05.11.2019

Höhle der Löwen Folge 10: Eine Scheibe, die Ratten ersäuft und raffinierter Zucker

In der vorletzten Folge von "Die Höhle der Löwen" 2019 ging es um gekeimtes Korn, einen Mega-Pez-Spender für Schnuller und um Vorteile von Vollrohrzucker. Außerdem bemäkelte Investorin Dagmar Wöhrl als "überzeugte Tierschützerin" das Produkt eines Startups, das Ratten ersaufen lässt.
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Höhle der Löwen, Frank Thelen, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Judith Williams, Nils Glagau, Ralf Dümmel, Startup, Investment
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Jacqueline und Simon Burkhardt präsentierten den Rattenstopper "no rats on board".
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Den Anfang der zehnten und vorletzten Folge von „Die Höhle der Löwen“ dieses Jahr machte das Ehepaar Jennifer und Philipp Rathgeber. Mit ihrem Startup Elixr bieten sie Öle mit ätherischen Zusätzen zum „Ölziehen“ in drei Sorten an. Beim Ölziehen spült man den Mund mit Pflanzenöl für circa zehn Minuten und spuckt es danach aus. Das Öl soll Bakterien aus dem Mundraum binden und dabei Karies vorbeugen und das Immunsystem stärken. Die Gründer forderten für ihre Neubearbeitung der alten Ayurveda-Tradition für 20 Prozent Unternehmensanteile 75.000 Euro.

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Der „ziehende“ Dümmel

Während des Pitch musst Investor Ralf Dümmel als Versuchskaninchen herhalten und „zog“ neutrales Speiseöl. Damit wollten die Gründer zeigen, welche Überwindung man brauche, um das handelsübliche Produkt fürs „Ziehen“ zu nutzen. Danach versuchte das Founder-Duo ihr eigenes Produkt als weniger „ölige“ und „grausliche“ Alternative zu präsentieren. Elixr hätte gegenüber üblichen Ölen einen „tollen Geschmack“.

Thelen: „Keine Ahnung von Beauty“

Nach der Kostprobe meinte Dümmel, Elixr wäre tatsächlich viel angenehmer. Judith Williams erzählte davon, dass sie ein Fan von Ayurveda sei und sich für sie bereits eine einzige Massage dieser Art wie eine Woche Urlaub anfühlen würde. Frank Thelen lobte den Auftritt der Gründer, meinte aber, sein Problem wäre das Produkt. Er hätte von Beauty keine Ahnung.

„Davon träumen Investoren“

Carsten Maschmeyer zeigte sich daraufhin an den beiden Foundern interessiert. Er erfuhr, dass Philipp Rathgeber früher BWL-Professor war (gab die Professur auf, um sich ganz Elixr zu widmen) und Jennifer Rathgeber aus dem Marketingbereich kommt. Maschmeyers Urteil: „Davon träumen Investoren“. Als er gerade zu einem Angebot ausholen wollte, fiel ihm Dümmel ins Wort.

Löwen-Partnerschaft

Er sagte: „Bevor wir gleich Gegner werden, wollen wir Partner werden?“. Maschmeyer stimmte zu. Das Investorenpaar entschied sich still zu beraten und wartete ab. In der Zwischenzeit stellten die Entrepreneure ein weiteres Produkt, eine Seife, vor. Dümmel war zwischenzeitlich kurz zu hören, als er besorgt mutmaßte, ob die beiden Gründer lieber zur Shopping-Queen Williams wollten.

Ein Nein von Wöhrl

Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl meinte, für sie wäre es nichts Innovatives. Sie kenne das Produkt von Asien-Reisen und nehme sich immer wieder ätherische Öle mit. Sie stieg aus. Diese Absage nutzte Jennifer Rathgeber gleich dazu, darauf hinzuweisen, dass man „solche Produkte“ auch in Deutschland brauche, um sie nicht extra aus Asien einführen zu müssen. Es gab anerkennendes Nicken von Williams.

