10.05.2021

„Höhle der Löwen“: Deutsches Model Giulia Siegel schnappt sich drei Löwen

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" ging es um Polster für Badewannen, Wurst aus Fisch und eine App fürs nachhaltige Abnehmen. Zudem konnte ein ehemaliges Model ihre Idee für einen digitalen Beleg erfolgreich vermarkten.
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Höhle der Löwen, GreenBill
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Giulia Siegel, Ludwig Heer (r.) und Tobias Kiessling präsentieren mit GreenBill digitale Belege für Kassensysteme.
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Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – waren Model, Schauspielerin und DJ Giulia Siegel, ihr Partner Ludwig Heer und Entwickler Tobias Kiessling. Mit GreenBill möchten die drei das Kassenbon-System digitalisieren und Müll vermeiden. „Belege sind nicht nur nervig, sie sind auch hochgiftig. Pro Jahr werden in Deutschland 50.000 Tonnen Belege auf Thermopapier gedruckt“, berichtete die Tochter des ESC-Veteranen Ralph Siegel.

GreenBill ermöglicht es Einzelhändlern, Gastronomen und Hoteliers, digitale Belege auf einfache Weise zu erstellen und direkt an den Endkunden zu übertragen. Die GreenBill-Box wird ohne weitere Software-Installation wie ein gewöhnlicher Drucker an die Kasse angeschlossen. Nach Abschluss des Beleges erscheine dieser innerhalb weniger Sekunden auf einem Tablet. Der Gast könne zudem nach Bestätigung der Rechnung den Beleg per QR-Code scannen, um sich diesen als PDF oder Foto abzuspeichern. Alternativ bestehe auch die Möglichkeit, sich den Beleg per E-Mail zuzusenden, auch ohne App. Um expandieren zu können, benötigten die Gründer 250.000 Euro und boten dafür zehn Prozent ihrer Firmenanteile an.

Der Schuster in der „Höhle der Löwen“

Nach dem Pitch erfuhren die Löwen, dass Kiessling bereits ein altes Unternehmen an die Deutsche Post verkauft hatte und dass die GreenBill-Box 49 Euro pro Monat kostet. Bei einer Mindestvertragszeit von zwölf Monaten. Kunden würden allerdings bis zu 150 Euro im Monat einsparen können. Familien-Investorin Dagmar Wöhrl ließ sich danach nochmal die Idee vorführen und sich zusichern, dass alles anonym ablaufe. Beauty-Queen Judith Williams stieg anschließend mit großem Lob aus, der Bereich wäre nicht ihre Welt. Die Gründer erwähnten darauf ihr Vorhaben von geplanten 2,5 Millionen Euro im Umsatz im nächsten Jahr. Handelsexperte Ralf Dümmel ging dennoch als nächster und meinte, dass die Idee eine großartige wäre, er als „Schuster aber lieber bei seinen Leisten bleiben würde“.

GreenBill, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Giulia Siegel, Ludwig Heer (r.) und Tobias Kiessling bei ihrem Pitch des digitalen Belegsystems vor den Löwen.

Die restlichen drei Löwen, inklusive Nils Glagau, erhoben sich anschließend zur Beratung und wollten von den Gründern wissen, wo deren Obergrenze bei der Anteilsabgabe wäre. Jene berieten sich ohne ein konkretes Angebot in der Tasche und kehrten mit der Information zurück, dass sie 18 Prozent Beteiligung in Erwägung zogen. Nach der zweiten Beratung der TV-Investoren stimmten die drei der genannten Zahl zu, erhöhten jedoch das Cash-Angebot nicht und blieben bei 250.000 Euro.

Löwen kommen Gründern entgegen

Dies zeigte sich jedoch als Problem für die Gründer, die erwähnten, dass sie bei der ausgerufenen Bewertung bleiben wollen würden. Die beinahe Halbierung des Firmenwerts ginge nicht. Maschmeyer schlug darauf vor, dass die Löwen, sollte die Zusammenarbeit passen, in einem zweiten Schritt weitere 150.000 Euro zuschießen würden, ohne dabei mehr Anteile zu fordern. Deal für GreenBill.

