mit geplanten 1,9 Millionen fürs nächste Jahr. Der Löwe hielt jedoch die Bewertung zu hoch, zudem wäre er überzeugter Trockenrasierer.

Das Bieten beginnt

Danach ging es darum, ob e-Commerce oder eine Handelslistung der Weg für das Startup wäre. Während Williams und Rosberg für den digitalen Weg plädierten, warb Dümmel für das direkte Erlebnis des „Anfassens“ von Shavent.

Familien-Investorin Dagmar Wöhrl stieg zwischenzeitlich aus, als das große Buhlen begann. Williams argumentierte damit, dass die Gründer unbedingt Kosmetik (Rasierschaum etwa) in ihrem Sortiment bräuchten, um den Kunden immer wieder zur Rückkehr zu bringen. Ihr Rasierer wäre ja fürs ganze Leben gedacht. Daher bot sie gemeinsam mit Rosberg – Online-Verkauf als den richtigen Weg im Hinterkopf – 220.000 Euro für insgesamt 20 Prozent Beteiligung.

Neues Angebot

Dümmel nannte das Produkt den „absoluten Wahnsinn“ und meinte, man müsse den Rasierer spüren. Er bot 220.000 für 15 Prozent. Seidel und Lindenberg zogen sich zurück, während das vorige Löwen-Duo diskutierte und mit einem neuen Angebot auf die Rückkehr wartete. Nach dieser boten Williams und Rosberg zweimal acht Prozent für 220.000 Euro. Das erforderte eine neue Beratung. Und mündete darin, dass die Shavent-Gründer beiden Investoren 7,5 Prozent anboten. Deal für Shavent mit der Kosmetikfee und dem Rennweltmeister.

Löwenkinder in der „Höhle der Löwen“

Simone Hilble, Tochter eines Heilpraktikers, war die zweite in der „Höhle der Löwen“. Die 34-Jährige war schon immer mit der Natur und ihren heilenden Kräften verbunden. „Mein Interesse an der heilenden Wirkung von Kräutern kam mir bei einem Schlüsselerlebnis, das ich vor vier Jahren mit meiner Tochter hatte, zugute. Deswegen gibt es jetzt Löwenkind“, erklärte sie.

Als ihr weiblicher Sprössling einst mit einer Erkältung im Bett lag, legte sie ein Lavendel-Kräutersäckchen neben das Kopfkissen und war erstaunt über die positive Wirkung. Da sich das Kind im Schlaf jedoch viel bewegte, suchte Hilble nach einer Lösung für ihre Tochter, damit sie sowohl nachts als auch tagsüber von der Wirkung der Kräuter profitieren könne. Das Ergebnis: Eine Produktkombination zwischen einem Body und Heilkräuterpads, die bei den unterschiedlichen Kinder-Wehwehchen eigesetzt werden können.

Körperwärme aktiviert Kräuter

Der Body besteht aus 100 Prozent Bio-Baumwolle und einer speziellen Brusttasche, in der das Pad eingelegt werden kann. „So befindet es sich im perfekten Abstand zu den Atemwegen. Durch die Körperwärme des Kindes wird der Duft der Kräuter aktiviert und ganz natürlich über die Atemwege aufgenommen – ob beim Spielen, Schlafen oder Autofahren“, so die Gründerin weiter.

Löwenkind
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Simone Hilble aus Laupheim hat mit Löwenkind Kräuterpads für Kinder entwickelt, die man in den Body stecken kann.

Das Löwenkind-Sortiment umfasst verschiedene Kräutermischungen, wie z.B. „Gute-Nacht“, „Rotznäschen“ oder „Wonnebäuchlein“. Diese sollen bei typischen Leiden wie Schlafproblemen, Bauchschmerzen, Schnupfen, Zahnen, Reiseübelkeit oder innerer Unruhe Babys und Kleinkinder unterstützen.

