Heba Aguib, Chief Executive RESPOND: „Investoren sind in der Pandemie vorsichtiger bei der Vergabe von Geldern“
Heba Aguib, Chief Executive RESPOND, BMW Foundation, sucht noch bis zum 15. Februar Teilnehmer für den RESPOND Accelerator. Im Interview mit dem brutkasten spricht sie von den Hürden und Chancen nachhaltiger Startups während der Pandemie, über kommende soziale Herausforderungen und das Problem von vorsichtigen Kapitalgebern.
Bewerbungen für den Accelerator können noch bis zum 15. Februar 2021 eingereicht werden. RESPOND möchte Gründer inspirieren und vor allem befähigen, einen Beitrag zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Agenda 2030 der UN zu leisten. Dabei liegen die Schwerpunkte, in denen für das Programm im Jahr 2021 Startups gesucht werden, auf den Bereichen „Zukunft der Arbeit“, „Nachhaltige Urbanisierung“ und „Verantwortungsvolle Wirtschaft“. Mehr Infos hier.
Heba Aguib ist Chief Executive RESPOND, BMW Foundation und erkennt kommende Probleme besonders in Sachen nachhaltigem Wirtschaften, aber auch Chancen für Startups.
brutkasten: Ihr habt euch mit der aktuellen Situation nachhaltiger Startups in der Pandemie beschäftigt. Wie geht es jenen, die ihren Fokus auf Nachhaltigkeit setzen?
Heba Aguib: „Wie es nachhaltigen Startups während der Corona-Pandemie geht, ist sehr stark von den einzelnen Geschäftsmodellen abhängig. Die Pandemie stellt zahlreiche Unternehmen vor große Herausforderungen, auch Startups. Während der Lockdowns können viele Unternehmen kaum Umsätze generieren, zahlreiche Investoren sind in der Pandemie vorsichtiger bei der Vergabe von Geldern. Dadurch können gerade nachhaltige Startups unter Druck geraten, nicht zuletzt, da die Kapitalbeschaffung laut des Green Startup Monitors 2020 bereits vor COVID-19 das größte Problem war. Trotz dieser Schwierigkeiten behaupten sich viele junge Unternehmen allerdings aufgrund ihrer Innovationskraft und Kreativität sehr gut am Markt.“
Hat die Pandemie deiner Beobachtung nach auch Chancen für nachhaltig agierende Startups eröffnet? Oder gar bei manchen Unternehmen einen Shift hin zu mehr Bewusstsein in Sachen nachhaltiges Wirtschaften ausgelöst?
„Ja, teilweise wurden auch Chancen eröffnet. So können einige Unternehmen, gerade im Digital-Health- oder Digital-Education-Bereich, profitieren, da solche Lösungen derzeit besonders gebraucht werden.“
Welche weiteren sozialen und ökologischen Herausforderungen kommen in nächster Zeit auf uns zu? Und mit welchen Lösungen lässt sich dagegen eigentlich angehen?
Bereits seit dem Beginn Pandemie zeigen sich einige Bereiche, in denen die Nachfrage nach Innovationen besonders hoch ist. So traten bestimmte soziale Probleme verstärkt zutage, wie die Vereinsamung, gerade im Alter, soziale Ungleichheit im Bildungswesen oder die psychische Gesundheit. Gerade die starke Isolation in den Lockdowns sowie existentielle Ängste durch die wirtschaftlichen Probleme haben nicht zu unterschätzende Folgen für die psychische Gesundheit, für die es Lösungen braucht. Abseits der Pandemie gibt es natürlich noch eine ganze Reihe von dringenden Herausforderungen, vor denen die Welt steht. Diese werden in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sehr gut zusammengefasst, weshalb sich RESPOND bei seiner Suche nach innovativen Geschäftsmodellen an diesen Zielen orientiert.“
Nachhaltige Geschäftsmodelle sind ja in aller Munde. In diesem Sinne, sind dir weitere Trends für 2021 aufgefallen?
