31.05.2021

„Höhle der Löwen“: Gründer bietet Maschmeyer „Economy Class“-Flug ins Silicon Valley

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um langfristige Dauerwellen, ein neuartiges Hundehalsband und Früchten aus Südamerika. Zudem präsentierten zwei Gründer einen elektronischen Messerschärfer, während andere in ein langes Verhandlungsduell mit einem Löwen einstiegen. Und dabei ein ungewöhnliches Angebot machten.
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DHDL, Höhle der Löwen, Lambus, Reise-App
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Lambus-Gründer Anja Niehoff und Hans Knöchel lieferten sich mit Carsten Maschmeyer ein kleines Verhandlungs-Duell
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Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – waren Hans Knöchel und Partnerin Anja Niehoff. Den Gründer lockte einst ein Job nach Nordkalifornien, exakt ins Silicon Valley, wo er auch viel Besuch von seiner Familie und seinen Freunden bekam. Er merkte: „Während das Reisen immer schön war, war die Reiseplanung immer der stressige Part“, erklärte er den Löwen. Deswegen hat Knöchel Lambus entwickelt: eine All-in-One Reise-App. Buchungsbestätigungen, Routenhighlights, Fotos und Reisekosten gibt es auf einen Blick. Das Reisen in der Gruppe soll so einfacher werden und alle wichtigen Dokumente sind mit einem Klick abrufbar. „Wir haben eine Plattform erschaffen, die übersichtlich, einfach und vor allem digital ist”, erklärte der Informatiker im Studio. Mit der Hilfe einer Investorin oder eines Investors wollten die Founder ein deutsches Startup zu einem Global Player machen. Ihr Angebot: 500.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile.

Kein Business-Plan

Nach der Demonstration der Funktionsweise, inklusive der Planung von Ausflügen und Organisation der Kosten, meinte Medien-Investor Georg Kofler, das gebe es doch schon. Wo sei der USP? Die Founder argumentierten mit der Einfachheit ihrer App, wo man keine multiplen Accounts brauche. Knöchel und Niehoff punkteten zudem damit, dass sie bereits 55.000 registrierte User hätten, die knapp 50.000 Reisen erstellt hätten. Allerdings erst bei einem Verdienst von 850 Euro. Das Startup mache Profit auf Provisionsbasis von Partnern wie Autoverleihern, konnte aber keine Umsatzpläne fürs nächste Jahr nennen.

Lambus, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Anja Niehoff und Hans Knöchel präsentierten mit Lambus eine All-in-one Reise-Plattform.

Kofler stieg deshalb als erster Löwe aus. Die Bewertung sei zudem zu hoch. Niehoff argumentierte mit gutem Wachstum, was aber auch bei LEH-Profi Ralf Dümmel wenig half. Nachdem auch der zweite Löwe draußen war, attestierte Multi-Investor Maschmeyer den beiden Pitchern hohe Kompetenz, während Familien-Unternehmerin Dagmar Wöhrl meinte, die ganze Reisebranche wäre wegen der Pandemie in einer schwierigen Phase. Auch sie stieg aus.

Harte Verhandlungen und ein Flugticket

Konzernchef Nils Glagau ging darauf als nächster und ließ den Wunsch-Löwen der beiden Gründer über. Knöchel erzählte Maschmeyer von weiteren Funktionen einer geplanten Premium-Version der App, die man zusätzlich monetarisieren könnte. Der letzte mögliche Investor sah allerdings in der Bewertung und Corona zwei Probleme, weshalb er zu einem besonderen Angebot griff.

Die erste Viertel-Million Euro für 25 Prozent – wenn es nach einiger Zeit gut liefe, folge der Rest. Die Gründer kehrten mit einem Gegenangebot zurück. Sie erklärten, dass sie bereits zehn Prozent für eine halbe Million Euro abgelehnt hätten, weil sie den Löwen-Bonus sehr schätzen würden. Mehr als 15 Prozent Abgabe ginge aber nicht. Der Investor ließ sich auf 20 Prozent Beteiligung runterverhandeln, erhielt aber danach noch eine weitere Offerte. 17,5 Prozent plus ein bezahlter Flug von Knöchel ins Silicon Valley – Economy Class. Maschmeyer ließ nach kurzem Amüsement über das ungewöhnliche Angebot nicht locker und sprach dann von 18,8 Prozent, die er gern hätte. Woraufhin der Gründer charmant 18 Prozent ins Spiel brachte. Deal für Lambus.

