11.10.2021

„Höhle der Löwen“: Gründer bewerten ihr Startup mit 50 Millionen Euro

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" gab es die höchste Forderung der Löwengeschichte, Erdbeer-Currywurst und eine App für kleingedruckte Informationen. Zudem brachte ein Startup einen Löwen dazu, sich telefonisch beraten zu lassen.
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Höhle der Löwen, Scewo Bro
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer -Scewo Bro, ein treppensteigernder Rollstuhl in der "Höhle der Löwen".
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Die erste in der „Höhle der Löwen“ – die immer montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – war Katharina Bickel. Sie hat mit Catlabs ein Unternehmen für nachhaltiges und modernes Katzenzubehör gegründet. Aktuell befindet sich im Sortiment der Katzenspielzeuge die „Kuschelige Katze” und die „Flauschige Fledermaus” – beide Produkte sind aus natürlicher Schafwolle gefertigt und durch die wiederverschließbare Öffnung können frische Duftfüllungen wie natürliche Katzenminze oder Baldrianwurzel eingefüllt werden.

Sozialprojekt in Nepal

„So bleibt das Spielzeug lange interessant, denn die Duftfüllungen wirken euphorisierend auf die Katzen, sind eine schöne Unterhaltung und fördern den Spieltrieb“, zeigte sich die Gründerin überzeugt. „Mit Catlabs“ möchte ich eine attraktive Marke aufbauen, die für modernes Katzenzubehör steht. Allerdings sollen die Produkte nicht nur gut aussehen, sondern auch Gutes tun. Deshalb habe ich mich von Anfang an für eine ethisch korrekte Fertigung entschieden und lasse meine Katzenprodukte in einem sozialen Projekt in Nepal in liebevoller Handarbeit herstellen.“ Für 15 Prozent ihrer Firmenanteile forderte sie ein Investment von 75.000 Euro.

Catlabs, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Katharina Bickel präsentierte den Löwen mit Catlabs nachhaltiges Katzenspielzeug.

Bickel betrat das Studio, ein Babykätzchen eng im Arm anliegend, stellte ihre zwei Produkte vor und ließ die Löwen an ihre Duftnoten schnuppern. Sie berichtete zudem von einem Umsatz von 90.000 Euro. Ihr Entscheid zur Unternehmerin zu werden, hatte sich nach einer schweren Krankheit in den USA entfaltet, als sie rund ein halbes Jahr im Krankenhaus gelegen war.

Die Versicherung Maschmeyer

Multi-Investor Carsten Maschmeyer zeigte sich überzeugt, dass die Gründerin nicht ohne Deal das Studio verlassen würde. Er aber sei gegen Katzenhaare allergisch. Meinte zugleich jedoch, sie solle ihn nochmal ansprechen, sollte kein anderer Löwe oder Löwin einsteigen wollen.

Medienprofi Georg Kofler und LEH-Experte Ralf Dümmel tauschten Blicke und fanden danach einander wieder, um sich heimlich zu beraten. Zwischenzeitlich fühlte Familien-Investorin Dagmar Wöhrl bei Konzernchef Nils Glagau vor, der gleich meinte, das Branding der Gründerin wäre auf der Verpackung zu klein abgebildet.

Dümmel erklärte danach, er sei begeistert, aber um den richtig großen Schritt zu gehen, bräuchte man Partner wie ihn und Social Media Profi Kofler. Jener übernahm das Wort und bot für beide 75.000 Euro für 30 Prozent.

Eine Premiere

Glagau und Wöhrl ließen sich ebenfalls nicht lumpen und offerierten gemeinsam 75.000 Euro, allerdings für 20 Prozent Beteiligung. Nach der Beratung mit einem Mentor kehrte Bickel zurück und sorgte dafür, dass Dümmel und Kofler ihren ersten gemeinsamen Deal der Sendung unter Dach und Fach brachten.

