gurkerl.at: Lieferschwierigkeiten wegen hoher Infektionszahlen
Hohe Infektionszahlen, Quarantäne-Regeln und Co. machen es vielen Unternehmen aktuell schwer, ihren operativen Tätigkeiten uneingeschränkt nachzugehen. Auch das Startup gurkerl.at kann neulich seine Lieferfenster nicht immer einhalten.
Mit den Anfang März durchgeführten Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben viele Österreicher:innen die Rückkehr von einem Hauch von Normalität in ihren Alltag erwartet. Fast alle Maßnahmen der vergangen zwei Jahre wurden aufgehoben. Die Maskenpflicht galt nur mehr an Orten, die für vulnerable Personengruppen unausweichlich sind. Wie erwartet ließen die Auswirkungen der Lockerungen nicht lange auf sich warten. Erst letzte Woche verzeichnete Österreich ein neues Rekordhoch an Infektionszahlen mit über 58.000 Corona-Neuinfektionen.
Hohen Infektionszahlen folgen Krankenstände. Unternehmen in allen Branchen leiden an Personalausfällen. Auch viele österreichische Startups sind davon betroffen. Die Rekordzahl der sich in Quarantäne befindenden Personen macht es Online-Lieferdiensten besonders schwer, die hohe Nachfrage zu erfüllen.
gurkerl.at kann drei-Stunden-Lieferfenster nicht immer einhalten
Eines der betroffenen Startups ist gurkerl.at, das in Wien und Umgebung ein breites Angebot vom frischgebackenen Brot bis hin zum regionalen Bauerngemüse zu Supermarkt-Preisen anbietet. Binnen drei Stunden erhalten Kund:innen ihre Bestellung, so lautet das Versprechen des Unternehmens, das neulich immer mehr zu einer Herausforderung werde.
“Aufgrund der geltenden Quarantänebestimmungen sind davon betroffene Mitarbeiter:innen von ihrer Tätigkeit bei uns ausgeschlossen. Der Erfüllung unseres dreistündigen-Lieferversprechens können wir somit aktuell nicht immer nachkommen. Gleichzeitig herrscht erfreulicherweise eine sehr hohe Nachfrage, wodurch die möglichen Lieferfenster schnell ausgebucht sind”, erklärt Maurice Beurskens, CEO von gurkerl.at, auf Nachfrage des brutkastens.
Lösungen für Verzögerungen folgen
Bei gurkerl.at arbeite man auf Hochdruck daran, das Lieferversprechen wieder nonstop zu erfüllen. Mit der Rückkehr der an Corona erkrankten Mitarbeiter:innen sowie dem Ausgleich ihrer Arbeitsleistungen ist das Startup zuversichtlich, bald wieder auf Kurs zu sein. “In der Zwischenzeit bitte ich um Verständnis für zeitliche Verzögerungen und versichere, dass mein gesamtes Team und ich darum bemüht sind, Lösungen für alles zu finden“, sagt Beurskens.
Business Angel Summit 2026: Zwischen KI-Tsunami und Souveränitätsdebatte
Wo im Jänner die Weltelite die Streif hinunterrast, trafen sich am 9. und 10. Juli Österreichs Frühphasen-Investor:innen und zwölf ausgewählte Startups. Auf dem Programm standen Panels zu Standort und Souveränität sowie eine Keynote von Tricentis-Co-Founder Wolfgang Platz. brutkasten war vor Ort.
Business Angel Summit 2026: Zwischen KI-Tsunami und Souveränitätsdebatte
Wo im Jänner die Weltelite die Streif hinunterrast, trafen sich am 9. und 10. Juli Österreichs Frühphasen-Investor:innen und zwölf ausgewählte Startups. Auf dem Programm standen Panels zu Standort und Souveränität sowie eine Keynote von Tricentis-Co-Founder Wolfgang Platz. brutkasten war vor Ort.
Im Juli wird auf der Streif Golf gespielt. Wo im Jänner die Weltelite mit bis zu 140 km/h in den Zielhang rast, wird jetzt am Grün geputtet, dahinter staffeln sich die Kitzbüheler Alpen in ein sattes Grün, wie es nur der Tiroler Sommer hinbekommt. Im Rasmushof, direkt im Zielgelände, ging es an zwei Tagen allerdings nicht um Hundertstel, sondern um Dekaden: um die Frage, wovon Österreich in zwanzig Jahren leben wird.