Skalierung benötigt Löwen

Neben dem Body gibt es zusätzlich ein Halstuch mit integrierter Tasche, das für größere Kinder und Erwachsene geeignet sei. Bei der Umsetzung ihrer Produktideen wurde die gelernte Büro- und Hotelkauffrau von ihrem Vater und einer Apothekerin unterstützt. Bisher wird Löwenkind über die eigene Website verkauft, doch zukünftig möchte Simone Hilble neue Vertriebswege erschließen. Ihre Forderung: 130.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Konkurrenz zu „Aspuraclip“?

Die Gründer betonten, dass sie bisher 11.000 Sets zu rund 41 Euro verkauft hätten – ohne Marketing. Danach stand Maschmeyer auf und traf sich mit Dümmel. Wöhrl fühlte bei Konzernchef Nils Glagau nach, der sich aber noch unsicher gab. Williams sah das Produkt als zu nischig an und ging ohne Angebot. Anschließend lobte Maschmeyer Löwenkind und erzählte, er sei bereits mit Dümmel an Aspuraclip, dem „kleinsten Inhalator der Welt“, beteiligt, die ebenfalls mit Kräutern arbeiten würden. Beide Investoren sahen Löwenkind jedoch als Konkurrenz und gingen ohne Offerte.

Wöhrl war hin- und hergerissen, erhob sich und überlegte. Sie fasste einen Entschluss und bot 130.000 Euro für 25 Prozent. Glagau zeigte sich ebenfalls überzeugt, hatte nette Worte für die Gründerin über und wollte auch mit 130.000 Euro für 25 Prozent einsteigen. Den Deal mit Löwenkind erhielt jedoch Wöhrl.

Spaß mit Bällen in der „Höhle der Löwen“

Der nächste Teilnehmer der „Höhle der Löwen“ war Markos Kern. Der Gründer von Lymb.iO, vormals Fun with Balls, erklärte im Studio: „Wir wollen die Menschen so richtig zum Schwitzen bekommen und das mit jeder Menge Spaß.“

Lymb.iO, Fun with balls
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Investor Nils Glagau (r.) neim Testen von Lymb.iO von Markos Kern (l.) und Ben Piltz.

Der 38-Jährige kann er auf ein bewegtes Leben zurückblicken: Mit 20 Jahren gründete er seine erste eigene Firma, hat viele Events auf der ganzen Welt veranstaltet, Clubs in China designt, die erste Surfschule Nordkoreas gegründet und Kunstaktionen in der Antarktis durchgeführt.

Mehr Bewegung erwünscht

„Markos ist garantiert der aktivste Mensch, den ich jemals kennengelernt habe. Was er zu viel hat, haben viele Leute heutzutage zu wenig – nämlich Bewegung“, ergänzte CTO Ben Piltz. „Nicht erst seit der Corona-Pandemie steigen die Zahlen der inaktiven und übergewichtigen Menschen. Das möchten wir ändern und zu mehr Bewegung motivieren.“

Vor einigen Jahren haben sie MultiBall auf den Markt gebracht – eine 3×4 Meter große Touchwall für verschiedene Spiele und professionelles Training, wodurch Computerspiele mit echtem Sport verbunden werden. Ihre Systeme konnten sie bisher im B2B-Bereich in 30 Länder verkaufen, doch dann kam Corona und vor allem die Umsätze im Hotel- und Fitnesssegment brachen ein.

Kleine Version für Daheim

„Wir haben die Zeit genutzt, um uns einer Idee zu widmen. Das relativ große MultiBall wollten wir so klein schrumpfen, dass es in jedes Wohnzimmer passt“, erklärte Kern. Mit Lymb.iO präsentierten sie den Löwen nun als Prototyp ihre 3D-Spielekonsole, die zusammen mit einem Projektor Wände zu einer interaktiven Spielfläche wandelt. „Unser eigenes Sensorsystem tastet die ganze Wand ab und die Motion-Tracking-Kamera erkennt die Spieler vor der Wand.“

Aktuell beinhaltet das System 35 verschiedene Games für Spiel- und Sportanwendungen. Das Startup hatte bisher über zwei Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Für den Ausbau der Software und Marketingmaßnahmen benötigten Kern und Pilz 1,6 Millionen Euro und boten den Löwen dafür zehn Prozent ihrer Firmenanteile an.