„Grundsätzlich befinden sich nachhaltige Geschäftsmodelle im Aufwind, immer mehr Konsumenten legen Wert auf nachhaltige Produkte und Services. Dementsprechend gibt es immer mehr Startups in diesem Bereich. Ich gehe davon aus, dass der Digitalisierung im Gesundheits- und Bildungsbereich weiter eine wichtige Rolle zukommen wird. Durch die Pandemie wurden hier Entwicklungen beschleunigt, die sich fortsetzen werden. Insbesondere in den sehr kritischen Phasen der Krise rückte der Klimaschutz in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund und ich gehe davon aus, dass hier, sobald sich die Lage wieder etwas normalisiert hat, wieder ein verstärkter Fokus liegen wird – was auch dringend notwendig ist.“
Unter anderem gibt es deswegen den RESPOND Accelerator. Was passiert dort genau?
„Das fünfmonatige Programm besteht aus vier Sprintphasen, in denen die Gründerinnen und Gründer in München, sowie digital bei verantwortungsvoller Führung und Skalierung ihrer Unternehmen mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit unterstützt werden. Neben umfangreichen Coaching- und Mentoring-Angeboten profitieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von dem Austausch untereinander und mit den globalen Netzwerken der BMW Foundation und der UnternehmerTUM.“
Wo konkret liegt der Fokus? Welche Technologien und Bereiche zeichnen sich als die vielversprechendsten aus?
„Für jede neue Kohorte wählen wir drei Schwerpunkte aus der Agenda 2030 der Vereinten Nationen aus, in denen wir Startups suchen. Für das diesjährige Programm sind das ‚Zukunft der Arbeit‘, ‚Nachhaltige Urbanisierung‘ und ‚Verantwortungsvolle Wirtschaft‘. Arbeitswelten und die Rolle der menschlichen Arbeitskraft verändern sich in kürzester Zeit. Wir suchen nach Lösungen, die Menschen mit den richtigen Fähigkeiten und Werkzeugen für die Zukunft der Arbeit ausstatten, ihnen einen gleichberechtigten Zugang zu Beschäftigung ermöglichen und Technologie zur Verbesserung prekärer Arbeitsbedingungen nutzen.“
Und Urbanisierung als zweiter Bereich?
„Ja, das ist ein weiterer Schwerpunkt in diesem Jahr, denn urbane Umgebungen stehen vor komplexen sozialen und ökologischen Herausforderungen. Wir bei RESPOND suchen nach Lösungen, die intelligente und nachhaltige urbane Systeme fördern und helfen, alle Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen.“
Wie versteht ihr den dritten Punkt „Verantwortungsvolle Wirtschaft“?
„Wir fokussieren uns auf diesen Bereich, da die Auswirkungen unserer Wirtschaftssysteme klar die Grenzen unserer Erde überschreiten. Deshalb suchen wir nach Innovationen, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, nachhaltige Produktions- und Konsummuster, den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft und das Mindern von Umweltrisiken fördern.“
Ein ambitioniertes Unterfangen. Welche Art von Startups wünscht ihr euch fürs Programm?
„Ich möchte Gründerinnen und Gründer innovativer Startups zur Bewerbung um eine Teilnahme motivieren, gerade in dieser herausfordernden Zeit. So zeigte die Unterstützung durch RESPOND bereits im vergangenen Jahr beeindruckende Ergebnisse bei der Skalierung der Teilnehmer. Zahlreiche Startups konnten große Erfolge verbuchen, wie ‚Made of Air‚, die den “Golden Pretzel Award” der Bits & Pretzels erhielten sowie als ‚Science Breakthrough of the Year‘ von der Falling Walls Foundation prämiert wurden. Ich freue mich besonders darauf, auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Gründerinnen und Gründer auf ihrem Weg zum Erfolg begleiten und unterstützen zu können.
„Co-Founder as a Service“: Wie Decoto International MedTech-Firmen in neue Märkte bringt
Das ursprünglich von Tokio nach Graz gewanderte Netzwerk Decoto International begleitet MedTech-Unternehmen als „Co-Founder as a Service“ beim Eintritt in neue Märkte. Nun stellt sich das Netzwerk organisatorisch breiter auf: Ottronic-CEO Günter Winkler übernimmt als neuer Geschäftsführer eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung von Decoto.
