16.04.2025
HEMPSTATIC

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

Hempstatic hat im Zuge der Expo in Osaka einen prestigesträchtigen Auftrag erhalten. Wir haben mit den Gründer:innen Elena Yaneva und Igor Fekete darüber gesprochen, wie sie den Auftrag an Land ziehen konnten.
/artikel/hempstatic-schallschutz-expo-osaka
(c) Hempstatic

Am Sonntag eröffnete in Osaka die Weltausstellung (Expo) – und mit dabei sind auch zahlreiche österreichische Startups, die ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen vor einem globalen Publikum präsentieren (brutkasten berichtete). Eines von ihnen ist Hempstatic. Das Startup mit Firmensitz in Wien hat sich einen besonders prestigeträchtigen Auftrag gesichert: Seine Schallschutzlösungen aus Hanf-Kalk sind Teil des EU-Pavillons, der in Osaka das nachhaltige und kreislauffähige Bauen aufzeigen möchte. „Dass wir nun auf einer der größten internationalen Bühnen ausstellen dürfen, ist für uns ein absoluter Meilenstein“, sagt Co-Founder Igor Fekete. Seine Co-Founderin Elena Yaneva ergänzt: „Wir wollen beweisen, dass biobasierte Alternativen nicht nur eine Nische sind, sondern weltweit Anklang finden können.“

Ursprung an der TU Wien

Die Idee zu Hempstatic entstand ursprünglich am Institut für Bauingenieurwesen an der TU Wien. Yaneva forschte dort an nachhaltigen Baustoffen und der Frage, wie Nutzhanf als Dämmstoff eingesetzt werden kann. Die Idee entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Mitgründer Igor Fekete weiter und gründete schlussendlich im Jänner 2022 das Startup Hempstatic. Das Unternehmen produziert in Niederösterreich am Standort Spillern biobasierte Schallschutzpaneele aus Nutzhanf. Die Produkte des Startups sind CO2-speichernde und kreislauffähige Schallschutzelemente für den Innenbereich. Sie verbessern die Raumakustik in hallenden Räumlichkeiten. Zudem konnte sich das Unternehmen kurz nach Gründung ein Investment von Greiner Innoventures sichern (brutkasten berichtete).

(c) Hempstatic

Teilnahme am New European Bauhaus

Den Anstoß für den Auftrag bei der Expo gab die Teilnahme am New European Bauhaus, einem Programm der Europäischen Union, das innovative, kreislauforientierte Ideen fördert. „Wir wollten uns ein Netzwerk aufbauen und herausfinden, wo wir uns international positionieren können“, erzählt Fekete. Nach Abschluss dieses Programms wurde Hempstatic als Paradebeispiel für nachhaltige Materialien gelistet. Kurz darauf klingelte das Telefon: „Ein Konsortium aus deutschen und französischen Firmen, das den europäischen Expo-Pavillon mitgestaltet, hat unsere Hanf-Kalk-Lösung entdeckt und uns kontaktiert“, erinnert sich Yaneva. Genau das biobasierte, ressourcenschonende Schallschutzprodukt, nach dem sie gesucht hätten.

Chancen und Herausforderungen

Dass ihr Schallschutz nun buchstäblich in aller Welt zu sehen ist, verleiht Hempstatic enorme Strahlkraft. „Die Expo bietet eine Plattform, auf der wir unsere Marke einem globalen Publikum präsentieren können. Das steigert die Sichtbarkeit und gibt uns die Chance, langfristig neue Märkte zu erschließen“, sagt Yaneva. Neben den japanischen Gastgebern hätten sich bereits Interessent:innen aus anderen Teilen Asiens gemeldet.

Die Eröffnung des Pavillon | (c) Hempstatic

Die Kooperation brachte auch Herausforderungen mit sich. „Wir mussten unsere Standard-Formen für Schallabsorber teilweise neu denken“, so Yaneva. Statt der typischen Waben- oder rechteckigen Paneele haben die Gründer:innen mit den Architekt:innen des EU-Pavillons eine kreisrunde Version entwickelt. „Wir nennen sie unsere ‘Clouds’, weil sie von der Decke abgehängt werden und optisch an Wolken erinnern“, erzählt Fekete. Gewichtsoptimierung und zusätzliche Sicherheitsauflagen kamen hinzu, um japanischen Vorschriften zu genügen. Das Resultat: nachhaltig, leicht und brandschutzkonform.

Markt wird auf 16 Milliarden Euro geschätzt

Die Akustik-Branche befindet sich weltweit im Aufwind. „Der Markt für Schallschutzlösungen wird bereits auf ein Volumen von 16 Milliarden Euro geschätzt und wächst weiter“, sagt Yaneva. Man sei überzeugt, dass biobasierte Varianten einen immer größeren Anteil daran gewinnen werden. Hempstatic zielt mit seinen Paneelen nicht nur auf Bauwirtschaft und Innenausbau, sondern auch auf Messebau, Design und andere Segmente, in denen raumakustische Lösungen gefragt sind. „Unser Vorteil ist, dass wir ein natürliches, kreislauffähiges Produkt anbieten können, das auch ästhetisch überzeugt“, meint Fekete.