Currywurst-Liebe in der „Höhle der Löwen“

Beim nächsten Teilnehmer der „Höhle der Löwen“ ging es um die Wurst. Seit 2010 steht Marco Peters mit seinem Foodtruck auf Festivals und Großveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen und wurde mit seiner Currywurst zum Geheimtipp. Sein Geheimnis: „Wir lassen unsere Currywurst bei dem örtlichen Metzger in einer hohen Qualität mit regionalem Schweinefleisch produzieren. Dazu eine leckere Currysauce aus Tomaten, Zwiebeln, Gewürzgurken und einer großen Portion Currywurst-Liebe.“

2019 wurde sein Produkt zur „Besten Currywurst in Nordrhein-Westfalen” gewählt und es folgten unzählige Aufträge. Dann allerdings kam die Corona-Pandemie und Peters verlor auf einen Schlag 250 Veranstaltungen: „Das hat uns erst einmal den Boden unter den Füßen weggezogen. Doch als Selbständiger ist Aufgeben keine Option“, sagte er.

Iss doch Wurscht, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Marco Peters packt bei Iss doch Wurscht Currywurst ins Glas.

Mit Iss doch Wurscht hat es der 49-Jährige geschafft, seinen „puren Currywurst-Geschmack“ in ein Glas zu bekommen. Aktuell gibt es seine Kreationen in den Geschmacksrichtungen „Original Duisburger Currywurst mit klassischer Currysoße“, mit „Erdbeer-Currysoße“ und einer „Kürbis-Mango-Soße“. Außerdem bietet er auch eine Veggie-Version an.

„Mit Beginn der Pandemie haben wir nahezu 100 Prozent unserer Einnahmen verloren. Wir können mit unserem Foodtruck seit weit über einem Jahr auf keiner Veranstaltung mehr stehen. Dies war für uns kein Zustand mehr. Wir mussten etwas ändern und haben alles auf eine Karte bzw. auf dieses Glas gesetzt. Für Sie vielleicht nur eine Currywurst im Glas, für uns die Existenz, um die wir gerade kämpfen“, erklärte Peters ernst. Sein Angebot an die Investoren lautete daher: 49.000 Euro für 49 Prozent der Firmenanteile.

Fressende Löwen

Der Gründer hatte während dem Pitch den Löwenhunger geweckt und machte sich danach an die Wildfütterung. Diese gelang fast ausnahmslos mit schmatzenden Investoren und lobenden Worten. Einzig Maschmeyer empfand die Wurst nicht knackig genug.

Dessen Kollegen tauchten jedoch weiterhin in große Schwärmerei über den Geschmack der Currywurst ein. Beauty-Queen Judith Williams meinte, selbst die Veggie-Version würde wie ein echtes Fleischlaibchen schmecken.

Corona-Hilfen noch nicht angekommen

Maschmeyer machte danach Corona-Staatshilfen zum Thema und betonte, dass zwar viel versprochen worden war, aber wenige etwas bekommen hätten. So auch Peters, wie man erfuhr, der bloß eine schriftliche Zusicherung auf finanzielle Hilfe erhalten habe. Ein Softwarefehler habe die Auszahlung verzögert. Auch Banken wären hierbei sehr hart und würden aufgrund des hohen Andrangs an Unternehmern nicht wirklich helfen, erklärte der Gründer und nahm mit seiner ehrlichen Rede über Probleme die Investoren emotional mit.

Nach einem kurzen Intermezzo über diverse Listungen stand Dümmel auf, trat an den Gründer heran und meinte, dessen Geschichte bewege ihn. Er reichte ihm die Hand, bot die gewünschte Summe, Hilfe beim Ausbau und sich als Partner an. Es kam zum symbolischen Handschlag, zu stehendem Applaus für Peters und zum Deal für Iss doch Wurscht.

Der Gartenarbeiter in der „Höhle der Löwen“

Der nächste Pitcher in der „Höhle der Löwen“ hat bereits als Teenager durch Gartenarbeit sein Taschengeld aufgebessert. Später gründete Mike Bökenkröger sein eigenes Unternehmen „Bökenkröger Gartentechnik“.

