27.09.2022

Reaktion auf Kritik an Wirtschafts-Lehrplan: „Zehnjährige denken nicht wie Wissenschaftler:innen“

Herbert Pichler hat am neuen Lehrplan des Fachs "Geographie und wirtschaftliche Bildung" mitgearbeitet. Im Interview erklärt er, welche Überlegungen hinter dem Lehrplan stehen und reagiert auf Kritik.
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Lehrplan - Herbert Pichler ist GW-Lehrer, unterrichtet an der Uni Wien und ist Teil der Lehrplangruppe Geographie und wirtschaftliche Bildung
Herbert Pichler ist GW-Lehrer, unterrichtet an der Uni Wien und ist Teil der Lehrplangruppe Geographie und wirtschaftliche Bildung | (c) Joseph Krpelan

„Erstaunlich substanzlos“ und „denkbar ungeeignet“ – Vertreter:innen mehrerer heimischer Unis, darunter Wirtschaftspädagog:innen und Volks-Ökonom:innen der WU Wien, übten heftige Kritik am kürzlich vorgelegten Lehrplanentwurf des Unterrichtsfachs „Geographie und wirtschaftliche Bildung“ (kurz GW; bislang „Geographie und Wirtschaftskunde“). Zudem erneuerten sie den Ruf nach einem eigenen Fach „Wirtschaft“ in der Schule. Auch Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung übten Kritik, wobei sich diese nicht auf den Lehrplan beschränkte. Sie fordern nicht einen eigenen Unterrichtsgegenstand, sondern „ein Aufbrechen des Fächerkanons“. Und dann befürchtete auch noch die Lehrer:innengewerkschaft eine Überforderung der Lehrkräfte durch den neuen Lehrplan.

Ist also alles falsch am neuen „Geographie und wirtschaftliche Bildung“-Lehrplan? Tatsächlich wurde dieser zwei Jahre lang von einer „Lehrplangruppe“ aus zehn Personen erarbeitet. Unter diesen sind mehrere aktive Lehrer:innen, auch solche, die gleichzeitig an der Universität bzw. an der Pädagogischen Hochschule tätig sind, sowie Fachdidaktiker:innen. Einer davon ist Herbert Pichler. Er arbeitet als BHS-Lehrer und Schulbuchautor sowie in der Arbeitsgruppe Fachdidaktik Geographie und wirtschaftliche Bildung an der Universität Wien. Im brutkasten-Interview erklärt er, welche Überlegungen hinter dem neuen Lehrplan stehen und geht auf die öffentlich geäußerten Kritikpunkte ein.

Zehnjährige denken nämlich nicht in abstrakten Wirtschaftsmodellen wie Wirtschaftswissenschaftler:innen, können aber über lebensnahe Fallbeispiele an wirtschaftlich-gesellschaftliches Denken herangeführt werden.


Der neue Lehrplan für das Fach „Geografie und Wirtschaftsbildung“ wurde nun zwei Jahre lang erarbeitet. Was waren die wichtigsten Ziele dieser Überarbeitung?

Der neue Unterstufenlehrplan wurde grundlegend neu ausgerichtet: weg von einem häufig in der Praxis noch recht stofforientierten Unterricht hin zu einem kompetenzorientierten Lehrplan. Damit erfolgt die von vielen zu Recht seit Jahrzehnten geforderte Abkehr von der praxisfernen Wissensmast hin zu lebensweltorientiertem Wissen und Können. Dieser Aspekt wird bei vielen aktuellen Stellungnahmen bisher kaum wahrgenommen.

