01.03.2024

Hadia-Founderin Anna Lauda: „Wir fliegen das Bargeld nach Afghanistan“

Hadia ist ein Verein aus Wien, der afghanische Unternehmerinnen fördert. Seit der Gründung 2021 sind Anna Lauda und ihr Team gewachsen.
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Hadia, verein zur Frauenförderung in Afghanistan,
(c) Hadia - Anna Lauda (l.), Gründerin von Hadia in Afghanistan.

Hadia, der Verein, der weibliches Unternehmertum in Afghanistan fördert, besteht seit über zwei Jahren. Gründerin Anna Lauda erklärte bereits im Dezember 2021, wie komplex ihr Unterfangen war, und dass es viel an Vorbereitung gebraucht hatte. „Wir haben die letzten Jahre über mit Weberinnen und Künstlerinnen Kontakte aufgebaut, die Teppiche entwerfen und weben”, erläuterte die gelernte Juristin damals. “Wir ließen uns mit dem Aufbau Zeit, um eine stabile Zusammenarbeit zu etablieren. Denn wir sind der Meinung, dass wirtschaftliche Beziehungen nur so nachhaltig funktionieren. Und Frauen davon profitieren. Das geht nur durch ’empowerment’, also der ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘.”

Hadia: Von einer Provinz in sieben tätig

Seit damals ist Hadia gewachsen. Von fünf Teppichen, die man vor vier Jahren im Lager hatte, sind es heute 200. Man war anfangs in einer Provinz Afghanistans aktiv, heute in sieben. Lauda und ihr Team bilden zudem zwölf Lehrlinge aus, arbeiten mit über 100 Weberinnen zusammen und verfügen mittlerweile über einen physischen Shop am Rochusplatz in Wien. Unterstützt werden sie dabei von der Österreichischen Post und haben eine Kooperation mit Fashion Revolution Austria gestartet. Die Gelderträge aus dem Verkauf der Eco-Teppiche gehen direkt an die Weberinnen. Ein kleiner Betrag fällt für den Transport und den Verwaltungsaufwand im Verein an.

Arbeit trotz politischer Änderung fortführbar

Nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 ist die Lage für Frauen im asiatischen Binnenstaat noch restriktiver geworden, sagt Lauda. „Aber man muss sagen, dass es davor auch sehr streng war. Die Gesellschaft ist sehr religiös und Frauen hatten mit vielen Einschränkungen zu kämpfen. Die werden jetzt stärker durchgesetzt.“

Der Vorteil von Hadia in diesem Umfeld war aber und ist weiterhin, dass man einiges an jener Denkarbeit in die Vorbereitung gesteckt hatte, als man den Entschluss fasste, Frauen in Afghanistan zu unterstützen. „Im Vorfeld unseres Launches waren die Taliban in den ländlichen Gebieten bereits stark vertreten”, erzählte die Gründerin 2021. “Wir haben bewusst diesen Sektor gewählt, weil wir genau wussten, dass bei politischer Veränderung die Arbeit fortgeführt werden kann.“

Hadia
(c) Andrea Klem – Anna Maria Lauda und Mirwais Wakil vertreiben Teppiche aus Afghanistan.

Heute gehen Lauda und ihr Co-Founder Mirwais Wakil stark auf religiöse Sensibilitäten ein und haben die Restriktionen für Frauen stets im Hinterkopf. „Auch wenn sie nicht mehr Studieren können, ist es dennoch möglich, dass sie die Arbeit machen. Jeder Teppich, der verkauft wird, kann drei Weberinnen drei Monate lang ein gutes Leben bescheren.“

Keine Konten

Bemerkenswert bei der Arbeit von Hadia ist hierbei die Art der Lohnauszahlung an die Weberinnen. „Es gibt keine Konten“, erklärt Lauda. „Wir fliegen oder schicken das Bargeld nach Afghanistan. Es ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit, dass wir den Frauen das Geld direkt in die Hand geben. Wir schaffen das über Volontäre und haben vor Ort fünf Koordinatoren, die uns dabei unterstützen. Auch bei lokalen Problemen.“

Jetzt nach dem Wachstum sei dies zwar alles etwas schwieriger zu organisieren geworden, aber zugleich auch einfacher, wie Lauda sagt. Man habe mehr Ressourcen zur Verfügung, erreiche mehr Frauen und könne größere Teams bilden. Zudem mehr Teppiche herstellen, die dem europäischen Geschmack entsprechen.