„Gartenarbeit ist zeitintensiv, schwierig und das Allerschlimmste ist die gebückte Haltung. Das geht natürlich auf die Knochen und den Rücken“, teilte der 45-Jährige den Löwen mit. Mit seiner Leidenschaft für Motoren und seinem Erfindergeist entwickelte er daher eine handgeführte Motorhacke mit einem Schutzring für Nutzpflanzen – dadurch kann man den Boden nah an den Pflanzen kultivieren, ohne dass diese beschädigt werden.

Hackboe
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Mike Bökenkröger erfand mit Hackboe eine handgeführte Motorhacke.

Das Herzstück von Hackboe ist das selbst entwickelte Getriebe. „Ein Innovationsgetriebe, das einzigartig in diesem Bereich ist. Damit haben wir jetzt die Möglichkeit, die hohe Drehzahl von z.B. 7.000 Umdrehungen auf maximal 500 Umdrehungen zu reduzieren. So kann man das Kultivieren der Pflanzen erst möglich machen. Die Unkrautbeseitigung geht ganz einfach und vor allem ohne Chemie“, erklärte der Gründer weiter. Außerdem wurde mit dem Hackboe die sogenannte Steinschlagprüfung bestanden, womit erstmalig die verschiedenen Bürstenaufsätze auch offiziell genutzt werden dürfen. Für den Ausbau der Vertriebs- und Marketingaktivitäten, benötigte Bökenkröger 150.000 Euro und bot 20 Prozent seiner Firmenanteile an.

Nach dem Pitch und einer kurzen Fragerunde, meinte Williams sie könnte dem Gründer ewig zuhören, aber wäre die falsche Partnerin. Maschmeyer als Gartenliebhaber würde zum Kunden werden, wie er preisgab, als VC würde aber nicht investieren. Für Dümmel war der Preis von rund 900 Euro pro Hackboe zu hoch, zudem wäre das Gartengerät nicht „endverbrauchertypisch“. Auch er ging ohne Angebot.

Georg Kofler sinnierte über den Zusatznutzen von Hackboe, sah aber für ihn als „Direct to Consumer“-Investor keinen Investment-Case. Glagau erkannte ebenfalls eine Zielgruppe für Bökenkröger, bei der er nicht helfen könne. Kein Deal für Hackboe.

Die App für Kleingedrucktes

„Wir möchten mehr Sicherheit und Transparenz in den Lebensmittelmarkt bringen“, sprach Victoria Noack als nächste in der „Höhle der Löwen“. Und erklärte: „Rund 24 Millionen Menschen in Deutschland sind aufgrund von Allergien, Unverträglichkeiten oder ihrer Diät auf eine gewisse Ernährung angewiesen. Das ist mehr als jeder Vierte.“

Für die Betroffenen kann der Supermarkt-Einkauf allerdings oft zu einer Herausforderung werden, weiß sie. Die Zutatenliste findet sich zwar kleingedruckt auf den Produkten, doch trotzdem kann es zu Überraschungen kommen. Besonders Allergiker müssen jedes einzelne Produkt genauestens auf ihre Inhaltsstoffe überprüfen.

HealthMe, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Victoria Noack bietet Usern mit HealthMe“ eine Analyse-App für Lebensmittel.

HealthMe, ein digitaler Einkaufsassistent, soll hier Abhilfe schaffen. Über die App geben die Nutzer:innen ihre persönlichen Unverträglichkeiten ein, anschließend wird der Barcode des gewünschten Produkts gescannt und die App gibt direkt Auskunft darüber, ob es verträglich ist. Zeigt die App eine Unverträglichkeit an, werden alternative Produkte empfohlen.

„HealthMe ist nie um eine Antwort verlegen. Die integrierte Datenbank umfasst Millionen von Produkten“, machte die 25-Jährige ihre Erfindung schmackhaft. „Für diese App habe ich mein komplettes Studium-Konto geplündert, um sie zu programmieren. Denn ich wusste, dass sie für viele Menschen eine Hilfe sein kann.“ Ihre Forderung: 250.000 Euro für 17,5 Prozent Beteiligung.