Von der Wanne zur Couch

Als berufstätige Mütter wussten die zweiten in der „Höhle der Löwen“ Annika Götz und Natalie Steger, wie wichtig kleine Auszeiten zur Entspannung sind und präsentierten ein Badewannen-Kissen. Es sei wasserdurchlässig und aus einem hochwertigen, langlebigen Material gefertigt, das speziell für den Kontakt mit Wasser entwickelt wurde. Außerdem zeige es sich schimmel- und stockfleckenresistent. Die spezielle Füllung soll zudem nicht nur bequem sein, sondern auch das Wasser aufsaugen, sodass die Kissen keinen Auftrieb haben. Ihr Badesofa gibt es in fünf verschiedenen Farben und vier unterschiedlichen Größen. Die Forderung: 150.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile.

Höhle der Löwen, Badesofa
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Annika Götz (r.) und Natalie Steger aus Köln haben mit Badesofa einen Weg gefunden, Badewannen komfortabler zu machen.

Der widerstandsfähige Outdoorstoff des Kissens sorge für die angestrebten Eigenschaften und lasse das Kissen dabei trotzdem maschinen- und handwaschbar bleiben. Aufgrund des UV-beständigen Oberflächenmaterials könne es auch im Sommer im Pool verwendet werden. Auch mit den meisten Badezusätzen hätten die Produkte keine Probleme, sofern diese nicht stark färben oder ätherische Öle enthalten. Nach Gebrauch kann das Badekissen aus Polyvinylchlorid, Polyester, und Synthetikfaser in der Wanne trocknen und beliebig wiederverwendet werden, so die Gründerinnen.

„Fixiert, ohne fixiert zu sein“

Nach der Vorführung von Steger durften sich die Löwen selbst einen Eindruck von dem Kissen verschaffen. Maschmeyer stieg dafür in die Badewanne und meinte, man fühle sich fixiert, ohne fixiert zu sein. Es sei viel bequemer und derart gemütlich, sodass er sogar einschlafen könne, wäre die Wanne mit Wasser gefüllt. Seine Anfangs-Skepsis sei vollkommen verflogen.

Williams möchte mehr Anteile?

Innerhalb von fünf Monaten hatten die Gründerinnen über den Onlineshop und Handelspartner rund 37.000 Euro Umsatz erwirtschaftet. Glagau glaubte daran, dass sich ihre Idee durchsetzen würde, er aber wäre der falsche Partner. Maschmeyer bezeichnete zwar die beiden Frauen als Traumgründerinnen, stieg aber aus, da es nicht sein Markt wäre. Williams erklärte breit, wie wichtig ihr ein höherer Anteil wäre, um sich total einzubringen. Nach einem kurzen Plädoyer, wie positiv die Gründerinnen eine Partnerin Williams finden würden, erbat sich jene etwas Bedenkzeit. Medien-Investor Georg Kofler ging als nächster ohne Angebot.

Löwe will nicht verhandeln

Danach meinte Dümmel die Firmenbewertung sei zu hoch. Zudem wäre der Preis – 99 Euro für die kleinste Variante – nicht akzeptabel, daran müsse man arbeiten. Die Gründerinnen zeigten Bereitschaft und erhielten danach plötzlich eine Absage von Williams, die das Gefühl hatte, dass ihr Kollege Feuer gefangen hätte. Und sie ihm den Vortritt lassen möchte. Der Angesprochene forderte danach 33 Prozent Anteile für die gewünschten 150.000 Euro. Und machte charmant klar, dass er nicht verhandeln würde. Die Gründerinnen meinten, dass sie eigentlich den Plan gehabt hätten, nicht mehr als 20 Prozent abzugeben, aber der Löwe habe sie überzeugt. Deal für Badesofa.