„Co-Founder as a Service“: Wie Decoto International MedTech-Firmen in neue Märkte bringt
Das ursprünglich von Tokio nach Graz gewanderte Netzwerk Decoto International begleitet MedTech-Unternehmen als „Co-Founder as a Service“ beim Eintritt in neue Märkte. Nun stellt sich das Netzwerk organisatorisch breiter auf: Ottronic-CEO Günter Winkler übernimmt als neuer Geschäftsführer eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung von Decoto.
v.l.n.r.) Sergio Rodríguez, Alejandro Huenich und Günter Winkler beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026" am Red Bull Ring | (c) brutkasten
Millionenbudgets, erfahrene Business Developer und am Ende trotzdem kein einziger Abschluss: An diesem Muster scheiterten japanische Medizintechnik-Unternehmen immer wieder bei ihren Expansionsversuchen in die USA. „Zu Decoto kamen Unternehmen, die zuvor Millionen in ihr Business Development in den USA investiert und ihre besten japanischen Mitarbeiter dorthin geschickt hatten und nach zwei oder drei Jahren trotzdem keinen Umsatz erzielen konnten“, erzählt Alejandro Huenich im Gespräch mit brutkasten.
Aus genau dieser Beobachtung heraus gründete Sean Yoshikawa vor rund vier Jahren Decoto International in Tokio: als Antwort auf Handelshemmnisse, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede, an denen die Internationalisierung von MedTech-Unternehmen häufig scheitert.
Huenich, der zuvor in der österreichischen Blockchain-Szene aktiv war, stieg später als Co-Founder ein. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits Jahre zuvor bei einer Startup-Live-Veranstaltung in Österreich, an der Yoshikawa auf Einladung der WKO teilgenommen hatte. In die Medizintechnik kam Huenich zunächst ohne Branchenerfahrung: Innerhalb von 48 Stunden erhielt er zwei voneinander unabhängige Anfragen aus dem MedTech-Bereich, neben Yoshikawas Anruf auch eine Vermittlung zum Wiener Medizintechnik-Unternehmen Aurimod. „Das Universum hat mir innerhalb von 48 Stunden gleich zweimal MedTech auf den Tisch geknallt“, sagt Huenich.
Seit Jänner 2026 führt Huenich Decoto als Geschäftsführer und hat die Marke übernommen. Gründer Yoshikawa ist aus privaten Gründen aus dem operativen Geschäft ausgestiegen, begleitet das Netzwerk jedoch weiterhin punktuell beratend. Eine spätere Rückkehr bleibt offen.
Mit dem Wechsel an der Spitze kam auch eine strategische Neuausrichtung: „Ich habe Decoto stärker europäisch ausgerichtet“, sagt Huenich. Graz soll künftig als „Gateway to Europe“ dienen und internationalen MedTech-Unternehmen den Zugang zu europäischen Märkten erleichtern. Gleichzeitig bleibt das globale Modell bestehen: Partner in Mexiko öffnen den Zugang zu Lateinamerika, das Netzwerk in Japan zu Südostasien, weitere Partner decken Europa und die USA ab.
Ein Netzwerk ohne Angestellte
Decoto ist in mehr als elf Ländern aktiv, mit Schwerpunkten in Südostasien, Japan, Korea, den USA, Lateinamerika und Europa. China und die Schweiz sollen als nächste Märkte hinzukommen. Das Konstrukt dahinter ist ungewöhnlich: „Decoto ist ein System ohne Angestellte“, erklärt Huenich. Im Ökosystem arbeiten eigenständige Unternehmen, Expert:innen und Einzelunternehmer:innen projektbezogen zusammen, vergleichbar mit einer international aufgestellten Anwaltskanzlei. Vergütet wird, wer tatsächlich an einem Projekt beteiligt ist. Das hält die Struktur schlank und schafft für die Partner einen Anreiz, ihre Expertise einzubringen und das Netzwerk aktiv weiterzuentwickeln. Klassisches Marketing betreibe Decoto kaum, die Projektpipeline sei dennoch gut gefüllt.
