05.09.2022

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

In dieser Folge der Höhle der Löwen gab es gleich fünf Angebote für das Brustwarzen-Bedeckungs-Startup Nippli, einen Pitch in Gebärdensprache und einen Gründer, der ein geheimes Familienrezept geschenkt bekommen hatte.
/artikel/hoehle-der-loewen-alle-investoren-wollen-nippel-cover-startup
Nippli, Höhle der Löwen, Nippel Cover
(c) RTL - Miriam Weilmünster legte einen beeindruckenden Auftritt hin.

Die Höhle der Löwen begann diese Woche mit Miriam Weilmünster und ihren Nippel Cover. Startup-Gründungen haben öfter mal simple Vorgeschichten. So auch diesmal: Die Gründerin von Nippli trägt gerne Oberteile, bei denen kein BH infrage kommt, doch mit den bisher erhältlichen Produkten war sie nicht zufrieden.

Nippli in der Höhle der Löwen

„Sie zeichnen sich durch das Oberteil ab, haben komische Formen oder sind nur für den einmaligen Gebrauch und dadurch entsteht auch noch viel Müll“, erklärte die 22-Jährige in der Show. Zudem waren die Produkte bisher nur über anonyme Marketplaces erhältlich.

Mit der Entwicklung und Gründung von Nippli möchte sie das Problem lösen: „In der Mitte sind sie zwei Millimeter dünn, um den Nippel perfekt zu covern. Nach außen werden sie bis zu 0,5 Millimeter dünn, um perfekt an der Brust anzuliegen. Damit sind keine Abdrücke durch das Oberteil sichtbar“, erklärte Weilmünster weiter.

Nippel Cover wieder verwendbar

Ihr Produkt ist zudem wasser- und schweißfest, wieder verwendbar und ist in drei verschiedenen Farben und in den zwei Varianten selbstklebend und mit Kleber erhältlich. Sie können rückstandslos und schmerzfrei entfernt, anschließend gereinigt ­und so immer wieder getragen werden. Aktuell ist Nippli nur online erhältlich. Die Forderung: 90.000 Euro für 20 Prozent.

Höhle der Löwen, Nippli
(c) RTL – Miriam Weilmünster präsentierte mit Nippli dünne Nippelcover.

Für Weilmünster begann die Jurykritik großartig, weil Carsten Maschmeyer zwar ausstieg, aber ihr versicherte, er würde wieder einsteigen, sollte niemand ein Angebot stellen.

Gründerin redet, Investor ändert Meinung

Dann sprach die Gründerin weiter. Und Maschmeyer änderte plötzlich seine Meinung und auch gleich seine Haltung, nicht in Mode zu investieren. Auch wenn er von der Branche keine Ahnung hätte, gab er schlussendlich ein Angebot ab, weil Weilmünster von Minute zu Minute beeindruckender wurde. Er bot 90.000 Euro für 20 Prozent.

Danach folgten die restlichen Vier, boten exakt das Gleiche und ließen die Gründerin mit einer unglaublichen Qual der Wahl zurück. Weilmünster war lange Zeit überfordert, entschied sich am Ende aber für Ausnahme-Anbieter Carsten Maschmeyer. Deal für Nippli.

Hopper Mobility

Martin Halama war der nächste in der Höhle der Löwen. Der Gründer brennt für die E-Mobilität in Städten und hat sein eigenes E-Lastenfahrrad vor sieben Jahren selbst gebaut: „Mir ist bewusst, dass nicht jeder sein eigenes Lastenfahrrad bauen und sich nicht jeder ein E-Auto leisten kann“, sagte er.

Inspiriert von den Tuk-Tuks in Indien entstand so die Idee zu Hopper Mobility. Nach einigen Jahren in Führungspositionen in der Automobilbranche entschied er, zusammen mit Georg Schieren, Torben Müller-Hansen und Philipp Herrmann, aus der Idee Realität werden zu lassen.

