27.01.2025
UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

Wie Christof Miska von der WU festhält, gibt es eine helle Seite von Leadership. Er macht drei Ansätze aus und erklärt die einzelnen Führungsstile.
/artikel/helles-leadership-so-bleiben-unternehmen-zukunftsfaehig-und-resilient
Leadership, helles leadership, dark leadership
© WU/Stock.Adobe/Jon Anders Wiken - Christof Miska, Direktor des "Competence Center for Emerging Markets".

Während sich Günther Stahl, Management-Professor und -Forscher an der WU Wien und langjähriger Vortragender an der WU Executive Academy, Stephan Doering, Vorstand der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der MedUni Wien und eine Forscherin an der WU Wien mit der dunklen Seite von Leadership befasst haben – siehe hier – hat Christof Miska Akademischer Direktor des „Competence Center for Emerging Markets“ und Akademischer Direktor des „WU Executive Professional Master Sustainability, Entrepreneurship, and Technology“ die helle Seite der Unternehmensführung beleuchtet. Und dabei drei Ansätze von New Leadership ausgemacht.

Im Gegensatz zur dunklen betont die „helle Seite“ die Bedeutung von persönlicher, sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung und Sinnorientierung, die über das Erreichen von rein wirtschaftlichen Zielen und KPI’s hinausgehen: „Das menschliche Gehirn schenkt gerade in Krisenzeiten negativen Aspekten viel mehr Bedeutung und Aufmerksamkeit als positiven. Und deshalb ist es unsere Aufgabe als Business School, in unseren Aus- und Weiterbildungsformaten – vor allem, aber nicht nur für Führungskräfte – ein positives Growth-Mindset zu schulen“, sagt Miska. Nur so könne Potenzial für Innovation, Change und neue Geschäftsmodelle entstehen.

Der Forscher spricht fortan von drei Ansätzen von Leadership, die sich auf der „“hellen Seite der Macht“ im Bereich des New Leadership wiederfinden:

Purpose-driven Leadership

Purpose-driven Leadership konzentriert sich auf den tieferen Sinn und Zweck (Purpose) des Handelns von Führungskräften und Organisationen. In einer Welt voller Krisen, wie der Klimakrise oder globalen Spannungen, ist es essenziell, dass Führungskräfte das „Wofür“ des Unternehmens verstehen und danach führen und entscheiden.

„Der Unternehmens-Purpose – also der Sinn und Zweck eines Unternehmens – verbindet die Mitarbeitenden zu einem größeren Ganzen, einem höheren Ziel – er geht also über rein wirtschaftliche Ziele hinaus“, betont Miska. Führungskräfte sollten ihren persönlichen Sinn idealerweise darin wiederfinden. „Leider ist das nicht immer der Fall.“

Der Purpose könne, so der Forscher weiter, müsse sich aber nicht auf gesellschaftlichen und sozialen Impact erstrecken. Und manchmal bleibe es bei Marketing: eine Strategie, die auch zu Wertekonflikten führen kann, wenn das Unternehmen sich in Projekten für Nachhaltigkeit einsetzt, aber gleichzeitig Müll im großen Stil in armen Ländern entsorgt. Hier stünden Führungskräfte in der Verantwortung, Entscheidungen auch auf den unternehmerischen Purpose und die Werte des Unternehmens auszurichten.

Beim Corporate Purpose gibt es Miska nach vier Dimensionen:

  • Identität: Hier geht es um die Frage, was für ein Unternehmen es ist – also, welche Werte, Visionen, etc. es hat, die die Identität ausmachen (oder manchmal auch nicht).
  • Leistung: Leistung bedeutet hier, wie Erfolg gemessen wird bzw. was genau man unter Leistung (erbringen) versteht.
  • Ziele: Welches sind die Ziele, das ein Unternehmen erreichen soll?
  • Veränderung: Ein Teil des Corporate Purpose ist die Frage, wie ein Unternehmen mit Veränderung umgehen soll.

Responsible Leadership

Responsible Leadership fokussiert sich auf das ethische, moralische und sozial-gesellschaftlich verantwortungsvolle Verhalten von Führungskräften: „In der wissenschaftlichen Literatur wird hier vor allem die individuelle Ebene angesprochen – denn in den Führungsetagen gibt es häufig einen gewissen Handlungsspielraum“, erklärt Miska. Hier könne etwa die Integration von Prinzipien wie den SDGs und Environmental, Social, and Governance (ESG) in die Unternehmensstrategie Responsible Leadership bei den verantwortlichen Führungskräften fördern und zeige sich vor allem durch:

Ethisches Verhalten
Führungskräfte treffen hierbei Entscheidungen im Sinne von ethischen Prinzipien und gesetzlichen Vorgaben. Sie nutzen mögliche Handlungsspielräume nicht aus, um sich Vorteile zu verschaffen und sind auch in der Mitarbeiterführung integer, vertrauenswürdig und zuverlässig. Dabei gehen sie mit gutem Beispiel voran und initiieren idealerweise auch strategische Compliance-Projekte und Incenitive-Prozesse, die ethisches Verhalten fördern.

