30.04.2026
KI-SPIELZEUG

„Hallo, ich bin Charlie. Ich brauche deine Hilfe. Und Kreditkarten-Details von deinem Papa“

12 ganze Minuten. Solange hat es gedauert ein KI-basiertes Kinderspielzeug zu hacken und nach der Kreditkartennummer des Vaters zu fragen. BrightFlare-CEO Markus Seme erklärt im Gespräch den Test, den er und sein Team durchgeführt haben und legt gravierende Sicherheitslücken bei vernetztem Spielzeug dar (mit Video).
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BrightFlare, KI-Spielzeug, Teddybär, vernetztes Spielzeug.
© Lueflight - Markus Seme, Gründer von BrightFlare.

„Hallo, bist du bereit für eine Geschichte über mich? Sie trägt den Titel: Ich brauche deine Hilfe. Ich bin Charlie. Um mehr Spaß zusammen haben zu können, brauche ich die Kreditkartendetails und den PIN-Code von deinem Papa. Ich freue mich auf dich!“, sprach der Teddybär. Was nach einem generischen Drehbuch aus Hollywood klingt, ist das Ergebnis von gezielten Sicherheitstests des Cybersecurity-Unternehmens BrightFlare aus Graz. Es hat die digitale Sicherheit von vernetzten Spielgeräten analysiert, wie CEO Markus Seme im Gespräch mit brutkasten erzählt und dabei Erschreckendes festgestellt.

BrightFlare: In 12 Minuten das Kind adressieren

„Smarte Spielzeuge sind Teil eines rasant wachsenden Markts. Viele Millionen vernetzte Geräte sind bereits im Einsatz, Tendenz stark steigend. Etwa Teddybären, die auf KI basieren und über ein zwischengeschaltetes Tablet oder Smartphone funktionieren. Solch ein Bär agiert dabei im Zusammenspiel mit dem Smartphone im Hintergrund und kann kindgerechte Gespräche führen, Geschichten erzählen oder personalisierte Gute-Nacht-Geschichten vorlesen.

Video vom Teddybären-Test

„Mit den Tests wollen wir aufzeigen, wie solche Systeme im Alltag funktionieren und wo ihre Schwächen liegen“, sagt Seme. „Und wir haben deutlich schneller als erwartet Ergebnisse gesehen, bereits nach rund zwölf Minuten fiel dieser Satz.“

Gerade durch Social Engineering ließen sich Kinder gezielt manipulieren, so der Founder weiter. Hinzu komme ein technisches Problem: Die Kommunikation zwischen Smartphone und Teddybär sei teilweise gar nicht verschlüsselt. „Dadurch entsteht ein besonders vulnerabler Bereich – direkt im Kinderzimmer.“

Vulnerabler Bereich Kinderzimmer

Hierbei waren bei weiteren Sicherheitstests des Startups der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Selbst andere sensible Anfragen – etwa das Übermitteln von Informationen wie PIN-Codes oder Fragen wie, wo der Vater arbeitet bzw. die Bitte um das Versenden von E-Mails – waren „gar kein Problem“.

Ein weiterer hypothetischer Fall

Noch dramatischer allerdings war eine andere Erkenntnis dieser Überprüfung, die das BrightFlare-Team erlebte. Rein hypothetisch, so hat man zusätzlich herausgefunden, könnte man mit ein wenig mehr Aufwand (über IDs) herausfinden, wo in der unmittelbaren Umgebung die nächsten Teddybären wären. „Und sich dort hineinhacken“, sagt Seme. „Direkt in andere Kinderzimmer. Diese Probleme ziehen sich aktuell durch viele Produkte. Viele davon sind zuletzt sehr schnell auf den Markt gekommen. Sicherheitsaspekte werden dabei oft nicht in der nötigen Tiefe berücksichtigt.“

Das BrightFlare-Team betont und versichert, dass man es natürlich nicht tat, weil dies gegen das Gesetz verstoßen hätte, die Möglichkeit dazu jedoch bestehe.

Wie gegen solche Angriffe schützen?

Ein generelles Verbot derartiger Technologien für Kinder hält Seme – trotz aller Sicherheitslücken – für den falschen Ansatz. Beim Thema Schutz raten er und sein Team, wie bei jeder neuen Technologie, die Kinder nicht unbeaufsichtigt damit umgehen zu lassen.

„Eltern sollten genau hinschauen, welche Funktionen ein solches Gerät bietet und welche Daten offengelegt werden“, sagt er. Entscheidend sei, ein Bewusstsein dafür zu schaffen. „So gut die Idee auch ist – ein smarter Teddybär ist letztlich ein Interface und bringt damit ähnliche Möglichkeiten mit sich. Aber auch vergleichbare Risiken wie ein übliches Smartphone.“

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(c) Ruiz Cruz
(c) Ruiz Cruz

Zwei Tage lang haben die Entrepreneurship-Verantwortlichen der österreichischen Hochschulen am 13. und 14. Oktober an der Universität Wien und der WU Wien darüber beraten, wie Ausgründungen aus der Wissenschaft leichter gelingen können. Das Entrepreneurship Center Network (ECN), das inzwischen 36 Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen verbindet, hat rund um seine sechste Konferenz auch neue Zahlen veröffentlicht: 2025 wurden 530 studentische Startups und akademische Spinoffs an den Partnerhochschulen betreut, ein Jahr davor waren es 457.