Zentral wurde der neue Lehrplan auf die zentralen Zukunftsthemen des 21. Jahrhunderts hin ausgerichtet, wie etwa die Auseinandersetzung mit dem Globalen Wandel, der Klimakrise, der Globalisierung, der Digitalisierung, der Energiewende, Flucht und Migration, aber auch das eigene wirtschaftliche und finanzielle Wohlergehen etc. Das Fach „Geographie und Wirtschaftskunde“ wurde dabei zu „Geographie und wirtschaftliche Bildung“ weiterentwickelt, dies bedeutete eine grundlegende Erneuerung sowohl der geographisch als auch der wirtschaftlich bildenden Elemente. Mit der Verstärkung und Neuorientierung der wirtschaftlichen Bildung geht auch eine weitere wesentliche Innovation des Lehrplans einher: Geographische und wirtschaftliche Bildung wird stets unter der Perspektive der Nachhaltigkeit betrachtet. Schülerinnen und Schüler sollen damit in die Lage versetzt werden, ihre alltäglichen Entscheidungen – seien es wirtschaftliche, seien es finanzielle – vor dem Hintergrund des Nachhaltigkeitsgedankens zu reflektieren und zu begründen. Weiters wurden im Sinne der Mündigkeit und Mitgestaltungsmöglichkeit der Lernenden im Lehrplan allgemein und in unserem Fach speziell die kritische Medienbildung sowie die politische Bildung deutlich verankert.

Welche Auswirkungen hat der neue Lehrplan auf die Rolle der Wirtschaft innerhalb des Fachs?

Wie bereits eingangs skizziert, verändern sich die Rolle und das Gewicht der Auseinandersetzung mit Wirtschaft im neuen Lehrplan grundlegend. Mit „Bildungs-, Berufs- und Lebensorientierung“, „Entrepreneurship Education“, „Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucher/innenbildung“ sollen drei wirtschaftlich ausgerichtete übergreifende Themen fächer- und jahrgangsübergreifend bearbeitet werden. Wichtige wirtschaftsrelevante Aspekte finden sich weiters in den übergreifenden Themen „Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung“, „Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung“, „Medienbildung“ und „Politische Bildung“.

Im Fachlehrplan GW verdeutlicht auch die Umbenennung von der Wirtschaftskunde zur wirtschaftlichen Bildung die Neuausrichtung: Wirtschaft wird für Schülerinnen und Schüler altersadäquat aufbereitet und als mitgestaltbar erlebbar gemacht. Dafür braucht es ein Grundverständnis der Prozesse und Abläufe, der verschiedenen Rollen im Wirtschaftsgeschehen aber auch der konkurrierenden Interessen sowie der politischen Aushandlung. Ganz bewusst haben wir bei der Formulierung der Kompetenzbeschreibungen geographische und wirtschaftliche Perspektiven verschränkt, weil auch in der Welt außerhalb der Schulklasse ökonomische oder finanzielle Problemstellungen nie isoliert von gesellschaftlichen, ökologischen, raumbezogenen oder politischen Bezügen existieren. Alle relevanten Gegenwarts- und Zukunftsfragen sind weder mit geographischem noch mit wirtschaftlichem „Wissen“ oder Denken allein bearbeitbar, erst das Erkennen der Vernetzung dieser Bereiche ermöglicht nachhaltige und innovative Lösungsansätze. Klarerweise stoßen dabei Beispiele aus der Erfahrungswelt von zehn- bis vierzehnjährigen Kindern, die altersgerecht aufbereitet sind, auf großes Interesse.

Welche Institutionen waren in die Erarbeitung des Lehrplans involviert, bzw. wurden während des Prozesses um Feedback gebeten?

Das Bildungsministerium hat von allen Lehrplangruppen mehrere Feedbackschleifen eingefordert, so wurden bereits im Entstehungsprozess Rückmeldungen von zahlreichen Lehrpersonen, Fachwissenschaftler:innen und Fachdidaktiken eingeholt. Speziell wurden breit gefächerte Feedbackrunden mit Stakeholdern der Wirtschaft abgehalten. Zusätzlich dazu haben wir als Lehrplangruppe Geographie und wirtschaftliche Bildung während des zweijährigen Entwicklungsprozesses aktiv das Gespräch mit zahlreichen Stakeholdern gesucht und um Rückmeldungen zu unserem Lehrplan gebeten. So haben wir etwa Feedback von der Oesterreichischen Nationalbank, der Arbeiterkammer, der Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer, der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, von Vertretern der Entrepreneurship Education in Österreich, von Fridays for Future usw. erhalten, diskutiert und für den Lehrplan verarbeitet. Daneben wurde der jeweilige Entwicklungsstand auf wissenschaftlichen Tagungen und im Rahmen von Lehrer:innenfortbildungen präsentiert und zur Diskussion gestellt. Transparenter, offener und breiter ist wohl noch kaum ein Entstehungsprozess eines Fachlehrplans in Österreich bisher verlaufen.

