22.08.2017

Hermann Hauser im Interview: „Habe vor Trump mehr Angst, als vor A.I.”

DerBrutkasten hat die Chance genutzt den IT-Pionier und Investor Hermann Hauser im Rahmen der I.E.C.T. Summer School in Wattens, zum Gespräch zu bitten. Dabei haben wir unter anderem erfahren, in welche Branche er im Moment vorwiegend investiert und welches Handy er benutzt.
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Hermann Hauser sucht bei der I.E.C.T. – Challenge nach Startups für ein Investment
(c) Johannes Felder

Hermann Hauser ist einer der erfolgreichsten Auslandsösterreicher und fördert aktuell mit seinem Institute for Entrepreneurship Cambridge –Tirol (I.E.C.T.) ausgewählte Entrepreneure und Startups, um sie zu nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg zu führen. Zudem blickt er mit seinen 68 Jahren auf ein ruhmreiches Leben als Serial Entrepreneur und IT-Visionär. Er hat das britische Silicon Valley gegründet und mit seinem ersten Unternehmen Acorn den weltweit meistverbreiteten Mikroprozessor-Chip ARM auf den Markt gebracht. Über 100 Milliarden Prozessoren wurden verkauft. Heute ist er als Investor sowie Business Angel aktiv dabei, die Startup-Szene in Zentraleuropa zu fördern. Im Gespräch mit dem Brutkasten erklärt Hauser unter anderem welches Potenzial er in Big Data sieht und wie er mit Vertretern der Generationen Y und Z zurechtkommt.

+++ Hermann Hauser bringt Startups aus der ganzen Welt nach Tirol +++


Was treibt Sie an? Was ist ihr Motor?

Als ich 18 Jahre alt war musste ich mich entschieden entweder Wirtschaftswissenschaften oder Physik zu studieren. Der Hauptgrund, warum ich Physik studieren wollte war ein Zitat aus Goethes Faust: „Daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält, Schau alle Wirkenskraft und Samen, und tu nicht mehr in Worten kramen“. Und diese Leidenschaft für Deep Technology ist mir mein ganzes Leben lang geblieben. Als Risikokapitalist sehe ich jetzt – das habe ich am Anfang nicht erwartet – dass es so viele neue, tiefe Technologien gibt, die immer faszinierender werden und ich lerne im Augenblick mehr DeepTech-Projekte kennen als jemals zuvor. Auch im Bereich der Genetik und Gene Sequencing. I am having a ball at the moment (Anm.: „Ich habe im Moment sehr viel Spaß“)! Der zweite Antrieb ist für mich, mit so vielen jungen Leuten zusammenarbeiten zu können, die die Energie und Freude haben, diese neuen, tiefen Technologien in kommerzielle Erfolge umzusetzen.

Das klingt sehr philanthropisch. Sie beschäftigen sich auch heute vorwiegend mit Zukunftsthemen, den neuesten technologischen Entwicklungen, IT-Anwendungen und Branchen. An welcher Zukunft arbeiten Sie hier konkret? Was wünschen Sie sich für die kommenden Generationen?

Das ist fast eine philosophische Frage. Ich bin eigentlich über die Jahre Utilitarist geworden. Da gibt es diesen berühmten Philosophen und Utilitaristen Jeremy Benthon, den ich vor kurzem in London getroffen habe. Er hat Mitte des 19. Jahrhunderts das University College London mitbegründet und sitzt heute noch ausgestopft bzw. einbalsamiert in einem Kasten in der Eingangshalle. Zudem war er der Erfinder des Utilitarismus und hat eben das Ziel der Menschheit dadurch definiert, dass er gesagt hat: „We should maximize the happiness for the maximum number of people“, das war damals noch sehr visionär und sehr abstrakt. (Anm.: Das Maximum-Happiness-Principle der Utilitaristen zu Deutsch: ‘Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück entsteht’)

Mit den neuen, tiefen Technologien wie Machine Learning, Blockchain oder Smart Contracts kann man nun vermuten, dass sich das in einer oder zwei Generationen tatsächlich verwirklichen lässt. Der Grund warum das in der Vergangenheit nicht umsetzbar war, ist dass man keine gesellschaftlichen Gesetze realistisch implementieren konnte, sodass diese auch wirklich jeder umsetzen, oder sich an diese Verhaltensweisen anpassen muss. Ich glaube, dass sich vor allem mit neuen Technologien wie Blockchain und Smart Contracts viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse abstrahieren und verwirklichen lassen – unter Kontrolle der Community.