Hopper ein E-Bike

Das modern designte E-Fahrzeug möchte die Vorteile eines Fahrrads mit dem Komfort eines Autos kombinieren und so die umweltfreundliche Auto-Alternative für die Stadt sein. Der Hopper gilt als E-Bike und hat somit eine Fahrradwegzulassung.

Hopper, Höhle der Löwen
(c) RTL – Der Weltmeister Nico Rosberg hatte Spaß im Hopper.

Er hat einen Sitz, ein Lenkrad und die Karosserie mit Dach schützt vor Regen. Außerdem bietet er mit einem 220 Liter großen Kofferraum Platz für Einkäufe – alternativ gibt es die Möglichkeit für einen zweiten Sitz.

E-Motor mit 25 km/h

Das Fahren ist ähnlich zu einem E-Bike, der integrierte Elektromotor unterstützt die Fahrer:innen und erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h. Dank der kompakten Bauweise passe der Hopper in jede kleine Parklücke und die herausnehmbare Batterie kann an jeder gewöhnlichen Steckdose zu Hause geladen werden.

Optional gibt es den Hopper auch mit einer Solarzelle, sodass er im Sommer energieautark betrieben werden kann. Die erste Vorserie des Hopper war innerhalb von einem Tag ausverkauft. Um die Marke Hopper Mobility und die Produktion aufzubauen, waren die Gründer auf der Suche nach einem Investor. Ihr Angebot: 1.000.000 Euro für 12 Prozent der Firmenanteile.

Nachdem sichtlich alle Löwen Freude am Testen gezeigt und Kaufversprechen abgegeben hatten, war das Auto-Bike den Investoren schlussendlich zu kapitalintensiv und zu weit weg von der Serienproduktion (zwölf bis 18 Monate, wie der Gründer sagte). Kein Deal für Hopper Mobility.

Socklaender: Socke gegen Schmutz im Schuh

Nadim Ledschbor und Tobias Ross waren die nächsten Pitcher in der Höhle der Löwen. Vor alle Ross als Garten- und Landschaftsbauer nervte bei der täglichen Arbeit eine Sache: „Der Dreck im Schuh wie Sand, kleine Steinchen oder Sägespäne“, erklärte er.

Auch der leidenschaftliche Wanderer Nadim kannte das Problem: „Ich habe vor Jahren den Kilimandscharo bestiegen und kleine Steinchen oder andere Fremdkörper im Schuh machen das Wandern problematisch. Es ist mühselig, diese zu entfernen: hinsetzen, Schuh ausziehen, Fremdkörper herausholen und Schuh wieder anziehen. Und wenn es ganz schlecht läuft, hat man auch noch schmerzende Stellen am Fuß“, meinte dieser.

socklaender
(c) RTL – Tobias Ross (l.) und Nadim Ledschbor haben mit socklaender eine Schutz-Socke mit Doppelschaft erfunden.

Einen schnellen und zuverlässigen Schutz haben beide nicht auf dem Markt gefunden und so eine eigene Lösung für das Problem entwickelt: „Die socklaender ist eine Schutzsocke mit einem doppelten Schaft und funktioniert super einfach. Wir haben nicht nur einen, sondern zwei Schäfte, die miteinander verbunden sind. Den äußeren Schaft stülpt man über den Schuh und schon kann nichts mehr in den Schuh fallen“, so die Founder weiter.

Silikonstreifen für besseren Halt

Die Zusammensetzung aus Baumwolle, Polyamid und Elasthan soll für ein ideales Fußklima sorgen, integrierte Silikonstreifen für einen besseren Halt im Schuh. Für besonders beanspruchte Stellen am Fuß gibt es extra Polsterungen, die Druckstellen verhindern, so die Gründer. Die Forderung: 60.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Der bisher geringe Umsatz von 3.000 Euro in einem Jahr und, dass die Gründer andere Brotberufe hatten, schreckte die Löwen ab. Nicht jedoch Ralf Dümmel. Der Regal-Experte bot für den „Problemlöser“ 60.000 Euro für 25 Prozent.