Es gab nun auch öffentliche Kritik am Entwurf von mehreren Seiten, darunter von der Industriellenvereinigung und Wirtschaftspädagog:innen der WU

Wenn man sich mit der aktuellen medialen Berichterstattung zum neuen Lehrplan etwas genauer beschäftigt, fällt einem dreierlei auf: Bislang kam kein Medium auf die Idee, die verschiedenen Positionen zur Sache zu Wort kommen zu lassen. Wenn wir ein Thema im Lehrplan oder im Schulunterricht derart einseitig darstellen würden, wäre das ein schwerer Verstoß gegen das Kontroversitätsgebot der Politischen Bildung wie der Medienbildung. Zweitens erleben wir in Bezug auf den GW-Lehrplan eine geradezu paradoxe Situation: Einerseits gibt es die Kritik von Seite der Pflichtschullehrergewerkschaft, der neue Lehrplan sei mit Inhalten und Zielen überfrachtet, gleichzeitig werfen uns in erster Linie Wirtschaftspädagog:innen vor, der GW-Lehrplan sei „substanzlos“ und führe zu wenige konkrete Inhalte an. Und drittens sind im Begutachtungszeitraum tatsächlich mehr als zwanzig Stellungnahmen eingegangen, die sich hauptsächlich oder am Rande auch auf den GW-Lehrplan beziehen.

Die fundamentalkritischen Stellungnahmen sind dabei in der absoluten Minderheit. Die meisten Gutachten geben konstruktive Rückmeldungen für Adaptierungen im Detail. Eines dieser Gutachten kommt beispielsweise von der Oesterreichischen Nationalbank, ein anderes von der Stiftung für Wirtschaftsbildung. Dann bleiben noch zwei Stellungnahmen, deren Proponent:innen ein Fach Geographie und wirtschaftliche Bildung generell ablehnen und medial für ein eigenes Fach Ökonomie in der Unterstufe lobbyieren. Aus letztgenannten Gutachten werden wir in den nächsten Monaten noch an geeigneter Stelle genussvoll zitieren, denn sie können als Outings eines Wirtschaftsverständnisses und einer Didaktik gelesen werden, die mit einem lebensweltnahen, kompetenzorientierten und altersgemäßen Unterricht für Zehn- bis Vierzehnjährige nicht kompatibel sind.

Einer der Kritikpunkte ist, die Unternehmer:innenperspektive werde nicht ausreichend beleuchtet. Welche Rolle spielt Entrepreneurship Education im Lehrplan?

Das übergreifende Thema Entrepreneurship Education zählt zu jenen ausgewählten wichtigen Bildungsanliegen, die fächer- und jahrgangsübergreifend bearbeitet werden sollen. Ausdrücklich haben wir zusätzlich die Entrepreneurship Education in den didaktischen Grundsätzen des Fachlehrplans GW verankert, durch die Stärkung der Kreativität, der Eigeninitiative und der Erfahrung der Möglichkeit, Wirtschaft und Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Sinnerfassendes Lesen hilft weiters dabei, diese Anliegen auch in den Kompetenzbeschreibungen wieder zu finden. Etwa in der zweiten Klasse, wenn im Rahmen von Projektunterricht einfache Projektideen zur Erzeugung von Gütern oder zur Bereitstellung von Dienstleistungen – ein Saftstand am Elternabend zum Beispiel – entwickelt und umgesetzt werden sollen.

Es wurde sogar der Vorwurf geäußert, es werde mit dem Lehrplan „Wirtschaftsbashing“ betrieben. Hat der Lehrplan einen weltanschaulichen Einschlag?