Die Wurst hat zwei Enden – und in der „Höhle der Löwen“ Fisch

Der Dritte in der „Höhle der Löwen“ war Andreas Tatzel, gelernter Fleischermeister und nebenberuflicher Busfahrer. Den Löwen präsentierte der 57-Jährige seine eigenen Wurst-Kreationen: „Meine Wurst wird nicht aus Fleisch hergestellt, sondern aus Fisch. Der Wels hat hohe Omega3-Fettsäuren und einen hohen Anteil an Eiweiß. Außerdem ist er geschmacksneutral“, sagte der Gründer. In seinem Marée-Sortiment befindet sich unter anderem eine Bratwurst-, eine Fleischkäse- sowie eine Fleischlaberl-Art und Fischsalami-Sticks. Alles wird nach traditionellem Fleischerhandwerk hergestellt und besteht aus Welsfilet, Rapsöl und Gewürzen – ohne Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. Um mit seinen Produkten durchstarten zu können, benötigte Tatzel 40.000 Euro und bot 25 Prozent seiner Firmenanteile an.

Marée
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Andreas Tatzel aus Angelburg hat mit Marée Wurst aus Fisch erschaffen.

Der Gründer, der mit seiner alten Metzgerei bankrott gegangen ist, überraschte die Löwen mit seiner Idee und ließ sie nach dem Pitch kosten. Bei über 3.000 Test-Verkostungen, erklärte der Gründer, habe fast keiner gemerkt, dass es sich bei der Kostprobe um Fisch handelt. Dümmel lobte den Geschmack, während sich Maschmeyer versichern ließ, dass Marée gesünder sei, als die Originale.

Fischwurst schwer zu erklären

Bisher wurden die Produkte in zehn regionalen Supermärkten gelistet und brachten so lange erfolgreiche Verkaufszahlen, solange der Gründer selbst hinter der Fleischtheke stand. Danach gingen die Verkäufe deutlich zurück, erklärte Tatzel. Der Umsatz betrug 2019 13.000 Euro, 2020 fiel dieser wegen Corona ab. Wöhrl erklärte scharfsinnig, dass dieses Produkt einen hohen Erklärungsbedarf habe. Sie ging ohne Angebot. Für Glagau war die Idee Fleisch durch Fisch zu ersetzen, keine mit der er sich identifizieren konnte. Auch er verabschiedete sich ohne Deal-Vorschlag.

Das Kühlketten-Problem

Auch Maschmeyer meinte, er möge diese Veränderung bei Nahrungsmitteln nicht. Nachdem auch der dritte Löwe weg war, sagte Dümmel, er liebe solche Typen wie den Gründer, der mit Begeisterung sein Startup vertrat, hätte eigentlich Lust einzusteigen, sah aber ein Problem. Marée müsse ständig gekühlt bleiben. Und das Thema Kühlkette sei bei ihm nicht vorhanden. Kofler glaubte, dass man diese Idee nicht groß machen könnte. Tatzel kämpfte und erklärte, dass es vor 35 Jahren mit der Geflügelwurst genauso langsam angefangen habe. Und sie jetzt deutschlandweit erhältlich wäre. Es half wenig, denn der Investor erwiderte, „Awareness schaffen“ würde zu hohe Kosten verursachen und der Lebensmittelmarkt sei eben nicht sein Metier. Kein Deal für Marée.

App gegen Übergewicht in der Höhle der Löwen

Die vorletzten, die sich in die „Höhle der Löwen“ wagten, waren Tobias Lorenz, Nora Mehl und Henrik Emmert. Die drei haben 2019 aidhere gegründet. Ihre Mission: Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) zu helfen, die gesünder leben möchten. Allein in Deutschland ist jeder Vierte stark übergewichtig und das bedeutet oft psychisches und physisches Leid. Ihre dazugehörige App zanadio ist ein individuelles Behandlungsprogramm für Adipositas-Patienten – damit sollen diese ihr Verhalten langfristig ändern und gesund abnehmen können. Das Programm soll bei der Ernährungsumstellung helfen und mehr Bewegung in das Leben bringen. Innerhalb des digitalen Angebots sind Experten bei Problemen per Chat ansprechbar. „zanadio ist individuell, effektiv und wissenschaftlich fundiert. Deshalb ist es auch als Medizinprodukt zugelassen“, erklärte Henrik Emmert. Unterstützung benötigte das Trio im Bereich Marketing und Vertrieb. Um einen Löwen an Bord zu bekommen, boten sie acht Prozent ihrer Firmenanteile für 500.000 Euro an.

Medizin-Apps am Vormarsch?