Das Hundeleinen-Problem

Das Ehepaar Walburga und Reto Falkenberg waren die nächsten in der „Höhle der Löwen“. Die Gründer lassen gern ihre beiden Hunde frei laufen. Doch gibt es immer wieder Situationen, in denen sie ihre Tiere an die Leine nehmen müssen, etwa wenn sie eine Straße überqueren, wenn ihnen ängstliche Passanten begegnen oder ein Auto oder Fahrrad vorbeikommt. „Doch wie kann man dann seinen Hund sicher und schnell anleinen?”, stellte Walburga die rhetorische Frage, die sie zur Gründung von WowWow gebracht habe.

Ausziehbare Hundeleine in der „Höhle der Löwen“

Im Normalfall hätten Hundebesitzer die Leine meistens um die Schulter hängend, wo dann in Notsituationen nur ein schneller Griff in das Hundehalsband helfe. Das würde für den Vierbeiner entweder einen plötzlichen Ruck am Hals oder sogar eine Würgesituation bedeuten. Mit WowWow stellten sie dafür eine neue Lösung vor: ein Halsband, in dem eine Leine integriert ist. Sie kann bei Bedarf ausgezogen werden und nach Gebrauch wieder im Halsband verschwinden. „Das Funktionsteil ist aus faserverstärktem Kunststoff hergestellt. Im Innern befindet sich ein Federmechanismus, der eine 43 Zentimeter lange Leine automatisch aufwickelt. Die Leine ist zwar dünn, hält aber Kräften von 400 Kilogramm stand“, erklärte der Founder. Um die Produktionskosten zu senken, brauchten sie 120.000 Euro und waren bereit 25 Prozent der Firmenanteile abzugeben.

WowWow, Hundehalsband, integrierte Leine, Hundeleine, DHDL
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Walburga und Reto Falkenberg aus Rosengarten erfanden mit WowWow“ ein Halsband mit integrierter Leine.

Neben der Standard-Version gibt es noch eine Pro-Variante des Halsbandes, an der man eine eigene Leine befestigen könnte. Nach der Vorstellung ging es kurz um den Preis von 129 Euro für WowWow, den Beauty-Queen Judith Williams als nicht so drastisch sah, wie ihre Sitzkollegen. Dümmel stieg aus Konkurrenzgründen als erster aus, da er bei Goleygo investiert ist. Williams erklärte, Tierprodukte wären nicht ihre Kernkompetenz und ging ebenfalls ohne Angebot.

Löwenkampf

Die beiden Gründer erwischten danach die Löwen emotional mit einer privaten Geschichte, als sie erzählten, dass Walburga ihre eigene Firma wegen einer Krankheit ihrer Tochter verlassen hatte. Und sie beide nach der Gesundung jetzt nur noch das machen, was sie als richtig und wichtig empfänden. Nachdem sich Wöhrl und Glagau daraufhin beraten hatten, boten beide 120.000 Euro für 30 Prozent Anteile. Kofler war indes in Stimmung in Konkurrenz zu treten. Er lobte die Gründer und ihre Skills und wollte für 150.000 Euro 25,1 Prozent Beteiligung. Und musste sich „ärgern“, dass seine Vorredner ihren Vorschlag nachbesserten: 150.000 Euro für 30 Prozent so das neue Doppel-Angebot. Die Gründer entschieden sich für das Investoren-Duo. Deal für WowWow.