Glagau indes lockte mit dem Vorhaben, das „Fußtestimonial“ zu werden und offerierte das Gleiche wie sein Vorredner. Zudem versprach er sämtliche Vorgaben a la „gewünschte Milestones“ zu erfüllen. Den Deal bekam jedoch Dümmel.

GinGillard in der Höhle der Löwen

„Wir bringen heute ein einzigartiges alkoholisches Getränk und auch eine besondere Story rund um das Unternehmen mit“, kündigten Damian Breu und Dominik Nimar an.

„Wir hoffen natürlich, dass wir das erste Unternehmen mit hörgeschädigten Gründern sind, die hier einen Deal abschließen können. Und wir möchten tatsächlich auch die Gebärdensprachgemeinschaft ein bisschen in den Blickpunkt rücken und als Vorbild dienen“, erklärten sie.

GinGillard
(c) RTL – V.l.: Dominik Nimar, Fabio del Tufo und Damian Breu pitchten GinGillard in Gebärdensprache mit Dolmetscher.

Gemeinsam mit ihrem Dolmetscher betraten sie die Höhle der Löwen: „Wir sind gehörlos bzw. schwerhörig und haben kein Gehör. Aber wir haben heute eine Geschmacksexplosion für das Auge, die Nase und für den Mund mitgebracht“, so ihr Anfangspitch.

Aus der Normandie

Die Geschichte des Startups begann in der Normandie. Die Familie Gillard hat jahrelang auf dem Altstadtfest ihr Getränk ausgeschenkt, das, wie sie sagen, nicht mit anderen Spirituosen vergleichbar war, besonders die Zitrone habe dem Gin eine einzigartige Note verliehen.

Das geheime Rezept wurde bisher nur innerhalb der Familie über Generationen weitergegeben. Nachdem del Tufo jahrelang beim Verkauf des Familiengetränks auf Stadtfesten mitgeholfen hatte, schenkte ihm die Familie Gillard als Dank seiner Treue das Rezept.

Gemeinsam mit seinen beiden Partnern hat er daran gefeilt: Ihr Getränk ist nun eine zitrushaltige Spirituose auf Gin-Basis mit 23,9 Prozent Alkoholgehalt. Es enthält einen Gin mit den typischen 13 Botanicals und auf der anderen Seite den Gillard.

Kunstvolle Verpackung

„Der Gillard ist das Herzstück des Getränks, der es erst so harmonisch macht. Mit weiteren Zutaten wie der erfrischenden Zitrone wird der Gillard gemischt und am Ende mit dem Gin zusammengeführt. Erst dann entsteht dieses fruchtige Erlebnis, nicht zu hart und nicht zu süß“, sagten sie.

Man könne ihn pur oder im Dessert genießen und er eigne sich ebenso zum Mixen von Cocktails. Auch für das Auge sei der Gillard ein Genuss: Künstler:innen, viele von ihnen haben auch eine Hörbehinderung, gestalten die besonderen Kunstboxen.

„Wir haben durch unsere Hörschädigung natürlich auch viele Barrieren erfahren, aber trotzdem haben wir drei es geschafft, mit viel Mut und Stärke diese Barrieren zu überwinden. Wir haben immer an uns geglaubt und sind von unserem Produkt überzeugt. Unser Ziel ist es, ein inklusives Unternehmen aufzubauen – mit einem besonderen Getränk“, so Breu weiter. Dafür benötigten die drei Gründer ein Investment von 150.000 Euro und boten im Gegenzug 15 Prozent ihrer Firmenanteile an.

Der Kein-Gin-Gin

Georg Kofler merkte nach dem Kosten an, dass ihr Getränk als Gin zu bezeichnen, eine Fehlinformation sei. Es würde einfach nicht nach Gin schmecken. Er stieg deswegen aus. Glagau jedoch sah dies anders, bezeichnete „kein Gin“ zu sein“ als USP, meinte, „gemischt mit Tonic“ würde er gut schmecken und bot 150.000 Euro für 30 Prozent. Deal für GinGillard.