Vorausgeschickt sei der Gedanke, dass es keine wertfreie Bildung gibt oder geben kann. Bildung bezieht sich wie Wissenschaft immer auf unterschiedliche theoretische Bezugsrahmen, dies gilt genauso im Bereich der wirtschaftlichen Bildung. Die Lehrplangruppe hat von Beginn an die sozioökonomische Bildung als theoretischen Bezugsrahmen offengelegt. Im Gegensatz zu ökonomistischen Ansätzen wird dabei Wirtschaft nicht isoliert betrachtet und werden deren Modelle und Prozesse nicht als mechanistisch ablaufend, quasi naturgesetzlich dargestellt. Zehnjährige denken nämlich nicht in abstrakten Wirtschaftsmodellen wie Wirtschaftswissenschaftler:innen, können aber über lebensnahe Fallbeispiele an wirtschaftlich-gesellschaftliches Denken herangeführt werden. Im Lehrplan wird Wirtschaft daher als gesellschaftlich und politisch konstituiert und von jedem Menschen mitgestaltbar umgesetzt.

Aus guten Gründen werden wir weiter für eine mehrperspektivische, ausgewogene und daher auch klarerweise kritische Auseinandersetzung mit allen Themen im Lehrplan einsetzen. Alles andere wäre nämlich keine Bildung, sondern PR oder Indoktrination.

Unserem Verständnis eines ausgewogenen und fachlich mehrperspektivischen Zugangs zu wirtschaftlichen Themen entspricht, dass beispielsweise den Chancen der Globalisierung die Herausforderungen und problematischen Nebenwirkungen gegenübergestellt werden müssen. Dieses Ansinnen wurde von einem prominenten Wirtschaftsvertreter im Rahmen der Feedbackgespräche bereits als „Wirtschaftsbashing“ bezeichnet, es solle doch vor allem Positives über Wirtschaft gelernt werden. Aus guten Gründen werden wir weiter für eine mehrperspektivische, ausgewogene und daher auch klarerweise kritische Auseinandersetzung mit allen Themen im Lehrplan einsetzen. Alles andere wäre nämlich keine Bildung, sondern PR oder Indoktrination.

Im Zuge der Kritik ist auch von mehreren Seiten der Ruf nach einem eigenen Schulfach Wirtschaft erneuert worden. Was spricht dafür oder dagegen?

Der Ruf nach dem eigenen Schulfach Ökonomie wird von bestimmten Seiten mantraartig wiederholt und medial hochgekocht. Wer über den österreichischen Tellerrand blickt, kann in innovativen Bildungssystemen die Entwicklung weg von Einzelfächern und hin zu Fächerclustern und Problemfeldern beobachten. Eine weitere zusätzliche Zersplitterung in neue Einstundenfächer ist dahingehend völlig kontraproduktiv, altes Denken: Denn dann bräuchten wir nämlich nach PISA ja noch ein zusätzliches Fach Lesen, Rechnen und Problemlösen, wichtig wären weiters Recht, Verkehrsbildung, Gesundheit und Ernährung und so weiter. Das soll das innovative Bildungssystem der Zukunft sein?

Auch inhaltlich betrachtet erscheint es wenig zukunftsorientiert, in der Unterstufe wirtschaftliches Wissen isoliert zu unterrichten. Finanzielle und wirtschaftliche Fragen sind immer in größere gesellschaftliche, politische und natürliche Rahmungen eingebettet. Wie sonst sollen junge Menschen zukünftig ihren Beitrag zur Bewältigung des Globalen Wandels oder der multiplen Krisen leisten? Also auch aus fachlicher Sicht spricht vieles für einen vernetzenden Zugriff. Aus gutem Grund wird ja auch in der Wissenschaft interdisziplinäres Denken und Forschen immer wichtiger, wohingegen monodisziplinäre Ansätze an Bedeutung verlieren. In der HTL gibt es beispielsweise seit Jahren das Clusterfach GGP, in dem die großen Herausforderungen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus Sicht der Kompetenzbereiche Wirtschaft, Geographie, Geschichte und Politische Bildung bearbeitet werden können. Das könnte ein Zukunftsmodell sein.