Bewertung massiv erhöht: Keine Chance für Maschmeyer und Dümmel

Die Shopping-Expertin erkannte sich in der jungen Frau wieder und bot die 75.000 Euro für 20 Prozent. Es schien, als ob es zwischen dem Trio „funken“ würde. Danach kam das Angebot von Maschmeyer und Dümmel: 150.000 Euro für 25 Prozent. Williams zog nach und „matchte“ das Angebot ihrer Kollegen. Nach dieser massiven Erhöhung der Firmenbewertung (von 375.000 auf 600.000 Euro) durch die Investoren, bekam schlussendlich Williams den Deal. Während Dümmel die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand, meinte Tech-Experte Thelen nur: „Judith, jetzt gibt’s ordentlich was zu ziehen“.

Lösung für schreiende Babys?

Den zweiten Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ hatte Sebastian Stahl. Als Vater zweier Kinder kenne er das Problem schreiender Babys und die verzweifelte nächtliche Suche nach dem Schnuller, erklärter der Gründer. Mit binkybox hat er einen Schnullerspender entwickelt, der Eltern diese Schnuller-Suche ersparen soll.

Höhle der Löwen, Frank Thelen, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Judith Williams, Nils Glagau, Ralf Dümmel, Startup, Investment
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Sebastian Stahl hoffte mit seiner „binkybox“ –  Schnuller-Spender für das Kinderbett – auf ein Investment.

Für fünf Schnuller

Der Schnullerspender von binkybox biete geschützten Platz für fünf handelsübliche Schnuller und könne ohne Bohren befestigt werden. Es gibt den Spender in mehreren Farben. Der Rahmen des des Produkts leuchtet in der Nacht, sodass sich gegebenenfalls auch das Kind selbst in der Dunkelheit einen neuen Schnuller nehmen kann. Angeblich wären Kinder nach rund acht Monaten dazu in der Lage. Stahl forderte 75.000 Euro für 17 Prozent Beteiligung.

Leuchtschnuller als Konkurrenz

Der Gründer wartete zusätzlich mit einem Video auf, indem sein Baby-Sohn zu sehen war, der sich einfach einen Schnuller aus der Box nahm. Nach der Inspektion des Produkts durch die Jury, deutet Konzernchef Nils Glagau an, dass der leuchtende Schnuller, den er von seinen Kindern kannte, eine bereits vorhandenes Konkurrenzprodukt wäre. Der Gründer entgegnete unter anderem mit einer sauberen Umgebung und erzählte von Gesprächen mit Schlaftherapeuten für gestresste Neueltern, die ihm bescheinigt hätten, dass sein Produkt die Lösung wäre. Mit dem Leuchtschnuller würde das Kind aufwachen.

Messen-Marketing und Anfragen aus Israel

Bisher 15 verkaufte Stück der binkybox ließen die Investoren jedoch skeptisch werden, woraufhin Stahl von einem Vertrag seiner Firma mit dem Einkaufsverbund sprach. 200 Babyläden würden auf einer nahenden Messe den Schnullerspender präsentieren. Es gebe auch Anfragen aus Israel.

Eine Viertel-Million Euro ins Startup gesteckt

Maschmeyer nannte es eine nette Idee. Als Vater fände er die Box süß, jedoch wäre ihm das als Investor zu kleinteilig. Thelen ging danach als zweiter potentieller Financier. Ihm folgte Dümmel. Es sah danach aus, als ob es eine rasche Absagenrunde für den gebürtigen Schwaben geben würde, als er von Glagau gefragt wurde, wie viel Geld er bereits in seine Idee gesteckt habe. Seine Antwort: 250.000 Euro – die Hälfte davon als Bankdarlehen.

Keine Skalierbarkeit?

Kofler zeigte sich beeindruckt vom Einsatz des Gründers – aber, wie der Rest der Jury auch ein wenig geschockt. Ihm wäre die Verantwortung zu groß und der Markt zu klein, sagte der Social Media-Experte. Er stieg aus. Daraufhin meinte Stahl, auf dem von ihm kalkulierten Markt in Europa und Nordamerika gebe es jährlich elf Millionen Geburten. Glagau warf ein, dass man bei den rund 780.000 Geburten in Deutschland gar nicht wisse, wie viele tatsächlich jenes Problem hätten, das der Gründer beschrieb. Es wäre schwierig die Skalierbarkeit zu bestimmen. Auch er stieg damit aus – kein Deal für die binkybox. Über blieb ein sichtlich geknickter Gründer, dem die Skepsis der Investoren hinsichtlich Zielmarkt nahe ging.