Nach der Vorstellung erklärte Noack, dass eine Freundin der Grund für ihre Idee gewesen wäre. Jene hatte sich, geplagt von vielen Allergien, im Supermarkt stets schwergetan die richtigen Lebensmittel zu finden. Die App kostet rund 3,5 Euro für sechs Monate, bei bisher 2700 Downloads, die die Gründerin nahezu ohne Marketing erreicht habe.

Für Dümmel war das Risiko zu groß sich auf die App einzulassen. Kofler wollte wissen, wieviel Noack an Marketingbudget benötigen würde. Ihre Planung von rund 50.000 Euro schienen ihm zu wenig, deshalb blieb er ohne Angebot. Während auch Williams ausstieg, gesellte sich Maschmeyer zu Glagau und beriet sich zwecks Offerte. Das Ergebnis: Das Duo sah großes Potential in dem Bereich, lobte die Sofort-Diagnostik der App und bot 250.000 Euro für 30 Prozent Beteiligung.

Nach einer kurzen Beratung kehrte die Gründerin mit einem Gegenangebot wieder. Sie wollte beide Löwen mit 26 Prozent ins Startup locken. Deal für HealthMe.

Ein Startup, das 50 Millionen Euro wert ist

Der Abschluss der „Höhle der Löwe“ hatte es in sich. Das Gründer-Trio Thomas Gemperle, Pascal Buholzer und Bernhard Winter präsentierten den Löwen das Produkt Scewo BRO, einen treppensteigenden Elektrorollstuhl. Dafür forderten sie die höchste Investitionssumme in der Geschichte der Sendung: fünf Millionen Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

Das entspricht einer Unternehmensbewertung von 50 Millionen Euro. „Wir haben den wohl coolsten Elektrorollstuhl der Welt entwickelt. Scewo BRO ermöglicht es Rollstuhlfahrern, im Alltag eine riesige Freiheit zu erlangen. Denn er überwindet Grenzen und Hürden, an denen viele andere Rollstühle scheitern“, erklärte Gemperle.

(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Investorin Dagmar Wöhrl probierte den treppensteigenden Elektrorollstuhl von „scewo Bro“ aus.

Zu der größten technischen Innovation des Startups zählt die Treppensteig-Funktion. „Mit dem Scewo BRO haben wir den ersten alltagstauglichen Rollstuhl geschaffen, der selbständig Treppen hoch- und runtersteigen kann“, sagte Winter. „Auf der Treppe selbst ist das Gerät sehr stabil und der Sitz positioniert sich immer waagerecht.“ Über das iPhone oder die Steuerkonsole und den Joystick kann der Rollstuhl gesteuert werden.

Insgesamt stehen fünf verschiedene Modi zur Auswahl, neben dem Treppen- und dem Fahr- auch ein Höhenverstellmodus, der es den Rollstuhlfahrenden ermöglicht, auf Augenhöhe zu sprechen. Diese Modi geben den Benutzer:innen auch die Freiheit, über jedes Gelände zu fahren. Die großen Räder bewältigen den Gründern nach Pflastersteine und Waldwege und das auch ohne Rumpfstabilität. Das Bild der Rückfahrkamera wird automatisch auf der App angezeigt, denn Rollstuhlfahrer:innen können sich oft aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung nicht drehen und rückwärts schauen.

Bis zu 87 Zentimeter nach oben

Und noch einen Wunsch ihrer Kund:innen wolle Scewo BRO erfüllen: „Schon beim alltäglichen Einkauf ist es schwer, an die Produkte im oberen Regalbereich zu kommen. Jedes Mal benötigen sie dabei Hilfe von anderen Leuten. Diese Hilfe bekommen sie jetzt von uns“, schloss Buholzer den Pitch ab. „Denn mit denselben Motoren, die wir bereits für das Treppensteigen benutzen, können wir den Sitz auf bis zu 87 Zentimeter Höhe hochfahren.“ Für den „Tesla unter den Rollstühlen“ machten die Schweizer den Löwen das oben erwähnte und höchste Angebot der Sendungsgeschichte.