Stakeholder-Orientierung
Entscheidungen werden unter Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Stakeholder getroffen, einschließlich Mitarbeitende, Kunden, Zulieferern, Kooperationspartner bis hin zu Umwelt und Gesellschaft als Gesamtes. Responsible Leaders achten auf Wertschöpfung, die Mensch und Umwelt nicht schadet.

Werteorientierung
Führungskräfte treffen Entscheidungen basierend auf den Kernwerten, auch wenn dies kurzfristig wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen kann. Ein Unternehmen könnte sich beispielsweise gegen kostengünstige, aber umweltschädliche Lieferanten entscheiden. Aber auch, wenn die Kernwerte des Unternehmens nicht besonders „responsible“ sind und womöglich sogar profitorientiertes Verhalten auf Kosten anderer forciert, geht ein Responsible Leader so weit, sich gegen solche Vorgaben zu wehren und unpopuläre Entscheidungen zu treffen, so der Ratschlag.

„Aber auch hier geht es um Alignment – passen die eigenen Werte nicht zu jenen des Unternehmens, entsteht ein Wertekonflikt“, so Miska weiter. Das könne zur Konsequenz haben, dass die Führungskraft und Arbeitgeber getrennte Wege gehen. Schlussendlich gehe es darum, Werteorientierung so zu nutzen, dass langfristige Entscheidungen positiv auf das Unternehmen zurückfallen.

In diesem Sinne beinhaltet Responsible Leadership auch Ansätze wie Servant Leadership und Shared Leadership:

Servant Leadership bezeichnet die Rolle des Leaders, der auf Augenhöhe mit seinen Mitarbeitenden agiert und ihnen als „Enabler“ dient – also sie dabei unterstützt, bestmöglich zu arbeiten.
Shared Leadership wiederum zielt darauf ab, die Selbstverantwortung der Mitarbeitenden zu fördern und sie selbst in ihren Arbeitsbereichen entscheiden zu lassen.

Positive Leadership

Schlussendlich stellt der Ansatz des Positive Leadership die Stärken, Ressourcen und Potentiale der Mitarbeitenden sowie der Organisation insgesamt in den Fokus, um Veränderungen und Innovation erfolgreich voranzutreiben. Die positive Organisationspsychologie setzt vor allem auf Lösungsorientierung.

„Lösungsorientierung ist eine wichtige Haltung, bedeute aber nicht, dabei die Probleme aus den Augen zu verlieren – man lässt sich nur nicht von ihnen blockieren“, erklärt Miska.

Bei der stärkenorientierten Mitarbeiterführung identifizieren und fördern Führungskräfte die individuellen Stärken ihrer Mitarbeiter:innen, um deren Potenzial optimal zu nutzen. Ein Beispiel wäre ein Teamleiter bzw. eine Teamleiterin, der oder die regelmäßig Feedback-Sessions durchführt, um die Stärken jedes Teammitglieds zu erkennen und gezielt einzusetzen.

Auf organisationaler Ebene lassen sich indes mit dem „Appreciative Inquiry“ Potentiale des Unternehmens erschließen. Die gängige Problemlösung sammelt Ideen und Lösungsvorschläge und wählt dann einen Weg. Mit diesem Ansatz wird das „Problem“ bereits als Teil der Lösung verstanden.

Egal, auf welchen Ansatz des New Leadership man sich beruft – „die helle Seite““ von Leadership gilt es immer wieder proaktiv in den Fokus zu rücken, resümiert Miska: „Die dunkle Seite von Leadership zieht womöglich mehr Aufmerksamkeit auf sich, aber die helle Seite macht Unternehmen erst wirklich zukunftsfähig, innovativ und resilient.“

Deine ungelesenen Artikel:
10.07.2026

L’Oréal startet größte Nachhaltigkeitskampagne der Konzerngeschichte

Als weltweit führendes Kosmetikunternehmen ruft die L’Oréal-Gruppe die dritte und weitreichendste Ausgabe ihrer globalen #JoinTheRefillMovement-Initiative ins Leben. Durch den Zusammenschluss von vier Divisionen und 18 Marken entsteht die laut Konzernangaben ambitionierteste Nachhaltigkeitskampagne in der Geschichte des Unternehmens.
/artikel/loreal-startet-groesste-nachhaltigkeitskampagne-der-konzerngeschichte
10.07.2026

