01.06.2021

Guiding Light: Wiener NGO für soziale Tech-Nutzung kooperiert mit Massive Attack

Die Wiener NGO Guiding Light hat mit seiner Initiative im Sinne von "Tech for Good" zum Ziel neuartige und nachhaltige Technologien für soziale Zwecke einsatzbereit zu machen. Und arbeitet dabei mit prominenten Personen des öffentlichen Lebens und Künstlern zusammen.
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Guiding Light, Tech for Good, Massive Attack
(c) Alexander Gotter - Guiding Light-Director Christian Stiegler möchte den Zugang zu Technologien demokratisieren

Tech for Good ist eine globale Bewegung, die es sich mit der Wiener NGO Guiding Light zum Ziel gesetzt hat neuartige Technologien wie „Extended Reality“ (XR), „Artificial Intelligence“ (AI), Blockchain und „Robotics“ für gesellschaftlich relevante und soziale Zwecke einzusetzen. Sie besteht eigener Definition nach aus klassischen Einzelkämpfern im unternehmerischen Bereich, die mit nachhaltigen Geschäftsmodellen die Welt ein klein wenig besser machen möchten, bis hin zu Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Kultur, die in ihren jeweiligen Bereichen mit neuartigen Technologien Thematiken wie etwa Bildung, Klimawandel, Gesundheit und Gleichstellung Positives bewirken wollen.

Zentrum für Ethik und nachhaltige Technologien

„Guiding Light ist die erste internationale NGO für das Thema ‚Tech for Good‘ mit Sitz in Wien. Wir verstehen uns als Zentrum für Ethik und nachhaltige Technologien und haben in einer längeren konzeptionellen Vorarbeit drei Eckpfeiler unserer Tätigkeit definiert“, erklärt Director Christian Stiegler, der gemeinsam mit Co-Director Carina Zehetmaier, Mitgründerin und CEO von taxtastic, die Organisation leitet.

Mit „Residencies“ neue Technologien kennenlernen

„Wir möchten einerseits als Plattform für Einzelkämpfer fungieren und sind sozusagen der erste Orientierungspunkt für jene, die etwas in diesem Bereich bewegen möchten. Der klassische Leuchtturm eben, der Orientierung geben soll“, so Stiegler weiter. „Dabei ist es uns auch wichtig den Diskurs über Ethik, Recht und Nachhaltigkeit in Bezug auf neue Technologien einer Vielzahl von Menschen aus diversen Bereichen zugänglich zu machen. Das ist eine Debatte, die uns alle angeht, und die wir im Rahmen von Events, Workshops, und Seminaren möglichst vielen Zielgruppen näher bringen wollen. Diese ‚Workshops‘, die wir viel lieber ‚Residencies‘ nennen, sind eine völlig neue Erfahrung Technologien kennenzulernen. Sie sind niemals von oben herab – ein Experte kommt und erklärt die Welt -, sondern immer auf Augenhöhe, gegenseitigem Respekt und mit Verständnis für die gesellschaftlichen und sozialen Anliegen konzipiert.“

Lighthouse-Projekt

Der zweite Eckpfeiler umfasst die „Lighthouse“-Projekte. Hier geht darum Partner zu finden, die das „Gute“ in „Tech for Good“ repräsentieren. In erster Linie seien das laut Stiegler NGOs, karitativen Einrichtungen, Charity-Organisationen und auch Künstler wie Clara Blume oder Ex-Politiker Matthias Strolz, die bereits seit vielen Jahren mit Aktionen und Initiativen positiv auf die Gesellschaft einwirken, indem sie z.B. Menschen in Armut oder mit Beeinträchtigungen unterstützen, auf die Gefahren des Klimawandels hinweisen, oder obdachlosen Menschen Hilfsangebote eröffnen.

„Das sind aber ausgerechnet jene Institutionen, die am wenigsten mit Technologien wie AI oder XR zu tun haben. Es geht uns bei unseren Projekten also auch um das Thema ‚Empowerment‘ und um die Bemächtigung von Wissen und Einsatzmöglichkeiten“, so Stiegler weiter.