Der deutsche Erfinderkopf

Milko Grieger war der nächste in der „Höhle der Löwen“. Der selbständige Friseurmeister wollte den Löwen quasi „die perfekte Welle“ zeigen: Es war das Jahr 1906, als ein deutscher Friseur das System der Dauerwelle erfunden habe. Der Style von Karl Ludwig Nessler hat sich über die Jahrzehnte weiterentwickelt, aber ein Ziel blieb gleich: „Egal wo ich als Hairstylist gearbeitet habe – ob für große Modemagazine, Fashionweeks, große Werbespots, selbst in meinem eigenen Salon – der Wunsch meiner Auftraggeber und Kundinnen war immer der gleiche: natürlich gewelltes Haar“, erklärte Grieger.

Beach Waves

Bisher hat der 32-Jährige den Look mit Lockenstab, Glätteisen und Haarwickler erzielt, aber der hielt nur bis zur nächsten Haarwäsche. Um natürlich gewelltes Haar dauerhaft zu ermöglichen, hat der Gründer den Wavewinder entwickelt. Mit dem Friseur-Tool sollen sich mühelos und permanente „Beach Waves“ erzeugen lassen. Dazu werden die nassen Haarsträhnen in den Wavewinder entsprechend der Form „eingelegt“ und eine Dauerwellenflüssigkeit sowie ein Fixiermittel hinzugefügt. „Die Kundin kann selbst für sich entscheiden, wie sie ihre Haare an dem Tag tragen möchte. Wenn sie wie gewohnt ihre Haare glatt haben möchte, dann föhnt sie sich einfach trocken. Mit ein bisschen Wasser oder einem feuchtigkeitsspendenden Produkt werden die Haare geknetet und die Wellen kommen zurück“, so der Friseurmeister über die Vorteile. Unterstützung brauchte Grieger im Marketing und Vertrieb und bot 15 Prozent seiner Firmenanteile für 150.000 Euro an.

Höhle der Löwen, Wavebinder
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Milko Grieger und sein Wavewinder, ein Tool für permanente Beach Waves.

Der Gründer führte mithilfe seiner Vorführmodelle Hannah und Sonja die genaue Handhabung und auch das fertige Ergebnis vor. Nachdem Grieger erklärt hatte, dass die Haarbehandlung mit Wavebinder weniger schädlich als bei einem Lockenwickler wäre, sprach er von einem Verkaufspreis eines Sets mit 48 Stück und 24 Clips des Friseurprodukts von knapp 400 Euro, bei Produktionskosten von knapp zwölf Euro.

Höhle der Löwen-Juror: „Gründer kein Ganove“

Diese große Marge freute einerseits die Investoren, andererseits meinte Dümmel, ob es denn nicht günstiger besser wäre. Grieger erzählte, dass er bereits 150.000 Euro in unter anderem eine Spritzgussmaschine gesteckt habe, was den Löwen dazu brachte, den Gründer in Schutz zu nehmen. Er sei bei dieser preislichen Gestaltung kein Ganove, da er Werkzeugkosten einrechnen müsse. Kofler fand den Innovationsgedanken des Founders erfrischend, wolle aber nicht in B2B investieren.

Auch für Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg war der Friseur-Bereich der falsche, während Wöhrl meinte, sie sehe kein Business im Produkt. Maschmeyer und Dümmel waren trotz großem Lob auch keine Löwen fürs Beauty-Geschäft. Kein Deal für Wavebinder.

Obst aus Ecuador in der „Höhle der Löwen“

Die Vorletzte in der „Höhle der Löwen“ war Paulina Carrera, die für ein Praktikum aus Ecuador nach Deutschland gekommen war. „Dann habe ich mich in das Land und später in meinen Mann Oliver verliebt. Nun leben wir mit unseren drei Kindern glücklich in der Pfalz“, erklärte die Gründerin von Hilli Fruits. „Allerdings gibt es zwei Dinge, die mir aus meiner Heimat sehr fehlen: die Sonne und das unglaublich leckere Obst.“

Vielseitiges Fruchtpüree

Carrera fragte sich, wie sie den vollen Geschmack dieser Früchte nach Deutschland bringen könne. Die Idee: Die reifen Früchte ihrer Heimat frisch zu ernten, ohne Konservierungsstoffe und Zusätze zum Fruchtpüree zu verarbeiten und dann nach Europa bringen. Das Püree sei vielseitig verwendbar, als Smoothies, Cocktails, Saucen, Eis oder Backwaren. 250.000 Euro sind bereits in das Unternehmen geflossen. Für ein Investment von 150.000 Euro bot Carrera 20 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Hilli Fruits
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Paulina Carrera stellt mit Hilli Fruits“ Fruchtpüree aus südamerikanischen Früchten her.