Gekeimtes Müsli bei „Die Höhle der Löwen“

Michael Gebhardt und Erik Renk hatten das Vergnügen als dritte in der „Die Höhle der Löwen“-Sendung aufzutreten. Die beiden Schulfreunde haben mit ihrem Startup Keimster ein Unternehmen aufgebaut, das Müsli mit gekeimten Getreidesorten produziert. Das Sortiment umfasse neben dem Basismüsli weitere Mischungen in diversen Größen. Die Gründer forderten 300.000 Euro für 15 Prozent Geschäftsanteile.

Vorteile eines gekeimten Korns

Die Pitcher mussten gleich zu Beginn ein wenig Zeit dafür aufwenden, ihr Produkt zu erklären: Im Gegensatz zu einem normalen ungekeimten Korn könnten beim gekeimten die Nährstoffe leichter vom Körper aufgenommen und umgesetzt werden. Sie enthielten mehr Aminosäuren, Vitamine, Proteine und sekundäre Pflanzenstoffe. Das Startup habe einen Prozess entwickelt, in dem das rohe Getreide „angekeimt“ werde. Dann breche man vor der Entstehung einer neuen Pflanze den Keimvorgang ab. Danach wird das Ganze auf unter 42 Grad getrocknet, damit die „Rohkostqualität“ erhalten bleibe.

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Michael Gebhardt (M.) und Erik Renk stellten mit „Keimster“ gekeimtes Bio-Müsli vor.

Werbung fürs eigene Produkt

Den Investoren mundeten die Müsli-Kostproben und noch mehr gefiel Williams die große Auswahl an 13 verschiedenen Sorten im Sortiment. Medieninvestor Kofler fragte nach der Konkurrenz und Wöhrl wollte es genauer wissen: Was wäre der Grund, Keimster zu kaufen, fragte sie. Gebhardt meinte daraufhin, dass es auch „gut wäre“ ein gekeimtes Produkt von einem Konkurrenten zu kaufen. Wöhrl hakte nochmal nach und betonte: „Sie müssen ja Werbung für ihr Produkt machen“.

Der Gründer brachte daraufhin die Nachhaltigkeit ins Spiel, woraufhin die Investorin ihn unterbrach und einwarf, dass der ökologische Aspekt eine tolle Nebenerscheinung wäre. Sie wiederholte ihre nachdrückliche Frage ein Drittes Mal.

Williams die Pitcherin

Daraufhin sprang Williams hilfreich zur Seite und antwortete für das Pitching-Duo: „Sie nehmen mir persönlich die Arbeit ab. Sie keimen für mich, alles was es zu keimen gibt auf der Welt. Und sie bieten einen Nähr- und Mehrwert für die Familie“. Die Jurorin war in ihrer Expertise kaum zu stoppen und erntete vom gesamten Studio Applaus. Danach ging es weiter.

„Themen nicht auf der Uhr“

Bei der Frage nach Produktionskosten gab es unter den Gründern derartige Verwirrung, dass Dümmel den Unterschied zwischen einem UVP, Einkaufspreis und Produktionskosten erklärte. Thelen strich danach heraus, dass es Kompetenz-Mängel bei den Gründern gebe. Das eigene Produkt zu präsentieren und dabei die Vorteile herauszustreichen, hätte Williams übernommen. Auch bezüglich der Frage nach den Produktionskosten sagte er abschließend: „Ihr habt die Themen nicht auf der Uhr“, bevor er ging.

Auch Kofler stieg aus

Renk schob dies auf die Aufregung zurück. Sie hätten die Zahlen eigentlich im Griff. Kofler ließt diese Aussage gelten, meinte aber, er traue den Beiden nicht zu, einen kleinen Markt zu erobern. Investor Nummer zwei war raus.

