10.02.2021

hiMoment: Wiener Mental Health-Startup meldet Konkurs an

hiMoment hat ein Konkursverfahren eröffnet. Die Hintergründe dafür sind gegenwärtig noch nicht bekannt.
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hiMoment: Die Founder Christoph Schnedlitz und Jan Hruby.
(c) hiMoment: Die Founder Christoph Schnedlitz und Jan Hruby.

„Das Glück ist kein ‚Vogerl‘, sondern trainierbar wie ein Muskel“, sagte Christoph Schnedlitz 2017 gegenüber dem brutkasten. Damals stellte er sein gemeinsam mit Jan Hruby gegründetes Startup hiMoment vor, das es sich als „PsychTech“ zur Aufgabe machte, die User seiner App mit einem täglichen „Glücks-Workout“ zufriedener zu machen. Im Zentrum stand dabei ein „Glückstagebuch“, in dem man die besten Momente des Tages für sich selbst festhalten konnte.

Das Konzept überzeugte auch Investoren. Nach einer 250.000 Euro-Seed-Runde durch Pioneers Ventures (jetzt Speedinvest Scouts – nicht zu verwechseln mit Pioneers Ventures II von startup300), Hermann Futter, Markus Ertler und KaPa Ventures zog hiMoment auch in der Puls4-Show 2 Minuten 2 Millionen ein Investment (durch startup300 via Michael Altrichter) an Land, das allerdings dem Vernehmen nach nie zustande kam. 2019 startete man bei – nach eigenen Angaben – rund 30.000 monatlich aktiven Usern die Monetarisierung mit einem Premium-Modell, das weitere Funktionen bot.

HiMoment: Erst plötzlich keine Kommunikation, nun Konkursverfahren

Wenig später wurde es plötzlich still um das Wiener Startup. Hatte es zuvor regelmäßige Updates gegeben, gab es ab 29. April 2019 keine Postings mehr auf den Facebook-, Instagram– und Twitter-Seiten des Unternehmens. Den letzten Medienbericht gab es im deutschen ZDF im Juli 2019. Laut seinem LinkedIn-Profil war Co-Founder Jan Hrubý noch bis Februar 2020 im Unternehmen aktiv.

Heute vermeldete der KSV1870, dass HiMoment selbst ein Konkursverfahren eröffnet hat. Eine Fortführung des Unternehmens ist demnach nicht geplant. Derzeit sind der Seite des Kreditschutzverbands noch keine Details zur Insolvenz zu entnehmen.

Schnedlitz: „Wir haben 200.000 Menschen glücklich gemacht“

Edit: Inzwischen hat der brutkasten hiMoment-Gründer Christoph Schnedlitz für ein kurzes Statement erreicht. „Wir haben 200.000 Menschen glücklich gemacht und vielen hat unsere App sehr viel gegeben, darauf bin ich extrem stolz“, sagt der Gründer. Zum finanziellen Problem seien für das Startup vor allem stetig steigende Akquise-Kosten geworden. Die App mit all ihren Nutzern sei nun ein Asset in der Konkursmasse – natürlich würde er sie gerne fortgeführt sehen. „Ich möchte mich ausdrücklich bedanken bei meinen Investoren, bei meinem Co-Founder, bei allen Mitarbeitern und allen, die uns unterstützt haben“, so Schnedlitz.

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Wholomics: Rieder Startup entwickelt neue Methode zur Krebsfrüherkennung

Wholomics hat sich zum Ziel gesetzt, diverse Krebsarten bereits im Stadium eins zu erkennen. Eine Validierungsstudie gibt Hoffnung, aktuell befindet sich das Startup in der zweiten Finanzierungsrunde.
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(v.l.) Wholomics-Geschäftsführer Patrick Strasser und Maximilian Schneider | © Wholomics GmbH

Es ist wohl eine der schockierendsten Nachrichten, die man erhalten kann: Diagnose Krebs. Dabei werden verschiedenste Krebsarten oftmals erst in späten Stadien erkannt, was die Überlebenschance stark verringert. Das soll sich bald ändern. Die beiden Wholomics-Gründer Patrick Strasser und Maximilian Schneider entwickelten einen Test, der mit hoher Genauigkeit verschiedene Krebserkrankungen bereits im Stadium eins feststellen können soll.

“Heutzutage zählt es als Durchbruch, wenn ein Medikament für Krebspatienten im Stadium vier eine sechs Monate längere Überlebensdauer erzielt. Allerdings hätte man einen viel größeren Impact, wenn man Krebs einfach früher erkennen könnte”, erklärt Wholomics-CEO Strasser im brutkasten-Interview. Denn bei den meisten Krebsarten, die man bereits im Stadium eins erkennt, hätten die Patienten eine “5-Jahres-Überlebensrate von über 90 %”. Im Stadium drei bzw. vier falle die Überlebenschance rapide ab. 