Spielende Löwen

Nach dem Pitch führte Piltz ein Spiel vor, in dem man mit einem weichen Ball auf der Wand erscheinende Bomben treffen musste, um sie zu „entschärfen“. Williams war die Erste, die das Produkt ausprobieren wollte, da sie bis dato noch nie ein Computerspiel gespielt habe. Dies sah man ihr an. Danach kam Rosberg und auch Glagau versuchte sich an der Wand. Allen drei Investor:innen schien es Spaß zu machen, man merkte auch, dass das Gerät nicht bloß zum Spielen, sondern auch für die Fitness geschaffen wurde. Die Löwen keuchten nach dem Training.

Maschmeyer drängt auf Ende des Auftritts

Da das Startup direkt vor Corona 1,4 Millionen Euro Umsatz aufweisen konnte, im Pandemiejahr aber auf 810.000 Euro fiel, meinte Maschemeyer, dass sie zu den aufgerufenen Konditionen keinen Deal erhalten würden. Der Investor wurde ziemlich forsch und fragte, ob denn überhaupt jemand hier ein Angebot machen wollen würde. Sonst würde er sagen, „Wir sind raus“.

Dies wirkte: Nach dieser direkten Absage, stimmte ihm Williams zu. Rosberg nannte die Idee phänomenal, berief sich aber auch auf den Fehler der hohen Bewertung. Der Rest ließ nicht lange auf sich warten: Wöhrl und Glagau blieben auch ohne Offerte. Kein Deal für Lymb.iO.

Digitale Form der Visitenkarte in der „Höhle der Löwen“

Davis Zöllner (17) und Berkay Cankiran (18) gehören zu den jüngsten Gründern Hamburgs und präsentieren den Löwen mit MyTaag eine digitale Form des Kontaktaustausches. Denn, weltweit werden jährlich zehn Milliarden Visitenkarten gedruckt, doch Daten wie Mobilnummer und E-Mail-Adressen müssen immer noch zum Abspeichern in den eigenen Kontaktdaten abgetippt werden, erklärten die Junggründer.

Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Davis Zöllner (l.) und Berkay Cankiran erfanden MyTaag, eine Software für NFC-Visitenkarten.

„Das ist völlig unnötig. Die Kontaktdaten ändern sich mit der Zeit und es werden Unmengen an Papier verschwendet“, wusste Cankiran zu berichten. „80 Prozent der verteilten Visitenkarten werden nach wenigen Tagen wieder weggeschmissen.“

SM-Verlinkungen möglich

Die Lösung: MyTaag – eine digitale Form der Visitenkarte, mit der man alle gewünschten Kontaktinformationen innerhalb von kürzester Zeit teilen kann. „Dafür geht man einfach auf unsere Website, bestellt sich seine eigene Taag-Card und nach Erhalt der Karte muss man mit seinem Handy nur den QR-Code scannen und kann auf der Einrichtungsseite alle gewünschten Kontaktdaten hinterlegen”, erklärte Zöllner den Löwen. „Das Besondere daran ist, dass man auch alle seine Social-Media-Pofile verlinken und seine Kontaktinformationen jederzeit selbst bearbeiten kann.“

Wenn man sein Handy mit dem Taag oder der Karte an das Smartphone vom Gegenüber hält, erfolgt unmittelbar die Datenübertragung und das Gegenüber kann Informationen wie Name, Telefonnummer, Adresse oder Standort in der Kontaktliste seines Handys abspeichern.