Schließlich enthüllen jene Fallbeispiele in Nachbarländern, wo in den letzten Jahren eigene Ökonomiefächer in der Unterstufe eingeführt worden sind, dass das Einzelfach kombiniert mit ökonomistischer Didaktik kein Vorzeige- oder Erfolgsmodell ist. So konnten etwa bei wissenschaftlichen Evaluationen in Baden-Württemberg in der Mittelschule nur geringe bis ausbleibende Effekte beim Wissenszuwachs der Zehn- bis Vierzehnjährigen festgestellt werden. Ohne lebensnahen, projektartigen Wirtschaftsunterricht wird man eben kein nachhaltiges Wirtschaftslernen erzielen können.

Viele von uns haben GW-Unterricht als Länder-Auswendiglernen erlebt. Das passiert noch immer. Sind die Lehrkräfte den ambitionierten Anforderungen des neuen Lehrplans überhaupt gewachsen?

Wir alle kennen einzelne Beispiele solch irrlichtender Dinosaurier aller Altersklassen und aller Fächer, die unbeeindruckt von jeglichen Lehrplanvorgaben oder -reformen ihre eigene Mission impossible im Klassenzimmer durchziehen. Der weit überwiegende Teil der Lehrpersonen ist engagiert und gerne bereit, den eigenen Schülerinnen und Schülern einen Unterricht am Puls der Zeit zu ermöglichen. Wir haben unseren Lehrplan bereits im Rahmen von Tagungen und zahlreichen Fortbildungsseminaren Lehrerinnen und Lehrern vorgestellt. Bisher waren die Reaktionen darauf sehr ermutigend und machen mich optimistisch, dass wir mit dem neuen Lehrplan einen Kulturwandel schaffen können.

Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass in der Mittelschule schon in den letzten Jahren ein Drittel der gehaltenen Unterrichtsstunden von fachfremd ausgebildeten Lehrpersonen gehalten wurden. Dies verschlechtert sich aktuell durch den Lehrer:innenmangel.

Freilich braucht es für eine gute Umsetzung noch wichtige begleitende Maßnahmen wie etwa neue qualitätsgesicherte, approbierte Schulbücher. Das Bildungsministerium stellt aktuell die Approbation von Schulbüchern völlig neu auf, bereits seit eineinhalb Jahren werden die Schulbuchverlage laufend über die Lehrpläne informiert, damit rechtzeitig zur Einführung auch passende Schulbücher zur Verfügung stehen. Klarerweise braucht es ausreichend Lehrer:innenfortbildung bereits vor der Einführung des Lehrplans. Zudem denkt das Ministerium an eine zusätzliche ausführliche Erläuterung zum Lehrplan, die von den Lehrplangruppen verfasst wird, sobald die Letztversion feststeht. Dies werden wichtige Unterstützungsmaßnahmen für die Umsetzung im Unterricht sein. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass in der Mittelschule schon in den letzten Jahren ein Drittel der gehaltenen Unterrichtsstunden von fachfremd ausgebildeten Lehrpersonen gehalten wurden. Dies verschlechtert sich aktuell durch den Lehrer:innenmangel. Die Fachdidaktik GW bietet deshalb allen Lehrpersonen den Service der von AK und OeNB kofinanzierten Plattform zur wirtschaftlichen Bildung. Hier stehen bereits 65 erprobte und qualitätsgesicherte Unterrichtssequenzen zu den wichtigen wirtschaftlichen Themen des Lehrplans zur Verfügung und es werden laufend mehr.

Abschließend: Wie wird kontrolliert, ob die Ziele des neuen Lehrplans erreicht werden bzw. ob die Lehrkräfte ihn überhaupt umsetzen? 