Altes Problem: Bewertung

Schlussendlich kamen die Startup-Juroren auf den Firmenwert zu sprechen. Der Umsatz von zurzeit der Aufzeichnung 230.000 Euro und der Plan, in drei Jahren die Umsatz-Million zu knacken, überzeugten Dümmel nicht. Die Bewertung sei zu hoch.

Doch ein Angebot

Williams verabschiedete sich weil sie keine Begeisterung bei den beiden Gründern, sehe was das Thema „keimen“ betreffe. Wöhrl und Dümmel überlegten, ob sie Interesse hätten. Die ehemalige Politikerin sah eine Zukunft für das Produkt, sah aber auch in der erwähnten Marge ein Problem: Drei Euro Produktionskosten bei einer Gewinnmarge von 0,55 Euro. Dennoch kam ein Angebot: 30 Prozent für 300.000 Euro.

Zweites Angebot

Dümmel meinte, er hätte viele Gründe zu investieren. Das Produkt wäre ein neues Thema – Chance und Risiko zugleich. Man müsste jedoch die Gesellschaft auf das „Keime essen“ aufmerksam machen. Das Hauptproblem bliebe die Firmenbewertung. Dennoch wollte er ins Startup einsteigen und meinte, er würde seine ganze „Power“ mitbringen. Das Angebot: ebenfalls 300.000 Euro für 30 Prozent. Er bekam den Deal.

„Rattenstop“

Als nächste bei „Die Höhle der Löwen“ trat die Schweizer Familie Burkhardt auf. Die beiden Geschwister Jaqueline und Simon stellten mit No rats on board ein Startup vor, das einen kreisförmigen „Rattenstop“ – mit Klicksystem – für Schiffe, Boote und Yachten produziert, der Ratten vom Betreten der Wasserfahrzeuge abhalten soll. Er sei leicht zu verstauen und lasse sich wie ein Schutzschild um das einzelne Halteseil befestigen, wenn das Boot im Hafen ankere. Auch eine Version für doppelte Festmacherleinen sei im Sortiment. Die Gründer, die die Erfindung ihres Vater präsentierten, forderten 150.000 Euro für 15 Prozent.

„Nur eine Ratte“

Als die Geschwister im Studio eine Ratte enthüllten und spaßhalber meinten, sie würden ohne Investment die Ratte „befreien“, konterte Wöhrl mit der Aussage, das sei ja nur eine Ratte. Dies verwirrte die Pitcher kurz, bevor sie ihre Präsentation fortsetzten. Sie erklärten die Gefahr zu See, wenn Ratten an Booten Schäden anrichten und Krankheiten mit sich führten.

Demo ging schief

Die Live-Demonstration im Studio mit einer Ratte funktionierte danach nicht so, wie sich die Gründer das vorgestellt hatten. Der Nager wollte partout nicht in Richtung des Stopps marschieren und tänzelte auf dem Seil herum. Eigentlich sollten Ratten bei einem Boot im Hafen vom scheibenartigen Rattenstopper, der sich bei Berührung dreht, ins Meer fallen.

„Over-engineered“

Von Wöhrl ging eine leichte Ablehnung gegen das Produkt aus, sie hatte als kleines Kind eine Ratte als Haustier. Thelen nannte es „over-engineerd“. Bootsbesitzer hätten zwar eine Preisflexibilität, aber man könne einen Schutz doch auch ganz billig herstellen.

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Tiermord mit Produkt?

Maschmeyer brachte daraufhin Tierschützer ins Spiel. Er wollte wissen, wie diese darauf reagieren, dass man Ratten im Hafen ersäufe. Jaqueline Burkhardt entgegnete, dass Ratten schwimmen könnten. Wöhrl ließ dies nicht gelten und erklärte, dass es beim Ankerplatz eine glatte Mauer gebe, an der die Ratte gar nicht wieder „herauf“ könnten. Co-Founder Simon Burkhardt darauf: „Dann muss sie rundherum schwimmen“.

Tierschützerin Wöhrl

Thelen meinte daraufhin, dass dieses Problem für ihn als Bootsbesitzer nicht existent wäre. Er stieg aus. Wöhrl merkte an, sie als Tierschützerin könne es gar nicht verantworten, dass die Ratte ertrinke. Eine potentielle Investorin weniger.