Ethische Leitlinien erstellen

Als dritter Eckpfeiler gelten ethische Leitlinien mit denen all jene unterstützt werden, die sich nachhaltig, verantwortungsbewusst im Umgang mit neuartigen Technologien aufstellen wollen. Stiegler dazu: „Wir glauben fest daran, dass das möglich ist und wir nur gemeinsam diese Leitlinien immer wieder neu überdenken, anpassen und reflektieren können. In zehn Jahren werden wir über neue Technologien sprechen und uns ihnen stellen müssen, aber die Fragen werden immer wieder relevant bleiben.“

Zuckerberg als Ideen-Katalysator für Tech for Good

Für Stiegler war es ein besonderer Moment, der die Idee zu „Tech for Good“ entfaltete. Er war rund zehn Jahre lang Professor für immersive Medien an Universitäten in UK und Deutschland gewesen. 2016 war Facebook-Gründer Mark Zuckerberg durch eine Menge, von hauptsächlich Journalisten, geschritten, die allesamt Virtual Reality-Headsets trugen.

„Er marschierte an ihnen vorbei, unbemerkt und hell erstrahlt im Scheinwerferlicht, während er dem Publikum seine Realität und Vision für Oculus durch die Headsets vorgab. Eine Realität, die er bzw. Facebook bestimmt hat. Das war eine enorme Machtdemonstration, die wir natürlich etwa von Google auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft beobachten können“, so Stiegler. „Ich hatte das Gefühl, dass sich hier etwas in eine falsche Richtung bewegt und wir gegensteuern müssten. Und ich habe sehr rasch viele Verbündete gefunden, die genauso dachten.“

(c) Zuckerberg/FB – Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei seiner „Machtdemonstration“.

Kurzum, Guiding Light will den Zugang zu Technologien demokratisieren und versteht sich als ein längst überfälliges Gegen-Narrativ zu den übermächtigen multinational agierenden Technologiekonzernen wie Google, Facebook und Amazon. „Das soll nicht heißen, dass diese Konzerne von Grund auf schlecht sind, nur weil sie wirtschaftlichen Zielsetzungen folgen. Aber die Macht neuartige – und daher bisher noch zu wenig reflektierte – Technologien zu nutzen, darf nicht nur in den Händen weniger liegen – und das ist derzeit der Fall“, so Stiegler weiter.

Fremdbestimmung durch Big Player

Diese Unternehmen würden dem Director nach nicht nur unseren Wirtschafts-, sondern auch unsere sozialen und kulturellen Räume bestimmen. Thematiken wie etwa Kommunikation, Identität, Demokratie und Datensicherheit hätten sich durch diese Global Player und wie sie Technologien einsetzen maßgeblich verändert.

„Sie geben tagtäglich den Weg vor welche Technologien wir nutzen und vor allem auf welche Weise wir das tun. Die Frage stellt sich also: Wie kann man eine breite Gesellschaft befähigen diese Technologien nicht nur zu verstehen, sondern sie auch dazu bemächtigen eigene, neue, und bessere Ideen zu entwickeln? Wie kann der Zugang etwa zu XR, Blockchain oder AI dezentralisiert gestaltet werden? Wie können unterschiedliche Communities diesen Zugang finden und befähigt werden Technologien für gesellschaftlich nachhaltige Zwecke einzusetzen? Und wie können wir garantieren, dass Debatten um Ethik und Nachhaltigkeit immer parallel dazu geführt werden, und niemals als abgeschlossen gelten?“, führt Stiegler die drängendsten Fragen unserer Zeit an.

Privilegien des weißen Mannes

Tech for Good und Guiding Light sind streng genommen Ansätze, die die Befähigung neue Technologien zu nutzen wieder zurück in eine diverse Gesellschaft führen möchte. Stiegler als weißer Cis-Mann mit den damit verbundenen Privilegien fühlt sich am wenigsten geeignet über Diversität zu sprechen. Seine Organisation lege aber großen Wert darauf die Gesellschaft in ihrer Vielfältigkeit auch im Bereich Technologie abzubilden.

„Meine Co-Direktorin Carina Zehetmaier ist etwa nicht nur Menschenrechtsaktivistin, sondern auch Präsidentin von ‚Women in Artificial Intelligence Austria‚. Wir arbeiten mit bestehenden Communities wie ‚Women in Immersive Tech, XR Vienna und The Female Factor und wollen insbesondere Frauen, BAME und ‚LGBTQ+ Communities‘ im Technologiebereich eine Plattform bieten, um ihre Ideen und Anliegen mit neuartigen Technologien umzusetzen. Wir sind fest davon überzeugt, wenn all diese Stimmen sich vereinen, dann haben wir tatsächlich die Möglichkeit etwas zu verändern“, sagt Stiegler.