Für die Qualitätskontrolle ist in erster Linie die Schulaufsicht zuständig. Ich ermutige aber auch Schüler:innen und Eltern direkt in den Dialog zu treten, sollte der Eindruck entstehen, dass sich einzelne Lehrpersonen den Bildungsanliegen des neuen Lehrplans völlig entziehen. Freilich wird der neue Lehrplan nach wenigen Jahren evaluiert werden müssen, um bei Bedarf etwa über Lehrer:innenfortbildung nachjustieren zu können. Nach zwanzig Jahren ist die Zeit des aktuellen Lehrplans abgelaufen, es ist hoch an der Zeit für den neuen.

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Lirone Glikman, Branding-Expertin und Gründerin der Agentur The Human Factor, spezialisiert auf Founder-Led Branding

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einer Welt, in der KI Inhalte massenhaft produziert und Unternehmen täglich neu entstehen, verschiebt sich der entscheidende Wettbewerbsfaktor: weg vom reinen Produkt, hin zum Vertrauen. „Founder Led Branding“ heißt das Konzept, das Gründer:innen dazu bringt, sich selbst als sichtbare Persönlichkeiten ihrer Unternehmen zu positionieren – authentisch, strategisch und mit klarer Botschaft. Anders als beim klassischen Personal Branding geht es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern um die enge Verzahnung von Founder-Identität und Unternehmensmission. Studien und Beobachtungen auf LinkedIn zeigen: Beiträge von Personen erzielen deutlich höhere Reichweiten als jene von Unternehmensseiten. Investoren prüfen Profile, bevor sie ein Meeting zusagen. Kunden googeln Gründer, bevor sie kaufen. Wer als Founder unsichtbar bleibt, verliert Deals – noch bevor sie überhaupt verhandelt werden.

Eine, die dieses Thema international bearbeitet, ist Lirone Glikman. Die israelisch-französische Branding-Expertin begann bereits mit 16 Jahren ihre Karriere, indem sie beim CEO eines israelischen Radiosenders an die Tür klopfte und kurz darauf jüngste Radiomoderatorin des Landes wurde. Heute leitet sie ihre Agentur The Human Factor, die sich auf Founder-Led Branding spezialisiert hat, unterrichtet seit über zwölf Jahren in 28 Ländern und ist Autorin des Buchs „The Super Connector’s Playbook“. Zudem ist sie Executive Director des NGO Committee on Sustainable Development – NY, das mit der UNO affiliiert ist. Im Interview spricht sie über die Trust Economy, häufige Fehler von Gründern und darüber, warum es heute nicht mehr genügt, einfach nur ein gutes Produkt zu haben.

brutkasten: Frau Glikman, beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Glikman: Ich pendle zwischen Berlin und Tel Aviv. Meine Klienten sind Startups in frühen oder späteren Phasen, die Sichtbarkeit brauchen; meist dann, wenn sie Kapital aufnehmen, Kunden gewinnen oder in einen neuen Markt eintreten wollen. Dazu kommen Innovationsmanager in Konzernen.

Ein Beispiel ist Celleste Bio, ein israelisches Startup, das als erstes Unternehmen der Welt Milchschokolade mit echter Kakaobutter aus Zellsuspensionskultur-Technologie vorgestellt hat; ein Meilenstein für eine skalierbare, kommerziell tragfähige Kakao-Lieferkette. Jüngst wurde gemeinsam mit Mondelez die erste Tafel produziert, deren Kakaobutter zu 100 Prozent bio-identisch im Labor erzeugt wurde.

Wie nähern Sie sich einem Founder, der mehr Sichtbarkeit braucht?

Zuerst geht es um die Bereitschaft. Viele Gründer wissen, dass sie sichtbar sein müssen – bevor sie einen Raum betreten, ist die Entscheidung beim Investor oft schon teilweise gefallen. Er googelt, schaut auf LinkedIn, gleicht ab, ob das Gesagte zum Gesendeten passt. Unsere Marke arbeitet für uns, bevor wir den Raum betreten – aber zwischen dem Wissen und dem Tun klafft eine Lücke. Viele sind kamerascheu oder arbeiten lieber am Produkt.

