03.05.2021

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um eine alkoholfreie Gin-Alternative, eine smarte Tapezierbürste und westafrikanische Saucen. Zudem ließ ein Startup Pflanzen aus Kalenderseiten wachsen, während eines Sonnenstrahlung maß.
/artikel/hoehle-der-loewen-griss-um-smarte-tapezierbuerste
Höhle der Löwen, SamrtQ
TVNOW / Bernd-Michael Maurer -Michael Heide demonstrierte seine ergonomische Tapezierhilfe.
sponsored

Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – waren Manuela Baron, Orlando Zaddach und Tobias Aufenanger. Die Drei gründeten ihr Startup primoza 2018 mit dem Ziel den klassischen Kalender mit HomeGardening zu verbinden. „Menschen lieben es, wieder selbst aktiv zu werden und ihr eigenes Gemüse zu ernten. Jetzt können sie diese Inspiration auch verschenken“, erklärte Manuela Baron. Der Clou dabei: Ihr Wandkalender enthält Samenpapier mit Bio-Saatgut, das sich direkt einpflanzen lässt. Wissenswertes und Tipps zu den einzelnen Blumen- und Gemüsesorten finden sich auf den Kalenderblättern. Käufer benötigen ein Fenster oder Balkon, ein Topf mit etwas Erde und Wasser.

Zwei Millionen Euro Umsatz

Neben verschiedenen Kalendern bietet primoza auch einpflanzbare Grußkarten, ausgefallenes Bio-Saatgut und Einpflanzhilfen wie Erde, Töpfe & Co. an. In den ersten zwei Jahren hat das Startup über 80.000 Kunden für seine Produkte begeistern können und einen Umsatz von über zwei Millionen Euro erreicht. Das Wachstum soll weitergehen. Dafür benötigte das Trio 300.000 Euro und bot 7,5 Prozent seiner Firmenanteile an.

Nach einem gut strukturierten und klaren Pitch betonten die Gründer, dass sie darauf achten, korrekt zu produzieren. Kurze Lieferwege, Bio-Samen und eine nachhaltige Philosophie wären Teil der Firma. Zudem hätten sie mit ihrer Vertriebsstrategie, naher Kundenkontakt durch Auftreten auf Weihnachtsmärkten großen Erfolg gehabt. Im DACH-Raum gebe es über 3.000 solcher Festivitäten, der Auftritt auf 500 Märkten wären ihr erklärtes Ziel. Der Vorteil dieser Maxime sei besonders, dass man den Kalender direkt erklären könne.

Höhle der Löwen, primoza,
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Orlando Zaddach (l.), Manuela Baron und Tobias Aufenanger haben mit primoza einen Jahreskalender mit Samenblättern entwickelt.

Handelsexperte Ralf Dümmel meinte, dass die Firmenbewertung fair sei, er aber mit 7,5 Prozent Anteilsabgabe nicht zufrieden wäre. Er ging ohne Angebot. Marketing-Experte Georg Kofler fand den Kalender als Geschenk sehr originell. Home-Gardening sei aber nicht sein Bereich. Nach der zweiten Absage verabschiedete sich auch Multi-Investor Carsten Maschmeyer mit Respektbekundungen.

Beauty-Queen Judith Williams ging ebenfalls als potentielle Investorin, da sie nicht für das Produkt brenne. Die letzte Hoffnung, Konzernchef Nils Glagau, sah es ähnlich, wie seine Kollegen. Und blieb auch ohne Angebot. Kein Deal für primoza.

Gourmetsaucen mit einer westafrikanischen Note in der „Höhle der Löwen“

Die nächste in der „Höhle der Löwen“ war N’deye Fall-Kuete (38), Die Hamburgerin wuchs in Togo und an der Elfenbeinküste auf und hat dank ihrer Oma die Leidenschaft für das Kochen entdeckt. Auch als N’deye 2005 nach Deutschland kam, hat sie Gerichte aus der Heimat weiterhin zubereitet.

„Aber auch bei mir gibt es Tage, an denen ich keine Zeit in der Küche verbringen möchte. Deshalb entwickelte ich Ndeyefoods. Gourmetsaucen mit einer westafrikanischen Note”, sagte die gelernte Betriebswirtin. Die Basis der Saucen besteht aus regionalem Gemüse und Obst, abgestimmt mit afrikanischen Gewürzen. Das Sortiment beinhaltet acht verschiedene Sorten (mit Zutaten wie Ingwer, Knoblauch, Mango, Kurkuma, Paprika, Zwiebel, Chilli, Fischpulver), frei von künstlichen Aromen, Konservierungsstoffen und Zuckerzusatz. Ihr Ziel ist es, die Produkte im Lebensmitteleinzelhandel zu platzieren. Um einen Investor für sich zu gewinnen, bot sie 25 Prozent ihrer Firmenanteile für 130.000 Euro an.

