31.05.2021

„Höhle der Löwen“: Gründer bietet Maschmeyer „Economy Class“-Flug ins Silicon Valley

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um langfristige Dauerwellen, ein neuartiges Hundehalsband und Früchten aus Südamerika. Zudem präsentierten zwei Gründer einen elektronischen Messerschärfer, während andere in ein langes Verhandlungsduell mit einem Löwen einstiegen. Und dabei ein ungewöhnliches Angebot machten.
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DHDL, Höhle der Löwen, Lambus, Reise-App
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Lambus-Gründer Anja Niehoff und Hans Knöchel lieferten sich mit Carsten Maschmeyer ein kleines Verhandlungs-Duell
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Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – waren Hans Knöchel und Partnerin Anja Niehoff. Den Gründer lockte einst ein Job nach Nordkalifornien, exakt ins Silicon Valley, wo er auch viel Besuch von seiner Familie und seinen Freunden bekam. Er merkte: „Während das Reisen immer schön war, war die Reiseplanung immer der stressige Part“, erklärte er den Löwen. Deswegen hat Knöchel Lambus entwickelt: eine All-in-One Reise-App. Buchungsbestätigungen, Routenhighlights, Fotos und Reisekosten gibt es auf einen Blick. Das Reisen in der Gruppe soll so einfacher werden und alle wichtigen Dokumente sind mit einem Klick abrufbar. „Wir haben eine Plattform erschaffen, die übersichtlich, einfach und vor allem digital ist”, erklärte der Informatiker im Studio. Mit der Hilfe einer Investorin oder eines Investors wollten die Founder ein deutsches Startup zu einem Global Player machen. Ihr Angebot: 500.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile.

Kein Business-Plan

Nach der Demonstration der Funktionsweise, inklusive der Planung von Ausflügen und Organisation der Kosten, meinte Medien-Investor Georg Kofler, das gebe es doch schon. Wo sei der USP? Die Founder argumentierten mit der Einfachheit ihrer App, wo man keine multiplen Accounts brauche. Knöchel und Niehoff punkteten zudem damit, dass sie bereits 55.000 registrierte User hätten, die knapp 50.000 Reisen erstellt hätten. Allerdings erst bei einem Verdienst von 850 Euro. Das Startup mache Profit auf Provisionsbasis von Partnern wie Autoverleihern, konnte aber keine Umsatzpläne fürs nächste Jahr nennen.

Lambus, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Anja Niehoff und Hans Knöchel präsentierten mit Lambus eine All-in-one Reise-Plattform.

Kofler stieg deshalb als erster Löwe aus. Die Bewertung sei zudem zu hoch. Niehoff argumentierte mit gutem Wachstum, was aber auch bei LEH-Profi Ralf Dümmel wenig half. Nachdem auch der zweite Löwe draußen war, attestierte Multi-Investor Maschmeyer den beiden Pitchern hohe Kompetenz, während Familien-Unternehmerin Dagmar Wöhrl meinte, die ganze Reisebranche wäre wegen der Pandemie in einer schwierigen Phase. Auch sie stieg aus.

Harte Verhandlungen und ein Flugticket

Konzernchef Nils Glagau ging darauf als nächster und ließ den Wunsch-Löwen der beiden Gründer über. Knöchel erzählte Maschmeyer von weiteren Funktionen einer geplanten Premium-Version der App, die man zusätzlich monetarisieren könnte. Der letzte mögliche Investor sah allerdings in der Bewertung und Corona zwei Probleme, weshalb er zu einem besonderen Angebot griff.

Die erste Viertel-Million Euro für 25 Prozent – wenn es nach einiger Zeit gut liefe, folge der Rest. Die Gründer kehrten mit einem Gegenangebot zurück. Sie erklärten, dass sie bereits zehn Prozent für eine halbe Million Euro abgelehnt hätten, weil sie den Löwen-Bonus sehr schätzen würden. Mehr als 15 Prozent Abgabe ginge aber nicht. Der Investor ließ sich auf 20 Prozent Beteiligung runterverhandeln, erhielt aber danach noch eine weitere Offerte. 17,5 Prozent plus ein bezahlter Flug von Knöchel ins Silicon Valley – Economy Class. Maschmeyer ließ nach kurzem Amüsement über das ungewöhnliche Angebot nicht locker und sprach dann von 18,8 Prozent, die er gern hätte. Woraufhin der Gründer charmant 18 Prozent ins Spiel brachte. Deal für Lambus.