Sie haben einen PHD in Physik. Was hat Sie damals an den frühen Computern fasziniert, sodass Sie sich unternehmerisch dieser Branche gewidmet haben?

Als ich mein Doktorat in Physik, an der Universität Cambridge fertig hatte, gab es eine Mikroprozessor-Gruppe und das war eine faszinierende Gesellschaft von jungen Menschen, die daran geglaubt haben – wie sich dann später herausgestellt hat war das ein realistischer Glaube – dass man die Computer den Massen beibringen und zugänglich machen kann. In den frühen 80er-Jahren waren Computer ausschließlich in klimatisierten Räumen zu finden und durften nur von den Doktoranden verwendet werden. Kein normaler Mensch hatte jemals Zugang zu einem Computer.

„Es hat mich so fasziniert, dass der Computer normalen Menschen zugänglich gemacht werden kann.“

Doch die „Micorprocessor Group“ an meiner Universität hat damals herausgefunden, dass normale Menschen diese kleinen Mikroprozessoren (verschiedenster Anbieter) auf kleinen Platinen zusammenbauen und sich so einen eigenen Heimcomputer erschaffen können. Es hat mich so fasziniert, dass der Computer normalen Menschen zugänglich gemacht werden kann, dass Chris Curry und ich gemeinsam Acorn Computers gegründet haben. Dass wir den erfolgreichsten Mikroprozessor der Welt produzieren werden, war damals noch nicht Teil des Programms. (schmunzelt)

Sie sind hier in Tirol aufgewachsen. Was verbindet Sie noch mit diesem Bundesland?

Meine Cousins (Anm.: Josef und Johannes Hauser). Ich habe 22 Cousins, aber zwei davon sind mit mir in Cambridge gewesen, haben Englisch gelernt und mit ihnen bin ich heute besonders befreundet. Josef hat vor ein paar Jahren gesagt, dass es die richtige Zeit ist, Hochtechnologie in Österreich zu fördern. Damals habe ich ihm gesagt, dass ich daran nicht glaube, aber ich veranstalte eine Summer School in Alpbach und ich werde ihm beweisen, dass es hier keine guten Projekte gibt – aber das war nicht so. Es waren im Gegenteil sehr gute Projekte dabei und daher machen wir das jetzt schon das dritte Mal und jedes Jahr werden die Projekte besser. Von den 27 Projekten, die wir dieses Jahr haben bin ich insbesondere beeindruckt und freue mich jetzt schon auf die Präsentationen am Ende der Woche.

Einer ihrer Vorträge trägt den Titel ”The six Waves of Computing”. Dabei betonen Sie, dass jede Technologie im Lauf der Zeit von einer neuen ersetzt wurde und es die größten Player nie geschafft haben, auch die nächste Welle zu reiten. War das 2016 mit ein Grund für den Verkauf von ARM?

Es gibt tatsächlich kein einziges Beispiel dafür, dass die Anführer einer Welle des Fortschritts, auch die nächste Welle angeführt hätten. Das erstaunlichste Beispiel ist mit der Smartphone-Welle gerade passiert, denn die PC-Welle war ja vollkommen von Microsoft und Intel dominiert. Wenn man zu dieser Zeit irgendjemandem gesagt hätte, dass weder Intel noch Microsoft irgendeinen Marktanteil bei Smartphones haben werden, hätte jeder gesagt, dass das unmöglich ist, aber es ist so passiert. Der Mikroprozessor in den Smartphones ist zu über 95 Prozent der ARM und die Operating Systems sind Android und IOS von Apple. Die nächste Welle wird wahrscheinlich eine Ausnahme meines Prinzips werden, denn die sechste Welle ist vom Internet of Things ausgelöst und in diesem Bereich werden schon jetzt zu über 90 Prozent ARMs verwendet – vielleicht bleibt in diesem Fall der Mikroprozessor ja der gleiche.

Ich war ja gegen den Verkauf von ARM, aber Masayoshi Son von SoftBank hat extrem viel Geld geboten. ARM ist eine private Firma gewesen, die an der New Yorker sowie der Londoner Börse dotiert war. Er hat einen 43-prozentigen Mehrwert geboten und da war es für die Aktionäre besser jetzt diesen Mehrwert zu kassieren, als nochmal drei bis fünf Jahre zu warten, bis es noch mehr wird. Ansonsten gab es keinen Grund die Firma zu verkaufen. Wir hatten eine Milliarde Dollar in Cash und ein Management Team „to die for“. Zum Glück hat Masayoshi Son das Management Team aber bestehen lassen und dort keine Änderungen durchgeführt. Er hat diese Vision einer globalen Firma für Internet of Things und das ist eine Vision, die ich teile. Er hat recht, dass man da noch eine viel größere Firma aufbauen kann.