Lob für Geschmack

Nach dem Pitch gab es selbstverständlich eine Kostprobe für die Löwen. „Frisch, würzig und sehr gut“ waren die grundlegendsten Reaktionen der Juroren. Kofler allerdings musste bei der scharfen Variante ein wenig Husten, während Familien-Unternehmerin Dagmar Wöhrl nach dem schärfsten Produkt verlangte. Im Gegensatz zu ihren Kollegen vertrug sie diese Variante.

Erste Absagen

Während die Stimmung im Studio bis zu diesem Zeitpunkt gut war, verzog Dümmel etwas das Gesicht, als er von bisher 5.500 Euro Umsatz hörte. Kofler ging darauf aus dem Grund, dass das Produkt nichts für ihn wäre. Glagau lobte danach die Einzelunternehmerin sehr, dachte aber, dass es schwierig werden würde, die Marke in Deutschland groß zu machen. Die Gründerin entgegnete, dass 95 Prozent ihrer Kunden Deutsche wären. Es half nichts. Glagau ging ohne Angebot.

ndyefoods
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – N´deye Fall-Kuete sorgte mit Ndeyefoods und ihren westafrikanischen Gourmet-Saucen für brennende Gaumen in der „Höhle der Löwen“.

Danach erklärte die Gründerin ihren Wunsch die westafrikanische Küche mit ihrer neuen Heimat zu teilen. Maschmeyer meinte, dass neben indischen, mexikanischen und chinesischen Produkten Afrika ein weißer Fleck im Supermarkt-Regal sei. Dies aktivierte kurz Dümmel, der sich über die Platzierung im Handel Gedanken machte. Dann aber meinte, er wisse, wie schwer der Bereich sei und ausstieg.

Dagmar Löwenherz

Wöhrl wollte anfangs nicht investieren, da sie in der „one woman“-Show der Gründerin ein Problem sah. Jene kämpfte und bezeichnete sich als „Problemlöserin“ und versprach mit Ideen und umsetzbaren Lösungen zu trumpfen. Danach ließ die Löwen ihr Herz sprechen und bot 130.000 Euro für 30 Prozent Beteiligung. Eine gerührte Gründerin stimmte sofort zu. Deal für Ndeyefoods.

Der UV-Bodyguard

Sonne tut gut – doch nur im richtigen Maß. Bei zu viel UV-Strahlung kommt es zu einem schmerzhaften Sonnenbrand und dieser steigert wiederum das Risiko für Hautkrebs. Alleine in Deutschland erhalte alle zweieinhalb Minuten jemand die Diagnose Hautkrebs. Wie stark ist die Sonne gerade, und wie sollte ich mich am besten schützen? Und wie lange sollte ich maximal in der Sonne bleiben? Das alles sind das Wissen und die Fragen, die Annette Barth (40, Wirtschaftspsychologin) und Julian Meyer-Arnek (47, Doktor der Physik, Wissenschaftler und Atmosphärenforscher) in die „Höhle der Löwen“ stellten und vortrugen. Die zwei Gründer haben in diesem Sinne mit ajuma einen UV-Bodyguard entwickelt, der je nach Hauttyp und verwendeter Sonnencreme angepasst werden kann.

Sensor misst Sonneneinstrahlung

Der kleine Sensor, der an der Kleidung oder am Handgelenk getragen wird, misst die einfallende Sonneneinstrahlung und bezieht auch Satellitendaten wie Ozonwerte in die Berechnung mit ein. Eine dazugehörige App warnt vor zu viel, aber auch vor zu wenig Sonne, denn nicht nur ein Sonnenbrand, sondern auch ein Vitamin-D-Mangel soll verhindert werden. Um ihr Produkt auf den Markt zu bringen, benötigten Annette Barth und Julian Meyer-Arnek 110.000 Euro und wollten dafür 15 Prozent ihrer Firmenanteile abgeben.

Signalton bei zu viel Sonne

Im User-Profil der App ist es möglich den Lichtschutzfaktor des Sonnenschutzes einzustellen und sich auditiv warnen zu lassen, bevor ein Sonnenbrand drohe. Pro Account kann ein User auch mehrere Konten erstellen.

ajuma, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Annette Barth und Julian Meyer-Arnek führten ihren UV-Bodyguard ajuma den Löwen vor.