Das Hundeleinen-Problem

Das Ehepaar Walburga und Reto Falkenberg waren die nächsten in der „Höhle der Löwen“. Die Gründer lassen gern ihre beiden Hunde frei laufen. Doch gibt es immer wieder Situationen, in denen sie ihre Tiere an die Leine nehmen müssen, etwa wenn sie eine Straße überqueren, wenn ihnen ängstliche Passanten begegnen oder ein Auto oder Fahrrad vorbeikommt. „Doch wie kann man dann seinen Hund sicher und schnell anleinen?”, stellte Walburga die rhetorische Frage, die sie zur Gründung von WowWow gebracht habe.

Ausziehbare Hundeleine in der „Höhle der Löwen“

Im Normalfall hätten Hundebesitzer die Leine meistens um die Schulter hängend, wo dann in Notsituationen nur ein schneller Griff in das Hundehalsband helfe. Das würde für den Vierbeiner entweder einen plötzlichen Ruck am Hals oder sogar eine Würgesituation bedeuten. Mit WowWow stellten sie dafür eine neue Lösung vor: ein Halsband, in dem eine Leine integriert ist. Sie kann bei Bedarf ausgezogen werden und nach Gebrauch wieder im Halsband verschwinden. „Das Funktionsteil ist aus faserverstärktem Kunststoff hergestellt. Im Innern befindet sich ein Federmechanismus, der eine 43 Zentimeter lange Leine automatisch aufwickelt. Die Leine ist zwar dünn, hält aber Kräften von 400 Kilogramm stand“, erklärte der Founder. Um die Produktionskosten zu senken, brauchten sie 120.000 Euro und waren bereit 25 Prozent der Firmenanteile abzugeben.

WowWow, Hundehalsband, integrierte Leine, Hundeleine, DHDL
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Walburga und Reto Falkenberg aus Rosengarten erfanden mit WowWow“ ein Halsband mit integrierter Leine.

Neben der Standard-Version gibt es noch eine Pro-Variante des Halsbandes, an der man eine eigene Leine befestigen könnte. Nach der Vorstellung ging es kurz um den Preis von 129 Euro für WowWow, den Beauty-Queen Judith Williams als nicht so drastisch sah, wie ihre Sitzkollegen. Dümmel stieg aus Konkurrenzgründen als erster aus, da er bei Goleygo investiert ist. Williams erklärte, Tierprodukte wären nicht ihre Kernkompetenz und ging ebenfalls ohne Angebot.

Löwenkampf

Die beiden Gründer erwischten danach die Löwen emotional mit einer privaten Geschichte, als sie erzählten, dass Walburga ihre eigene Firma wegen einer Krankheit ihrer Tochter verlassen hatte. Und sie beide nach der Gesundung jetzt nur noch das machen, was sie als richtig und wichtig empfänden. Nachdem sich Wöhrl und Glagau daraufhin beraten hatten, boten beide 120.000 Euro für 30 Prozent Anteile. Kofler war indes in Stimmung in Konkurrenz zu treten. Er lobte die Gründer und ihre Skills und wollte für 150.000 Euro 25,1 Prozent Beteiligung. Und musste sich „ärgern“, dass seine Vorredner ihren Vorschlag nachbesserten: 150.000 Euro für 30 Prozent so das neue Doppel-Angebot. Die Gründer entschieden sich für das Investoren-Duo. Deal für WowWow.