Endkunden können ihr Produkt über ihren Webshop erwerben, zukünftig möchten die Beiden ihren Fokus aber auf den B2B-Bereich legen und haben für Firmenkunden eine spezielle Software entwickelt. Um ihre Vertriebs- und Marketingmaßnahmen auszubauen, benötigten Zöllner und Cankiran 50.000 Euro und boten 30 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Big Brother?

Nach dem Pitch zeigten sich die Löwen von den jungen Männern schwer beeindruckt. Allerdings rief ihr Geschäftsmodell Zweifel auf: Firmen würden für Taag fünf Euro pro Mitarbeiter bezahlen, dafür für drei Monate ein eigenes Company-Dashboard erhalten – mit Features, sodass die Personalabteilung alles verwalten könne. Danach müssten Firmen bei gewünschter Fortsetzung einen Euro pro User im Monat zahlen.

Es waren nicht die Preise, die Wöhrl und Maschmeyer aufhorchen ließen, sondern eine mögliche Kontrolle, wie oft ein Mitarbeiter seine digitale Visitenkarte weitergeben würde. Das könnte Druck auf Mitarbeiter erzeugen. Das Gegenargument der jungen Männer lautete, man könne sich auch nur anzeigen lassen, wieviel Papier und Geld man gespart habe. Ohne mehr Daten zu sehen.

Gründer vor Gericht

Williams sah in der Idee keinen Business-Case und stieg aus. Danach mussten die Gründer erklären, warum es zwischen den ersten 3.000 Euro Umsatz und den letzten 1.000 eine mehrmonatige Pause gab. Zöllner erklärte, dass er unter anderem vor Gericht darum kämpfen musste, um seine volle Geschäftsfähigkeit durchzusetzen. Was er auch geschafft habe.

Dümmel war der erste, der ohne Angebot blieb. Rosberg wollte Kunde werden, ging aber auch. Wöhrl bewunderte den Mut und das Know-how der beiden, wollte jedoch auch nicht investieren. Sie könne wenig helfen. Maschmeyer rügte seine Kollegen, die nicht an die Idee glaubten und bot die gewünschte Summe. Deal für Taag.

120 Liter in zehn Minuten

Die beiden Gründer Karsten Gaedke und Alexander Schulze präsentierten in der „Höhle der Löwen“ ihre Erfindung bluegreen, einen Aufsatz für die Dusche, mit dem man bis zu 50 Prozent Wasser einsparen können soll. Schulze selbst liebt es, unter der Dusche zu entspannen, doch der Verbrauch von 120 Litern in zehn Minuten hatte den 39-Jährigen schockiert.

Höhle der Löwen, bluegreen, puregreen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Alexander Schulze und Karsten Gaedke (l.) zeigten den Löwen den Dusch-Wassersparer bluegreen, der später in puregreen umbenannt wurde.

„Das sind 43.000 Liter Wasser pro Jahr nur allein für mich. So verschwenderisch wollte ich nicht sein, aber auf meine ausgedehnten Duschen wollte ich auch nicht verzichten“, sagte er. Und so kam Karsten Gaedke ins Spiel, der seit zehn Jahren im Sanitärhandel tätig war, und wusste, dass es zwar bereits Wassersparer für die Dusche gebe, doch jene lediglich die Durchflussmenge reduzieren würden. Und damit auch den Wasserdruck.

Wasserverwirbelung

Mit bluegreen (nach der Sendung in puregreen umbenannt) soll sich das ändern. Der genormte Wassersparer wird zwischen Armatur und Duschschlauch angebracht. Durch den entstehenden Unterdruck wird durch eine kleine Öffnung an der Seite Luft angesaugt, mit dem Wasser verwirbelt und das Wasservolumen durch die Luft vergrößert.

