21.01.2021

Health Hub Vienna Meetup: Daten-Frage als Hemmschuh für Startup-Collaboration

Freundlich im Ton - hart in der Sache: Beim gestrigen Health Hub Meetup wurde klar, warum Startup-Collaboration im Gesundheitsbereich eine besondere Herausforderung ist.
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In den zweiten Durchgang des HealthTech Accelerators von INiTS und UNIQA - Health Hub Vienna - wurden elf Startups aufgenommen. Health Hub Vienna Meetup
(c) INiTS: 2018 gestartet hilft der Health Hub Vienna HealthTech-Startups

Die Zielsetzung des vor mittlerweile fast drei Jahren von Uniqa und INiTS gestarteten Health Hub Vienna war und ist klar: Innovative Startups im Gesundheitssektor unterstützen – mit einem Accelerator-Programm im Kern. Dazu holte man sich von Beginn an eine ganze Reihe an Partnern aus dem gesamten Spektrum des Gesundheitsbereichs an Bord: Von Pharma-Konzernen über diverse öffentliche und teilöffentliche Institutionen und Verbände bis hin zu zahlreichen Unis und Hochschulen. Viele davon waren auch beim gestrigen Health Hub Vienna Meetup vertreten.

Weiterhin hohe Einstiegshürden für HealthTech-Startups

Im Rahmen der Initiative ist der Schulterschluss also schon einmal gegeben, über den innovative Startup-Lösungen für das Gesundheitssystem effizienter ausgerollt werden sollen. Doch auch nach dem Corona-Jahr 2020, das gesamtgesellschaftlich einen enormen Digitalisierungsboost brachte, bleibt eine Feststellung aktuell: HealthTech-Startups haben besonders große Einstiegshürden, um in den Markt zu gelangen.

Das wurde beim Health Hub Vienna Meetup bereits klar, als Health Hub Community Managerin Sabria Lagoun zu Beginn den Stand der Dinge im Startup-Programm beschrieb. „Wir wollen als neutrale Plattform für Open Innovation Startup-Lösungen testen und verbreiten. Wir wollen die Pilotprojekte so schnell wie möglich off the ground bekommen“, erklärt Lagoun. Man habe daher eine ganze Reihe von Mechanismen und Regeln, die für mehr Effizienz in dem Vorgang sorgen sollen. Eine davon ist die „Austria-Readyness“, also die Konformität der Startup-Lösung mit den rechtlichen Bedingungen in Österreich, als Voraussetzung.

Rollout Spital für Spital

Doch auch wenn diese rechtliche Hürde beseitigt ist, ist die Frage des Rollouts noch nicht geklärt. Wenn mit der HealthTech-Lösung direkt Gesundheitspersonal adressiert wird, muss der Markt oftmals in langsamen Schritten Spital für Spital erschlossen wird. Und eine neue Roland Berger-Studie zeige: Nur eine sehr kleine Zahl von heimischen Krankenhäusern arbeitet mit Startups zusammen, gibt Lagoun zu bedenken.

Eines der Startups, dass schon einige Spitäler als Kunden gewinnen konnte, ist Health Hub Alumnus ThinkSono aus dem Vereinigten Königreich. Mit seiner AI-Lösung, die auch nicht-spezialisiertem Gesundheitspersonal Ultraschall-Untersuchungen ermöglicht, müsse ihm erfahrungsgemäß vor allem eines gelingen, um Neukunden zu überzeugen, erklärt CEO Fouad Noor in seiner Keynote: „Man muss den Benefit der Technologie klar machen – nicht nur für die Patienten sondern vor allem auch finanziell für die einzelnen Spitäler“.

Podium beim Health Hub Vienna Meetup: Daten-Frage steht zwischen Privaten und Öffentlichen

Der Health Hub Vienna soll als Zusammenschluss freilich dafür sorgen, dass genau dieser umständliche Sales-Prozess abgekürzt wird, indem große Partner den Startups zur Hilfe kommen. Doch dass hier weitere Hürden warten, wurde beim gestrigen Health Hub Vienna Meetup bei einer von Irene Fialka moderierten Panel-Diskussion unter dem Titel „How to Really Benefit Doctors and Care Workforce“ klar.

Denn auch wenn die Diskutanten, Sarah Walters, Österreich-Präsidentin des Pharma-Konzerns Astra Zeneca, Sozialversicherungs-Dachverbands-Büroleiter Martin Brunninger, MedUni Wien-Professor und Programmdirektor Telemedizin und E-Health, Alexander Gaiger, und Ulrich Mühlner, Co-Founder des Startups docdok.health freundlich im Ton waren, zeigten sich klare Auffassungsunterschiede.