Daher entwickelten Strasser und Wholomics-CTO Schneider einen Test, der darauf ausgelegt ist, mehrere Krebsarten bereits in frühen Stadien aus einer einzigen Blutprobe zu erkennen. Der Test analysiert diverse Veränderungen im Blutserum, also der Flüssigkeit im Blut, die mit einer frühen Tumorentwicklung in Zusammenhang stehen können. Die Ergebnisse einer Validierungsstudie sind vielversprechend, denn der Wholomics-Test erkannte eigenen Angaben zufolge 38 von 40 Krebserkrankungen im Stadium eins, darunter Darm-, Magen- und gynäkologische Tumore. Die Intellectual Property der Methode liegt bei Wholomics. Eine erste Version des Tests, der Wholomics Multi-Cancer Check, ist bereits über eine Partnerfirma, Novogenia, erhältlich. Strasser und Schneider möchten sich aber darauf konzentrieren, den Test in der breiten Bevölkerungsmasse einsetzen zu können.

Vom Forscher zum Unternehmer

Die beiden Wholomics-Gründer kennen einander seit ihrem Studium an der TU München und fassten gerade wissenschaftliche Publikationen zusammen, als ihnen die Idee für einen neuen Test zur Krebsfrüherkennung kam. Die Umstellung vom Forscher zum Unternehmer beschreibt der Biochemiker Strasser als “leicht”. Dennoch stellt ihn das Unternehmertum vor einige Herausforderungen. “Als Startup-Founder lernt man im Endeffekt nie aus. Das heißt, jeden Tag, jede Woche gibt es neue Dinge, die man sich selbst beibringen oder die man lernen muss“, erklärt Strasser und ergänzt: “Ein Founder hat mir mal gesagt, die wissenschaftliche Grundlage ist sozusagen das A und O deines Unternehmens. Aber 80 Prozent werden dann im Endeffekt auf der Business-Seite durchgesetzt.”

Wholomics wurde bisher mit dem aws First Incubator und der Forschungsprämie unterstützt. Aktuell befindet sich das Unternehmen in der zweiten Finanzierungsrunde und ist noch auf der Suche nach Investoren. Strasser und Schneider wollen die Runde im letzten Quartal dieses Jahres schließen. “Wir suchen nicht nur nach Geldgebern, sondern eben auch nach strategischen Partnern, die z. B. im Bereich Diagnostik Erfahrung haben”, sagt Strasser. Mit der Entwicklung ihres Startups zeigt sich der Biochemiker zufrieden, auch wenn der Standort Österreich seine Schwierigkeiten mit sich bringe. Die Regulierungen in der EU erschweren laut dem Krebsforscher jedem Diagnostik-Startup den Start.      

Das Ziel sind 2027 die USA, aber ohne FDA-Approval

Zudem brauche es in der EU hohe Investments, um ein medizinisches Produkt auf den Markt zu bringen. “Da muss man dann abwägen, wie die tatsächliche Marktzugangslage ist. Und die ist in Österreich oder im DACH-Raum generell etwas schwieriger”, erklärt Strasser, der mit Schneider den Großteil von Wholomics besitzt. Der Blick der beiden Österreicher richtet sich daher über den großen Teich. Sie arbeiten aktuell in den USA an der Eröffnung eines sogenannten CLIA-Labors. Dadurch soll der Test zur Krebsfrüherkennung als “Lab Developed Test” in den Vereinigten Staaten 2027 auf den Markt gebracht werden können. Er werde somit firmenintern validiert und könne anschließend an Privatpersonen weiterverkauft werden. Ein FDA-Approval sei dann nicht mehr nötig.

Wholomics als die nächste Generation der Krebsfrüherkennungstests

“Im Endeffekt wollen wir quasi die nächste Generation von Multi-Cancer Early Detection Tests auf den Markt bringen. Der größte Unterschied zwischen uns und anderen Anbietern ist, dass wir einfach sehr hohe Frühstadien-Erkennungsraten haben”, sagt Strasser. Langfristig will sich Wholomics am Markt als “First Line Diagnostic” platzieren, also als eine erste Reihe an Untersuchungen, die bei Krebsverdacht durchgeführt werden. Diese Tests sollen dann von Versicherern rückerstattet werden. Als potentielle Kunden beschreibt Strasser in den USA zu Beginn unter anderem Ärzte, später auch Krankenkassen, wobei man den Test immer unter ärztlicher Begleitung durchführen muss.

In Zukunft kann es mehrere unterschiedliche Use-Cases für Wholomics geben, wie z. B. einen Stratifizierungstest. Durch diese Tests werden Personen in klare Gruppen eingeteilt. Dadurch kann in der Medizin einer Person die passende Behandlung verschrieben werden. “Im Endeffekt laufen alle diese Use-Cases darauf hinaus, dass eine Blutprobe analysiert wird und wir das molekulare Profil nach Krebs-Signaturen untersuchen”, sagt Strasser.

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