„Das hört sich relativ kompliziert an. Aber denken Sie an Mousse au Chocolat. Das Wasser wird fluffig und angenehm weich“, erklärte Gaedke den Löwen. Mit bluegreen soll nicht nur rund 50 Prozent weniger Wasser verbraucht werden, sondern die Nutzer damit auch Geld einsparen. Die Forderung: 100.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Die Sauer-Löwen

Bisher wurden von bluegreen 550 Stück verkauft, bei einem Preis von knapp 30 Euro. Dies ließ Medien-Profi Georg Kofler und Maschmeyer am Committment der Gründer zweifeln. Das Argument der Pitcher, dass sie sich zwei Jahre nicht um ihr Geschäft kümmern hätten können, ließ der Multi-Investor nicht gelten und wurde zur Absage. Der Südtiroler sprach ähnlich genervt und ging mit den Worten „eine Zumutung“ ohne Angebot.

Danach erfuhr man, dass die Founder im ersten Jahr über zwei, im zweiten neun und im dritten Jahr rund 30 Millionen Euro an Umsatz kalkuliert hätten – wenn ein Löwe einsteigen würde.

Ein etwas anderer Löwe

Glagau lobte die Idee zwar, sah aber kein Feuer in den Gründern brennen. Auch er blieb ohne Angebot. Dann kam die letzte Hoffnung: Ralf Dümmel. Ein Löwe, der oft Dinge anders sieht als sein Rudel. So auch diesmal. Er fand das Produkt sensationell. Auch das Thema „Wasser sparen“ wäre immens wichtig. Er bot 100.000 Euro für 30 Prozent.

Der Handelsexperte bekam danach in Wöhrl sogar noch Konkurrenz. Sie warb damit, ihre Hotels auszustatten und bot ebenfalls 100.000 Euro, allerdings für 25 Prozent. Nach einer längeren Beratung kehrte das Duo zurück und nahm Dümmel mit ins Boot. Deal für bluegreen.

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USB-Stick Erfinder Dov Moran im Interview. (c) LinkedIn/Dov Moran

Mit der Gründung von M-Systems und der Erfindung des USB-Flash-Laufwerks sowie revolutionärer Speicherlösungen schrieb der israelische Halbleiter-Pionier Dov Moran Technologiegeschichte, bevor er sein Unternehmen für rund 1,6 Milliarden US-Dollar an SanDisk verkaufte. Heute lenkt er als Managing Partner beim Deep-Tech-Fonds Grove Ventures als einer der angesehensten Tech-Investoren Israels die Zukunft von KI, Halbleitern, Cloud-Infrastruktur und digitaler Gesundheit.

Der Tech-Pionier und Investor erklärt im Interview, dass im aktuellen KI-Boom vor allem die physische Infrastruktur entscheidend ist und sich Europa statt auf Defense-Tech auf Nischen wie Quantentechnologie konzentrieren sollte. Darüber hinaus empfiehlt er staatliche Unternehmensbeteiligungen nach taiwanesischem Vorbild sowie eine Kultur, die echten Gründergeist und Mut zum Risiko fördert.

brutkasten: Sie haben geholfen, mit dem USB-Flash-Laufwerk eine der am weitesten verbreiteten Technologien der Welt zu erfinden. Wenn Sie zurückblicken: Was unterscheidet bahnbrechende Innovationen von Technologien, die niemals skalieren?

Dov Moran: Zunächst einmal ist der USB-Stick heute ein totes Produkt. Nur noch sehr wenige Menschen benutzen ihn, aber genau das ist das Wesen von Technologie: Man baut etwas auf, und das dient dann als Fundament für etwas Fortschrittlicheres. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich einen kleinen Teil zu dieser Infrastruktur beitragen konnte.