Als die Gründer erklärten, dass sie im kommenden Sommer den Markteintritt planen würden, tauschten Dümmel und Maschmeyer Blicke und berieten sich danach leise. Williams stieg aus, während sich etwas später Glagau und erneut Maschmeyer hinter auf der Bühne zusammentaten und ebenso leise Worte wechselten.

Ein Saisonartikel?

Danach erzählte der Multi-Investor von persönlichen Erlebnissen mit dem Thema des Startups, als einer seiner Söhne mit 16 Jahren schwarzen Hautkrebs gehabt hatte. Er und Glagau boten 110.000 Euro für 25 Prozent. Danach ging Dümmel, der eine Diskussion ausgelöst hatte, ob es sich bei ajuma um einen Ganzjahres-Artikel handele oder nicht. Maschmeyer argumentierte dafür, da man im Winter gut messen könne, wie es mit dem Vitamin-D-Pegel aussehe. Nachdem Kofler trotzdem ohne Angebot geblieben war, schritten die Gründer zur Beratung. Und kehrten mit einem „Ja“ für das Doppel-Angebot zurück. Deal für ajuma.

Alkoholfreier Gin Tonic in der „Höhle der Löwen“

Die vierte in der „Höhle der Löwen“ war Stella Strüfing (34) mit Laori. Die Gründerin liebt Gin Tonic, jedoch nicht den Kater am nächsten Morgen. Aus diesem Grund entstand die Idee für eine alkoholfreie Variante des Getränkes. Gemeinsam mit Lebensmitteltechniker Christian Zimmermann hat sie dafür ein extra Verfahren entwickelt, bei dem sich das Startup an der Destillation von Parfüm in Frankreich orientiert. Dabei werden alle Kräuter und Gewürze schonend mit Wasser destilliert.

Gin-Ersatz vegan und ohne Zucker

Für Laori wird unter anderem Kardamom, Rosmarin und natürlich viel Wacholder verwendet. Das Getränk ist nicht nur alkoholfrei, sondern auch vegan, ohne Zucker und kalorienarm. Für ihr Startup benötigten sie 175.000 Euro und boten dafür 15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Ein alkfreier Gin Tonic für die Löwen

Nach dem Pitch meldete sich Glagau zur Blindverkostung, um den Vergleich mit zwei alkoholischen Gin Tonics und jenen alkoholfreien des Startups zu testen. Der Löwe erriet, in welchem der drei Becher sich Laori befand, woraufhin sich das Gespräch rund um die Herstellung und Inhaltsstoffe des Produkts drehte. Danach bekamen alle Löwen eine Kostprobe von Laori mit Tonic gemischt.

Laori, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Stella-Oriana Strüfing und Christian Zimmermann wollen mit Laori eine alkoholfreie Gin-Alternative auf den Markt etablieren.

Dümmel zeigte es im Gesicht und sagte gleich, es schmecke ihm nicht, während Kofler vom Geruch des Getränks begeistert war. Nach dem ersten Schluck zeigte sich der Medien-Profi zwar zufrieden mit dem Geschmack, meinte aber zugleich, dies sei kein Gin Tonic. Dem stimmten Maschmeyer und Wöhrl zu.

Ein anderer Zugang?

Nachdem die Gründerin erklärt hatte, dass ihr Produkt ein Mischgetränk und gar nicht als purer Genuss gedacht sei, führte Kofler sein Problem aus. Hätten die Gründer die Kostprobe nicht als Gin Tonic-Ersatz angepriesen, so der Investor, hätte er es für ein erfrischendes Getränk empfunden. Daher kam von ihm kein Angebot.

Die Technologie als USP

Danach mussten die Gründer ihre Bewertung verteidigen und erklärten, dass hinter ihrer Idee eine Technologie stecke, die auch auf andere Drinks anwendbar wäre. Wie etwa Rum und Whiskey. Glagau zeigte sich als Gegner von Alkohol-Alternativen und stieg ebenso wie Maschmeyer aus. Für Wöhrl schmeckte Laori schlicht nicht wie Gin. Auch sie verabschiedete sich ohne Angebot.

Die Gründer versuchten sich mit ihrer Kundenzufriedenheit zu rechtfertigen. Dies half bei Dümmel nicht, der als Löwe, der keinen Alkohol trinkt, sich auf die Worte seiner Kollegen verließ und ebenso ohne Einstiegsabsichten blieb. Kein Deal für Laori.

