25.04.2022

Hempions: Startup von 4 Spitzensportlern macht Hanf-Parmesan

Das Vorarlberger Startup Hempions bietet verschiedene Lebensmittel aus Hanfsamen an - und verspricht positive Effekte für die Gesundheit.
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Die Hempions-Gründer Daniel Meier, Lukas Bitschnau, Florian Braitsch und Fabian Braitsch | (c) Hempions
Die Hempions-Gründer Daniel Meier, Lukas Bitschnau, Florian Braitsch und Fabian Braitsch | (c) Hempions

Daniel Meier hat als Weltcup-Ski-Rennläufer eine gewisse Bekanntheit in Österreich erlangt. Der Vorarlberger litt lange an chronischen Rückenschmerzen. Heute behauptet er, Hanf habe ihn gesund gemacht. „Es gibt so viele andere Sachen, Spritzen und Chemie (…), aber das ist nur eine Symptombekämpfung. Ich wollte an die Ursache gehen. Mit der Ernährungsumstellung, mit den Hanfsamen, bin ich an die Ursache herangegangen“, lässt sich Meier in einer Aussendung zitieren. Das hab ihn so fasziniert, dass er gemeinsam mit drei weiteren Spitzensportlern das Startup Hempions mit Sitz im Voralberger Wolfurt gegründet hat.

Hempions: Vom Hanf-Parmesan über Crunchies bis zum CBD-Öl

Meiers Co-Founder sind Ski Freestyle Europacup-Gesamtsieger Fabian Braitsch, dessen Bruder, mehrfacher Kunstturnstaatsmeister Florian Braitsch und Ski Freestyle-Fahrer Lukas Bitschnau. Sie alle kommen aus Voralberg und haben Hempions bereits 2018 gegründet und das Produktsortiment seitdem schrittweise ausgebaut. Fabian und Florian Braitsch haben die Geschäftsführung inne.

Gesunde Ernährung sei für den Erfolg im Sport und für den Körper im Allgemeinen bekanntermaßen sehr wichtig, oft werde jedoch für die optimalen Nährwerte der gute Geschmack geopfert, meinen die Gründer. Doch „bei den bestehenden Produkten am Markt waren die Gründer enttäuscht und setzen sich Qualität und Geschmack als oberstes Ziel für ihre Produkte“. Bislang am Markt hat das Startup Hanföl, süße Hanf Crunchies, Hanfprotein-Pasta, Hanfmus, Hanfsamen in verschiedenen Ausführungen, extrahiertes Hanf-Protein und CBD-Öl in zwei Stärken. Das neueste Hempions-Produkt ist der Hanf-Parmesan-Ersatz „Harmesan“.

Hanf als „bedeutende Nutzpflanze in puncto Nachhaltigkeit“

Zudem seien Hanf-Lebensmittel auch gut für die Umwelt, betonen die Gründer: „Neben dem Einsatz als wertvoller Nährstoff für den menschlichen Körper ist Hanf auch eine bedeutende Nutzpflanze in puncto Nachhaltigkeit. Hanf wächst nahezu überall ohne Verwendung von künstlichem Dünger oder Spritzmitteln. Die Hanfpflanze kennt keine natürlichen Feinde und ist sehr robust. Dank des dich­ten Wurzelwerks lockert sie das Erdreich, entzieht den Böden Schadstoffe und hinterlässt diese fruchtba­rer. Hanf trägt als effizienter CO2-Speicher zum Klimaschutz bei und passt ideal in die nachhaltige Land­wirtschaft“.

Hempions pitcht in der aktuellen Folge der Puls4-Show 2 Minuten 2 Millionen. Außerdem in dieser Episode: BeFound, BluFly und PlusGear.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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