16.10.2025
MARKTGESPRÄCH

Hakel über Wiener Tofu: „Wir haben’s dann geschafft, wenn wir nach China exportieren“

Aus einer Idee beim gemeinsamen Abendessen entstand ein Hotspot am Karmelitermarkt: Die Wiener Tofu Manufaktur von Elisabeth Hakel und Liwei Sun. Wie es zur Gründung kam, warum Tofu mit Kürbiskernöl schmeckt und warum man nach China exportieren will.
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Elisabeth Hakel mit ihren Co-Founder:innen Lhamo Eunshe, Biru Yu und Liwei Sun | Credits: Another Studio/Halle34
 Foto: Thomas Smetena/Sigi Mayer

Er wird täglich frisch vor Ort hergestellt. Alles passiert nach chinesischer Tradition. In Wasser einlegen, absieben, erhitzen, pressen. Liwei Sun nimmt dabei Biosojabohnen aus Niederösterreich. Diese werden über Nacht in Wiener Wasser eingelegt. Als Bindemittel dient Magnesium, das „schmeckt frischer“.

„Auch Tofu-Kritiker:innen sind überrascht“, meint Elisabeth Hakel. Sie ist Geschäftsführerin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Wien und war früher Startup-Sprecherin der SPÖ. Gemeinsam mit dem mehrfachen Restaurant-Besitzer und Chefkoch Liwei Sun hat sie im Frühsommer dieses Jahres die „Erste Wiener Tofu Manufaktur“ eröffnet.

Wie Tofu eigentlich schmeckt

Liwei Sun hat als gebürtiger Chinese aus der Provinz Zhejiang südlich von Shanghai genau das Wissen, das man für Tofu nach traditioneller chinesischer Art braucht.

Aktuell führt Liwei – neben der Manufaktur am Karmelitermarkt im zweiten Wiener Bezirk – auch das „Liwei’s Kitchen“ auf der Taborstraße. Das ist auch der Ort, an dem die Idee zur Manufaktur entstand. „Und zwar war das bei einem Abendessen. Liwei und ich sind schon länger befreundet und ich esse gerne bei ihm im Restaurant. Weil’s einfach wirklich gut ist“, schwärmt Hakel.

Wiener Tofu mit Wiener Wasser

In einem späteren Gespräch mit Chefkoch Liwei kam es dann zur Idee: Tofu lasse sich eigentlich gut produzieren – und mit den richtigen Produkten auch noch sehr hochwertig. So ergab sich die Mission: „Wir wollen den Wiener:innen zeigen, wie gut richtiger Tofu schmeckt.“ Also gründeten Hakel und Sun mit noch zwei Partnerinnen – Biru Yu, Suns Ehefrau, und Lhamo Eunshe – die erste Wiener Tofu Manufaktur. 

Das Ganze funktioniert wie folgt: Jeden Morgen zwischen sechs und sieben Uhr startet die Produktion am Karmelitermarkt. Die Herstellung ist für Kund:innen und Schaulustige sichtbar.

Die Manufaktur am Karmelitermarkt | Foto: Another Studio/Halle34
- Thomas Smetena/Sigi Mayer

Zunächst werden die Biosojabohnen aus Niederösterreich über Nacht eingeweicht – mindestens zehn Stunden in Wiener Wasser. Dann wird das Sojabohnen-Wasser-Gemisch in einer Mühle gemahlen. Die Tofumaschine stammt aus China. Beim Mahlen entsteht Sojamilch. Diese wird auf 80 Grad Celsius erhitzt.

Fast wie Käse

Die entstandene Milch wird wieder abgekühlt und präzise gerührt, dann durch ein Sieb geschüttet. Als Bindemittel fügt man Magnesium hinzu, das dem ganzen „einen frischen Geschmack“ verleiht. Das macht die Masse „topfenartig“. Das Ganze vergleicht Hakel mit dem Produktionsprozess von Käse.