Singapur und die Ratten-Stop-Pflicht

Danach ging es um Häfen, die – laut Gründerin – Vorschriften hätten, dass Schiffe einen Rattenstopper besitzen und anlegen müssten. Ohne einen derartigen Schutz würde Schiffen die Einfahrt in manche Häfen verwehrt. Sie nannte als Beispiel den Singapurer Hafen.

Kein Deal für Ratten-Ersäufer

Dann stieg Kofler als nächster aus. Er hatte Skepsis, ob es tatsächlich so viele Häfen mit Rattenplagen gebe. Maschmeyer hingegen war der Rattenstopper zu nischig. Auch er ging ohne Angebot. Die Gründer gaben dennoch nicht auf. Sie erzählten von Möglichkeiten des „Brandings“ des Produkts und Stabiltätsvorteilen zur Konkurrenz. Dennoch stieg mit Glagau auch der letzte Juror aus. Kein Deal.

Zuckerprodukt bei Höhle der Löwen

Der Abschluss der vorletzten „Die Höhle der Löwen“-Folge des Jahres gebührte Anna Elisabeth Segovia, die in Wien studiert hatte. Die gebürtiger Kolumbianerin hat mit De Cana Panela ein Startup gegründet, das einen Bio-Vollrohrzucker aus Kolumbien vertreibt. Dort leben über 350.000 Familien vom Zuckerrohranbau. Dieser wird überwiegend zu „Panela“ verarbeitet. Die Gründerin forderte 200.000 Euro für 25 Prozent Anteile.

Die Nachteile des raffinierten Zuckers

Nach der Kostprobe mit Joghurt, Karottenkuchen und Limonade wollte Glaugau den Unterschied zum braunen Rohrzucker wissen. Die Gründerin meinte, wenn ein Zucker kristallin ist, wurde er raffiniert. Und ab dem Moment sei er tot. Tote Süße würde einem Körper nichts mehr bringen außer leere Kalorien.

(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Anna Elisabeth Segovia, die in Wien studierte, hat mit De Cana – Panela Naturzucker aus Kolumbien aus Kolumbien mitgebracht.

Weißer Zucker zu stark

Segovia zeigte im Gespräch hohe Kompetenz in Sachen Zuckerindustrie. Trotz Lob wurde Wunsch-Investor Glagau aber nicht überzeugt, dass die Gründerin den Geschmack des Vollrohrzuckers nach Europa bringen könnte. Der weiße Zucker wäre zu stark. Er stieg aus. Williams stimmte zu, dass es schwierig wäre die „Köpfe der Menschen zu drehen“. Auch sie ging.

Zwei Angebote

Wöhrl hingegen zeigte sich vollends vom Produkt überzeugt und bot 200.000 Euro für 25 Prozent. Dümmel meinte, die Gründerin hätte den gesünderen Zucker, der teurer wäre. Es würde nicht einfach werden, sich durchzusetzen. Er würde jedoch seit 30 Jahren genau so etwas machen und bot das Gleiche wie Wöhrl.

Löwengebrüll

Auch Kofler wollte um nichts nachstehen. Er warb für sich mit seinem Webshop für haltbare Lebensmittel und Influencer-Marketing. Storytelling wäre das richtige für Segovia. Danach sprach der Medien-Investor Dümmel an und meinte: „Ralf, in allen Ehren. Du machst es seit 30 Jahren, aber wir können das heute auch“. Das führte zu einem kleinen Streitgespräch zwischen den beiden Löwen.

Vergangenheit vs. Zukunft

Dümmel meinte, sie sollten doch vergleichen, wer mit wie vielen Produkten aus der Vergangenheit in wie vielen Läden stehen würde. Kofler gab zu, da nicht mithalten zu können, er rede aber über die Zukunft. Dann bot er das gleiche wie seine beiden Vorgänger.