Der deutsche Erfinderkopf

Milko Grieger war der nächste in der „Höhle der Löwen“. Der selbständige Friseurmeister wollte den Löwen quasi „die perfekte Welle“ zeigen: Es war das Jahr 1906, als ein deutscher Friseur das System der Dauerwelle erfunden habe. Der Style von Karl Ludwig Nessler hat sich über die Jahrzehnte weiterentwickelt, aber ein Ziel blieb gleich: „Egal wo ich als Hairstylist gearbeitet habe – ob für große Modemagazine, Fashionweeks, große Werbespots, selbst in meinem eigenen Salon – der Wunsch meiner Auftraggeber und Kundinnen war immer der gleiche: natürlich gewelltes Haar“, erklärte Grieger.

Beach Waves

Bisher hat der 32-Jährige den Look mit Lockenstab, Glätteisen und Haarwickler erzielt, aber der hielt nur bis zur nächsten Haarwäsche. Um natürlich gewelltes Haar dauerhaft zu ermöglichen, hat der Gründer den Wavewinder entwickelt. Mit dem Friseur-Tool sollen sich mühelos und permanente „Beach Waves“ erzeugen lassen. Dazu werden die nassen Haarsträhnen in den Wavewinder entsprechend der Form „eingelegt“ und eine Dauerwellenflüssigkeit sowie ein Fixiermittel hinzugefügt. „Die Kundin kann selbst für sich entscheiden, wie sie ihre Haare an dem Tag tragen möchte. Wenn sie wie gewohnt ihre Haare glatt haben möchte, dann föhnt sie sich einfach trocken. Mit ein bisschen Wasser oder einem feuchtigkeitsspendenden Produkt werden die Haare geknetet und die Wellen kommen zurück“, so der Friseurmeister über die Vorteile. Unterstützung brauchte Grieger im Marketing und Vertrieb und bot 15 Prozent seiner Firmenanteile für 150.000 Euro an.

Höhle der Löwen, Wavebinder
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Milko Grieger und sein Wavewinder, ein Tool für permanente Beach Waves.

Der Gründer führte mithilfe seiner Vorführmodelle Hannah und Sonja die genaue Handhabung und auch das fertige Ergebnis vor. Nachdem Grieger erklärt hatte, dass die Haarbehandlung mit Wavebinder weniger schädlich als bei einem Lockenwickler wäre, sprach er von einem Verkaufspreis eines Sets mit 48 Stück und 24 Clips des Friseurprodukts von knapp 400 Euro, bei Produktionskosten von knapp zwölf Euro.

Höhle der Löwen-Juror: „Gründer kein Ganove“

Diese große Marge freute einerseits die Investoren, andererseits meinte Dümmel, ob es denn nicht günstiger besser wäre. Grieger erzählte, dass er bereits 150.000 Euro in unter anderem eine Spritzgussmaschine gesteckt habe, was den Löwen dazu brachte, den Gründer in Schutz zu nehmen. Er sei bei dieser preislichen Gestaltung kein Ganove, da er Werkzeugkosten einrechnen müsse. Kofler fand den Innovationsgedanken des Founders erfrischend, wolle aber nicht in B2B investieren.

Auch für Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg war der Friseur-Bereich der falsche, während Wöhrl meinte, sie sehe kein Business im Produkt. Maschmeyer und Dümmel waren trotz großem Lob auch keine Löwen fürs Beauty-Geschäft. Kein Deal für Wavebinder.

Obst aus Ecuador in der „Höhle der Löwen“

Die Vorletzte in der „Höhle der Löwen“ war Paulina Carrera, die für ein Praktikum aus Ecuador nach Deutschland gekommen war. „Dann habe ich mich in das Land und später in meinen Mann Oliver verliebt. Nun leben wir mit unseren drei Kindern glücklich in der Pfalz“, erklärte die Gründerin von Hilli Fruits. „Allerdings gibt es zwei Dinge, die mir aus meiner Heimat sehr fehlen: die Sonne und das unglaublich leckere Obst.“

Vielseitiges Fruchtpüree

Carrera fragte sich, wie sie den vollen Geschmack dieser Früchte nach Deutschland bringen könne. Die Idee: Die reifen Früchte ihrer Heimat frisch zu ernten, ohne Konservierungsstoffe und Zusätze zum Fruchtpüree zu verarbeiten und dann nach Europa bringen. Das Püree sei vielseitig verwendbar, als Smoothies, Cocktails, Saucen, Eis oder Backwaren. 250.000 Euro sind bereits in das Unternehmen geflossen. Für ein Investment von 150.000 Euro bot Carrera 20 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Hilli Fruits
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Paulina Carrera stellt mit Hilli Fruits“ Fruchtpüree aus südamerikanischen Früchten her.