Die topfenartige Masse wird in eine Form gefüllt und gepresst – in ein bis drei Minuten. Zusammen dauert der Prozess eine gute Stunde, meint Hakel. „Bei hoher Nachfrage müssen wir auch mittags nachproduzieren.“

Kein Abfall, sondern Okara

Was die Wiener Tofu Manufaktur auszeichnet, ist nicht nur die Originalität und die Tatsache, dass ihr Tofu „wirklich gut schmeckt“, sondern auch, dass Hakel und Sun quasi keinen Abfall produzieren: 

„Wir verwenden 100 Prozent der Sojabohne. Auch das Nebenprodukt, Okara, wird zu Laibchen verarbeitet.“ Dazu wird der „Produktionsabfall“ mit Kartoffelstärke vermischt. Das Produkt „Okara“ ähnelt dann einem glutenfreien Brötchen und „schmeckt herrlich mit Aufstrich oder als Beilage zu einem Hauptgericht.“ Die Produktion wird von den beiden Co-Founder:innen Biru und Lhamo geleitet. Biru hat sich auch der Qualitätsprüfung des Tofus verschrieben.

Der Wiener Tofu am Karmelitermarkt | Foto: Another Studio/Halle34
- Thomas Smetena/Sigi Mayer

Mangel an Fachkräften

Das Geschäft läuft, ein baldiger Ausbau sei der logische nächste Schritt. Allerdings stehen dabei ein paar Hürden im Weg – auch der Fachkräftemangel. Hakel und Liwei bestehen auf Qualität und Authentizität. Sie wollen demnach Personen in ihr Geschäft aufnehmen, die Know-how mitbringen. Und das sind meist eben Chines:innen.

„In unserem Geschäft sind wir auf chinesisches Personal angewiesen. Wir brauchen einen chinesischen Koch oder eine chinesische Köchin“, so die Gründerin. Allerdings gestalte sich die Personalerweiterung dank Rot-Weiß-Rot-Karte relativ unflexibel. Die Prozesse seien „langwierig“, und das „Kontingent gering“. „Die Anzahl der Köche, die aus China pro Jahr nach Österreich kommen dürfen, ist streng limitiert“, erzählt Hakel.

Sie habe beispielsweise eine chinesische Studentin an der Angel, die sich als Aushilfe für den Verkauf und die Produktion eignen würde – mit kulturellem Hintergrundwissen. Die Studentin habe allerdings keine Arbeitserlaubnis erhalten. „Es gibt genug Österreicher:innen, die das machen würden“, war die Antwort des Amtes, so Hakel.

“Locker ein Jahr schneller”

Ein Fall, der Macken im System aufzeigt. Und nicht nur in puncto Arbeitserlaubnis mangle es laut Hakel an Flexibilität des Systems: „Österreich ist ein Land der Bürokratie. Das ist natürlich rechtens. Zu viel Regulierung und zu viele Amtswege hemmen uns allerdings sehr in unserer Umsetzung. Wir hätten Wiener Tofu locker ein Jahr schneller gründen können, wenn der Entscheidungsprozess vonseiten der öffentlichen Hand nicht so lange gedauert hätte.”

Trotz bürokratischer Hürden hat sich das Geschäft etabliert: Im Sommer „haben sie uns die Bude eingerannt“, meint Hakel. Die Nachfrage war groß – und ist es weiterhin. 

Kokos-Curry oder Kürbiskernöl

Den Tofu gibt es in mehreren Varianten: Natur oder mit speziellen Saucen, darunter Kokos-Curry und Kürbiskernöl mit Sojasauce. „Die mag mein Sohn besonders gern. Immerhin ist er halber Steirer”, so Hakel.

Den Stand am Markt gibt es seit Ende Juni, zunächst im Soft Opening. Das große Opening fand Ende September statt. Mit dabei war auch Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak: „Die erste Wiener Tofu Manufaktur ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich mit einer mutigen Idee und viel Engagement ein nachhaltiges Geschäftskonzept aufbauen lässt.“

Stadträtin Barbara Novak neben Elisabeth Hakel und Liwei Sun bei der Eröffnung im September | Foto: Markus Wache

85.000 Euro von der Wirtschaftsagentur Wien

Berühmt ist die Manufaktur nicht nur bei Schaulustigen und Tofu-Fanatiker:innen. Mittlerweile bekommt sie auch Anfragen aus der Spitzengastronomie, wie Hakel erzählt. Ausliefern können sie den Tofu allerdings noch nicht, „dafür sind wir noch zu klein“.