Ein letzter Pitch

Nach einem Telefonat mit ihrem Mann, kehrte die Gründerin ins Studio zurück. Vor der Entscheidungsverkündung ergriff Wöhrl jedoch noch einmal das Wort. Sie hatte das Gefühl, zu wenig erklärt zu haben, wie sie De Cana unterstützen könne.  Wöhrl zählte ihre mehr als 30 Hotels und ihre Familien-Unternehmen auf, und befand sich im Pitch-Modus. Zudem, so die Löwin weiter,  hätte sie Zugang zu über 50 Gastronomiebetrieben und deutschlandweit über 5000 Mitarbeiter. Und sie würde Segovia diese ganze „Power“ zur Verfügung stellen. Dies wirkte. Wöhrl bekam den Deal.


⇒Elixr

⇒ binkybox

⇒ Keimster

⇒ No-Rats-On-Board

⇒ De Cana

⇒ DHDL-Folgen zum Nachsehen auf TVNOW

⇒ DHDL

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Lirone Glikman, Branding-Expertin und Gründerin der Agentur The Human Factor, spezialisiert auf Founder-Led Branding

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einer Welt, in der KI Inhalte massenhaft produziert und Unternehmen täglich neu entstehen, verschiebt sich der entscheidende Wettbewerbsfaktor: weg vom reinen Produkt, hin zum Vertrauen. „Founder Led Branding“ heißt das Konzept, das Gründer:innen dazu bringt, sich selbst als sichtbare Persönlichkeiten ihrer Unternehmen zu positionieren – authentisch, strategisch und mit klarer Botschaft. Anders als beim klassischen Personal Branding geht es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern um die enge Verzahnung von Founder-Identität und Unternehmensmission. Studien und Beobachtungen auf LinkedIn zeigen: Beiträge von Personen erzielen deutlich höhere Reichweiten als jene von Unternehmensseiten. Investoren prüfen Profile, bevor sie ein Meeting zusagen. Kunden googeln Gründer, bevor sie kaufen. Wer als Founder unsichtbar bleibt, verliert Deals – noch bevor sie überhaupt verhandelt werden.

Eine, die dieses Thema international bearbeitet, ist Lirone Glikman. Die israelisch-französische Branding-Expertin begann bereits mit 16 Jahren ihre Karriere, indem sie beim CEO eines israelischen Radiosenders an die Tür klopfte und kurz darauf jüngste Radiomoderatorin des Landes wurde. Heute leitet sie ihre Agentur The Human Factor, die sich auf Founder-Led Branding spezialisiert hat, unterrichtet seit über zwölf Jahren in 28 Ländern und ist Autorin des Buchs „The Super Connector’s Playbook“. Zudem ist sie Executive Director des NGO Committee on Sustainable Development – NY, das mit der UNO affiliiert ist. Im Interview spricht sie über die Trust Economy, häufige Fehler von Gründern und darüber, warum es heute nicht mehr genügt, einfach nur ein gutes Produkt zu haben.

brutkasten: Frau Glikman, beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Glikman: Ich pendle zwischen Berlin und Tel Aviv. Meine Klienten sind Startups in frühen oder späteren Phasen, die Sichtbarkeit brauchen; meist dann, wenn sie Kapital aufnehmen, Kunden gewinnen oder in einen neuen Markt eintreten wollen. Dazu kommen Innovationsmanager in Konzernen.

Ein Beispiel ist Celleste Bio, ein israelisches Startup, das als erstes Unternehmen der Welt Milchschokolade mit echter Kakaobutter aus Zellsuspensionskultur-Technologie vorgestellt hat; ein Meilenstein für eine skalierbare, kommerziell tragfähige Kakao-Lieferkette. Jüngst wurde gemeinsam mit Mondelez die erste Tafel produziert, deren Kakaobutter zu 100 Prozent bio-identisch im Labor erzeugt wurde.

Wie nähern Sie sich einem Founder, der mehr Sichtbarkeit braucht?

Zuerst geht es um die Bereitschaft. Viele Gründer wissen, dass sie sichtbar sein müssen – bevor sie einen Raum betreten, ist die Entscheidung beim Investor oft schon teilweise gefallen. Er googelt, schaut auf LinkedIn, gleicht ab, ob das Gesagte zum Gesendeten passt. Unsere Marke arbeitet für uns, bevor wir den Raum betreten – aber zwischen dem Wissen und dem Tun klafft eine Lücke. Viele sind kamerascheu oder arbeiten lieber am Produkt.