Das Netzwerk unterscheidet sich nach Huenichs Verständnis jedoch nicht nur durch seine Struktur, sondern auch durch die Art, wie Partnerschaften aufgebaut und Geschäfte gemacht werden. „We are not a business company with some spiritual qualities. We are a spiritual company doing business“, beschreibt er den Ansatz. Im Gespräch wechselt er zwischen Deutsch und Englisch. Gemeint ist eine Unternehmenskultur, in der Achtsamkeit, Wertschätzung, Transparenz, Reflexion und kaufmännische Integrität die Grundlage der Zusammenarbeit bilden.
(v.l.n.r.) Günter Winkler, Alejandro Huenich, Sergio Rodríguez und Amel Havkic beim Decoto-Netzwerktreffen „Beyond the Pitlane 2026″ am Red Bull Ring. | (c) Decoto International
„Gute Beziehungen, Freude an der Zusammenarbeit und geschäftlicher Erfolg sind für uns kein Widerspruch, sie gehören zusammen“, sagt Huenich. Gerade die Monetarisierung von Netzwerken sei schwierig: Viele verfügten über starke Kontakte, schafften es jedoch nicht, daraus nachhaltige Projekte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Decoto sieht seinen bisherigen Erfolg deshalb in der Verbindung gemeinsamer Werte mit einer klaren Methodologie, definierten Rollen und konkreten wirtschaftlichen Zielen.
Gleichzeitig ist Huenich überzeugt, dass die zwischenmenschliche Ebene künftig noch wichtiger wird. Künstliche Intelligenz werde zunehmend Prozesse übernehmen, Vertrauen, persönliche Beziehungen und die Qualität der Zusammenarbeit ließen sich jedoch nicht auf dieselbe Weise automatisieren. Eine ähnliche Haltung verfolgt er als Founding Member von Conxious (brutkasten berichtete), einer Initiative für bewusstere und werteorientierte Formen des Unternehmertums.
Decoto versteht sich ausdrücklich nicht als reine Unternehmensberatung. Beratung ist zwar ein Bestandteil der Arbeit, der Ansatz geht jedoch deutlich darüber hinaus: Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern beteiligt sich Decoto aktiv an der Umsetzung und begleitet MedTech-Unternehmen beim Eintritt in neue Märkte. Unter dem Modell „Co-Founder as a Service“ übernimmt beispielsweise ein lokaler Partner den Aufbau der Aktivitäten vor Ort, bis das Unternehmen eigene Strukturen geschaffen hat und selbst übernehmen kann.
Die Partner kennen die jeweiligen Gesundheitssysteme, Marktmechanismen, kulturellen Besonderheiten und relevanten Entscheidungsträger. Dadurch erhalten die Unternehmen nicht nur strategische Empfehlungen, sondern auch operative Unterstützung und Zugang zu den notwendigen lokalen Netzwerken.
Wie finanziert sich Decoto?
Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen: klassischer Beratung, Venture Building im Sinne des „Co-Founder as a Service“-Modells sowie erfolgsabhängigen Vergütungen im Vertrieb, die jeweils mit einem Retainer kombiniert werden. Beteiligungen an Unternehmen nimmt Decoto nur in Ausnahmefällen. „Equity ist nicht nur gut, es ist auch eine Verantwortung“, sagt Huenich. Inhaltlich konzentriert sich das Netzwerk auf MedTech und Life Sciences, von Digital Health bis Longevity. Pharma ist ausdrücklich ausgeschlossen.
Projekte von Decoto
Zu den aktuellen Projekten zählen laut Huenich die Ansiedlung eines iranischen Startups in Graz, die laufende Ansiedlung eines indischen Unternehmens, die Zusammenarbeit mit einem koreanischen Unternehmen im Demenzbereich sowie die Unterstützung österreichischer Startups.