Lange soll das aber nicht mehr so bleiben, meint Hakel. Wachstum steht bevor. Ursprünglich habe man sich nur mit Eigenmitteln finanziert, später erhielt die Wiener Tofu Manufaktur eine Förderung von insgesamt 85.000 Euro von der Wirtschaftsagentur Wien. Einen Teil davon gab es speziell für die „Frauenführung“ im Unternehmen.

Tofu als Marktlücke

„Wir wussten, dass Tofu in Wien herzustellen eine echte Marktlücke ist – Wien hat danach gerufen. Zwei Jahre hat die Vorbereitungszeit gedauert, von der Idee, dem Umbau des Shops in eine Manufaktur bis zur Eröffnung”, sagte Hakel im September bei der Eröffnung. Auch in unserem Gespräch äußert sie Dankbarkeit und einen Wunsch für die Zukunft:

„Die Arbeit macht mir großen Spaß. Am Wochenende stehe ich in der Manufaktur, um Kontakt zu den Kunden zu pflegen.“ Das Schönste sei, „wenn Menschen, die dem Tofu gegenüber kritisch eingestellt sind, das Produkt kosten und dann mit strahlendem Gesicht feststellen, dass der toll schmeckt.“

Kein Ersatz und exportfähig

Zukünftig wolle man neben „der Weltherrschaft“, wie Hakel mit einem Lächeln erwähnt, und einer größeren Tofumaschine auch eine zweite Location eröffnen. Kochworkshops und Fine-Dining-Erlebnisse stehen auf dem Plan.

Für den Tofu hat Hakel außerdem einen besonderen Wunsch: „Ich will nicht, dass Tofu als Fleischersatz gesehen wird, sondern als eigenständiges Produkt. Wir möchten nicht nur Veganer:innen oder Vegetarier:innen ansprechen, sondern auch Menschen, die sich klimabewusster und gesünder ernähren wollen.“

Tofu könne nämlich in Gerichten einwandfrei mit Fleisch, Reis, Gemüse oder Fisch kombiniert werden – „so, wie es in China üblich ist. Tofu ist kein Ersatz“, meint die Gründerin. Deshalb versuche man auch weiterhin, die Produktion zu optimieren – mit einem großen Ziel vor Augen:

„Gleich zu Beginn habe ich zu Liwei gesagt: Wir haben’s dann geschafft, wenn wir unseren Tofu nach China exportieren,“ erzählt die Gründerin augenzwinkernd.

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Die Gründer Wieland Moser, Gerald Stangl und Florian Hackl-Kohlweiß sowie Co-CEO Katharina Steppan und CEO Hüseyin Özcelik (v. l.). Foto: Nicky Webb

Es ist eine Wette darauf, dass sich die Wärmeversorgung europäischer Städte in den nächsten Jahren grundlegend verändert. Den Beweis, dass der Markt dafür bereit ist, hat Roots Energy nach eigener Darstellung bereits erbracht. „Wir haben bewiesen, dass Menschen dafür bezahlen“, sagt Gründer Gerald Stangl. Das Wiener Unternehmen hat eine vorgefertigte Nahwärme-Plattform aus Hardware und Software entwickelt, die die heute übliche Einzelplanung jedes Heizraums durch ein industriell gefertigtes System ersetzen soll – und damit europäische Städte unabhängig von fossilen Energie-Importen machen will. Die Investitionskosten sinken laut Unternehmen gegenüber konventionell geplanten Anlagen um bis zu 50 Prozent.

Die erste Anlage – das mehrfach ausgezeichnete Wiener Pilotprojekt SmartBlock Geblergasse, technisch geplant von Roots-Mitgründer Wieland Moser, unter anderem Träger des Österreichischen Staatspreises 2021 – läuft seit 2017. Mehr als 20 weitere Standorte in der DACH-Region befinden sich im aktiven Rollout. Seit dem zweiten Quartal 2026 fertigt Roots Energy die zentralen Komponenten gemeinsam mit einem österreichischen Industriepartner in Serie. Womit das Unternehmen die jahrelange Pilotphase hinter sich lässt – und in die Skalierung eintritt.