Wenn sie zu mir kommen, beginnen wir mit der Strategie. Founder-Persönlichkeit und Unternehmenswerte liegen am Anfang oft sehr nah beieinander. Wir bauen eine Markenidentität auf – authentisch, nicht aufgesetzt. Welche Botschaften, welche Werte, welche Stärken? Ist die Person warm, eher kühl, fürsorglich? Wir nehmen, wer sie sind, und betonen die relevanten Aspekte online.

Was unterscheidet Founder-Led Branding vom klassischen Personal Branding?

Personal Branding ist ein abgenutzter Begriff – wir alle haben eine Marke, ob wir wollen oder nicht. Founder-Led Branding bedeutet, dass man als Gründer bewusst Botschaften platziert, die einem selbst und dem Unternehmen dienen. Heute vertrauen wir Institutionen, großen Namen und Regierungen weniger – wir vertrauen einander.

Wenn Vertrauen zur Währung wird – gerade in einer Welt, in der KI Posts schreibt und Unternehmen über Nacht entstehen lässt – bleibt das Menschliche. Wenn Sie mir vertrauen, vertrauen Sie vielleicht auch meinem Unternehmen.

Auf LinkedIn performt Founder-Content stärker als Unternehmenscontent. Warum?

Der Algorithmus will, dass Sie sich mit einer Person verbinden. Unternehmensbeiträge werden weniger ausgespielt. Es geht um die Verbindung von Mensch zu Mensch.

Was sind die größten Fehler, die Gründer machen?

Erstens: Viele halten Sichtbarkeit für ein „Nice to have“. Damit fehlt die Konsistenz.

Zweitens: Es gibt keinen roten Faden. Wenn man sich Posts der letzten Monate ansieht, sollte ein Muster erkennbar sein. An einem Tag der Urlaub, am nächsten das Unternehmen, dann etwas anderes – das funktioniert nicht. Es braucht Markensäulen.

Drittens: Viele teilen nur Beiträge ihrer Firmenseite oder von Kollegen. LinkedIn mag das nicht. Die Plattform will wissen, was Sie zu sagen haben, was Ihre Kämpfe und Erkenntnisse sind.

Und viertens: Manche gehen zu Medien, die nicht zu ihrer Phase passen. Wenn das Produkt noch nicht reif ist, sollte man etwa in einem Podcast über das Feld sprechen, nicht über die Lösung. Sonst verspricht man zu viel und liefert zu wenig.

Wie viele Posts pro Woche sind realistisch sinnvoll?

Optimal wären zwei pro Woche. Realistisch reicht ein guter, tiefgehender Post pro Woche, der eine eigene Perspektive zeigt. LinkedIn liebt sogenannte „Scar Stories“ – Geschichten von Verletzungen, aus denen man gelernt hat.

Über Fehler zu sprechen ist guter Content?

Ja, weil es verbindet. Es muss nicht der größte Fehler sein. Sie können sagen: Wir haben anfangs in diese Richtung investiert, dann hat sich der Markt verändert, also haben wir gepivotet. Das ist „Building in Public“ – Sie nehmen Ihre Follower mit auf die Reise. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre eigene Show!

Im DACH-Raum spricht kaum jemand über Misserfolge. Wie ist das in anderen Kulturen?

Es geht nicht darum, sich in schlechtem Licht zu zeigen, sondern Lernerfahrungen zu teilen. Die israelische Kultur ist sehr expressiv und leidenschaftlich. Wir haben Gründer, die ihre tiefen Kämpfe und Frustrationen während des Aufbaus ihres Unternehmens radikal offen teilen. Das gibt anderen Gründern die Erlaubnis, es ihnen gleichzutun – was am Ende sowohl persönlich als auch für das Unternehmen hilfreich ist.