Die Inhalte der App, welche es für die gängigen Betriebssysteme iOS und Android gibt, sind nach wissenschaftlichen Standards der Psychologie, Ernährungsmedizin und Bewegungswissenschaften entwickelt und nach eigenen Angaben als Medizinprodukt Risikoklasse 1 gemäß MDD zertifiziert. Die im November 2020 gelaunchte App sei aber nur der erste Schlag digitaler Medizin-Apps, die das junge Startup entwickelt, um Menschen zu helfen. Digitale, datengetriebene Produkte sollen mit umfangreichem Wissen eine Lücke in der medizinischen Versorgung Erkrankter schließen.

zanadio, Höhle der Löwen
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Nora Mehl, Tobias Lorenz (l.) und Henrik Emmert entwickelten mit zanadio eine Adipositas-Therapie per App.

Die App kostet 199 Euro pro Monat. Das interne Programm ist dabei auf sechs bis zwölf Monate ausgelegt. Kofler zweifelte stark daran, dass das Konzept funktioniere. Nachhaltiges Abnehmen sei ein schwerer Prozess mit viel Durchhaltekraft. Menschen würden da eher Menschen als Hilfe brauchen, nicht eine App. Dem widersprach die Gründerin und erklärte, dass es für solche Fälle auch Video, Chats und Lektionen bei zanadio gebe. Kofler blieb dennoch bei seiner Einstellung, dass es eine menschliche Komponente brauche. Er und Dümmel stiegen aus.

Neuer Marktaufbau

Anschließend erklärte Rosberg, dass die Gründer versuchen würden einen neuen Markt aufzubauen, das sei sehr schwierig. Er ging mit Erfolgswünschen. Auch Maschmeyer sah noch zu viele Unsicherheiten bei der Idee. Nachdem auch er weg war, bestätigte Wöhrl, man brauche viel Kapital in Sachen Marketing. Das wäre nicht ihr Geschäftsmodell. Kein Deal für aidhere.

Aufnahmeleiter steigt in eigene Show ein

Den Abschluss der „Höhle der Löwen“ bildete Dennis Krey. Für die Löwenhöhle ein bekanntes Gesicht. Bei den ersten drei Staffeln hat der Kölner als Studio-Aufnahmeleiter gearbeitet. Gemeinsam mit seiner Co-Gründerin Carina Frings präsentierte er den Udo Mehrwegdeckel. „Allein in Deutschland werden pro Stunde 320.000 Coffee-To-Go-Einwegbecher verbraucht. Das sind am Tag 7,6 Millionen und pro Jahr 2,7 Milliarden Becher“, erklärte die 29-Jährige den Löwen.

Deckel für Geschirrspüler geeignet

Während ihres Design-Studiums bekam Frings die Aufgabe, einen nachhaltigen Coffee-To-Go-Becher zu entwickeln. Da jeder die Schränke voller Tassen habe, entstand die Idee zu dem Udo Mehrwegdeckel, der auf fast alle Becher und Tassen passt. „Durch seine konische Form saugt sich der Deckel fest und es läuft nichts aus“, erklärte Krey. „Der Deckel ist zu 100 Prozent ‚Made in Germany‘, aus einem recyclefähigem Kunststoff gefertigt und spülmaschinengeeignet.“ Die Forderung: 100.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Höhle der Löwen, Udo
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Carina Frings und Dennis Krey zeigten ihren Mehrwegdeckel „Udo“ den Löwen.

Konkret: Der Verschlusstopfen kann auf die Gefäßöffnung gedrückt werden und ist in seiner Machart an die Verschlüsse von To-Go-Behältern angepasst. Für Firmen ist es außerdem möglich ein Logo als Werbemittel aufzudrucken. Während Maschmeyer bedauerte, dass Udo keine Trinköffnung habe, meinte Dümmel gerade dieser Umstand sei das Hauptargument, um ihn unterwegs oder im Auto nicht zu verschütten. Kofler hingegen sprach bei „cofee to go“ von einem Lebensgefühl und sah darin ein Problem, dass man stets die eigene Tasse für den Kaffee mithaben müsse. Er empfand das Produkt als ehrenwert, aber als keinen Ersatz für „coffee to go“. Er ging ohne Angebot.