L’Oréal startet größte Nachhaltigkeitskampagne der Konzerngeschichte

Als weltweit führendes Kosmetikunternehmen ruft die L’Oréal-Gruppe die dritte und weitreichendste Ausgabe ihrer globalen #JoinTheRefillMovement-Initiative ins Leben. Durch den Zusammenschluss von vier Divisionen und 18 Marken entsteht die laut Konzernangaben ambitionierteste Nachhaltigkeitskampagne in der Geschichte des Unternehmens.
/artikel/loreal-startet-groesste-nachhaltigkeitskampagne-der-konzerngeschichte
Für 28 Artikel soll es Nachfüllprodukte geben. (c) Canva

Während bei Seifen schon lange zu Nachfüllprodukten gegriffen wird, werden andere Kosmetika immer wieder neu gekauft. Laut L’Oréal ambivalent, wünschen sich doch 84 % der Verbraucher:innen nach einer internationalen Kantar-Studie nachhaltige Alternativen. Mit #JoinTheRefillMovement startet die L’Oréal-Gruppe nun die bislang umfassendste Nachhaltigkeitskampagne ihrer Geschichte. Gestartet am World Refill Day (16. Juni), umfasst die Kampagne Nachfüllprodukte in den Bereichen Hautpflege, Düfte, Make-up und Haarpflege.

Von Parfum bis Lippenstift messbare Einsparungen

Mit Beginn der Initiative werden nicht nur klassische Duschgels, sondern auch Parfums oder Lippenstifte von L’Oréal als Refill-Produkte angeboten. Ein zentrales Element der Kampagne ist der Nachhaltigkeitsnachweis, gekennzeichnet auf jedem Produkt, der den sofortigen Effekt des Nachfüllens angibt. Ein Beispiel: Bei einer Refill-Creme von Lancôme wird im direkten Vergleich zum Standard-Tiegel der Einsatz von Glas komplett (100 %), Metall um 95 %, Kunststoff um 42 % und Karton um 36 % reduziert. Diese Zahlen sollen die unmittelbare Materialeinsparung belegen und sich bewusst von unkonkreten Prognosen abgrenzen.

„Mit 18 Marken und 28 Produkten zeigen wir, dass nachfüllbare Schönheit für jeden da ist – über alle Kategorien, Preisklassen und Kanäle hinweg. Wir helfen den Verbrauchern, eine einfache Veränderung vorzunehmen: sich für ein Refill zu entscheiden. Nicht als Verzicht, sondern als die bessere Option. Weniger Auswirkungen auf den Planeten, besser für den Geldbeutel“, so Blanca Juti, Chief Corporate Affairs & Engagement Officer bei L’Oréal.

„Say-do Gap“

Zwar sei der Wunsch nach nachhaltigeren Produkten bei den meisten Verbraucher:innen verankert, doch L’Oréal verzeichnet eine spürbare Lücke, wenn es um die tatsächliche Kaufentscheidung geht. Es entsteht ein „Say-do Gap“. Mit der Kampagne will der Konzern nachhaltigere Produkte zunächst zugänglich machen. Gleichzeitig soll aber auch die Sichtbarkeit, beispielsweise durch gezielte Platzierungen in Regalen im Einzelhandel, erhöht werden.

„Nachhaltiger Konsum scheitert im Alltag oft an der Macht der Gewohnheit“, weiß Stefan Geister, Nachhaltigkeitschef von L’Oréal DACH. „Gemeinsam mit unseren Handelspartnern in Drogerien, Parfümerien, Apotheken und Friseursalons wollen wir das ‚Nachfüllen zu Hause‘ als neuen Standard etablieren. Die Erfolgsfaktoren liegen auf der Hand: Ein umfassendes Angebot, ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und kontinuierliche Sichtbarkeit im stationären und digitalen Handel. Wenn wir diesen Weg partnerschaftlich, ausdauernd und konsequent beschreiten, lassen wir aus guten Absichten echtes neues Handeln entstehen.“

100 Mio. Euro für Innovation & Startups

Begleitet werden die Maßnahmen von einem 100-Millionen-Euro-starken Innovationsfonds. Mit dem unternehmenseigenen L’AcceleratOR-Programm werden gezielt Startups und junge Talente unterstützt. Die Ansätze reichen von biologisch abbaubaren Materialien auf Algenbasis über Biokunststoffe aus Zuckerrohr bis hin zu recycelbaren Papierflaschen.

Mit 22 Forschungszentren in sieben regionalen Hubs weltweit, über 4.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie mehr als 8.000 Fachkräften aus den Bereichen Digitales, Tech und Data bündelt der Konzern seine Ressourcen. Ziel dieser Investitionen in die Startup-Förderung und die eigene Forschung ist es, als vernetztes „Beauty-Tech-Powerhouse“ die technologische Zukunft der Kosmetikbranche maßgeblich zu gestalten. Im Jahr 2025 wurde L’Oréal vom Fortune-Magazin zum innovativsten Unternehmen Europas gekürt.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Helles Leadership: So bleiben Unternehmen zukunftsfähig und resilient