Wenn sie zu mir kommen, beginnen wir mit der Strategie. Founder-Persönlichkeit und Unternehmenswerte liegen am Anfang oft sehr nah beieinander. Wir bauen eine Markenidentität auf – authentisch, nicht aufgesetzt. Welche Botschaften, welche Werte, welche Stärken? Ist die Person warm, eher kühl, fürsorglich? Wir nehmen, wer sie sind, und betonen die relevanten Aspekte online.

Was unterscheidet Founder-Led Branding vom klassischen Personal Branding?

Personal Branding ist ein abgenutzter Begriff – wir alle haben eine Marke, ob wir wollen oder nicht. Founder-Led Branding bedeutet, dass man als Gründer bewusst Botschaften platziert, die einem selbst und dem Unternehmen dienen. Heute vertrauen wir Institutionen, großen Namen und Regierungen weniger – wir vertrauen einander.

Wenn Vertrauen zur Währung wird – gerade in einer Welt, in der KI Posts schreibt und Unternehmen über Nacht entstehen lässt – bleibt das Menschliche. Wenn Sie mir vertrauen, vertrauen Sie vielleicht auch meinem Unternehmen.

Auf LinkedIn performt Founder-Content stärker als Unternehmenscontent. Warum?

Der Algorithmus will, dass Sie sich mit einer Person verbinden. Unternehmensbeiträge werden weniger ausgespielt. Es geht um die Verbindung von Mensch zu Mensch.

Was sind die größten Fehler, die Gründer machen?

Erstens: Viele halten Sichtbarkeit für ein „Nice to have“. Damit fehlt die Konsistenz.

Zweitens: Es gibt keinen roten Faden. Wenn man sich Posts der letzten Monate ansieht, sollte ein Muster erkennbar sein. An einem Tag der Urlaub, am nächsten das Unternehmen, dann etwas anderes – das funktioniert nicht. Es braucht Markensäulen.

Drittens: Viele teilen nur Beiträge ihrer Firmenseite oder von Kollegen. LinkedIn mag das nicht. Die Plattform will wissen, was Sie zu sagen haben, was Ihre Kämpfe und Erkenntnisse sind.

Und viertens: Manche gehen zu Medien, die nicht zu ihrer Phase passen. Wenn das Produkt noch nicht reif ist, sollte man etwa in einem Podcast über das Feld sprechen, nicht über die Lösung. Sonst verspricht man zu viel und liefert zu wenig.

Wie viele Posts pro Woche sind realistisch sinnvoll?

Optimal wären zwei pro Woche. Realistisch reicht ein guter, tiefgehender Post pro Woche, der eine eigene Perspektive zeigt. LinkedIn liebt sogenannte „Scar Stories“ – Geschichten von Verletzungen, aus denen man gelernt hat.

Über Fehler zu sprechen ist guter Content?

Ja, weil es verbindet. Es muss nicht der größte Fehler sein. Sie können sagen: Wir haben anfangs in diese Richtung investiert, dann hat sich der Markt verändert, also haben wir gepivotet. Das ist „Building in Public“ – Sie nehmen Ihre Follower mit auf die Reise. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre eigene Show!

Im DACH-Raum spricht kaum jemand über Misserfolge. Wie ist das in anderen Kulturen?

Es geht nicht darum, sich in schlechtem Licht zu zeigen, sondern Lernerfahrungen zu teilen. Die israelische Kultur ist sehr expressiv und leidenschaftlich. Wir haben Gründer, die ihre tiefen Kämpfe und Frustrationen während des Aufbaus ihres Unternehmens radikal offen teilen. Das gibt anderen Gründern die Erlaubnis, es ihnen gleichzutun – was am Ende sowohl persönlich als auch für das Unternehmen hilfreich ist.

In asiatischen Kulturen, im Baltikum, im DACH-Raum oder in Skandinavien sind Menschen reservierter und risikoaverser. Das ist nicht schlecht – Israelis springen auf jede Idee; manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Die Frage ist: Wie viel kann ich teilen, das mir dient, anderen Wert gibt, mir aber nicht schadet?