CLR Outdoor: Ein Kajak 2 Go

Constanze Lenau und Daniel Schult waren die letzten in der Höhle der Löwen. Beide Gründer:innen genießen das Berliner Großstadtleben, suchen aber am Wochenende auch gerne den Ausgleich in der Natur. Dafür bietet das Berliner Umland zahlreiche Möglichkeiten für ausgiebige Kajaktouren. Doch es blieb immer die Frage, wer in der Stadt schon genügend Platz für ein Kajak hat?

Und selbst wenn, so koste der Auf- und Abbau sowie das Verladen sehr viel Zeit. Als Produktdesigner hatte Schult die Idee für ein „Kajak, das ich immer und überall mit hinnehmen kann“.

CLR Outdoor, Höhle der Löwen, Kajak zum Tragen, Kajak 2 Go
(c) RTL – Constanze Lenau und Daniel Schult konnten die meisten Löwen mit ihrem Kajak 2 Go überzeugen, der Name CLR aber schreckte manche ab.

Nach vier Jahren Entwicklungszeit präsentierte er gemeinsam mit seiner Partnerin das Kajak VIK 3.8 ihres Startups CLR Outdoor (CLR steht für City Land River).

„Dank seines Tragesystems kann es einfach wie ein Rucksack transportiert werden“, erklärte Schult das rund zehn Kilogramm schwere Wassergerät. Aufgrund seines kleinen Faltmaßes passe es in jedes Auto und könne sogar als Rucksack auf dem Fahrrad mitgenommen werden.

In drei Minuten fertig gebaut

„Das Besondere ist aber nicht nur die kleine Größe, sondern auch die Aufbauzeit. Denn die liegt gerade mal bei drei Minuten“, ergänzte Lenau. Das Rucksacksystem bildet dabei gleichzeitig die Basis des Kajak-Sitzes.

Am Wasser wird das VIK 3.8 mit wenigen Handgriffen entfaltet, die Verschlusselemente eingerastet, zwei Spanten eingesetzt sowie der Sitz mit Fußstütze auf das individuelle Maß des Paddlers eingestellt. Das Ergebnis ist ein 3,8 Meter langes Kajak.

Es besteht aus einer Polypropylen-Stegplatte, die mit einem EPDM-Kautschuk-Mantel überzogen ist. Die zwei Quer-Spanten und Seitenverschlüsse bestehen aus Alu. Die verwendeten Materialen sind zu 100 Prozent recycelbar und das Kajak wird komplett in Deutschland produziert. Für ihr Startup waren die Gründer:innen auf der Suche nach einem strategischen Partner und nach einem Investment von 200.000 Euro. Dafür boten sie zehn Prozent der Firmenanteile.

Das Transformer-Kajak

Nachdem der Gründer tatsächlich in rund drei Minuten das Kajak aufgebaut hatte, gab es hohes Lob von den Löwen. Mit einem Rucksack ins Studio zu kommen und daraus ein Kajak zu machen, sei „sensationell“.

Allerdings standen die beiden Gründer:innen erst vor dem Launch und konnten keine Umsätze vorweisen. Das dazu passende und faltbare Paddel sei erst in der Entwicklung. Dies und eine „schwache Marke“ (Zitat Löwen) mit unklarem Marketingkonzept wurde am Ende zum Problem für das Startup. Kein Deal für CLR Outdoor.