Also können wir uns darauf einstellen, dass unsere Computer und ähnliche Devices, wie wir sie heute kennen, in einer nächsten Welle durch Anwendungen und Produkte des Internet of Things ersetzt werden?

Ja, ersetzt oder ergänzt!

Welches Potenzial sehen Sie in Big Data?

Ein Anwendungsbeispiel, das am nächsten liegt ist wohl das autonome Fahren mit selbstfahrenden Autos. Da hätte auch keiner geglaubt, dass dies so schnell möglich sein wird. Ich denke, dass das in den nächsten fünf bis zehn Jahren so ausgedungen sein wird, dass die meisten Autos selbstfahrend sind. Das ist auch ein Beispiel für die Disruption, die dadurch entsteht, dass diese technische Möglichkeit des autonomen Fahrens jetzt auch das Businessmodell ändert. Die Autoindustrie hatte mit dem Ford Modell T das letzte Mal eine große Disruption mit dem Aufkommen der Massenproduktion. Sie haben sich daran gewöhnt, dass es in der Autoindustrie nicht wie in der Computerindustrie zugeht, wo bereits fünf Disruptionen vieles umstrukturiert haben.

Meine Vorlesung „The six Waves of Computing“ gibt es mittlerweile schon so lange, dass sie als „The five Waves of Computing“ angefangen hat. Erst seit einigen Jahren ist mir vollkommen klar, dass das auf alle Sektoren zutrifft, aber dass diese Disruptionen viel seltener oder weniger schnell passieren können. Die Autoindustrie hat jetzt besonders disruptive Zeit, weil sie zwei Disruptionen auf einmal bekommen, nämlich die Elektrifizierung und das autonome Fahren. Letzteres ist eine wesentlich gravierendere Änderung des Businessmodels. Von, ich kauf mir ein Auto, geht es jetzt hin zu dem Modell „Transport as a Service“, bei dem man sich nur mehr die Fahrt kauft.

Redaktionstipps

Wenn immer mehr Computer und Roboter die Arbeit und Aufgaben von Menschen übernehmen. Was bleibt dann noch für die Menschen bzw. warum machen nicht schon jetzt Maschinen unsere Arbeit?

Weil das nicht so lustig ist, auf der faulen Haut zu liegen! (lacht) Bis jetzt ist die Erfahrung so, dass wenn es diese disruptiven Technologien gegeben hat, die in gewissen Sektoren vieles fundamental geändert haben, immer viel mehr Jobs geschaffen wurden, als alte ersetzt. Ob das diesmal wieder passiert, weiß man nicht und man kann da utopische und dystopische Szenarien andenken. Mein Einstellung ist, dass wir mit diesen künstlichen Intelligenzen co-evolvieren werden.

„Ich habe im Augenblick vor Trump viel mehr Angst als vor der künstlichen Intelligenz.“

Facebook musste erst Anfang August seine A.I. ausschalten, nachdem sie eine eigene Sprache entwickelt hat, die Menschen nicht verstehen konnten. Könnten uns die Maschinen, nach dem Vorbild von Matrix, nicht auch gefährlich werden?

Ja natürlich man kann da viele dystopische Szenarien bauen, bis zu einer wirklich schlechten, dass die Maschinen uns irgendwann alle umbringen. Ich habe im Augenblick vor Trump viel mehr Angst als vor der künstlichen Intelligenz.

Sie haben schon öfter gesagt, dass im Zuge der Digitalisierung laufend weitere Innovationen geben wird, die es vermögen, verschiedenste Industrien zu disrupten. Werden zukünftig auch althergebrachte Institutionen bzw. Banken durch Technologien wie etwa die Blockchain und digitale Währungen in ihrer Weltherrschaft herausgefordert?

Ja! (grinst)

Vor rund einem Jahr haben Sie angekündigt, dass Sie nun weniger in ICT und vermehrt in Life Sciences investieren. Warum?

Because they’re having all the fun at the moment! (Anm.: „Diese Branche hat im Moment den ganzen Spaß“). Die Fortschritte im Bereich der Life Sciences sind so viel gravierender und grundlegender, als im Bereich der ICTs – mit Ausnahme von A.I.. Life Science und A.I. sind meine zwei Hauptprojekte im Moment.