Eigenes Häferl beim Spazieren?

Nachdem die Gründer den Namen Udo erklärt hatten, eine umgestellte Personifizierung des Begriffes „Duo“ für Tasse und Deckel, sagte Maschmeyer, er fände die Marke „völlig daneben“. Es brauche zu viel Marketingaufwand um das Produkt zu erklären. Auch der bisherige Verkauf von „bloß“ 13.000 Stück war ihm zu gering. Ein weiterer Löwe ohne Angebot. Auch Glagau wähnte, er könne sich schwer vorstellen, dass Menschen mit ihrem persönlichen Glas oder Tasse herumspazieren würden. Dem entgegneten die Gründer, dass auch der b2b-Bereich zur Zielgruppe gehöre, etwa Büro-Mitarbeiter. Dennoch haderte auch Wöhrl damit, im Deckel einen Mehrwert zu erkennen und ging ebenso. Dümmel hingegen sah ein, dass es ein Umdenken bei Menschen brauche, und dass man bei diesem Müllvolumen auch mal sein Verhalten ändern müsse. Er bot 100.000 Euro für 33 Prozent. Deal für Udo.

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„Es kommt nur selten vor, dass Vertreter:innen der weltweit führenden Frontier-Labs gleichzeitig an einem Ort zusammenkommen“, erklärt Alina Nikolaou, Co-Founder, Director & Curator der TEDAI. Mit der Ankündigung weiterer hochkarätiger Speaker:innen aus Organisationen wie Anthropic und Google DeepMind nimmt die dritte Auflage der TEDAI, die vom 28. bis 30. Oktober 2026 in der Wiener Hofburg stattfindet, nun konkrete Formen an. Rund 1.200 internationale Entscheidungsträger:innen, Pionier:innen und KI-Enthusiast:innen werden in Wien erwartet und sollen dort die Möglichkeiten, Grenzen und offenen Fragen der nächsten KI-Generation diskutieren.

Praktische Umsetzung im Vordergrund

Schon im März berichtete brutkasten über die ersten bekannten Namen im Line-up, darunter Physik-Nobelpreisträger Geoffrey Hinton und OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger. Seither hat sich das Programm der weltweit einzigen offiziellen TED-Konferenz zu Künstlicher Intelligenz noch deutlich erweitert und wurde analog zur weiterhin rasanten KI-Entwicklung adaptiert. Während die Konferenz anfangs vor allem breite gesellschaftliche und ethische Themen im Visier hatte, rückt mit den neuesten Speaker:innen-Bestätigungen vom August die praktische Umsetzung in den Vordergrund. „Vom Modell zur Wirkung“ lautet das aktuelle Motto. Es gehe darum, „wie aus leistungsfähigen KI-Modellen verlässliche Anwendungen und KI-Agenten entstehen, die Menschen in Arbeit, Forschung und Wirtschaft konkret unterstützen“.

Zielsetzung der TEDAI im Wandel

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der personellen Auswahl der Veranstalter:innen wider. Erklärte Alina Nikolaou im März noch, dass im Fokus der Konferenz „die ambitioniertesten KI-Trends und Ideen unserer Zeit: konkrete Lösungen, radikale Paradigmenwechsel, augenöffnende Forschungsergebnisse und schwierige, aber dringend notwendige soziale Fragen“ stünden, so sagte Nikolaou im Juni bereits über die gewünschte Perspektivenvielfalt: „Wenn es um KI geht, entstehen die spannendsten Erkenntnisse oft nicht im Konsens, sondern dort, wo Perspektiven und Paradigmen aufeinanderprallen. Genau diese Spannungsfelder wollen wir auf der TEDAI 2026 sichtbar machen.“ Nun, mit den neuesten Ankündigungen von heute, stehe laut den Organisator:innen die Chance im Fokus, „Einblicke in Ideen zu gewinnen, an denen heute gearbeitet wird: von KI-Agenten in der Wirtschaft bis zur Zukunft der Wissensarbeit“.

