16.05.2022

Höhle der Löwen: Kofler stürmt wutentbrannt aus dem Studio

Heute gab es in der "Höhle der Löwen", eine Gründerin, die einst angeschossen wurde und einen sehr erzürnten Georg Kofler, der sogar das Studio verließ.
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RTL / Bernd-Michael Maurer - Das Interesse der Löwen an VapoWesp gipfelte in Unstimmigkeiten.

Die ersten in der „Höhle der Löwen“ waren Markus Smarzoch und Andrea Schlumpp. Die Idee zu ihren NiceTarts entstand, als sich das Paar kennenlernte.

Nice Tarts in der „Höhle der Löwen“

Die Gründerin befand sich damals im Lehramts-Referendariat und war regelrecht zuckersüchtig. Smarzoch trainierte für sein Comeback im Profi-Fußball und ernährte sich hingegen komplett clean und nährstoffreich.

„Damit die Beziehung nicht zum Scheitern verurteilt war, fingen wir an, unser eigenes Naschzeug zu entwickeln, das uns beide glücklich macht“, erklärten sie den Löwen. So entstanden die NiceTarts – ungebackene Mini-Tartes aus dem Tiefkühlfach.

Höhle der Löwen, Nice Tarts
RTL / Bernd-Michael Maurer – Markus Smarzoch und Andrea Schlumpp präsentierten mit Naschnatur Superfood-Eispralinen.

Sie bestehen aus einem Mandel-Dattel-Boden mit einer Cremefüllung aus natürlichen Zutaten wie Obst, Nüssen und Superfoods wie Kakao oder Datteln.

Baum pro Packung

NiceTarts gibt es in vier verschiedenen Geschmackssorten, sie sind alle ohne zugesetzten Zucker, vegan sowie plastikneutral verpackt. Pro verkaufter Packung wird zudem noch ein Baum gepflanzt. Um expandieren zu können, benötigten beide 150.000 Euro und boten 20 Prozent an ihrer Firma NaschNatur an.

Carsten Maschmeyer und Georg Kofler versicherten den Gründer:innen, dass sie nicht ohne Angebot das Studio verlassen würden. Ralf Dümmel brach sein Vorhaben, das er seit 2016 aufrecht hielt, nicht in Tiefkühlprodukte zu investieren. Er bot 150.000 Euro für 30 Prozent Beteiligung.

Auch Nils Glagau wollte mitmachen und offerierte sich als Investor mit folgenden Konditionen: 150.000 Euro, ebenfalls für 30 Prozent. Den Deal mit Nice Tarts bekam aber Dümmel.

Mijasi gegen Blaulicht

Isabel Bäring war die nächste in der „Höhle der Löwen“. Sie erklärte: „Damit bin ich früher durch die Straßen geeilt. Heute habe ich ein Produkt, das das Blaulicht filtert.

In ihrem ersten Traumberuf als Polizistin arbeitete die Berlinerin nach ihrer Ausbildung im mittleren Dienst bei der Schutzpolizei und einer Hundertschaft, wechselte anschließend in den gehobenen Dienst, wurde Kommissarin und war zuletzt für das LKA tätig. Doch ihre Karriere beendet sie nach einem Dienstunfall.

Mijasi, Höhle der Löwen
RTL / Bernd-Michael Maurer – Isabel Bäring entwickelte mit Mijasi eine Anti-Blaulicht-Gesichtspflege und erfand sich damit neu.

„Ich wurde angeschossen. Mich traf ein Projektil an der Hand und am Arm, ich hatte Splitterverletzungen im Gesicht“, erklärte sie. Mit Anfang 30 wurde Isabel deshalb frühzeitig pensioniert und stand plötzlich vor einem Neuanfang.

Seit über zehn Jahren beschäftigt sie sich nun mit den Themen Dermatologie bzw. Anti-Aging-Behandlungen und leitet am Berliner Kudamm ihre eigene Praxis für ästhetische Medizin.

Gefahr Blaulicht

Ob Tablet, PC, Smartphone oder Fernseher, die Gründerin weiß, der intensive bläuliche Schein über Stunden soll die Zellen schwächen, die Haut stressen und kann so zu frühzeitiger Hautalterung und Faltenbildung führen. Um dem entgegenzuwirken, hat die gelernte Heilpraktikerin ihr Produkt Mijasi Beautyflash entwickelt – bestehend aus der Wirkstoffkombination Tara-Tanninen und Bio-Sonnenblumensprossen sowie Hyaluronsäure als Feuchtigkeitsspender. Das Fluid ist zu 100 Prozent vegan, frei von Silikonen, Parabenen und künstlichen Farbstoffen.