Bei M-Systems haben wir damals allerdings noch andere Dinge erfunden, die ich für fast noch wichtiger halte, auch wenn sie für Endkunden weniger sichtbar waren. Damals gab es zwei Arten von Flash-Speicher: NAND-Flash für reine Daten und NOR-Flash – dominiert von Intel und AMD –, um den Code für das Betriebssystem zu speichern. Das gesamte Marktkonzept sah vor, dass jedes System beide Komponenten benötigt. Wir haben damals eine technologische Lösung gefunden, um den NOR-Flash komplett zu eliminieren und den Code direkt in den NAND-Flash zu integrieren. Unser Weg, dieses Problem zu lösen, hat das NOR-Flash-Geschäft für Intel und AMD grundlegend verändert, aber gleichzeitig in jedem einzelnen Telefon auf der Welt den Platzbedarf reduziert und etwa drei Dollar pro Gerät gespart. Bei rund einer Milliarde produzierten Telefonen pro Jahr haben wir der Welt somit jährlich drei Milliarden Dollar eingespart.

Welche Technologie erinnert Sie heute am meisten an die Anfangstage des Flash-Speichers?

Ich denke, wir sehen derzeit eine grundlegende Wende auf dem Markt – weg von einer rein softwaregetriebenen Welt hin zu einer Welt der Infrastruktur. Marc Andreessen sagte einmal: „Software eats the world.“ Heute geht es jedoch vor allem darum, die richtige Hardware- und Infrastrukturbasis zu schaffen: Wir brauchen die richtigen CPUs, wir müssen das enorme Problem des Energieverbrauchs und der Kühlung lösen und wir müssen Rechenzentren bauen, die deutlich effizienter und effektiver sind.

Was heute an Infrastruktur existiert, kann die weltweite Nachfrage schlichtweg nicht bedienen, wenn bald jeder Mensch KI nutzt, forscht und eigene Agenten baut. Wenn auch nur zehn Prozent der Bevölkerung anfangen, intensiv KI-Agenten zu bauen und zu nutzen, würden unsere heutigen Systeme zusammenbrechen. Die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz steht genau vor solchen fundamentalen technologischen Skalierungsaufgaben.

Alle sprechen über KI. Wo sehen Sie die größten Chancen jenseits der aktuellen KI-Welle beziehungsweise wo sollte sich Europa positionieren?

KI ist eine gewaltige Revolution, die das Leben aller Menschen beeinflussen wird – vom Reinigungspersonal bis hin zum Leiter einer Onkologie-Abteilung, dessen Diagnostik und Behandlungsweisen sich grundlegend verändern werden. Eine so große Transformation bringt natürlich für jeden enorme Chancen mit sich – für Einzelpersonen, Krankenhäuser, das Bildungswesen und für ganze Staaten.

Wenn ein Land wie Österreich entscheidet, in diesen Markt zu investieren, sollte der Fokus auf der Infrastrukturebene oder auf sehr gezielten Nischen liegen, nicht auf reinen Anwendungen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Österreich versuchen sollte, im Bereich Defense Tech zu konkurrieren. Dieser Markt erfordert gewaltige Kapazitäten, riesige Budgets und spezifisches Know-how, wie es in den USA oder aufgrund ständiger Konflikte in Israel und der Ukraine existiert.

Man muss Nischen finden, in denen man wirkliche Wettbewerbsvorteile aufbauen kann. Das könnte zum Beispiel die Quantentechnologie sein, die Kombination aus Gesundheitswesen und KI oder hochentwickelte Sensorik für eine bessere medizinische Überwachung von zu Hause aus.

Israel bringt trotz seines relativ kleinen Marktes kontinuierlich globale Technologie-Champions hervor. Was erklärt diesen Erfolg und wie wird Unternehmertum dort gefördert?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Erfindern, Unternehmern und operativen Managern. Viele Erfinder kommen von Universitäten, aber selbst die beste Erfindung oder das beste Patent scheitert, wenn man nicht weiß, wie man ein Unternehmen führt und skaliert. Ich bin der festen Überzeugung, dass Unternehmertum und Innovation viel früher im Bildungssystem verankert werden müssen – spätestens an den weiterführenden Schulen.