Wie misst man eigentlich, ob Sichtbarkeit auch Umsatz bringt?

Anders als im Vertrieb, wo Sie 50 Leute ansprechen und zwei Deals abschließen, geht es hier um Signale. Verbinden sich qualitativ relevante Menschen aus Ihrer Zielgruppe mit Ihnen? Merken Sie, dass Investoren Sie schon kennen, bevor Sie den Raum betreten? Sprechen Menschen über Sie? Das nennt man „Dark Social“ – wenn das passiert, funktioniert Ihre Marke.

Ein konkreter Tipp zur Monetarisierung: Vor jedem Meeting werden Sie beobachtet. Posten Sie zwei oder drei Tage vorher etwas, das Fragen oder Einwände beantwortet, die im Gespräch kommen werden. Wenn Investoren an der Skalierbarkeit zweifeln könnten, schreiben Sie über die Skalierbarkeit Ihrer Branche.

Das ist strategische Kommunikation pur…

Genau. Wenn Sie sich auf ein Meeting vorbereiten, gehört ein LinkedIn-Post auf die To-do-Liste. Sichtbarkeit ist kein Privileg, sondern ein Business-Tool, eine Infrastruktur.

Wie viel Zeit sollte ein Gründer investieren?

Mit KI ist das heute leichter. Erstellen Sie ein Projekt in ChatGPT oder Claude, füttern Sie es mit Ihrer Marke, Werten, Botschaften, kopieren Sie E-Mails oder Texte hinein. Dann sagen Sie: Ich möchte über die Skalierbarkeit unseres Geschäfts schreiben, hier sind drei Punkte. So entstehen Posts in Ihrer Stimme. Minimum: ein Post pro Woche. Sie können sich 30 Minuten wöchentlich Zeit nehmen oder einmal im Monat ein, zwei Stunden für alle Posts.

LinkedIn ist mit KI-Content geflutet. Sehen wir eine Gegenbewegung hin zu mehr Authentizität?

Es heißt, etwa 80 Prozent der Posts seien KI-generiert – ich denke, es sind mehr. Was Sie vermeiden sollten: den langen Gedankenstrich, den alle KI-Tools lieben; und typische Strukturen wie „Don’t do X, do Y“ oder kurze Sätze mit Punkt am Ende. Ich habe gestern in einem Post einen Tippfehler gefunden und ihn drin gelassen – weil er menschlicher ist. Verwenden Sie keine Wörter, die Sie sonst nie benutzen. KI können Sie trainieren, aber vertrauen Sie ihr nicht zu 100 Prozent.

Welche Trends sehen Sie auf LinkedIn?

Authentizität mit eigenem Stil und visuellen Wiedererkennungsmerkmalen. Und Spezifität: LinkedIn will Sie mit relevanten Menschen vernetzen – fokussieren Sie sich also auf Ihr Fachgebiet.

In Österreich gibt es Gründer, die sehr laut auftreten. Birgt das Risiken?

Kulturell, ja. Wenn Sie Wertvolles teilen, das anderen hilft, ist Lautstärke okay. Aber im DACH-Raum kann das Türen schließen. In Israel sind die Menschen wie gesagt von Natur aus lauter und leidenschaftlicher. Heute sehen wir auch einen Shift zu Solopreneuren oder Drei-Personen-Unicorns. Als Solopreneur müssen Sie Ihre Marke draußen haben – das Ziel sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Gibt es internationale Vorbilder?

Jensen Huang von Nvidia versteht, dass er das Gesicht des Unternehmens ist. Auf seinem LinkedIn-Profil steht Nvidia und davor ein Job als Tellerwäscher in einem Burgerladen.

Oder Sam Altman: Vor drei Jahren, als die Menschen Angst vor OpenAI hatten, machte er mit seinem Mitgründer eine Welttournee, traf Menschen auf Events. Sie nutzten ihre Founder-Marke, um Botschaften zu transportieren und Vertrauen aufzubauen.

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