Neben einem Investment war die Gründerin vor allem auch auf der Suche nach Unterstützung im Bereich Marketing und Vertrieb. Ihr Angebot: 50.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Manchen Löwen war die Idee zu nischig, Nils Glagau nicht. Er wollte für 50.000 Euro 30 Prozent Anteile. Und bekam sie. Deal für Mijasi.

Nivilli: Nagelschuh-Clogs

Der nächste in der „Höhle der Löwen“ war Wilhelm Frank. Er präsentierte den Löwen die Nagelschuh-Clogs Nivilli. Der Gründer und Erfinder ist gelernter Fliesenleger und führt seit über 15 Jahren einen eigenen Meisterbetrieb mit mehreren Mitarbeitern.

Doch etwas war ihm bei seiner Arbeit stets ein Dorn im Auge: das richtige Schuhwerk beim Nivellieren. Bei dem Aufschütten von flüssigen Spachtel- und Nivelliermassen auf dem Boden müssen Handwerker Schuhe tragen, die den Boden nicht direkt berühren – sogenannte Nagelschuhe.

Nivelli
RTL / Bernd-Michael Maurer – Investorin Judith Williams testete den Nagelschuh Nivilli von Wilhelm Frank.

„Die herkömmlichen Tragesohlen werden per Klettverschluss am eigenen Arbeitsschuh angebracht. Sie sind aber schwer anzuziehen, wir knicken darin um und verletzen uns”, beschrieb Frank die Problematik. „Das hat mich so geärgert, dass ich den Nivilli erschaffen habe.“

Clog mit Nägel

Der Kunststoff-Clog ist mit Nägeln an der Sohle ausgestattet, die je nach Bedarf durch verschiedene Nägel ausgetauscht werden können. So könnten Handwerker schnell in die Schuhe schlüpfen, die einen sicheren Halt geben und das Umknicken verhindern sollen.

Er besteht aus veganem PU-Material und kann nach getaner Arbeit mit Wasser abgewaschen werden. Neben dem Nivilli Work bietet der Gründer auch den Nivilli Air an, einen Nagelschuh für den Garten, mit dem sich der Rasen ohne große körperliche Anstrengung belüften lässt, indem man einfach über das Gras spaziert – dem sogenannten Aerifizieren. Das Angebot: 300.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile.

Nach dem Pitch betätigte sich Judith Williams als Bauarbeiterin, Maschmeyer störte sich indes an der hohen Bewertung bei einem geplanten Umsatz von 200.000 Euro. Was der Gründer aber charmant konterte: für die geforderte Summe würde man ja schließlich auch ihn bekommen. Es half nichts. Kein Deal für Nivelli.

Aivy-App als Gamification-Talente-Tool

Spielend leicht Talente erkennen – das wollen die Aivy-Gründer Florian Dyballa (Wirtschaftspsychologe), Boas Bamberger (Psychologe), David Biller (Medieninformatiker) und Arbnor Raci (Informatiker), die als nächste die „Höhle der Löwen“ betraten.

Mit der spielebasierten Karriere-App sollen User:innen auf individuelle Weise ihre Fähigkeiten und Talente entdecken. Sie können durch das Spielen von wissenschaftlich fundierten, psychologischen „Challenges“ ihre Potenziale erkennen und bekommen anschließend ein individuelles Stärkenprofil vorgelegt.

Aivy, Höhle der Löwen
RTL / Bernd-Michael Maurer – (v.l.) David Biller, Arbnor Raci, Florian Dyballs und Boas Bamberger haben mit Aivy eine spielbasierte Karriere-App entwickelt.

Die Spiele sind unterteilt in die Bereiche Interessen, Persönlichkeit und Fähigkeiten. Ein Minispiel dauert jeweils zwei bis drei Minuten und sei deutlich zeitsparender als herkömmliche Testverfahren wie zum Beispiel langwierige Fragebögen.

Aivy erstellt nach der Auswertung ein wissenschaftliches Dokument, das den Bewerbungsunterlagen beigelegt werden kann. Die Unternehmen wiederum können die App innerhalb weniger Minuten auf ihrer Karrierewebsite und im Auswahlprozess integrieren, sodass sie bereits mit der Bewerbung objektive Informationen über die Stärken potenzieller Mitarbeiter:innen gewinnen. So soll auch die Chancengleichheit gefördert werden, denn Angaben wie Alter, Geschlecht oder Herkunft rücken laut Gründern damit in den Hintergrund. Die Forderung: 450.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

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Nach dem Pitch taten sich Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer zusammen. Sie erkannten das Thema als ein zukunftsträchtiges und boten die geforderte Summe für zweimal zehn Prozent. Die Gründer kehrten nach einer kurzen Beratung zurück und boten den Löwen die anfänglichen zehn Prozent Anteile plus an Milestones gekoppelte fünf Prozent.