Vom Co-Living-Projekt zum Wärme-Standard

Die Geschichte beginnt nicht mit Energie, sondern mit Wohnen. Hinter Roots steht mit Gerald Stangl ein Gründer, der bereits eine der bekanntesten österreichischen Health-Tech-Erfolgsgeschichten mitgebaut hat: Das von ihm mitgegründete Unternehmen mySugr, eine App zum Diabetes-Management, wurde 2017 an den Pharmakonzern Roche verkauft. Die Parallele zieht Stangl selbst – mySugr sei erfolgreich gewesen, weil das Team sein eigenes Problem gelöst habe. Bei Roots ist es dasselbe Muster: Die Wärmelösung entstand aus dem konkreten Bedarf eines eigenen Bauprojekts. 2021 gründete er gemeinsam mit Dr. Hüseyin Özcelik und Florian Hackl-Kohlweiß die Roots Urban Villages GmbH, ein Co-Living-Konzept für die Stadt. Bei der Suche nach einer Wärmelösung für ein rund 20.000 Quadratmeter großes Areal stieß das Team auf ein grundsätzliches Problem: „Wir haben gemerkt, es gibt nichts. Entweder man geht auf Fossil oder auf Fernwärme, wo man extreme Preisabhängigkeit hat“, erinnert sich Stangl. 

(c) Nicky Webb

Den Ausschlag gab schließlich der russische Einmarsch in die Ukraine 2022. Die Energiepreise schossen nach oben, die Immobilienpreise nach unten – und damit verschob sich die Logik des gesamten Vorhabens. Erst in diesem Moment, so Stangl, sei dem Team das eigentliche Marktversagen aufgefallen – und damit der Moment gekommen, „all in“ zu gehen: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Das Team ließ das große Immobilienprojekt fallen, holte Energietechnik-Pionier Wieland Moser ins Gründer-Team, kaufte ein Gebäude als Forschungszentrum und entschied sich bewusst gegen frühes Investorenkapital: Ausschlaggebend war für Stangl der Zeitpunkt: Mit Kriegsbeginn sei die Stimmung unter Investoren schlecht gewesen, ein schneller Start mit hohem Tempo damals kaum finanzierbar. „Da haben wir gesagt, wir bootstrappen das.” 2023 wurde aus Roots Urban Villages die Roots Energy GmbH.

(c) Nicky Webb

Das Marktversagen: zwischen Fernwärme und Sackgasse

Warum es für dichte Städte bisher keine industrielle Wärmelösung gibt, lässt sich an drei Optionen festmachen, die alle nicht skalieren. Klassische Fernwärme erreicht nur profitable Kernzonen; bestehende Hochtemperatur-Netze (80 bis 135 Grad Vorlauf) sind faktisch nicht erweiterbar und verlieren über 30 Prozent ihrer Energie auf dem Transportweg. Wer dennoch ausbaut, riskiert hohe tote Investitionen, wenn die Anschlussquoten zu gering bleiben. Luftwärmepumpen und Heizcontainer wiederum scheitern im dichten Bestand an Platz, Schallschutz und Genehmigungen. Und individuell von Ingenieurbüros geplante Erdwärme-Anlagen funktionieren zwar technisch, bleiben aber teure Einzelstücke.

(c) Nicky Webb

Genau hier setzt die zentrale These vom „CapEx at Risk“ an. Das klassische Modell baut ein großes, zentrales Werk und steckt vorab viel Kapital hinein – in der Hoffnung, damit Tausende Haushalte zu versorgen. Bleiben die Anschlüsse aus, ist das Geld verloren. „Bei uns gibt’s dieses CapEx at Risk nicht“, sagt Stangl. „Die Energiequelle entsteht in diesen Netzen Schritt für Schritt.“ Statt eines Großkraftwerks liegen viele kleine Module vor; das System wächst mit der Nachfrage, nicht auf Verdacht.

Als Vorbild dient ausgerechnet Wien selbst. Nach den Ölpreisschocks Ende der 1970er-Jahre stellte die Stadt die dezentrale Ölheizung auf Gas um – und zwar, indem man günstig nur die Gasleitungen bis vor die Wohnungen legte. Ab da konnte jeder Haushalt frei entscheiden, wann er von Öl auf die überlegene Gastherme wechselt. „In weniger als einer Generation war das abgeschlossen“, erzählt Stangl. „Und wir machen genau das Gleiche.“ Roots verlegt schlanke, kostengünstige Soleleitungen – im Kern eine kalte Wasserleitung mit Alkohol-Wasser-Gemisch –, und jede Wohnung tauscht ihre Gastherme nach Bereitschaft gegen eine Soletherme.