Das Bildungssystem muss weg vom reinen Frontalunterricht und Auswendiglernen, hin zu echter Interaktion, Teamwork und praktischer Projektarbeit. Ich bin selbst Verwaltungsratsmitglied einer 150 Jahre alten jüdischen Schulkette namens ORT. Um den Schülern dieses Denken nahezubringen, habe ich ein Buch über Unternehmer geschrieben, das nach jedem Kapitel Diskussionsfragen aufwirft. Ich beginne darin mit Abraham als dem „ersten jüdischen Unternehmer“, der den Monotheismus erfunden hat.

Im Talmud gibt es die Geschichte, dass Abraham die Götzenstatuen im Laden seines Vaters zerstörte, weil er die Logik dahinter hinterfragte, und danach seine Heimat verließ, um ins Ungewisse nach Israel zu ziehen. Genau das passiert vielen Gründerinnen und Gründern: Sie haben eine Vision, jeder sagt ihnen, dass es unmöglich ist, und sie müssen bereit sein, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, um ihr Ziel zu erreichen. Schüler müssen lernen, solche kritischen Fragen zu diskutieren: Was bedeutet es, ins Ungewisse zu gehen? Ist Unternehmertum immer gut oder birgt es auch Risiken? Diese mentale Vorbereitung ist die Basis für eine Innovationskultur.

Was kann Europa und speziell ein Land wie Österreich von der israelischen Innovationskultur und anderen globalen Vorreitern lernen?

Zunächst einmal können auch wir viel von Europa lernen – zum Beispiel, wie man ein Land so lebenswert und friedlich gestaltet. Was die Förderung von Technologie betrifft, lohnt sich für Europa jedoch ein Blick nach Taiwan, speziell auf das ITRI-Institut (Industrial Technology Research Institute).

Der Staat dort verteilt nicht einfach nur passiv Fördergelder an Unternehmen, was oft nicht der klügste Weg ist. Stattdessen definieren kluge Köpfe alle paar Jahre strategische Zukunftsmärkte. So wurde vor Jahrzehnten entschieden, dass der Bau von Halbleiterwerken entscheidend sein wird, woraufhin man gezielt den Gründer von TSMC aus den USA zurückholte. Heute hängt die gesamte Weltwirtschaft von TSMC ab, was für Taiwan zugleich ein enorm starkes sicherheitspolitisches Instrument ist.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist, wie Staaten investieren: Wenn staatliche Innovationsbehörden Unternehmen mit Kapital unterstützen, sollten sie dafür im Gegenzug auch Unternehmensanteile (Equity) erhalten, anstatt nur verlorene Zuschüsse zu verteilen. Der Staat sollte sich als stiller Gesellschafter beteiligen, sich nicht in das operative Tagesgeschäft einmischen, aber bei einem erfolgreichen Exit sein Geld inklusive Rendite zurückerhalten. So kann ein Staat mit Innovation tatsächlich Geld verdienen, das wieder in das Ökosystem zurückfließen kann.

Welchen Rat würden Sie Gründern geben, die heute in Europa Deep-Tech-Unternehmen aufbauen?

Schauen Sie sich genau an, wer in der aktuellen Marktphase wirklich Geld verdient. Im KI-Bereich verlieren viele Software- und Anwendungsunternehmen derzeit Milliarden, während diejenigen, die die Infrastruktur und Hardware bereitstellen – wie Nvidia oder TSMC als deren Auftragsfertiger –, enorm erfolgreich sind.

Wir erleben eine Wende: Es reicht nicht mehr aus, nur auf reine Software-Anwendungen zu setzen. Die wahren Deep-Tech-Chancen liegen heute in der Lösung fundamentaler physischer und technischer Probleme – sei es bei der Energieeffizienz, der Kühlung von Rechenzentren, fortschrittlichen Halbleitern oder auch in der Weltraumtechnologie (Space Tech). Wenn Sie ein Unternehmen aufbauen, fokussieren Sie sich auf diese harten Infrastruktur- und Technologieprobleme, die die Welt zwingend lösen muss.

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