18.05.2021

HeroBox: Wiener Startup startet mit Mehrweg-Lösung für Takeaway

Die Coronakrise machte Takeaway in der Gastronomie zum Standard. Das Wiener Startup Herobox launchte nun eine digital unterstützte Lösung, um der Müllproblematik zu begegnen.
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HeroBox: Das Gründer-Duo Alexandra Brandl und Jakob Buchmayer
(c) HeroBox: Das Gründer-Duo Alexandra Brandl und Jakob Buchmayer

Es gab sie einmal, eine Zeit, in der „zum Mitnehmen“ im Restaurant eine (teilweise kaum genutzte) Option war, und nicht die einzige Möglichkeit. Und diese Zeit wird bald wiederkommen. Doch dabei steht fest: Es wird nie wieder ganz wie es war. Und auch Takeaway dürfte nach der Krise einen fixen Platz behalten. Was dabei vielen übel aufstößt ist die Müllproblematik durch Kunststoff-Transportbehälter für das Essen. Doch die bislang verfügbaren Mehrweg-Lösungen werden wenig genutzt. Das Wiener Startup HeroBox tritt nun mit einem neuen System an, mit dem es die Nachteile beseitigen will.

QR-Code scannen statt Pfand bezahlen

Um das Mehrweg-Geschirr des Startups nutzen zu können, muss man sich in der HeroBox-App (iOS und Android) registrieren und dann den QR-Code am Geschirr scannen. Pfand ist wegen der digitalen Erfassung keiner zu bezahlen und auch sonst fallen für Endkunden keine Kosten an. Das Geschirr kann innerhalb von sieben Tagen in einem beliebigen anderen Partnerrestaurant zurückgegeben werden, das auch für die Reinigung zuständig ist. Zum Launch diese Woche waren 13 Partnerrestaurants in Wien mit mehreren Hundert Stück des Geschirrs an Bord, darunter etwa Habibi und Hawara, Superfood Deli, Zina’s Eatery und Zuppa. „Das ist allerdings nur der Anfang. Wir sind bereits mit ca. 50 weiteren Restaurants einig und wollen das System möglichst schnell flächendeckend umsetzen“, sagt Gründerin Alexandra Brandl gegenüber dem brutkasten.

(c) HeroBox: So sieht das Geschirr aus

Für die Partnerrestaurants sei das System kostengünstiger als Einmal-Geschirr, erklärt die Gründerin: „Es gibt keine fixen monatlichen Gebühren. Stattdessen zahlen die Partnerbetriebe eine rein nutzungsbasierte Gebühr pro Befüllung einer HeroBox. Der Preis liegt dabei unter jenem von Einweggeschirr“. Dieses koste unter anderem wegen neuer EU-Auflagen für Verpackungen bis zu 80 Cent pro Box, sei also vergleichsweise sehr teuer. „Außerdem sind die heutzutage immer beliebteren ‚recycelbaren‘ Einwegverpackungen aus Karton leider nicht so nachhaltig, wie oft initial angenommen. In Wien gibt es die Kapazitäten nicht, um diese Verpackungen im großen Stil auszusortieren und getrennt weiterzuverarbeiten, weshalb sie schlussendlich doch fast immer einfach verbrannt werden“, so Brandl.

HeroBox-Gründerin: „Unsere klare Ambition ist, international zu expandieren“

Nun will HeroBox schnell wachsen. „Wir haben bereits mehrere Anfragen von Business Angels bekommen und sind aktuell bereits am Anstellen der ersten Vorbereitungen einer potentiellen Pre-Seed Runde, um HeroBox wirklich flächendeckend anbieten zu können und schnell zu skalieren“, sagt die Gründerin, „Das Problem der Einwegverpackungen gibt es ja nicht nur in Österreich oder gar Wien, sondern global. Unsere klare Ambition ist, international zu expandieren“.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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