Die Top-Speaker:innen

Unter den zahlreichen Neuzugängen sind einige besonders klingende Namen:

Geoffrey Hinton: Der britisch-kanadische Wissenschaftler gilt als einer der „Godfathers of AI“ und ist ein Pionier im Bereich neuronaler Netze und Deep Learning. Für seine grundlegenden Beiträge wurde er 2018 mit dem Turing Award und 2024 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Peter Steinberger: Der gebürtige Österreicher sorgte mit seiner Open-Source-Anwendung OpenClaw für einen internationalen Hype. Inzwischen arbeitet er für das US-Schwergewicht OpenAI an Produkten für eine „Agent-first“-Welt, mit dem Ziel, jedem Menschen einen eigenen KI-Assistenten zur Verfügung zu stellen.

Felix Rieseberg: Er kommt neu ins Line-up und arbeitet bei Anthropic direkt an der Schnittstelle zwischen Modellen und praktischer Anwendung. Dort entwickelte er unter anderem Claude Cowork und verantwortete Engineering-Teams für Claude.ai sowie Claude Code auf dem Desktop.

Nenad Tomašev: Als Senior Staff Research Scientist bei Google DeepMind forscht er zu Multi-Agenten-Systemen, Agentic Economies sowie KI-Sicherheit. Seine Arbeit fokussiert darauf, wie komplexe KI-Agenten wirksam durch Menschen kontrolliert und an menschlichen Interessen ausgerichtet werden können.

Valeria Pettorino: Die Physikerin ist Project Scientist der Euclid-Weltraummission bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Sie bringt eine astrophysikalische Perspektive ein und zeigt, wie KI-Technologie unser Verständnis des Universums, insbesondere im Bereich Kosmologie und Dunkler Energie, erweitert.

Die weiteren Speaker:innen: breites Spektrum von Kosmologie bis Plattformkritik

Um den Anspruch zu erfüllen, die „gesamte Bandbreite der KI-Debatte abbilden“ zu können, bringen die weiteren Speaker:innen höchst diverse Perspektiven nach Wien. Die wissenschaftliche und technologische Grundlagenforschung wird durch die Forscherinnen Anna Goldie und Azalia Mirhoseini, Gründerinnen von Recursive Intelligence und ehemalige Leiterinnen des AlphaChip-Projekts bei Google, beleuchtet. Mahmoud „Mido“ Assran forscht an sogenannten World Models und Self-Supervised Learning, um effiziente und sichere KI-Agenten zu ermöglichen. Gehirnaktivitäten mittels KI entschlüsselt wiederum der japanische Neurowissenschaftler Yukiyasu Kamitani, dessen Arbeit bis zur Rekonstruktion von Träumen reicht.

Demgegenüber stehen kritische Stimmen aus Medien, Ethik und Gesellschaft: Nicholas Thompson, CEO von The Atlantic, und der bekannte Autor und Aktivist Cory Doctorow ordnen die gesellschaftlichen und politischen Folgen von KI ein. Um Datenschutz und Ethik dreht sich die Arbeit von Carissa Véliz (Associate Professor in Oxford), während der Rechtswissenschaftler César Rodríguez-Garavito (NYU) zu KI-Governance und Klima- sowie indigenen Rechten forscht. Die nigerianische klinische Psychologin Kauna Ibrahim Malgwi bringt zudem ihre Forschung zu algorithmischem Trauma und mentaler Gesundheit in prekären digitalen Arbeitsbedingungen ein.

Praxisnahe Anwendungen bringen schließlich Kateryna Lopatiuk (räumliche Datenanalyse für den Wiederaufbau), Dr. Layla Hosseini-Gerami (Ignota Labs, Chief Data Science Officer für KI-gestützte Medikamentenentwicklung) und Gabriella Di Laccio (Donne, Women in Music) mit Datenanalysen zur Sichtbarkeit von Komponistinnen ein.

Neben den rund 20 TED-Talks am abschließenden Konferenztag will die TEDAI 2026 den Besucher:innen ein umfassendes „Gesamterlebnis“ bieten. Dazu gehören ein festlicher Eröffnungsball, der Wiener Tradition mit moderner Innovation verbinde, sowie der sogenannte „Discovery Day“ mit interaktiven Workshops.

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