Deine ungelesenen Artikel:
06.10.2026

Toto Wolff: „Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden“

Interview: Toto Wolff hat mit dem Mercedes-AMG-Petronas-Formula-One-Team eine lange Phase großer Erfolge verantwortet, danach vier Saisonen ohne Titelkampf erlebt und das Team in dieser Zeit umgebaut. Im Interview spricht er über psychologische Sicherheit als Voraussetzung für Fehlerkultur, über Entscheidungen unter Unsicherheit, über die Grenzen von KI im Rennsport – und über seine Beteiligungen an Nuki und Instahelp.
/artikel/toto-wolff-niemand-wird-bei-der-fehlersuche-die-hand-heben-wenn-er-angst-hat-gefeuert-zu-werden
06.10.2026

Toto Wolff: „Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden“

Interview: Toto Wolff hat mit dem Mercedes-AMG-Petronas-Formula-One-Team eine lange Phase großer Erfolge verantwortet, danach vier Saisonen ohne Titelkampf erlebt und das Team in dieser Zeit umgebaut. Im Interview spricht er über psychologische Sicherheit als Voraussetzung für Fehlerkultur, über Entscheidungen unter Unsicherheit, über die Grenzen von KI im Rennsport – und über seine Beteiligungen an Nuki und Instahelp.
/artikel/toto-wolff-niemand-wird-bei-der-fehlersuche-die-hand-heben-wenn-er-angst-hat-gefeuert-zu-werden
Toto Wolff
© Sulay Kelly for Mercedes-Benz Grand Prix Ltd. - Toto Wolff.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


brutkasten: Sie haben Mercedes durch eine lange Phase großer Erfolge geführt, dann kamen schwierige Jahre. Was war Ihr wichtigstes Learning darüber, wie Organisationen nach Rückschlägen wieder in die Spur finden?

Toto Wolff: Die Formel 1 ist eine Welt der ständigen Evolution, nichts steht je still. Zum Beispiel haben die Regeländerungen 2022 schonungslos Schwächen in unseren Entwicklungsfähigkeiten und unserem Verständnis offenbart. Wir haben diese Ära klar hinter unseren Wettbewerbern gestartet und es über vier Saisonen hinweg nicht wirklich geschafft, diese Defizite auszubügeln.

Der eine oder andere Rennsieg waren die Highlights, wir haben es geschafft, zweimal in vier Jahren den zweiten Platz in der Konstrukteursmeisterschaft zu erringen; aber wir haben nie um den Titel gekämpft. Wir haben im Hintergrund größere Änderungen in unserer technischen Ausstattung, beim Personal und den Strukturen vorgenommen, um das Team stärker und wettbewerbsfähiger zu machen. Wir haben auch die Führungskultur adaptiert, weil wir das Team motivieren mussten, das begann, sich nach so vielen Jahren des Erfolgs selbst infrage zu stellen. Es war jedenfalls eine wichtige und wertvolle Phase für uns.

Sie sprechen in diesem Sinne wiederholt von einer „No Blame Culture“. Wie baut man eine Kultur auf, in der Fehler nicht versteckt oder angeprangert, sondern als Lernchance genutzt werden?

Es geht hier fast ausschließlich um psychologische Sicherheit. Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden. Wir müssen aber zu unseren Fehlern stehen können. Und das fängt bei den Führungskräften an. Nur so können auch andere zu ihren Fehlern stehen. Eine „No Blame Culture“ funktioniert jedoch nur im Zusammenspiel mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein. Man braucht Teammitglieder, die Verantwortung übernehmen, auch wenn es um Fehler geht.

In der Formel 1 hat jeder Fahrer eigene Ingenieure und Mechaniker. Wie verhindert man, dass interne Konkurrenz gegen die gemeinsame Strategie arbeitet?

Das ganze Team hat das gleiche Ziel: Die Meisterschaft für Mercedes zu gewinnen. Nicht mit dem einen oder anderen Fahrer, sondern für die Marke und das Team. Alle Mitarbeiter sind gleich incentiviert: Ausschlaggebend ist der Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft, nicht der Fahrerwertung. Das ist die Grundlage unserer Entscheidungsfindung. Auch die Ingenieure und Mechaniker, die einem der Fahrer zugeteilt sind, arbeiten zuallererst für das Team. Beide Seiten der Garage machen jeden Boxenstopp gemeinsam. Alle technischen Daten werden zwischen den Ingenieuren der Fahrer geteilt, damit wir so wettbewerbsfähig wie möglich sein können. Das Motto ist klar: Das beste Team gewinnt, der beste Fahrer gewinnt; und zwar in dieser Reihenfolge.

