05.10.2022

Health-Care-Startup tech2people besitzt nun das dritte Exoskelett

Das Wiener Health-Startup tech2people ist ein österreichweites Therapiezentrum, das robotik-gestützte Physiotherapie ambulant anbietet.
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Greogor Demblin, tech2people, Exoskelett, Therapie, Lähmung, Querschnittsgelähmt
(c) Österreichische Lotterien/Achim Bieniek - Gregor Demblin, Founder von tech2people im Exoskelett.

Nach coronabedingtem Rückgang der Therapieeinheiten verzeichnete tech2people, das derzeit noch im Krankenhaus Göttlicher Heiland beheimatet ist, die höchste Auslastung seit Gründung des Unternehmens 2018. Im September wurde der bisherige Höchstwert aus dem Februar 2020 um fast 15 Prozent überschritten.

Tech2people: Ambulante Therapien wegen Pandemie kaum möglich gewesen

„Unsere Reha-Einheiten sind mit März 2020 schlagartig eingebrochen. Die hohen Pandemie-Auflagen haben es unserer ohnehin schon sensitiven Zielgruppe kaum noch möglich gemacht, ihre ambulante Therapie bei uns im Zentrum konsequent fortzusetzen. Dies scheint jetzt Vergangenheit zu sein, denn die Therapie-Buchungen zeigen, dass wir in diesem Jahr eine durchschnittliche Auslastung verzeichnen, die um 11 Prozent höher liegt, als vor Corona“, erklärt Gründer Gregor Demblin. „Im September haben wir unseren Rekordwert sogar um fast 15 Prozent überschritten.“

Flagship-Roboter „Exoskelett“ hat sich verdreifacht

Die gute Nachfrage nach den robotik-gestützten Therapie-Einheiten hatte zur Folge, dass tech2people mittlerweile stolzer Besitzer des dritten Exoskeletts ist, ein 150.000 Euro teures Gerät, das – an den Körper angelegt – Menschen mit Querschnittlähmung ermöglicht, ein Geh-Training zu absolvieren und durch das regelmäßige Aufrichten die inneren Organe entlastet.

(c) Hocoma, – Der „Lokomat“ kann auch Kinder bei der Therapie unterstützen.

„Nichts am menschlichen Körper ist auf ganztägiges Sitzen ausgerichtet“, weiß Demblin aus eigener Erfahrung, der seit einem Unfall selbst querschnittsgelähmt ist. „Ist man durch eine Lähmung dazu gezwungen, entstehen durch die Bewegungslosigkeit viele Folgeerkrankungen, wie Osteoporose oder Probleme mit dem Verdauungstrakt. Das regelmäßige ambulante Training kann hier – zusätzlich zum eigentlichen Rehabilitationseffekt – extrem viel bewirken.“

Neue Therapien von tech2people

Aber auch in anderen Bereichen baut tech2people weiterhin die Therapieangebote aus. So sind mittlerweile ambulante Schulter-, Hand-, Arm- und Bein-Rehabilitationen mit speziell dafür entwickelten Robotern Teil der Ausstattung.

„Wir sind erst am Anfang. Derzeit planen wir gerade in der Seestadt eines der modernsten Therapiezentren für Neurorehabilitation und Physiotherapie in ganz Europa. Hier investieren wir insgesamt 3,6 Millionen“, so Demblin. Die Eröffnung ist für Frühling 2023 geplant.

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Die Eye-Tracking-Brille von Viewpointsystem kommt im Rahmen des EU-Projekts Manufactor in der Industrie zum Einsatz | (c) viewpointsystem
Die Eye-Tracking-Brille von Viewpointsystem kommt im Rahmen des EU-Projekts Manufactor in der Industrie zum Einsatz | (c) viewpointsystem

Einarbeitungszeiten um mehr als 35 Prozent und Fertigungsfehler um 20 Prozent reduzieren; gleichzeitig das Vertrauen der Mitarbeitenden in die eigenen Fähigkeiten um mehr als 20 Prozent steigern und die körperliche und mentale Belastung senken – das sind die ambitionierten Ziele des Projekts Manufactor.

Mit sechs Millionen Euro von Horizon Europe gefördert

14 Partner aus zehn EU-Ländern sind daran beteiligt, darunter Universitäten wie TU Darmstadt (Deutschland) und Universität Uppsala (Schweden), Industriebetriebe wie Hitachi Energy Sweden und Volkswagen Autoeuropa (Portugal) und Startups wie u-sense.it (Italien) und Viscando (Schweden). Mit dem oberösterreichischen Maschinenbauer Fill und dem Wiener Datenbrillen-Startup Viewpointsystem sind auch zwei österreichische Unternehmen bei dem im Rahmen von Horizon Europe mit sechs Millionen Euro geförderten EU-Projekt dabei.

Zusammenführung mehrerer Technologien

Um die zuvor genannten Ziele zu erreichen, sollen im Rahmen des auf drei Jahre angesetzten Forschungs- und Entwicklungsprojekts mehrere Technologien zusammengeführt werden und ein validierter Prototyp entstehen: tragbare Sensoren, XR-Brillen, Eye Tracking, 3D-Bildsensoren, KI-Agenten und Human Digital Twins. „Zusammen liefern sie Informationen über die körperliche und kognitive Situation der Mitarbeitenden und ermöglichen eine situationsgerechte Unterstützung direkt am Arbeitsplatz. Im Mittelpunkt stehen dabei der Mensch und die Frage, wie Technologie ihn bei seiner Arbeit bestmöglich unterstützen kann“, heißt es von Projektpartner Viewpointsystem in einer Aussendung.

Vom Eye-Tracking zum „Human Digital Twin“

Das Wiener Startup steuert als einer von vier zentralen Technologiepartnern eine Weiterentwicklung seiner Eye-Tracking-Brille bei. Die Eye-Tracking- und Kameradaten der Brille sollen im Projektverlauf mit weiteren Sensordaten zusammengeführt werden. Daraus soll ein Echtzeitbild der körperlichen und kognitiven Situation von Mitarbeitenden, also ein sogenannter „Human Digital Twin“ entstehen. KI-Agenten sollen diese Informationen dann nutzen, um die Unterstützung an die jeweilige Situation anzupassen, etwa durch Audioanweisungen oder direkt in der XR-Brille eingeblendete Informationen.

„KI kann ihre Unterstützung an die Person und die jeweilige Situation anpassen“

„Wirklich adaptive Unterstützung beginnt damit, den Menschen hinter der Aufgabe zu verstehen. Eye Tracking gibt uns in Echtzeit Aufschluss über die Aufmerksamkeit und kognitive Belastung eines Menschen“, erklärt Frank Linsenmaier, CTO von Viewpointsystem. „Auf dieser Grundlage kann KI ihre Unterstützung an die Person und die jeweilige Situation anpassen und damit über eine reine Automatisierung von Assistenz hinausgehen.“

Test in der Next World Factory von Fill

Getestet wird das unter anderem bei Industriepartner Fill, konkret im firmeneigenen Ausbildungs- und Lernzentrum Next World Factory. Im Projekt soll untersucht werden, wie adaptive, KI-gestützte Assistenz den Kompetenzerwerb beschleunigen und die sichere Anwendung im Arbeitsalltag unterstützen kann. Martin Muik, Forschung und Entwicklung bei Fill, nennt auch den Fachkräftemangel als Grund für das Projekt. „Mit Manufactor wollen wir erproben, wie intelligente Assistenz das Lernen individueller, effizienter und motivierender gestalten und Menschen dabei unterstützen kann, ihr Potenzial bestmöglich zu entfalten.“

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