(c) Nicky Webb

Komplexität von der Baustelle ins Werk

Technisch baut Roots auf sogenannter kalter Nahwärme – im Fachjargon 5th Generation District Heating and Cooling. Über die Soleleitungen wird Umgebungswärme aus Erdwärme, Grundwasser, Außenluft oder Abwasser vor Ort gewonnen und nahezu verlustfrei an die Gebäude geliefert. Die Plattform besteht aus drei Bausteinen: dem vorgefertigten Hydraulik- und Steuerungsmodul Roots·Hub, dem Betriebssystem Roots·OS, das das thermische Netz steuert, sowie standardisierten Kompressoren, die Wärme oder Kälte beim Endabnehmer erzeugen – inklusive der Option, im Sommer zu kühlen.

(c) Martin Holzner

Der Kerngedanke: Roots verlagert die Komplexität von der Baustelle ins Werk. Aus aufwändigen Sonderprojekten werden standardisierte, einfach einzusetzende Systemlösungen – und damit eine skalierbare Infrastruktur. Wichtig ist Stangl dabei die Abgrenzung – ein Punkt, mit dem das Unternehmen lange gerungen hat: „Wir liefern die Anlagensysteme, damit Firmen ihren Job machen können. Wir sind in keiner Konkurrenz.“ Roots sei weder Wärmepumpenfirma noch Projektierer, sondern Systemtechnik-Lieferant für Energieversorger, institutionelle Eigentümer und Contractors.

Markt mit hohem regulatorischem Druck

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Drei EU-Rechtsakte definieren bis 2040 das Ende fossiler Wärme im Gebäudebestand: Der EPBD-Recast schreibt den Ausstieg aus fossilen Heizkesseln bis 2040 vor, der EED-Recast verpflichtet jede Kommune ab 45.000 Einwohnern zu einem Wärmeplan, und ab 2028 greift mit ETS 2 eine CO₂-Bepreisung auf Gebäudewärme. Rund die Hälfte des EU-Endenergieverbrauchs entfällt auf Heizen und Kühlen – größtenteils noch fossil.

(c) Nicky Webb

Als Zielkunden hat Roots Energy Europas größte institutionelle Wohnungsanbieter im Blick. Allein die 30 größten kontrollieren nach eigener Auswertung ein Wärme-Dekarbonisierungs-Volumen von rund 65 Milliarden Euro – darunter die größten Bestandshalter aus Österreich und Deutschland. Gespräche zu ersten gemeinsamen Piloten sind in Vorbereitung.

Fünf Jahre bootstrapped, jetzt die erste Runde

Seit 2021 hat Roots Energy rund zehn Millionen Euro aus Eigen- ,Fördermitteln und geförderten Darlehen eingesetzt – je etwa fünf Millionen in Forschung und Produktentwicklung sowie in das 900 Quadratmeter große Forschungszentrum „Roots·House“ in Wien-Penzing, das der Klimafonds als „Leuchtturm der Wärmewende“ auszeichnete. Die Forschungsförderungsgesellschaft FFG steuerte 2,4 Millionen Euro bei. Das Patent ist erteilt.

Nun geht das Unternehmen erstmals an externes Kapital: Eine erste Finanzierungsrunde soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Gespräche laufen mit europäischen Fonds aus den Bereichen Klima-, Resilienz- und Industrietechnologie. Das Kapital fließt in technische Kundenbetreuung, den Ausbau des Vertriebs und die Serienproduktion. Operativ geführt wird Roots Energy von Hüseyin Özcelik und Katharina Steppan; Stangl verantwortet als Gründer das Fundraising.

Das erklärte Ziel: Die Wärmeversorgung europäischer Städte soll künftig industriell organisiert sein – so wie Strom oder Telekommunikation heute. Den Hebel dorthin sieht Stangl weniger im Klimaargument als in handfesten Vorteilen für die Bewohner. „Wir müssen das Narrativ ändern“, sagt er. „Klima zieht in der aktuellen politischen Lage bei den Menschen wenig – dafür stehen Resilienz, Unabhängigkeit und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.“


Mehr über Roots Energy könnt ihr auch hier erfahren.

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