Seit 2015 haben Sie in 16 österreichische Startups investiert. Sie sind mit ihrem 1997 gegründeten  IECT als einer der ersten Business Angels aufs zentraleuropäische Parkett getreten. Wie hat sich die Szene seither entwickelt?

Unwahrscheinlich schnell und sehr positiv! Es entwickelt sich im Augenblick in Österreich mit irrsinniger Geschwindigkeit ein Ökosystem und ich habe am Anfang nicht verstanden, warum das so schnell geht. Inzwischen ist meine Erklärung dafür, dass sich erstens so eine Gruppe von intelligenten jungen Leuten in Österreich gefunden hat, die es ja jetzt in ganz Europa auch gibt, denen es völlig egal ist, ob sie Englisch oder Deutsch sprechen, und die in ihrem Sektor zweitens genau wissen, was jetzt im Silicon Valley los ist, oder in Cambridge, oder Tokyo – also dort wo die wichtigen Firmen sitzen mit denen sie sich vergleichen, oder mit denen sie zusammen arbeiten wollen. Diese jungen, cleveren Leute sind jetzt auch ziemlich Standort-unabhängig, weil sie sich eben von selbst automatisch vernetzen. In Österreich gibt es nur leider kein Geld und deswegen freut es mich, dass ich meinen kleinen Teil dazu beitragen kann.

Was sagen Sie zum Gendergap in der Startup-Szene und was müsste diesbezüglich getan werden?

Den gibt es nicht nur in Österreich, sondern auf der ganzen Welt. Wir sind mit Amadeus Capital meines Wissens der einzige Fonds in Europa, der von einer Frau geleitet wird, nämlich von Anne Glover. Ich habe das Gefühl, wenn mehr Frauen Venture Capital Fonds führen würden, dann würde das die Szene entsprechend bereichern.

Sie stammen aus der 68er Generation und agieren als Wegbereiter für eine hochtechnologische Zukunft, die von den Generationen Y und Z weitergeführt werden wird. Was denken Sie über Vertreter dieser Generationen als Gründer, Mitarbeiter, Geschäftspartner usw.?

Ich halte sehr viel von ihnen und habe ja zwei von ihnen auch selbst produziert (lacht). Die Generation gefällt mir sehr gut, sie ist sehr aufgeschlossen, sehr kollegial, sehr international und genauso energiegeladen wie wir es waren, als wir jung waren. Es freut mich immer sehr, die nächste Generation zu unterstützen, weil das die Zukunft ist, ob man will oder nicht.

Gemeinsam mit der Crowd-Investing Plattform CONDA, wo Sie auch investiert sind, wird ja am 13. Oktober wieder die I.E.C.T. – Challenge stattfinden. Was kann man in diesem Jahr erwarten?

Im letzten Jahr hatten 60 Bewerber, die wir immer auf die zehn bis 15 besten herunter filtern und das wird in diesem Jahr auch so werden.

„Ich lese oftmals nur das erste und das letzte Kapitel und das ist meistens gut genug.“

Was lesen Sie im Moment?

Wie immer viel zu viele Bücher auf einmal… Die wichtigsten zwei sind wohl ein Fachbuch zu Synthetic Biology und „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari. Ich lese oftmals nur das erste und das letzte Kapitel und das ist meistens gut genug.

Welches Handy und welchen Computer bzw. Laptop benutzen Sie aktuell?

Pixel von Google und ein Ipad Pro.

Was halten Sie vom Apple A10 Fusion und der Apple A10X Fusion, die ja auf der ARM Technologie basieren?

Das ist ein toller Chip und es ist auch signifikant für das Businessmodell von ARM, dass eben Apple den Chip mit der Lizenz von ARM bauen kann und nicht den Chip einkaufen muss.

Man sagt, dass man aus Fehlern mehr lernt als aus Erfolgen. Gibt es Entscheidungen in ihrem Leben, die Sie aus heutiger Sicht anders getroffen hätten?

Wahrscheinlich viele, aber es waren auch ein paar gute dabei. Es ist sehr schwer zu sagen, ob sich manche Dinge anders entwickelt hätte, wenn man etwas anders gemacht hätte. I have no great regrets (Anm.: „Ich bedauere nicht viel“). Die Entscheidung nach England zu gehen war eine gute Entscheidung, nach dem Physik Studium eine Firma aufzubauen war auch eine gute Entscheidung und ich habe ein Mordsglück mit meiner Frau – und das ist ja auch eine wichtige Entscheidung. Ich kann mich wirklich nicht beklagen.

+++ Scheitern erlaubt: Aus diesen Fehlern haben junge Millionäre gelernt +++

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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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