Die Projektbereiche

In den kommenden Monaten werden die ersten „Lighthouse“-Projekte genauer vorgestellt. Mittlerweile haben sich aber bereits einige Bereiche herauskristallisiert, die für Tech for Good wesentlich sind. Darunter Augmented Reality, die laut Stiegler, Menschen in psychisch herausfordernden Krisensituationen Halt in ihrer vermutlich sonst sehr belastenden Umgebung ermöglicht: „Wir sind hier dabei gemeinsam mit karitativen Einrichtungen einen ersten Schritt zu ermöglichen, der den digitalen Erstkontakt weitaus persönlicher und immersiver gestaltet, als ein einfacher Chat das derzeit zu leisten imstande ist.“

Bei Blockchain geht es uns um die Dezentralisierung dieser Technologie, die derzeit in erster Linie einer Elite (mit Wissen und Kapital) zugänglich sei. Stiegler dazu: „Wir arbeiten hier mit einer spannenden Runde Künstlern zusammen, um dieses Modell neu und ‚eco friendly‘ zu denken und werden es in demnächst präsentieren.“

Klimakrise und Machine Learning

Ein weiteres Thema ist die Klimakrise, die man mit AI angeht: „Machine Learning kann in mehreren Einsatzgebieten angewendet werden, u.a. um CO2 zu reduzieren, energieeffiziente Gebäude zu bauen, die Abholzung unserer Wälder nachhaltiger zu denken, und nachhaltigere Transportmittel zu entwickeln. Auch hier haben wir tolle Partner gefunden, die in Guiding Light eine passende Plattform zur Umsetzung ihrer Projekte sehen“, so Stiegler weiter.

Vorträge von Menschenrechtsaktivisten über Musik gelegt

Guiding Light wird bei seinem Vorhaben Technologie für Gutes zu ermöglichen von diversen Künstlern unterstützt. Einer der namhaftesten ist die Band Massive Attack, die mit „Teardrop“ einen weltweiten Hit gelandet hat und einer breiten Masse bekannt ist. Zur Kooperation kam es, da Stiegler als Professor in Bristol, England, um den Einfluss der Musiker nicht herumkam. „Aber abgesehen davon, ich bin ein großer Fan und die Band ist sich seit vielen Jahrzehnten ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst, und arbeitet u.a. an einer klimaneutralen Form von Tourneen. Für ihre letzte Veröffentlichung ‚Eutopia‘ haben sie u.a. die Vorträge von Klima- und Menschenrechtsaktivisten über ihre Musik gelegt, um eine neue Zielgruppe mit diesen Themen zu erreichen“, sagt Stiegler.

Und führt aus: „Mit solchen Künstlern wollen wir kooperieren und es ist eine extrem große Ehre, dass Massive Attack mit uns arbeiten wollen. Zuviel darf ich noch nicht verraten, an was wir genau tüfteln, aber unser Anliegen ist es, das finale Ergebnis vielen karitativen Einrichtungen zugutekommen zu lassen und dadurch hoffentlich vielen Menschen ein besseres Leben ermöglichen zu können.“

Kooperationspartner von Guiding Light: Massive Attack und ihr Song „Teardrop“

Interessierte können sich über die Webseite bei Tech for Good melden, um die NGO zu unterstützen oder mitzumachen. Zu den nächsten Schritten der NGO gehört es ihr Zentrum stärker in Wien zu verankern – einer Stadt, die Stiegler aufgrund ihrer sozialen Komponente insbesondere in der EU für prädestiniert dafür erachtet, eine gemeinsame europäische Perspektive für den nachhaltigen Umgang mit Technologien zu entwickeln. „In einem weiteren Schritt und als längerfristiges Ziel wäre es sicher sinnvoll, wenn ‚Guiding Light‘ regional in unterschiedlichen Ländern verankert ist, um auch mit regionalen Partnern Projekte zu erarbeiten. Nur auf diese Weise kann man den Gedanken der Dezentralisierung voll und ganz leben“, sagt er und schließt bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Organisation mit einem Filmzitat ab: „Roads? Where we’re going we don’t need roads.“

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Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Der große kleine Startup-Standort

Wiens Strahlkraft zeigt sich auch bei den Unternehmensbewertungen: 82 Prozent der Wiener Startups knacken die 2,5-Millionen-Euro-Schwelle – gegenüber 70 Prozent im übrigen Land.