Die Vorführung des Rollstuhls sorgte im Studio für großes Staunen und Faszination, besonders als die Gründer zeigten, wie ihre Erfindung Treppen hochsteigt. Als dann auch noch ihre „auf Augenhöhe-Funktion und ihre Supermarkthilfe“ vorgestellt wurden, verglichen die Löwen Scewo mit einer Idee aus einem Science-Fiction-Film.

Die folgende Sprachlosigkeit überwand Dümmel, der durch ein dreimaliges „wow“ seine Begeisterung ausdrückte, während Wöhrl den Rollstuhl gleich ausprobierte. Sie resümierte danach mit den Worten „einfach zu bedienen, dynamisch und sensibel“.

Scewo sollte leistbar sein

Danach brachte Kofler den Preis ins Spiel. Rollstühle sollten ja im sozialen Raum auch einkommensschwachen Menschen zur Verfügung gestellt werden. Die Gründer bejahten dies, meinten, dass es ihr Ziel sei, nicht teurer zu sein, als andere herkömmliche E-Rollstühle mit Treppensteigfunktion. Der übliche Preis für derartige Gerätschaften liege zwischen 26.000 und 36.000 Euro. So auch ihrer. Sie wären bereits mit Krankenkassen in Gesprächen, um eine leistbare Finanzierung für Kunden zu ermöglichen. Über Einzelfallentscheidungen wäre das patentierte Gerät auch bereits komplett finanziert worden.

Dümmel sprach über die große Möglichkeit von Scewo Menschen zu helfen mobiler zu werden. Er aber wolle nicht investieren. Für Dagmar Wöhrl war die geforderte Summe einfach viel zu hoch. Kofler wollte wissen, wie die Gründer auf eine Bewertung von 50 Millionen Euro kämen, bei einem bisherigen Umsatz von bisher rund 466.000 Euro.

Die Gründer argumentierten mit dem Potential, dem Markt und Tausende von eingetrudelten Anfragen. Zudem wollten sie mit ihrer Firma die Mobilität verändern, mit Putzrobotern oder einen „Last Mile“-Delivery-Roboter, sowie eine Light-Version für ältere Rollstuhlfahrer.

Kofler: „Größenwahnsinnig geworden“

Kofler zeigte sich nach diesen Aussagen davon überzeugt, dass die Gründer „größenwahnsinnig“ wären. Aber im konstruktiven Sinne des Wortes. Man könne ruhig dem Weg der Gründer folgen, allerdings würde das fünf bis acht Jahre brauchen, meinte er, bis man dort sei, wo es sich rentiere. Das wäre ihm zu lang.

Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg nannte die Founder Genies, auch die Bewertung wäre zeitgemäß. Er wäre gerne Teil der Reise, aber nicht zu der Forderung. Mit viel Bedauern stieg der ehemalige Rennfahrer aus.

Carsten Maschmeyer hatte sich bis dahin ruhig verhalten. Und überraschte damit, dass er sich einmal telefonisch beraten müsse, wie es sonst Gründer täten. Am Ende holte ihn Kofler etwas ungeduldig zurück und hörte, wie alle anderen im Studio, was sein Kollege zu sagen hatte.

Das Erwachsenwerden der „Höhle der Löwen“

Der Auftritt des Scewo-Teams sei ein Beweis, so der Investor, dass die „Höhle der Löwen“ erwachsen geworden wäre und die „Gründungsszene und Startup-Welt“ vom Feinsten. Die Gründer wären eine Innovationsbombe. Man könne aber auch etwas „zu gut“ machen. Zu viele Funktionen, die alle hervorragend wären“, hätten für einen zu hohen Preis gesorgt. Scewo sei kein Tesla für Rollstühle, sondern ein Rolls-Royce.