Viele Gründerinnen und Gründer kämpfen damit, schnell zu wachsen und dabei die Kultur zu bewahren. Lassen sich Prinzipien aus der Formel 1 auf Startups und Scaleups übertragen?

Wir haben seit dem Cost Cap 2021 starkes Wachstum in der Formel 1 gesehen. Wir mussten uns überlegen, ob wir die Geschäftsfelder erweitern wollen, wie wir es etwa mit unserem Engagement im America’s Cup beim Segeln gemacht haben. Der Headcount ist gewachsen, vor allem in den Support-Bereichen außerhalb der technischen und operationellen Hauptbereiche. Aber dann haben wir uns wieder auf unser Kerngeschäft fokussiert, mit einem klaren Ziel: die Formel-1-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Und bei jedem neuen Projekt stellen wir uns die Frage: Bringt uns das Projekt diesem Ziel näher, hilft es uns, Rennen und Meisterschaften zu gewinnen?

Wenn die Antwort Ja ist, dann investieren wir in das Projekt; wenn nicht, dann nicht. Ich denke, es geht vor allem darum, das Hauptziel nicht aus den Augen zu verlieren, da mit dem Unternehmenswachstum viele Elemente komplexer werden. Wenn man in einem so kompetitiven Umfeld wie der Formel 1 tätig ist, dann ist das Hauptziel relativ klar. Aber jedes Startup muss sich ein Ziel geben können und dann genau wie wir darauf fokussieren.

Wie treffen Sie strategische Entscheidungen, wenn nicht alle Informationen vorliegen? Gibt es ein Erfolgsgehmeinis?

Mein Freund und Geschäftspartner Niki Lauda hat immer auf die rasche Entscheidungsfindung gepocht – es ist besser, eine mangelhafte Entscheidung jetzt zu treffen, als darauf zu warten, alle Informationen zusammengetragen zu haben, wenn es dann zu spät ist. Man kann Entwicklungen immer noch korrigieren, wenn eine Entscheidung nicht ganz richtig war. Persönlich versuche ich die Upside und Downside bei den großen Entscheidungen zu erkennen: Wenn ich mit der Downside, dem Worst Case, leben kann, dann gibt es keinen Grund, vor der Entscheidung zurückzuschrecken.

Welche Leadership-Lektion hätten Sie gerne früher gelernt?

Meine wichtigste Erfahrung ist wohl, in Konfliktsituationen neugierig zu bleiben, zu versuchen, die Perspektive der anderen Seite zu verstehen, und auch manchmal zu akzeptieren, dass man nicht einer Meinung ist oder unterschiedliche Interessen hat; ein „agree to disagree“ als Ergebnis zu akzeptieren. Bei Leadership geht es ja vor allem darum, andere Menschen zu verstehen, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen, sie mit etwas zu incentivieren, das für sie auch wirklich relevant ist. Nur wer motiviert ist und sich wohlfühlt, kann 100 Prozent geben. Ziele klar formulieren, Mitarbeitern Verantwortung übertragen, ihnen dabei helfen, Herausforderungen zu meistern, und Ergebnisse offen analysieren – das ist meine Arbeitsweise.

Gibt es Ihrer Ansicht nach die eine Eigenschaft, die erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen? Und welche Fähigkeiten werden durch den zunehmenden Einsatz von KI wichtiger?