Hadia-learning: Geschmacks-Gap

„Das war eines der größten ‚learnings‘ der letzten Zeit“, sagt Lauda. „Auf Kund:innen in Österreich zu hören. Es gibt nämlich einen Gap im Geschmack. Je größer wir werden, desto mehr achten wir auf den Interieur-Stil. In Österreich favorisiert man eher Teppiche in Beigetönen, die von der Machart her ein bisschen ruhiger und symmetrischer gewoben sind. In Afghanistan sind es eher bunte Farben und starke bzw. viele Muster, die dominieren. Das entspricht weniger dem europäischen Einrichtungsstil.“

Der bisher eigenfinanzierte Verein möchte künftig noch mehr Menschen in Österreich und Afghanistan erreichen und auch gleich seinen „Horizont“ erweitern.

„Wir haben geplant“, so Lauda abschließend, „unser Angebot um Nüsse und Gewürze zu erweitern. Denn extrem viele Menschen in Afghanistan arbeiten in der Landwirtschaft. Wir möchten daher mit Landwirtinnen zusammenarbeiten und diesen Bereich weiter ausbauen.“

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Die notarity-Gründer (vlnr.): Alexander Gugler, Sebastian Wodniansky, Jakobus Schuster, Max Pointinger | (c) Alexander Schindler

Im Sommer 2021 ging das Wiener LegalTech-Startup notarity mit einem klaren Produktversprechen an den Start: die Online-Abwicklung notarieller Dienstleistungen einfacher und angenehmer zu machen. Damit konnte im Heimatmarkt Österreich bald ein signifikanter Anteil der Notariate überzeugt werden, nicht aber die Notariatskammer, die über eine Tochtergesellschaft ein eigenes Angebot in dem Bereich hat. Es kam zu einem jahrelangen Rechtsstreit – brutkasten berichtete zuletzt über das Urteil in zweiter Instanz.

Rund 2.000 internationale Unternehmen als Nutzer

Unter anderem deswegen fokussiert notarity seit Jahren auf das internationale Geschäft. Schon Anfang 2024 verkündete man, mehr als die Hälfte des Umsatzes im Ausland zu erzielen. Mittlerweile sind es mehr als 70 Prozent, wie es nun vom Startup heißt. Dabei lege man einen besonderen Fokus auf internationale Konzerne.

Aktuell würden knapp 2.000 internationale Unternehmen mit großteils mehr als 500 Beschäftigten notarity für digitale Notariatsakte nutzen. Dazu zählen internationale Wirtschaftskanzleien wie DLA Piper und Baker McKenzie. Die Zahl digitaler Dokumenten-Beglaubigungen für internationale Unternehmen, Kanzleien und institutionelle Kunden über die Plattform habe sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Mit Umsatzverdopplung Break-even erreicht

So sei zuletzt auch eine Verdopplung des Umsatzes im Jahresvergleich gelungen. „Damit haben wir den Break-even erreicht und den entscheidenden Schritt vom wachstumsstarken Startup zum profitablen Global Champion gemacht“, kommentiert Co-Founder und CEO Jakobus Schuster. Rund 400 Notar:innen hätten mittlerweile mehr als eine Viertelmillion digitale Beglaubigungen über die Plattform abgewickelt, monatlich seien es derzeit rund 10.000.

Zu den wichtigsten Märkten außerhalb der EU zählen das Vereinigte Königreich, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Schweiz. „Mit dem Erreichen der Gewinnzone schaffen wir die Grundlage, um unsere internationale Expansion künftig aus einer Position finanzieller Stärke voranzutreiben“, so Schuster.

Novelle der Notariatsordnung 2020 als Anstoß

Möglich hat das alles auch die heimische Rechtslage gemacht. Mit einer 2020 beschlossenen Novelle der österreichischen Notariatsordnung wurde die Basis für Online-Notariatsdienstleistungen im Inland geschaffen. Mittlerweile gelten elektronische Beglaubigungen von Unterschriften über notarity in mehr als 100 Ländern. „Unser Produkt entstand unter hohen regulatorischen, datenschutzrechtlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen.

Genau diese Standards werden heute international immer wichtiger und haben uns den Eintritt in regulierte Märkte erheblich erleichtert“, sagt Schuster und gibt das Ziel aus: „die weltweit führende Infrastruktur für digitale Beglaubigungen internationaler Unternehmen bereitzustellen und diese Position in weiteren Märkten auszubauen.“

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