Ergonomische Tapezierbürste

Den Abschluss der Höhle der Löwen bildete der gelernte Maler und Lackierer Michael Heide. Um Wohnungs-Arbeiten künftig zu erleichtern, hat der 52-Jährige eine ergonomische Tapezierbürste entwickelt, die für mehr Bewegungsfreiheit sorgen soll und in die Hosentasche passt. Der Rundgriff ermöglicht einen festen Halt und das Handgelenk bleibt entspannt. Dank der längeren und kräftigen Borsten in der Spitze reiche die Bürste auch an schwer zugängliche Stellen, wie Ecken oder hinter Heizungskörper. Sein komplettes Erspartes von 120.000 Euro hat Michael Heide in seine Idee gesteckt. Dabei mit Unterstützung seiner Frau auch darauf verzichtet, ein Haus zu kaufen. Er hoffte auf einen Löwen als Vertriebspartner an seiner Seite. Sein Angebot: 15 Prozent der Firmenanteile von SmartQ für 40.000 Euro.

Höhle der Löwen, SmartQ
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Michael Heide aus Zeuthen konnte mit seiner ergonomischen Tapezierbürste SmartQ so manche Löwenhälse verdrehen.

Wöhrl legte nach dem Pitch Hand an und meinte SmartQ liege gut darin, was der Gründer damit begründete, er habe eine zweieinhalbjährige Testreihe hinter sich und ein Patent erteilt bekommen. Als er noch einmal nachlegte, dass er mit seinem Ersparten ein Grundstück und Haus hatte sausen lassen, stieg die Bewunderung für den Mut unter den Löwen.

Alles allein gemacht

Der Gründer hat innerhalb von zwei Jahren 30.000 Euro Umsatz gemacht und brauche deswegen unbedingt einen strategischen Partner. Bisher hatte sich Heide, mit kleiner Social Media-Hilfe seiner Tochter, sonst alleine um Design, Verpackung und den Rest gekümmert. Williams war schwer beeindruckt, ging aber, da der Baumarkt nicht ihr Bereich sei.

Wöhrl versucht es

Kofler nannte den Gründer reell und liebenswert. Blieb aber auch mit großem Lob ohne Angebot. Der Gründer gab nicht auf und argumentierte damit, dass man mit seiner Bürste keine Leiter mehr brauche. Danach zweifelte Wöhrl nach einer kurzen Schweigephase im Studio daran, dass sie die Wunsch-Partnerin des Gründers sei, wollte aber trotzdem wegen der Bodenständigkeit des Founders ein Angebot machen. Und tat es. Sie offerierte die gewünschten 40.000 Euro für 15 Prozent.

Mr. Regal und ein Heiratsantrag

Glagau tat es ihr leidenschaftlich gleich und nannte sich „Mr. Regal“. Er versprach dem Gründer, dass bald ein riesiges Haus folgen würde. Dümmel als letzter Löwe, meinte nach der „Liebesbekundung“ von Glagau der richtige „Heirats-Antrag“ komme erst jetzt. Er legte den richtigen Weg für den Gründer offen, rein in die Baumärkte etwa, und malte mit vielen Worten ein Bild des zukünftigen Erfolges. Auch er wollte für 40.000 Euro 15 Prozent Anteile des Startups. Der Gründer entschied sich für Dümmel. Deal für SmartQ.

Deine ungelesenen Artikel:
21.10.2026

Startup-Land Oberösterreich: Von der Industrie-Hochburg zum Hightech-Zentrum

Wenn es einem Bundesland gelingt, in der öffentlichen Wahrnehmung einen Gegenentwurf zum dominanten Startup-Hub Wien aufzubauen, dann ist es Oberösterreich: Das Industrie-Bundesland und insbesondere die Hauptstadt Linz fallen auf — sei es durch bekannte Scaleups, spektakuläre Exits, KI-Forschung auf Weltniveau oder die umfassende Infrastruktur für Startups mit der Tabakfabrik Linz als markantem Monument. Wir werfen einen genaueren Blick auf das vielseitige Startup-Land Oberösterreich.
/artikel/startup-land-oberoesterreich-von-der-industrie-hochburg-zum-hightech-zentrum
21.10.2026

Startup-Land Oberösterreich: Von der Industrie-Hochburg zum Hightech-Zentrum

Wenn es einem Bundesland gelingt, in der öffentlichen Wahrnehmung einen Gegenentwurf zum dominanten Startup-Hub Wien aufzubauen, dann ist es Oberösterreich: Das Industrie-Bundesland und insbesondere die Hauptstadt Linz fallen auf — sei es durch bekannte Scaleups, spektakuläre Exits, KI-Forschung auf Weltniveau oder die umfassende Infrastruktur für Startups mit der Tabakfabrik Linz als markantem Monument. Wir werfen einen genaueren Blick auf das vielseitige Startup-Land Oberösterreich.
/artikel/startup-land-oberoesterreich-von-der-industrie-hochburg-zum-hightech-zentrum
Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Höhle der Löwen“: G’riss um smarte Tapezierbürste