Den kritischen Moment der Kostproben überstand die Gründerin mit überzeugten Löwen, die mit Worten wie „frisch“, „intensiv“ und „fruchtig“ um sich warfen, allerdings bei einem Muffin aus dem Fruchtpüree kleine Abstriche machten. Dümmel hatte mit der Bewertung des bisher umsatzlosen Startups ein Problem bis die Gründerin von einem Auftrag erzählte, der zu 80.000 verkauften Verpackungen mit einem Preis von 2,99 Euro pro Stück führen würde. Zudem würde ihr Businessplan eine Million Euro Gewinn auf das ganze Jahr gerechnet beinhalten.

Das Nachhaltigkeitsproblem

Georg Kofler störte sich an der nicht nachhaltigen Verpackung und dem Transport der Früchte per Schiff. Er stieg aus. Maschmeyer sah einen zu kleinen Innovationsgrad in der Idee und ging ebenso ohne Angebot. Ähnlich dachte Glagau und blieb ebenso ohne Intentionen einzusteigen. Dümmel stimmte seinen Vorgänger zwar zu, Innovation fehle, jedoch würde Hilli Fruits unglaublich gut schmecken. Er bot 150.000 Euro für 25 Prozent Anteile. Auch Wöhrl konnte es als letzte Löwin nicht sein lassen und forderte das Gleiche wie der Handelsexperte. Die Gründerin nahm jedoch Dümmel mit an Board. Deal für Hilli Fruits.

Mit Sensoren Messer schärfen

Der letzte Gründer in der „Höhle der Löwen“ hatte stumpfe Messer – ein alltägliches Problem in Millionen von Küchen – zum Thema. „Zwar gibt es Schleifsteine und –stäbe, doch der Umgang damit ist nicht für jeden praktikabel“, meinte Horst Paetzel: „Für jene, die damit nicht umgehen können, ist die Verletzungsgefahr recht groß. Und bei unsachgemäßer Handhabung können Schäden an dem Messer entstehen“, erklärte der 70-Jährige, der gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Jürgen Dangel auftrat. Beide stellten mit sked ein patentiertes elektronisches Messerschärfgerät in Form eines Messerblocks vor. Sensoren erkennen das mitgelieferte Messer, Keramikpolygone bewegen sich entlang der Messerklinge und schärfen es, ohne dass der ungewollte metallische Abrieb entsteht. So soll die Schärfe des Messers dauerhaft erhalten bleiben. Um eine Löwin oder einen Löwen für sich zu gewinnen, boten sie 20 Prozent ihrer Firmenanteile für 100.000 Euro an.

sked, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Stefan Gregorowius – Die Löwen Georg Kofler (l.) und Ralf Dümmel nahmen den schärfenden Messerblock von sked genau unter die Lupe.

Kofler zeigte sich als Fan scharfer Messer und Schleifsteinen, allerdings sei für ihn der Marktpreis von rund 170 Euro für Block und Messer zu hoch. Die Gründer erklärten, dass es bereits Anfragen aus diversen Ländern gebe, ihr Gerät vertreiben zu wollen. Glagau meinte, die Gründer hätten ihr Produkt nicht zu Ende gedacht. Leute in der Küche würden mehrere Messergrößen brauchen, die man jedoch nicht mit sked schärfen könne. Er und Williams stiegen aus.

Maschmeyer glaubte, dass der sked-Messerblock am Massenmarkt vorbeiginge, auch wenn er als Idee „hochklug“ sei. Dümmel hingegen war total begeistert, meinte aber der Verkaufspreis wäre einfach zu hoch. Als die Gründer Bereitschaft zeigten jenen zu senken, bot der Löwe 100.000 Euro für 30 Prozent. Paetzel und Dangel sagten zu. Deal für sked.

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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