Den kritischen Moment der Kostproben überstand die Gründerin mit überzeugten Löwen, die mit Worten wie „frisch“, „intensiv“ und „fruchtig“ um sich warfen, allerdings bei einem Muffin aus dem Fruchtpüree kleine Abstriche machten. Dümmel hatte mit der Bewertung des bisher umsatzlosen Startups ein Problem bis die Gründerin von einem Auftrag erzählte, der zu 80.000 verkauften Verpackungen mit einem Preis von 2,99 Euro pro Stück führen würde. Zudem würde ihr Businessplan eine Million Euro Gewinn auf das ganze Jahr gerechnet beinhalten.

Das Nachhaltigkeitsproblem

Georg Kofler störte sich an der nicht nachhaltigen Verpackung und dem Transport der Früchte per Schiff. Er stieg aus. Maschmeyer sah einen zu kleinen Innovationsgrad in der Idee und ging ebenso ohne Angebot. Ähnlich dachte Glagau und blieb ebenso ohne Intentionen einzusteigen. Dümmel stimmte seinen Vorgänger zwar zu, Innovation fehle, jedoch würde Hilli Fruits unglaublich gut schmecken. Er bot 150.000 Euro für 25 Prozent Anteile. Auch Wöhrl konnte es als letzte Löwin nicht sein lassen und forderte das Gleiche wie der Handelsexperte. Die Gründerin nahm jedoch Dümmel mit an Board. Deal für Hilli Fruits.

Mit Sensoren Messer schärfen

Der letzte Gründer in der „Höhle der Löwen“ hatte stumpfe Messer – ein alltägliches Problem in Millionen von Küchen – zum Thema. „Zwar gibt es Schleifsteine und –stäbe, doch der Umgang damit ist nicht für jeden praktikabel“, meinte Horst Paetzel: „Für jene, die damit nicht umgehen können, ist die Verletzungsgefahr recht groß. Und bei unsachgemäßer Handhabung können Schäden an dem Messer entstehen“, erklärte der 70-Jährige, der gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Jürgen Dangel auftrat. Beide stellten mit sked ein patentiertes elektronisches Messerschärfgerät in Form eines Messerblocks vor. Sensoren erkennen das mitgelieferte Messer, Keramikpolygone bewegen sich entlang der Messerklinge und schärfen es, ohne dass der ungewollte metallische Abrieb entsteht. So soll die Schärfe des Messers dauerhaft erhalten bleiben. Um eine Löwin oder einen Löwen für sich zu gewinnen, boten sie 20 Prozent ihrer Firmenanteile für 100.000 Euro an.

sked, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Stefan Gregorowius – Die Löwen Georg Kofler (l.) und Ralf Dümmel nahmen den schärfenden Messerblock von sked genau unter die Lupe.

Kofler zeigte sich als Fan scharfer Messer und Schleifsteinen, allerdings sei für ihn der Marktpreis von rund 170 Euro für Block und Messer zu hoch. Die Gründer erklärten, dass es bereits Anfragen aus diversen Ländern gebe, ihr Gerät vertreiben zu wollen. Glagau meinte, die Gründer hätten ihr Produkt nicht zu Ende gedacht. Leute in der Küche würden mehrere Messergrößen brauchen, die man jedoch nicht mit sked schärfen könne. Er und Williams stiegen aus.

Maschmeyer glaubte, dass der sked-Messerblock am Massenmarkt vorbeiginge, auch wenn er als Idee „hochklug“ sei. Dümmel hingegen war total begeistert, meinte aber der Verkaufspreis wäre einfach zu hoch. Als die Gründer Bereitschaft zeigten jenen zu senken, bot der Löwe 100.000 Euro für 30 Prozent. Paetzel und Dangel sagten zu. Deal für sked.

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Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

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