Als Referenzprojekt nennt Huenich das koreanische Unternehmen Seven Point One, das mit „AlzWIN“ ein KI-gestütztes, sprachbasiertes Screening zur Früherkennung von Demenzrisiken entwickelt hat. Das Unternehmen war bereits in Korea etabliert und laut Huenich auch in Japan erfolgreich, kam beim Eintritt in den US-Markt jedoch zwei Jahre lang kaum voran.
Gemeinsam mit den Decoto-Partnern wurden anschließend unter anderem der FDA-Prozess, das Branding, die Kapitalaufnahme und die ersten Verkäufe an Krankenhäuser bearbeitet. Nach acht Monaten sei das Unternehmen bereit gewesen, seine Aktivitäten in den USA zu skalieren.
Das zentrale Learning daraus beschreibt Huenich so: „Wenn du als ausländisches Unternehmen in einen neuen Markt gehst, wirst du zunächst immer als ausländisches Unternehmen wahrgenommen. Es gilt fast überall: America first, Japan first oder India first.“ Deshalb brauche es lokale Partner, die nicht nur den Markt kennen, sondern auch über das notwendige Vertrauen und die richtigen Beziehungen verfügen.
Eine zentrale Rolle in diesem internationalen Modell übernimmt Sergio Rodríguez. Neben Alejandro Huenich und Günter Winkler ist er der dritte Co-Founder des neu ausgerichteten, stärker europäisch verankerten Decoto-Unternehmens. Rodríguez ist seit mehr als 17 Monaten Teil des Netzwerks, leitet die Aktivitäten in Spanien und Lateinamerika und verantwortet die Bereiche Projektmanagement und Finanzen.
Der Strukturbauer: Günter Winkler
Seit Juni verstärkt Günter Winkler Decoto als neuer Geschäftsführer. Der Wirtschaftsingenieur war lange in der Automotive-Branche tätig, zunächst bei einem OEM in Stuttgart, danach zehn Jahre beim Grazer Technologieunternehmen AVL, wo er zuletzt ein internationales Entwicklungsteam in Indien, Ungarn und Österreich leitete. Seit 2022 ist er zudem Geschäftsführer von Ottronic, einem obersteirischen Entwicklungs- und Fertigungspartner für Medizintechnik-Unternehmen mit Sitz in Fohnsdorf.
Sein Weg zu Decoto begann zunächst als Kunde. Ausgangspunkt war die Wachstumsfrage von Ottronic: Der DACH-Markt allein passte nicht mehr zu den internationalen Zielen des Unternehmens. Die Zusammenarbeit begann mit einem geförderten Internationalisierungsprojekt, in dessen Rahmen Winkler gemeinsam mit Huenich zur World Health Expo und zur MedTech World nach Dubai reiste. Darauf folgte ein gemeinsames Südamerika-Projekt in Kooperation mit dem Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) mit einem Volumen von knapp 50.000 Euro.
Nach der Zusammenarbeit in diesen beiden Projekten entschied sich Winkler im Juni, nicht nur Kunde und Partner des Netzwerks zu bleiben, sondern als neuer Geschäftsführer Verantwortung für die weitere Entwicklung von Decoto zu übernehmen.
Seine zentrale Aufgabe ist es, aus dem bislang bewusst lose organisierten Zusammenschluss internationaler Expert:innen und Partner ein professionell strukturiertes Unternehmen zu entwickeln, das dem aktuellen Wachstum nachhaltig standhalten kann. Die organisatorische Weiterentwicklung ist notwendig, um die wachsende Nachfrage und die bestehende Projektpipeline künftig zuverlässig bedienen zu können.
Dabei soll Decoto vor allem in organisatorischer und struktureller Hinsicht professionalisiert werden, ohne jene bewährten Aspekte aufzugeben, die das Netzwerk bisher erfolgreich gemacht haben: seine Flexibilität, die persönliche Zusammenarbeit und die enge Verbindung zwischen den internationalen Partnern.
Die Arbeitsteilung bringt Huenich auf den Punkt: „Günter baut das Unternehmen, ich kümmere mich um die Menschen.“
Diese Fassung bleibt sehr nah am Original, stellt Günters neue Position aber deutlich klarer heraus und erklärt nachvollziehbar, warum er jetzt Geschäftsführer wird und welche konkrete Aufgabe er übernimmt.