Solide klingt das aber nur an österreichischen Maßstäben gemessen; im Vergleich zum europäischen Kapitalmarkt bleibt viel Luft nach oben. Vom europaweiten VC-Boom (62 Mrd. Euro) blieb Wien 2025 weitgehend abgeschnitten. Das Paradoxon: Während die Stadt mit 86 Deals noch Platz 15 bei der Anzahl der Runden hält, offenbart das Volumen die reale Skalierungslücke – mit nur 179 Millionen Euro sammelten Wiener Startups weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts (378 Mio. Euro) ein.

Der direkte Vergleich: München und Stockholm

Der Kontrast zu Städten, die oft als direkte Wettbewerber oder Vorbilder genannt werden, ist drastisch. München verzeichnete 2025 bei 124 Deals ein Investitionsvolumen von 2,45 Milliarden Euro – fast das Vierzehn-fache der Wiener Summe. Und das, obwohl die bayerische Hauptstadt deutlich weniger Neugründungen als Wien ausweist: 192 im Jahr 2023, immerhin 290 im Jahr 2025.

Auch der Blick nach Norden unterstreicht die Diskrepanz: Stockholm, oft als Paradebeispiel für ein international ausgerichtetes Ökosystem genannt, zog im selben Zeitraum 1,42 Milliarden Euro an Risikokapital an, verteilt auf 137 Finanzierungsrunden.

Während Stockholm und München ihre Position als Milliarden-Hubs festigen, droht Wien bei der Wachstumsfinanzierung den Anschluss zu verlieren.

Städtische Unterstützung

Um das Ökosystem zu stärken, engagiert sich auch die Stadt Wien selbst auf mehreren Schienen. Treibende Kraft ist die Wirtschaftsagentur Wien: Sie förderte allein im vergangenen Jahr 1.177 Projekte mit insgesamt rund 48 Millionen Euro – 30 Prozent der Einreichungen stammten dabei laut Agentur von Gründer:innen und Startups. Die Wirtschaftsagentur ist es auch, die als Organisatorin hinter dem dezentralen Startup-Festival ViennaUP steht – von 18. bis 22. Mai finden im Rahmen des Festivals heuer rund 40 Startup-relevante Einzelevents zahlreicher Veranstalter statt, dazu kommen mehrere Side-Events anderer Player außerhalb des offiziellen Programms.

Konkretes Engagement zeigt die Stadt auch beim Schaffen von Infrastruktur: Neben den im Aufbau befindlichen Technologiezentren Life Science Center Vienna und AI Factory Austria ist aktuell ein Quantum Technology Center Vienna in Planung.

Risikokapital-Hauptstadt

Was für den gesamten österreichischen Startup-Sektor gilt, trifft auf den Bereich Risikokapital im Besonderen zu: Er ist auf Wien konzentriert. Die Hauptstadt beheimatet mehrere VC-Fonds von internationaler Bedeutung (allen voran Platzhirsch Speedinvest), aber auch mehrere Corporate-VCs und eine active Business-Angel-Szene. Das Kapital fließt aber keineswegs nur in heimische Startups und Scaleups – ein Überblick.

Wie viel Risikokapital von Wien aus verwaltet wird, lässt sich auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen nicht exakt beziffern. Fest steht: Die Hauptstadt ist auch unbestrittene Risikokapital-Hauptstadt. Mit Speedinvest, 3VC und Apex Ventures haben die drei größten privaten VC-Fonds des Landes ihren Sitz in Wien, dazu kommen mehrere kleinere Fonds wie calm/storm und Fund F. Auch die größten Corporate-VCs, konkret Verbund X Ventures und Elevator Ventures (Raiffeisen Bank International) arbeiten von Wien aus. Die mittlerweile inaktive Uniqa Ventures hatte ihren Sitz ebenfalls hier. Mit dem aws Gründungsfonds hat zudem der größte öffentliche VC seinen Sitz in der Donaumetropole. Komplettiert wird das Risikokapital-Angebot durch die aktive Business-Angel-Szene mit Aushängeschild Hansi Hansmann.