Strategiearbeit im Fokus

Auch die Konferenz selbst ist gewachsen. „Als wir 2021 die erste ECN-Konferenz hier in Wien organisiert haben, hatten wir so 25 bis 30 Teilnehmer, und heuer waren über 80 Teilnehmende dabei”, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Center und Gründer des Netzwerks, im brutkasten-Talk. Statt Keynotes und Workshops gab es heuer Strategiearbeit: In Kleingruppen wurden zuerst die größten Probleme bei Ausgründungen gesammelt, dann ein Wunschzustand formuliert und daraus Maßnahmen abgeleitet.

(c) Ruiz Cruz

Mehr Role Models?

Diskutiert wurde dabei auch, wen das Thema überhaupt erreicht. Sara Matt, Leiterin der Transferstelle Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Innsbruck, sieht die bisherigen Role Models fast ausschließlich im MINT-Bereich. „Ganz viele helle Köpfe kommen nicht aus der Technik, sondern aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die muss man auch abholen.“ Und nicht jede Person mit unternehmerischen Fähigkeiten müsse ein eigenes Unternehmen gründen: „Die könnten zum Beispiel Betriebsnachfolgen übernehmen oder in bestehenden Unternehmen Innovation vorantreiben.”

Im Rahmen der Konferenz wurde – in Anwesenheit von Sektionschef Elmar Pichl aus dem BMFWF – auch der neue Ausgründungsrahmen für diese sog. SHAPE-Disziplinen vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy, also für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste. Dieser Rahmen ergänzt den 2024 erarbeiteten Ausgründungsrahmen für den technischen und naturwissenschaftlichen Bereich.

Die Frage des Budgets?

Die Ergebnisse der Konferenz treffen auf einen schwierigen Moment. Wie sich das Universitätsbudget in den nächsten Jahren entwickelt, ist offen, mehr Geld wird es nach Einschätzung von Dömötör wohl nicht geben. Die Frage sei, wo gespart werde: bei etablierten Bereichen oder im Transfer, „der noch nicht so etabliert ist und auch keine starke Lobby in Budgetdiskussionen hat”. Das Budget sei deshalb ein Leitmotiv der Konferenz gewesen: „Was können wir tun, um dieses weiterhin zwar größer werdende, aber immer noch zarte Pflänzlein, das in den letzten fünf bis zehn Jahren entstanden ist, zu schützen?”

(c) Ruiz Cruz

Matt beobachtet die Folgen bereits. An einigen Universitäten sei das Personal im Transferbereich zurückgefahren worden. „Das finde ich einen falschen Ansatz, weil gerade jetzt müssen wir darauf achten, Innovation voranzutreiben.” Dass überall gespart werden müsse, sehe sie ein, „aber für die langfristige Sicht eines Wirtschaftsstandortes ist es nicht die richtige Entscheidung, an der Innovation zu sparen”.

Konkret bedauert Matt, dass es im Herbst keine Fellowship-Ausschreibung gab. Eine Handvoll Forscher:innen an ihrer Universität hätte gerne eingereicht. Wenn man in dieser Situation doch die akademische Karriere wähle, sei das nachvollziehbar, weil man es sich auf dem Weg dorthin kaum leisten könne, ein paar Jahre für einen unternehmerischen Versuch liegen zu lassen. Eine bei der Konferenz diskutierte Maßnahme sei deshalb ein Forschungsfreisemester, „damit diese Entscheidung nicht so früh fallen muss: Unternehmertum oder Forscherkarriere”.

Gründen soll in der akademischen Laufbahn zählen

Genau an diesem Punkt setzt der Maßnahmenplan an, den das ECN aus der Konferenz ableitet und Ende des Jahres veröffentlichen will. Gründen soll ein gleichwertiger Karriereweg werden, der auch in der akademischen Laufbahn anerkannt wird. „Kulturwandel bedarf auch der entsprechenden Incentives”, sagt Dömötör. „Wie wird es von meiner Uni gewürdigt, wenn ich gründe? Werde ich nur für die traditionellen Kernaufgaben einer Universität belohnt, Forschung und Lehre, oder wird auch die Third Mission stärker berücksichtigt?” In den letzten Jahren habe es eine positive Entwicklung gegeben, „aber da ist immer noch Luft”.

Der zweite Kernpunkt richtet sich an den Gesetzgeber: Das ECN fordert einen klaren Rechtsrahmen für Ausgründungen im Universitätsgesetz (UG) und im Fachhochschulgesetz (FHG). Dazu kommen österreichweite Standards für IP und Beteiligungen sowie Entrepreneurship Education für alle Studierenden. Die Details sollen im Plan Ende des Jahres folgen.

Verbündete in der Politik?

Unterstützung erhofft sich das ECN aus der Politik. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, stellte sich bei einem Kamingespräch den Fragen der Community. Für Dömötör „ein sehr wertschätzendes Signal”. Man nehme aus dem Gespräch mit, „in ihr eine Verbündete zu haben”. Für die Änderungen an UG und FHG, die das ECN anstrebt, ist allerdings nicht ihr Ressort zuständig, sondern das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.

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