Beim Business Angel Summit 2026 im Rasmushof Hotel Kitzbühel trafen am 9. und 10. Juli nationale und internationale Investor:innen auf zwölf ausgewählte österreichische Startups. Das von der Standortagentur Tirol und Austria Wirtschaftsservice (aws) organisierte Event ist die größte Veranstaltung dieser Art in Westösterreich und brachte heuer bereits zum zwölften Mal Kapital, Know-how und Gründungsgeist zusammen.
(V.l): Bernhard Sagmeister (aws), Alexander Pekarsky und Elisabeth Brunner (Thyra Imaging), Doris Müller und Bernhard Müller (Startup M-Chem) und Lisa Spöck (Standortagentur Tirol) beim 12. Business Angel Summit in Kitzbühel | (c) Standortagentur Tirol
Der inhaltliche Bogen des Programms: Mit schönen Bergen allein wird sich der Wohlstand dieses Landes künftig nicht halten lassen, es braucht Innovation. Und dafür braucht es jene Spezies, die sich einmal im Jahr in Kitzbühel trifft: Business Angels, die dort investieren, wo Banken abwinken und Fonds noch nicht hinschauen, nämlich in der frühesten, riskantesten Phase eines Startups.
Boris Nemsic über den Wirtschaftsstandort
Den Auftakt machte die Standortfrage. Ob Europa den Anschluss verloren habe, ob wir, wie es ein Moderator zitierte, schlicht „fucked“ seien? Ex-Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic, der Europas Mobilfunkindustrie einst an der Weltspitze erlebte, antwortete: „Wir sind frei, wir sind reich, wir sind eigentlich sehr erfolgreich.“ Die entscheidende Frage laute: „Was machen wir daraus?“ Als Hauptproblem benannte er die Regulierung und das Tempo: Die EU stocke ihre Technologie-Budgets erst ab 2028 auf, während relevante KI-Modelle im Abstand weniger Monate erscheinen. Sein Fazit: „No, we are not fucked yet, weil das ist das Vorspiel.“
Ex-Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic | (c) Standortagentur Tirol
„Beware the AI Wash“: Platz warnt vor der Blase
Tricentis-Co-Founder Wolfgang Platz widmete seine Keynote dem „KI-Tsunami aus Investorensicht“, von Deep Blue über AlphaFold bis zur Gegenwart. Seine Botschaft: Bei Startups, die sich als AI-Companies verkaufen, sei rund ein Drittel „nur Marketing, nur Schmäh“, nur sieben Prozent hätten ein echtes KI-Produkt. Auch auf Unternehmensseite sei die Bilanz ernüchternd. Laut einer MIT-Untersuchung holen nur fünf Prozent der Firmen, die massiv in KI investieren, tatsächlich etwas heraus. Sein Appell an die Angels: „Beware the AI Wash.“
Tricentis-Co-Founder Wolfgang Platz | (c) Standortagentur Tirol
Platz beschrieb zudem einen aus seiner Sicht überhitzten Markt, in dem sich das KI-Ökosystem gegenseitig finanziere und Bewertungen von den Umsätzen entkoppelt seien, samt persönlicher Konsequenz: Für 2027, wenn große Tech-Börsengänge ihre Sperrfristen verlieren, rechnet er mit Abverkaufswellen.
Zwölf Startups am Business Angel Summit
Die zwölf ausgewählten Startups deckten eine Bandbreite von GreenTech bis MedTech ab. Darunter Serwas: Das Startup entwickelte ein System, das Serverleistung bereitstellt und die dadurch entstandene Abwärme zum Heizen von Gebäuden nutzt. Eine Pilotanlage ist seit Frühjahr 2026 im Amraser Schwimmbad in Innsbruck installiert und soll durch die Wärmerückgewinnung sieben Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.
Beim Business Angel Summit 2026 trafen am 9. und 10. Juli nationale und internationale Investor:innen auf zwölf ausgewählte österreichische Startups | (c) Standortagentur Tirol
Außerdem mit dabei ist in diesem Jahr das österreichische Spin-off Thyra Imaging, das mit Unterstützung einer aws Preseed-Förderung und der MedUni Wien eine Methode zur frühen Detektion von Neuroinflammation über das Auge entwickelt hat. „Die Netzhaut ist ein direktes Fenster ins Gehirn – das ist die Grundlage unserer Technologie. Wir können Zellen und Mikrostrukturen sichtbar machen, die mit herkömmlicher Bildgebung unsichtbar bleiben. Unser Ziel ist es, neurologische Erkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen – nicht-invasiv und in wenigen Sekunden“, erklärt Mitgründerin Elisabeth Brunner.
Disclaimer: brutkasten war beim Business Angel Summit 2026 in Kitzbühel vor Ort. Die Übernachtungskosten wurden zum Teil von der Austria Wirtschaftsservice (aws) getragen.
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