Aktive VCs und CVCs mit Sitz in Wien (Auswahl)

VC / CVCAuM (Schätzung)Volumen aktueller HauptfondsDetails
Speedinvest~ 1,2 Mrd. EUR350 Mio. EUR (Speedinvest 4)Europas größter Seed-Fonds. Breiter Branchenfokus, paneuropäisches Mandat.
3VC~ 200 Mio. EUR150 Mio. EUR (Fonds II)Größter Later-Stage-Fonds Österreichs. Investiert ab Series A in B2B-/B2C-Software (DACH und CEE).
APEX Ventures~ 150 Mio. EUR80 Mio. EUR (Zielvolumen Amadeus APEX Tech)Fokus auf Deeptech, AI, Quantum und Spacetech. Aktueller Hauptfonds gemeinsam mit der britischen Amadeus Capital aufgelegt.
aws Gründungsfonds~ 140 Mio. EUR72 Mio. EUR (Gründungsfonds II)Staatlich initiierter Co-Investor. AuM aus Alt-Fonds und aktuellem Fonds II in der Investmentphase. Nahezu 100 % Österreich-Fokus.
Elevator Ventures> 100 Mio. EUR70 Mio. EUR (EV II)Corporate VC der Raiffeisen Bank International. Aktiver Lead-Investor in Fintech und Cybersecurity in DACH und CEE.
calm / storm ventures~ 50 Mio. EUR27 Mio. EUR (Fund II)Kürzlich zweiten Fonds geschlossen. Sehr aktiver Early-Stage-Player in Healthtech und Femtech; Europa-Fokus.
Fund F~ 28 Mio. EUR28 Mio. EUR (Fund I)Pre-Seed- und Seed-Fonds der Female-Founders-Gründerinnen. Investiert in Startups mit mindestens einer Gründerin im Team.
Verbund X Ventureskein fixes Volumen (Evergreen)kein fixes Volumen (Evergreen)Keine klassische VC-Fondsstruktur. Investiert aus dem Budget des Energieversorgers in ganz Europa.

Internationale Ausrichtung

Die Bündelung des verwalteten VC-Kapitals in Wien bedeutet keineswegs, dass dieses Kapital auch zur Gänze heimischen Startups zur Verfügung steht: Mit Ausnahme des aws Gründungsfonds, der laut Mandat nahezu ausschließlich in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich investiert, sind die genannten Fonds international ausgerichtet. Bei den meisten privaten VCs liegt der Anteil österreichischer Startups im Portfolio bei oder unter zehn Prozent, bei den Corporate-VCs knapp darüber. Genaue Zahlen liefert Speedinvest: Das Gesamtportfolio umfasst laut eigenen Angaben zuletzt 298 aktive Investments in 40 Ländern mit klarem Schwerpunkt in Europa. Genau 30 Portfolio-Unternehmen – also rund zehn Prozent – haben ihren Sitz in Österreich.

Spinoff-Boom in Progress

Neun öffentliche Universitäten und fünf Fachhochschulen sind nur der Kern: Mit rund 200.000 Studierenden ist Wien der größte Hochschulstandort im deutschsprachigen Raum. In der Forschung gehören die Wiener Unis in mehreren Fachbereichen zur Weltspitze – bei der Überführung von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft gibt es allerdings noch viel Potenzial. Dabei betreiben mehrere Universitäten seit Jahren Programme zur Förderung von Spinoffs, etwa die TU Wien mit i²c, die WU Wien mit dem Gründungszentrum, die Uni Wien mit u:seed oder die Universität für Bodenkultur mit „[sic!]“.

Zuletzt wurden die Strategien an mehreren Häusern noch deutlich ausgebaut. Die TU etwa definierte Spin-offs als zentralen Baustein der Strategie, etablierte eine Spinoff Factory und initiierte gemeinsam mit Speedinvest den Fonds Noctua Science Ventures. Das erklärte Ziel von Rektor Jens Schneider: 30 bis 50 Spinoffs pro Jahr. Die WU wiederum wurde mit Ignite Ventures selbst zum Frühphasen-Investor und vergibt kleine Tickets an Ausgründungen des Hauses.