Die klinische Perspektive: Amel Havkic und EvoMed
Mit Amel Havkic erweitert Decoto sein Netzwerk um klinisch-medizinische Expertise. Der Frankfurter Pneumologe ist Ärztlicher Leiter für Weaning und Heimbeatmung am St. Elisabethen-Krankenhaus Frankfurt und Gründer von EvoMed Consulting. Als Partner im Decoto-Netzwerk bringt er insbesondere seine Erfahrung in der klinischen Bewertung und Clinical Adoption ein – also bei der Frage, wie medizinische Innovationen sinnvoll in den klinischen Alltag integriert und von den späteren Anwender:innen angenommen werden können.
Huenich und Havkic lernten sich zunächst über LinkedIn kennen. Persönlich trafen sie sich kurz darauf bei der von Dylan Attard gegründeten MedTech World Dubai. Decoto ist Partner der internationalen Veranstaltungsreihe und regelmäßig bei deren Events vertreten. Im November soll ein großer Teil des Decoto-Netzwerks bei der MedTech World Europe auf Malta zusammenkommen.
„Statt uns als Konkurrenz zu betrachten, haben wir schnell erkannt, dass sich unsere Kompetenzen sehr gut ergänzen“, sagt Havkic. Den strategischen Wert der Partnerschaft sieht Huenich vor allem in Havkics Nähe zur klinischen Praxis: „Er kennt den medizinischen Bereich und den Alltag der Menschen, die eine Innovation später im Krankenhaus anwenden müssen. Dieser Aspekt ist unglaublich wichtig und wird häufig massiv unterschätzt.“
Für Havkic ist Clinical Adoption eine der entscheidenden Erfolgsmetriken im Gesundheitswesen: Wenn Ärzt:innen und Pflegepersonal ein Produkt im Alltag nicht sinnvoll einsetzen können oder darin keinen konkreten Mehrwert erkennen, kann selbst die beste Technologie scheitern.
Wie die Netzwerkarbeit funktioniert
Wie Decoto Netzwerkarbeit versteht, zeigte sich zuletzt am Red Bull Ring. Beim ADAC Racing Weekend lud das Unternehmen gemeinsam mit CESA und Reiter Racing zum Event „Beyond the Pitlane 2026“ – einer kuratierten Runde aus Spitzensport, MedTech und Venture Capital. Das Programm reichte vom Lunch im Fahrerlager über den Renntag in der Box von Reiter Racing, dessen Team an diesem Wochenende den zweiten Platz belegte, bis hin zu einer Paneldiskussion.
Netzwerkveranstaltung am Red Bull Ring | (c) brutkasten
Auf dem Podium diskutierten unter anderem Amel Havkic von EvoMed Consulting, Lejla Pock von Human.technology Styria, Matthew Foran von Meadow Valley Capital, Guillermo Fernando Pezzetto von AVL Racetech, Aleksandra Krajnc vom Know Center und Shavini Fernando von OxiWear. Moderiert wurde die Diskussion von Alejandro Huenich.
Das Event war zugleich Teil eines aktuellen Decoto-Projekts: Peak Performance MedTech. Die Initiative soll eine Brücke zwischen medizinischer Innovation und Spitzensport schlagen. Der Motorsport bietet dafür ein besonders geeignetes Umfeld, da der menschliche Körper hier seit Jahrzehnten an seine Grenzen gebracht wird – häufig lange bevor daraus gewonnene Erkenntnisse Eingang in die reguläre Gesundheitsversorgung finden.
MedTech-Innovationen sollen im Hochleistungssport erprobt, weiterentwickelt und sichtbar gemacht werden und von dort ihren Weg in breitere Märkte finden. Gleichzeitig zeigt das Format, wie das Decoto-Modell im Kern funktioniert: Unterschiedliche Akteure werden gezielt zusammengebracht, persönliche Beziehungen aufgebaut und daraus konkrete Projekte und Partnerschaften entwickelt.
Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.