Maschmeyer befürchtete, dass es in diesem Segment zu wenige „Luxus-Fahrer“ gebe und stieg aus. Kein Deal für Scewo.

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Tina Ruseva ist Unternehmerin und Autorin und spricht am HR Inside Summit über „Soft Work“ | © Ammy Berent

Wenn KI die standardisierbare Arbeit übernimmt, bleibt für Menschen das, was die Unternehmerin und Autorin Tina Ruseva „Soft Work“ nennt. Sie spricht am HR Inside Summit, der am 14. und 15. Oktober in der Wiener Hofburg stattfindet. Im brutkasten-Interview erklärt sie vorab, warum Kontrolle als Führungsprinzip ausgedient hat und was Unternehmen jetzt verändern müssen.


brutkasten: Sie sprechen am HR Inside Summit über „Soft Work“. Was ist die Kernthese?

Tina Ruseva: Ausgangspunkt ist die Arbeitsteilung, die wir aus der Industrialisierung kennen. Arbeit hatte eine feste Beschreibung, und an der Maschine hatte es keine Bedeutung, wer die Aufgabe übernimmt. Das ist die Hard Work. Maschinen sind genau in solchen Aufgaben sehr gut und werden sie in den nächsten Jahren zum großen Teil übernehmen. In den Bürojobs von heute gibt es aber viele Aufgaben, bei denen man das Endergebnis nicht kennt: Welchen neuen Markt müssen wir erschließen? Wie antworten wir auf eine neue Krise? Diese Aufgaben sind diffuser, deswegen „soft“. Was für uns an Arbeit bleibt, können wir nur dann gut machen, wenn wir das wollen. Effektives Wirtschaften hängt heute von der intrinsischen Motivation der Beteiligten ab.

Ein gutes Beispiel ist der Customer Support. Wenn jemand nur Dienst nach Vorschrift macht und sein Skript abliest, ist diese Person ersetzbar, weil diese Arbeit bald besser von einem Automaten gemacht wird. Wir automatisieren, was wiederholbar ist, und können dann von Mensch zu Mensch klären, was diesmal besonders ist und zum ersten Mal auftritt.

Wer den Begriff hört, denkt sofort an Soft Skills. Wo liegt der Unterschied?

Wir haben Führung sehr lange etwas generisch als Soft Skill abgehakt, also als Kommunikation und persönliche Gespräche. Soft Work ist für mich ein größerer Begriff. Er beschreibt das gesamte Umfeld, in dem sich Führungskraft und Mitarbeitende befinden. Dazu habe ich ein Framework definiert: SOFT steht für Synergien, Offenheit, Fairness und Technologie. Wir müssen wiederholbare Tätigkeiten automatisieren, damit überhaupt Zeit bleibt für all das, was wir heute so gut wie nicht machen.

Wie geht eine Führungskraft vor, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt?

Führung ist eine Frage der Komplexität, deshalb führen wir sehr selten große Teams direkt. Studien sagen, dass ab 2028 rund ein Achtel der Arbeit mit KI-Agenten erledigt wird. Wenn alle meine Mitarbeitenden ihr eigenes digitales Team haben, gibt es unendlich viel mehr Aufgaben und Abstimmungsaufwand. Hinter jedem herzugehen, alles abzuhaken und alles zu kontrollieren, wird einfach unmöglich. Vertrauen, Augenhöhe und Selbstführung sind deshalb kein Wunschdenken, sondern unsere Zukunft. Wir müssen uns jetzt überlegen, wie wir Mitarbeitende befähigen, ihre eigenen digitalen Teams zu kontrollieren. Dazu braucht es auch Technologie.

Gibt es Unternehmen, die das schon anwenden?