In asiatischen Kulturen, im Baltikum, im DACH-Raum oder in Skandinavien sind Menschen reservierter und risikoaverser. Das ist nicht schlecht – Israelis springen auf jede Idee; manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Die Frage ist: Wie viel kann ich teilen, das mir dient, anderen Wert gibt, mir aber nicht schadet?

Wie misst man eigentlich, ob Sichtbarkeit auch Umsatz bringt?

Anders als im Vertrieb, wo Sie 50 Leute ansprechen und zwei Deals abschließen, geht es hier um Signale. Verbinden sich qualitativ relevante Menschen aus Ihrer Zielgruppe mit Ihnen? Merken Sie, dass Investoren Sie schon kennen, bevor Sie den Raum betreten? Sprechen Menschen über Sie? Das nennt man „Dark Social“ – wenn das passiert, funktioniert Ihre Marke.

Ein konkreter Tipp zur Monetarisierung: Vor jedem Meeting werden Sie beobachtet. Posten Sie zwei oder drei Tage vorher etwas, das Fragen oder Einwände beantwortet, die im Gespräch kommen werden. Wenn Investoren an der Skalierbarkeit zweifeln könnten, schreiben Sie über die Skalierbarkeit Ihrer Branche.

Das ist strategische Kommunikation pur…

Genau. Wenn Sie sich auf ein Meeting vorbereiten, gehört ein LinkedIn-Post auf die To-do-Liste. Sichtbarkeit ist kein Privileg, sondern ein Business-Tool, eine Infrastruktur.

Wie viel Zeit sollte ein Gründer investieren?

Mit KI ist das heute leichter. Erstellen Sie ein Projekt in ChatGPT oder Claude, füttern Sie es mit Ihrer Marke, Werten, Botschaften, kopieren Sie E-Mails oder Texte hinein. Dann sagen Sie: Ich möchte über die Skalierbarkeit unseres Geschäfts schreiben, hier sind drei Punkte. So entstehen Posts in Ihrer Stimme. Minimum: ein Post pro Woche. Sie können sich 30 Minuten wöchentlich Zeit nehmen oder einmal im Monat ein, zwei Stunden für alle Posts.

LinkedIn ist mit KI-Content geflutet. Sehen wir eine Gegenbewegung hin zu mehr Authentizität?

Es heißt, etwa 80 Prozent der Posts seien KI-generiert – ich denke, es sind mehr. Was Sie vermeiden sollten: den langen Gedankenstrich, den alle KI-Tools lieben; und typische Strukturen wie „Don’t do X, do Y“ oder kurze Sätze mit Punkt am Ende. Ich habe gestern in einem Post einen Tippfehler gefunden und ihn drin gelassen – weil er menschlicher ist. Verwenden Sie keine Wörter, die Sie sonst nie benutzen. KI können Sie trainieren, aber vertrauen Sie ihr nicht zu 100 Prozent.

Welche Trends sehen Sie auf LinkedIn?

Authentizität mit eigenem Stil und visuellen Wiedererkennungsmerkmalen. Und Spezifität: LinkedIn will Sie mit relevanten Menschen vernetzen – fokussieren Sie sich also auf Ihr Fachgebiet.

In Österreich gibt es Gründer, die sehr laut auftreten. Birgt das Risiken?

Kulturell, ja. Wenn Sie Wertvolles teilen, das anderen hilft, ist Lautstärke okay. Aber im DACH-Raum kann das Türen schließen. In Israel sind die Menschen wie gesagt von Natur aus lauter und leidenschaftlicher. Heute sehen wir auch einen Shift zu Solopreneuren oder Drei-Personen-Unicorns. Als Solopreneur müssen Sie Ihre Marke draußen haben – das Ziel sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Gibt es internationale Vorbilder?

Jensen Huang von Nvidia versteht, dass er das Gesicht des Unternehmens ist. Auf seinem LinkedIn-Profil steht Nvidia und davor ein Job als Tellerwäscher in einem Burgerladen.

Oder Sam Altman: Vor drei Jahren, als die Menschen Angst vor OpenAI hatten, machte er mit seinem Mitgründer eine Welttournee, traf Menschen auf Events. Sie nutzten ihre Founder-Marke, um Botschaften zu transportieren und Vertrauen aufzubauen.

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