(c) Hempstatic

Um im hart umkämpften Bausektor einen Fuß in die Tür zu bekommen, setzt Hempstatic auf Forschung & Entwicklung ebenso wie auf Partnerschaften mit etablierten Akteuren. „Wir arbeiten eng mit Universitäten und Forschungsinstituten zusammen – etwa mit der TU Wien und der Uni Innsbruck – um neue Mischungen und Verbesserungen zu entwickeln“, erklärt Yaneva. Hinzu kommen Design-Kollaborationen mit Künstler:innen, um auch im Premiumsegment sichtbar zu werden. „So decken wir sowohl funktionale Großbauprojekte als auch ästhetisch anspruchsvolle Anwendungen ab“, sagt Fekete.

Dass die Hanf-Kalk-Paneele nach der Expo weitergenutzt werden, etwa in EU-Büros oder anderen Einrichtungen, soll den Nachhaltigkeitsgedanken hinter Hempstatic unterstreichen: „Wir wollen zeigen, dass kreislauffähige Baumaterialien keine Nische bleiben müssen, sondern in Sachen Leistung und Design auf Augenhöhe mit konventionellen Produkten liegen“, betont Yaneva.


Deine ungelesenen Artikel:
23.07.2026

Foreus: Wiener Private-Intelligence-Startup holt sich Millioneninvestment und wächst um 25 Prozent

Vom Krypto-Forensik-Spezialisten zum breit aufgestellten Private-Intelligence-Anbieter: Das Wiener Startup Foreus steht bei 4,5 Millionen Euro ARR, wächst heuer um 25 Prozent und hat vor wenigen Monaten ein siebenstelliges Investment abgeschlossen. Im Interview beim Business Angel Summit in Kitzbühel erklärt Gründer Stefan Embacher, wie er zum führenden Anbieter Europas werden will.
/artikel/foreus-investment-wachstum
23.07.2026

Foreus: Wiener Private-Intelligence-Startup holt sich Millioneninvestment und wächst um 25 Prozent

Vom Krypto-Forensik-Spezialisten zum breit aufgestellten Private-Intelligence-Anbieter: Das Wiener Startup Foreus steht bei 4,5 Millionen Euro ARR, wächst heuer um 25 Prozent und hat vor wenigen Monaten ein siebenstelliges Investment abgeschlossen. Im Interview beim Business Angel Summit in Kitzbühel erklärt Gründer Stefan Embacher, wie er zum führenden Anbieter Europas werden will.
/artikel/foreus-investment-wachstum
Stefan Embacher | (c) Foreus

Als Stefan Embacher Foreus im Jahr 2021 gründete, hatte er die heutige Ausrichtung bereits im Kopf. „Ich mach eine Firma, Private Intelligence. Das war meine Idee“, erzählt der Gründer im brutkasten-Interview beim Business Angel Summit in Kitzbühel. Weil das Krypto-Thema damals brannte und er über einen Kontakt in den USA auf ein Feld stieß, das es in Europa praktisch noch nicht gab, startete Foreus zunächst hochfokussiert mit Krypto-Forensik. Erste Zielgruppe waren spezialisierte Rechtsanwälte, dann kamen Banken dazu, etwa mit Mittelherkunftsnachweisen für ein Institut in Liechtenstein.

Der Fokus zahlte sich aus: Schritt für Schritt erweiterte das Team sein Feld um genau jene Themen, die durch die geopolitische Lage massiv an Relevanz gewonnen haben, von Sanktionsprüfungen im Russland-Kontext über Background-Checks bei M&A-Transaktionen bis zur Dual-Use-Exportkontrolle. Wenn etwa ein österreichischer Sensorhersteller an einen Abnehmer in der Türkei liefern will, prüft Foreus die Firmenstruktur des Käufers bis in die dritte, vierte und fünfte Ebene: Wer steht dahinter? Gibt es direkte oder indirekte Verbindungen zu sanktionierten Personen? Für exportierende Unternehmen ist das ohne spezialisierte Unterstützung kaum zu leisten.

HIDX: 60 Produkte auf einer Plattform

Heute steht Foreus auf zwei Standbeinen: Intelligence as a Service, also Dienstleistungen durch das eigene Expertenteam, und Software as a Service. Kern des Software-Geschäfts ist die selbst entwickelte Plattform HIDX (gesprochen „Hidex“, kurz für Hybrid Intelligence Detector). Rund 60 Produkte bündelt Foreus darin, von UBO-Checks über Sanktions- und AML-Prüfungen bis zur Krypto-Forensik. „Es gibt Hunderte von Softwareplattformen. Was wir anders machen: Wir haben rund 60 verschiedene Produkte in einer Plattform“, sagt Embacher.

Integriert ist auch ein Large Language Model, das bewusst in einer geschlossenen, sicheren Umgebung läuft und etwa Firmenbuchauszüge prüfen kann. Die Usability habe man an Social-Media-Logik orientiert, damit auch Nicht-Techniker:innen das Tool bedienen können. Abgerechnet wird pro User und Jahr, dazu kommen nutzungsbasierte Kosten. Ausbaustufen gibt es für Rechtsanwaltskanzleien, Banken und Regierungskunden.