Das bekannteste Beispiel unter den deutschen Großkonzernen ist Bosch, weil dort die mittlere Managementebene komplett abgeschafft wird. Dadurch kommt mehr Verantwortung bei den einzelnen Mitarbeitenden an. Ein neueres Beispiel ist Stripe. Das Unternehmen hat sehr viel in KI investiert und fast das gesamte Management-Team abgebaut. Es gibt nur noch Leadership und Teams, und vor allem Ingenieur:innen sollen experimentieren können. Stripe hat in einem Podcast von a16z erzählt, dass es dadurch 200 bis 300 innovative Produkte in einem Jahr auf den Markt bringt.

Allerdings ist KI eine Art Verstärker für die Unternehmenskultur. In einer Muss-Kultur, in der wir nur auf den KPI schauen, bekomme ich durch Automatisierung nur noch schneller mehr vom Gleichen. In Will-Kulturen, in denen alle bereit sind, ihre Ideen preiszugeben und anderen zu helfen, können Automatisierung und KI zu wirklich neuen Ergebnissen führen.

Es geht also nicht mehr darum, erledigte Aufgaben zu messen, sondern die Wirkung?

Von Effizienz zu Effektivität. Heute können wir alle in zehn Sekunden einen LinkedIn-Post rausschießen. Die Anzahl der Posts war sehr lange eine gängige Marketingkennzahl. Die To-do-Liste für die Mitarbeitenden war eine Anzahl von Dingen und nicht deren Qualität. Man schreibt einen Post aber ganz anders, wenn man wirklich Wert darauf legt, dass die Nachricht durchkommt. Das ist der Unterschied zwischen KI-generierten Texten und guten Autor:innen.

Den Begriff New Work gab es schon vor dem KI-Hype. Wie hat sich die Szene verändert?

Der Begriff ist mit der Pandemie explodiert. Viele haben ihn missbraucht, einfach für moderne Führung oder für tolle Büromöbel. Als die Krise kam, wurde das Konzept vielerorts für gescheitert erklärt. Trotzdem ist für alle klar: There is no going back. Wir können nicht mehr so führen wie früher. Dienst nach Vorschrift und Kontrolle verschwenden die Ressourcen von Unternehmen, besonders in der Krise. Gleichzeitig haben wir es mit Menschen zu tun, die Angst um ihre Hypotheken, ihren Status und ihr Büro haben. Da gilt es, eine Lösung nach vorne zu finden. Ob man das Soft Work oder New Work nennt, ist nicht wichtig.

Auch bei uns arbeiten nicht alle gleich schnell mit KI. Wie schafft man Alignment in einer Organisation?

Bisher hieß Alignment: Alle bekommen ihre To-dos, und wenn die erledigt sind, gibt es Alignment. Was wir heute alignen müssen, sind aber keine Pflichtaufgaben mehr. Wofür ich KI nutze, muss ich niemandem erzählen. Ich definiere dafür vier Kriterien. Erstens müssen wir Silos in Synergien umwandeln, also Dialog möglich machen, wo keiner stattfindet. Im Onboarding heißt das, nicht nur eine fertige Checkliste bereitzustellen, sondern auch zu fragen: Was willst du in den ersten zwei Monaten lernen? Wen willst du kennenlernen? Zweitens geht es von Orthodoxie zu Offenheit, weg von „So haben wir das immer gemacht“, zum Beispiel mit einem Mitarbeiterbeirat. Drittens Fairness: Wenn ich weiß, dass ich als Frau immer weniger verdienen werde als ein Mann, kaufe ich dieses Wir irgendwann nicht mehr ab und behalte meine Ideen für mich. Das Allerwichtigste ist Technologie. Ohne sie sind all diese Veränderungen zum Scheitern verurteilt, sobald die zuständige Person andere Prioritäten hat. Technologie macht Regeln und Policies nachhaltig. Wir müssen festlegen: Mit welchem Tool werden die Gehälter erfasst? Wie sammeln wir Kompetenzen? Wie setzen wir digitales Feedback um? Das spart allen Zeit, und diese Zeit haben wir dann dafür, miteinander zu reden.

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