Das eigene Geschäft verstehen und die Leute kennen und verstehen, mit denen man arbeitet. Ein großes Ziel verfolgen und das Auge fürs Detail, das Gleichgewicht in allen relevanten Bereichen nicht verlieren. KI wird viel in unserer Welt verändern. Aber sie wird hoffentlich vor allem ein Instrument sein, das den Menschen dabei helfen wird, bessere Entscheidungen zu treffen. Die fähigsten Leute werden das Beste aus AI herausholen, die Stärken nutzen und sich von den Gefahren und Schwächen nicht beeinträchtigen lassen. Wir stehen sicher am Anfang einer rasanten Entwicklung, deren Ergebnis kaum vorhersehbar ist.

Und im Rennsport selbst: Kann KI helfen, die Ideallinie, die optimalen Bremspunkte oder das perfekte Setup zu entschlüsseln?

Wo die richtigen Bremspunkte sind, sollten wir eigentlich schon wissen; auch, dass, wenn es regnet, ein Reifen ohne Profil nicht so toll funktioniert. Aber im Ernst: Wir müssen AI zur Entscheidungsfindung einsetzen, wo hochkomplexe Datenmodelle es verlangen. Aber AI wird in keinem Bereich eigenständig entscheiden. Sie wird immer eine Unterstützung für unsere Ingenieure bleiben; zumindest in absehbarer Zeit.

Welche Innovationen aus dem Motorsport könnten in den kommenden Jahren für andere Industrien relevant werden?

Es gibt in der Geschichte viele Beispiele für Technologietransfer, und das geht auch heute weiter. Wir als Industrie lernen gerade viel über Batteriesysteme, über Steuerungselektronik und elektrische Motoren, aber auch über nachhaltige Treibstoffe und innovative Composite-Materialien; alles wichtige Entwicklungsbereiche für die Automobil- und Transportindustrie.

Es gibt aber auch ganz andere Bereiche, die mit dem Fahrzeug an sich nichts zu tun haben. So haben wir etwa vor ein paar Jahren Pionierarbeit beim Einsatz von 5G-Technologie an der Rennstrecke geleistet. Die Formel 1 ist in ihrer Grundcharakteristik interessant für Entwicklungen unterschiedlicher Technologien, weil sie ein sehr kompetitives Umfeld mit einer enorm hohen Entwicklungsgeschwindigkeit bietet. Das ist für Innovation und Entwicklung wertvoll.

Sie sind ja an mehreren Unternehmen beteiligt. Was sind Ihre Kriterien dabei?

Nuki und Instahelp sind ja nicht mehr Startups im eigentlichen Sinn, beide sind profitabel. Nuki macht über 50 Millionen Euro Umsatz und ist Marktführer in Europa; Instahelp hat seit zwei Jahren einen zweistelligen Millionenumsatz und verdient Geld. Unsere Kriterien waren damals, als wir die beiden Firmen mit unseren Partnern in der Up to Eleven, den Brüdern Martin und Jürgen Pansy und René Berger, gegründet haben, dass wir unsere bestehende Kompetenz bei mobiler Kommunikation, die wir mit sms.at und ucp über Jahre aufgebaut hatten, für innovative Geschäftsmodelle einsetzen wollen.

Dass wir direkt in Startups investiert haben, die wir nicht selbst gegründet haben, ist ja schon lang her; das war zu Zeiten von Marchfifteen beziehungsweise ganz vereinzelt vor über 15 Jahren. Das wichtigste Kriterium war jedenfalls immer, dass die Gründer gute Leute waren, denen man vertrauen kann. Einer davon war übrigens Oliver Holle. Auch heute vertrauen wir ihm, und zwar indem wir bei Speedinvest und damit auch weiterhin indirekt in Startups investieren.

Abschließend: Wie sieht bei Ihnen eigentlich ein Sonntag aus, an dem kein Rennen stattfindet?

Meistens bin ich in Italien, an einer Kartstrecke. Da sind Susie und ich dann die größten Fans unseres jungen Sohns. Der Apfel ist nicht weit vom Stamm gefallen.


Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Alle Investoren wollen Nippel-Cover-Startup