Zum Einsatz kommt das vor allem bei „Härtefällen“, wie Embacher sagt: bei Geschäftspartnern in Afrika, Südostasien, Zentralasien oder Südamerika, wo selbst erfahrene Compliance-Verantwortliche mit den lokalen Jurisdiktionen kaum vertraut sind. Rund 400 Anwaltskanzleien weltweit zählt Foreus nach eigenen Angaben zu seinen Kunden, mit Schwerpunkt in der DACH-Region. Der größte Treiber seien globale Kanzleien mit Niederlassungen in zehn bis 15 Ländern.

4,5 Millionen Euro ARR, 25 Prozent Wachstum, frisches Kapital

Die Zahlen bestätigen die Strategie: Der ARR (Annual Recurring Revenue) liegt aktuell bei 4,5 Millionen Euro, heuer wächst Foreus um 25 Prozent, und das bei einem Team von etwas mehr als 30 Mitarbeiter:innen. Genau darin sieht Embacher die Stärke des Modells: „Wir wollen mit einem kleinen Team von 50 bis 60 Mitarbeitern wirklich einen Einfluss in diesem Markt in Europa haben.“ Die Vision ist klar formuliert: Foreus soll in Europa zum führenden Anbieter im Private-Intelligence-Bereich werden.

Rückenwind dafür gibt es auch auf der Kapitalseite: Vor rund drei Monaten kam es zu einem Investment im Umfeld der Wiener WBYD Management GmbH. „Da haben wir jetzt ein größeres Investment gehabt, im siebenstelligen Bereich“, so der Gründer.

Das frische Kapital fließt vor allem in den nächsten Wachstumsschritt: Im September relauncht Foreus seinen Government-Bereich mit neuen Anwendungen in der Software. Ziel sind Fünf- bis Sechs-Jahres-Verträge mit Regierungskunden, die für planbare, stabile Erlöse sorgen sollen. Im Fokus stehen kleinere Staaten, etwa am Balkan oder Länder in der Größenordnung Österreichs und Ungarns. International wird die Software nach Embachers Angaben bereits von Nachrichtendiensten genutzt. Das Corporate-Geschäft mit Banken laufe parallel weiter gut, monatlich kommen Neukunden dazu.

Vom Bundesheer über Palantir zur eigenen Firma

Seine Expertise bringt Embacher aus einer ungewöhnlichen Laufbahn mit: acht Jahre beim Österreichischen Bundesheer in einer K-Einheit für internationale Operationen, danach knapp vier Jahre im Sicherheitsbereich des US-Datenanalysekonzerns Palantir. „Da habe ich eigentlich meine ganze Experience her“, sagt er. Mit einer kolportierten Darstellung räumt er dabei auf: Dass er beim Bundesheer Ausbilder für Scharfschützen gewesen sei, wie mehrfach publiziert wurde, stimme nicht. „So ist es publiziert worden, aber das habe ich nie gesagt.“

Dass ein militärischer Hintergrund in Österreich lange eher skeptisch beäugt wurde, hat Embacher selbst erlebt: „Vor sechs, sieben Jahren war es schwierig für mich, dass ich mich hinsetze und sage: Ich war beim Militär. Das ist jetzt schon anders.“ Die Zeitenwende habe auch hier ein Umdenken gebracht.

Klare Worte zur parlamentarischen Anfrage

Offen spricht Embacher auch über die parlamentarische Anfrage der Grünen vom August 2025, die private Sicherheits- und Intelligence-Firmen und darin auch ihn namentlich behandelt. Er macht kein Geheimnis daraus, dass ihn die Anfrage stört, und stellt die zentralen Punkte klar: Ja, er habe nach wie vor Kontakte zu Palantir und ins Bundesheer, das liege bei seiner Biografie auf der Hand. Nur folge daraus nichts: „Ich habe noch keinen Cent mit dem Bundesheer verdient. Und selbst wenn da einmal etwas käme, gibt es immer noch das Ausschreibungsgesetz.“ Strafrechtlich habe es nie ein Verfahren gegeben.

„Der Westen ist Amerika und Europa“

Beim Business Angel Summit moderierte Embacher auch ein Panel zur europäischen Souveränität, ein Thema, bei dem er eine differenzierte Position vertritt. Eine Abschottung Europas hält er für den falschen Weg: „Ich denke, der Westen ist Amerika und Europa.“ Zugleich müsse Europa eigene Infrastruktur aufbauen und bei der militärischen Landesverteidigung europäisch statt nur nationalstaatlich denken. Was ihm in der öffentlichen Debatte fehle, sei die diplomatische Perspektive neben der militärischen: „Überall sitzen die Experten vom Militär. Aber die Soft Power in dem Kontext, die fehlt mir komplett.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wiener Startup liefert Schallschutz für EU-Pavillon bei Expo in Osaka