Internationale Krypto-Anziehungskraft

Dass die Hauptstadt ein gutes Pflaster für den KryptoBereich ist, hat Österreichs am höchsten bewertetes Scaleup ein drücklich bewiesen: Als Kryptobroker gestartet bietet Bitpanda mittlerweile ein deutlich breiteres Portfolio – der Handel mit Bitcoin und Co samt B2BAngeboten für internationale Banken und Fintechs bleibt aber das Kern geschäft. Den formellen Hauptsitz hat das Wiener Unicorn zwar vor einigen Internationale Krypto-Anziehungskraft Jahren in die Schweiz verlegt, operatives Zentrum bleibt aber die Zentrale im zweiten Wiener Bezirk.

Bitpanda ist längst nicht mehr allein: Mehrere große internationale Kryptoanbieter haben in den vergangenen Jahren ihre EU-Headquarters in Wien eröffnet – konkret die in Asien gegründeten Plattformen KuCoin, Bybit und Bitget, die alle drei zu den größten der Welt zählen. Sie profitieren am Standort von zwei Faktoren: erstens vom attraktiven Angebot an qualifiziertem Personal, zweitens von guten regulatorischen Voraussetzungen. Um in der EU aktiv sein zu dürfen, brauchen die Plattformen seit Ende 2024 eine Lizenz gemäß der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR). Die in Österreich zuständige Finanzmarktaufsicht (FMA) gilt dabei als streng und EU-weit angesehen, gleichzeitig aber auch als kooperativ bei der Erarbeitung der für die Lizenz notwendigen Voraussetzungen.

Stärkefeld Life Sciences

Wien beherbergt laut der Clusterplattform LISA-vienna 754 Life-Sciences-Organisationen, darunter 646 Unternehmen sowie 19 renommierte Forschungs- und Bildungseinrichtungen mit insgesamt über 49.000 Beschäftigten. Obwohl die Stadt nur rund 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung ausmacht, vereint sie mehr als die Hälfte des heimischen Life-Sciences-Sektors. Die jährlichen Umsätze lagen 2023 laut Vienna Life Science Report 2024/25 bei rund 22,7 Milliarden Euro, der Großteil davon in Biotech und Pharma.

Wiens Innovationskraft basiert maßgeblich auf der starken akademischen Landschaft: 2023 veröffentlichten die Forschungs- und Bildungseinrichtungen der Stadt rund 8.800 wissenschaftliche Arbeiten, über 34.000 Studierende waren in Life-Sciences-Studiengängen eingeschrieben. Gleichzeitig treibt eine aktive Startup- und Scaleup-Szene Innovationen voran – von der Wirkstoffentwicklung bis zu KI-basierten digitalen Lösungen im Gesundheitswesen. Investitionen, Finanzierungsrunden und Deals wie Lizenzvereinbarungen oder Übernahmen erreichen jährlich regelmäßig ein Volumen im dreistelligen Millionenbereich.

Zentraler Hub für die Branche ist das von der Stadt initiierte Life Science Center mit Schwerpunkt auf der Verbindung von Life Sciences und KI, für das auch ein Komplex im dritten Bezirk errichtet wird. Dort ist auch AITHYRA angesiedelt, ein Institut für biomedizinische künstliche Intelligenz in Kooperation mit der Boehringer-Ingelheim-Stiftung.

KI-Hub ohne große Namen

Die Bundeshauptstadt hat schon im vorigen Jahrzehnt einige KI-Pioniere hervorgebracht. Die Ironie der Geschichte: Viele davon haben das Aufkommen der Large Language Models nicht überlebt, weil ihre über Jahre entwickelten Technologien davon überholt wurden. Gleichzeitig hat die KI-Revolution der vergangenen Jahre eine Reihe neuer, teils schnell wachsender Unternehmen hervorgebracht. Player von internationalem Rang oder gar Herausforderer der US-Riesen sucht man in Wien aber nach wie vor vergeblich.

Dabei ist die Stadt durchaus um die Förderung des KI-Sektors bemüht. Geschaffen wurde etwa die AI Factory Austria, die mit dem AI:AT Coworking Hub auch als zentrale Anlaufstelle für die heimische KI-Szene fungieren soll. Startups bekommen dort unter anderem Zugang zu Supercomputern und Unterstützung bei der internationalen Vernetzung.

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