Im Zentrum stand dabei ein Thema, dass im Gesundheitsbereich generell viel Diskussionsstoff bietet: Daten. So schwärmt Astra Zeneca-Chefin Walters von der Möglichkeit, mit digitalen Lösungen Daten zu sammeln, etwa Audio-Aufnahmen von Asthma-Patienten im Schlaf. Die Skepsis verfliege hier meist schnell: „Ärzte sehen bald die Vorteile und die Patienten folgen ihnen bei Akzeptanz digitaler Tools“, so Walters. Auch Startup-Gründer Ulrich Mühlner erklärt seine neue App, die etwaige Nebenwirkungen der Corona-Impfung über das Sammeln und Auswerten von Patientendaten aufspüren soll.

Uni-Professor Alexander Gaiger stellt hingegen klar: „Ich würde prinzipiell medizinische Apps von privaten Anbietern nur nutzen, wenn sie von öffentlichen Anbietern, Sozialversicherung etc. zertifiziert sind“. Besonders wichtig sei, dass die Daten gut geschützt sind: „Sie dürfen nicht bei privaten Unternehmen liegen“. Auch Martin Brunninger will die Daten nicht bei Privaten sehen. So werde von den Sozialversicherungen etwa bald eine eigene Video-Consultation-Lösung gelauncht, damit die Daten nicht den Weg über Unternehmen gehen. Mühlner beschwichtigt in seinem Fall: „Wir sind ein Facilitator. Nicht wir besitzen die Daten, sondern die Ärzte bekommen sie, um etwas daraus zu machen“.

Und letztlich stimmen auch Gaiger und Brunninger zu, dass die Mechanismen zum Rollout von Startup-Innovationen noch verbessert werden müssen. Während Gaiger einen „Innovation Market Place“ im Sinne des Health Hub als „hilfreich“ ansieht, gesteht Brunninger: „Was wir wirklich besser machen müssen ist, dass Unternehmen mit Innovationen kommen können und es einen Dialog gibt“. Hier müsse man von guten Systemen weltweit lernen.

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signteq-Gründer Simon Schnabl | © Daniel Willinger | dwphoto.at
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Digitale Identifikation, regulatorische Prüfungen (u.a. KYC und KYB) und rechtsgültige digitale Verträge – damit überzeugte das 2019 gegründete Wiener RegTech-Unternehmen schon bislang Banken wie die Raiffeisen Bankengruppe und die Bawag, Versicherungen wie Wüstenrot, Fintechs wie froots und Conda, Krypto-Unternehmen wie Cryptonow und WhiteBIT und öffentliche Institutionen wie Wiener Wohnen. Neben Österreich ist man etwa auch in Deutschland, der Schweiz und mehreren Ländern in Südost- und Osteuropa aktiv.

„Know Your Agent“ als zusätzliches Geschäftsfeld

Eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung des Angebots soll nicht nur die European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) spielen, die bis Ende dieses Jahrs von allen EU-Staaten bereitgestellt werden muss. Mit „Know Your Agent“ (KYA) will signteq auch ein zusätzliches Geschäftsfeld aufbauen, das den Boom-Bereich Agentic AI aus RegTech-Perspektive adressiert. „Heute müssen Unternehmen wissen, wer ihr Kunde ist. Morgen müssen sie zusätzlich wissen, welcher KI-Agent für wen handelt, wozu er berechtigt ist und wer dafür verantwortlich ist“, erläutert Simon Schnabl, Gründer und Geschäftsführer von signteq.

Steinberger, Giretzlehner, Compass-Verlag u.a. investieren

Für diese Pläne und die weitere internationale Expansion holte sich signteq nun eine nicht genau bezifferte siebenstellige Kapitalspritze. Mit OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger gewann das Unternehmen dabei nicht nur einen denkbar prominenten Investor, sondern auch eine der international zentralen Figuren im neuen Zielmarkt Agentic AI. Hinzu kommen in der aktuellen Runde der bereits seit 2024 beteiligte Compass-Verlag, Runtastic-Mitgründer René Giretzlehner, die Franz-MayrMelnhof-Saurau Beteiligungs GmbH und weitere nicht genannte Investor:innen.

Steinberger kommentiert in einem Statement: „KI-Agenten werden schon bald eigenständig für Menschen und Unternehmen handeln. Damit wird Vertrauen zur Schlüsselfrage: Wer steckt hinter einem Agenten – und was darf er? signteq baut dafür heute schon die Infrastruktur und denkt digitale Identität konsequent weiter: von Know Your Customer zu Know Your Agent. Diese Kombination aus starkem Kerngeschäft und klarer Zukunftsvision hat mich überzeugt.“

„Was wir in Österreich aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international“

„Digitale Identität ist längst zu einer zentralen Infrastruktur für digitale Geschäftsmodelle geworden. Was wir in Österreich gemeinsam mit Banken, Versicherungen, Technologieunternehmen und der öffentlichen Hand aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international – mit Europa als starkem Ausgangspunkt“, kommentiert Gründer Simon Schnabl. Zugute kommen sollen dem Unternehmen neben der erwähnten EUDI-Wallet, die Teil der eIDAS 2.0-Verordnung ist, noch weitere Regulierungen aus diesem Gesetzespaket sowie die kommendes Jahr anwendbare europäische Geldwäscheverordnung AMLR.

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