Anschließend berieten sich Wöhrl und Maschmeyer und stimmten den Bedingungen zu, allerdings für zehn Milestone-Prozente. Deal für Aivy.

Kofler vs Rosberg: Streit in der Löwenhöhle

Den Abschluss der Höhle der Löwen bildeten Claudia und Leslie Eckert. Sie wissen, dass jeder vierte Mensch in Deutschland mit Allergien oder Unverträglichkeiten auf Wespenstiche reagiert. So erging es auch den Gründerinnen – ein entspanntes Essen im Freien war für die Familie nicht möglich.

Chemische Mittel kamen für das Mutter-Tochter-Gespann nicht infrage und Hausmittel wie das Abbrennen von Kaffeepulver zeigten sich oft unpraktisch.

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RTL / Bernd-Michael Maurer – Claudia (r.) und Leslie Eckert fanden mit VapoWesp Fans unter den Löwen.

„Wir haben nie das passende Gefäß gefunden. Das verbrannte Kaffeepulver wird sehr heiß und hat alle unsere Gefäße durchgeschmort oder zersprengt. Außerdem hatten wir nie die Möglichkeit, den aufsteigenden Rauch zu regulieren“, erklärte Leslie das Problem.

Also entwickelten sie mit VapoWesp ihre eigene Lösung. Eine Räucherbox aus Bambus mit einem innenliegenden Gefäß aus Edelstahl, in der Kaffeepulver ganz sicher verglimmen kann und man sich nicht die Hände verbrennt.

VapoWesp reguliert Rauch

Mithilfe eines Drehschiebers soll der aufsteigende Rauch reguliert werden können. Um den unangenehmen Geruch des verbrannten Kaffeepulvers zu verhindern, kann zusätzlich das VapoPulver, das es in drei verschiedenen Sorten gibt, hinzugefügt werden. Die Eckerts boten den Löwen für 75.000 Euro 35 Prozent an ihrer neu zu gründenden GmbH.

Nach dem Pitch kam es zu ungewöhnlichen Vorkommnissen in der Löwenhöhle. Georg Kofler war begeistert und macht ohne jegliche Nachfrage den Gründerinnen das schnellste Angebot in der Geschichte der Sendung.

„Das ist schwäbischer Erfindergeist vom Feinsten. Das ist so überzeugend, ihr beide seid so überzeugend. Ich gebe euch die 75.000 Euro für 35 Prozent“, sagte er.

Doch es sollten weitere Angebote folgen. Ralf Dümmel machte den gleichen Vorschlag wie sein Juroren-Kollege. Nico Rosberg zog sich zurück und meinte, die Gründerinnen wären bei dem einen oder anderen Investor gut aufgehoben. Judith Williams sah ebenfalls viel Potential und offerierte die geforderte Summe, auch für 35 Prozent.

Ein Besuch vom Weltmeister

Während sich Mutter und Tochter nach den Offerten hinter der Bühne berieten, bekamen sie plötzlich Besuch von Formel 1 Weltmeister Rosberg, der den Drang verspürte, seine Meinung mitzuteilen. Was natürlich für verdutze Löwen sorgte.

Während der ehemalige Rennfahrer seine Ansichten mit den Eckerts teilen wollte, folgten ihm eine besorgte Williams und ein besorgter Dümmel. Sie fürchteten einen heimlichen Dealversuch.

Als alle auf ihre Plätze zurückkehrten, sah man bereits, dass Georg Kofler innerlich vor Wut kochte. Seine Frage, ob denn Rosberg außerhalb der „Höhle“ einen Deal machen wollte, beantwortete der Ex-Rennfahrer nicht und meinte grinsend, er würde dazu nichts sagen. Dies machte den südtiroler Medieninvestor noch zorniger. Selbst eine Aufklärung seitens der Gründerinnen konnte die Zorneswogen nicht mehr glätten.

Löwenbuckel

Zwischenzeitlich taten sich Dümmel und Williams zusammen und wollten 40 Prozent haben. Das Löwen-Duo bekam auch den Deal mit VapoWesp. Danach „zündelte“ Carsten Maschmeyer ein wenig und fragte Kofler, was er denn tun würde, um zu erfahren, was Rosberg eigentlich den Gründerinnen gesagt habe.

Jener meinte nur genervt, dass ihm alle erstmal den „Buckel runterrutschen“ könnten, sprach von „Unfairness“, entkabelte sich forsch vom Mikro und verließ abschließend wütend das Studio.

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Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

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